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„Hätt ich Siebenmeilenstiefel, da wüßte ich, was ich täte!“
Ein Leben auf Reisen. Ausstellung zum 150. Todestag von Georg Weerth

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek
vom 16. Juni bis 15. September 2006

→ Führer zur Ausstellung (als PDF, 1,7MB)

„Es muß hinausgegangen sein. Hätt ich Siebenmeilenstiefel, da wüßte ich, was ich täte!“

Diesen Satz schrieb Georg Weerth am 31. Mai des Jahres 1843 an seine Mutter. Da lebte er als Handelskorrespondent in Bonn und überlegte, welche Freizeitunternehmung er sich für die bevorstehenden Pfingstfeiertage vornehmen sollte. Seinen Geburtsort Detmold hatte der unternehmungslustige junge Mann schon lange verlassen; als Vierzehnjähriger hatte er 1836 eine Lehre in Elberfeld angefangen, und seit 1839 bereits war er im kaufmännischen Bereich berufstätig.
 
Ende 1843 übersiedelte Weerth in die englische Industriemetropole Bradford, das Zentrum der globalen Textilwirtschaft, dessen soziale Verhältnisse ihn rapide politisierten. Mit seinen sozialkritischen Gedichten und Prosaarbeiten aus dieser Zeit eroberte er sich bleibenden Ruhm als geistreicher Satiriker.

Und seither war er eigentlich immer auf Reisen – nicht nur im nordenglischen Industrierevier, sondern auch in Belgien, Frankreich und den Niederlanden, als Handelsvertreter wie als Kurier der deutschen Exilkommunisten, im Paris der Februarrevolution von 1848 und im Deutschland der Revolution von 1848/49.

„Diese Revolution wird die Gestalt der Erde ändern“, hoffte er, und enttäuscht vom Scheitern dieser Hoffnung zog er sich die Siebenmeilenstiefel dann wirklich an und erkundete in großen Schritten ferne Länder. Für seine englische Textilfirma bereiste er im Nachmärz Spanien und Portugal.

„Europamüde“ weitete er seine ausgedehnten Geschäftsreisen nach Lateinamerika aus, bis er im Juli 1856 innerhalb weniger Tage einer gefährlichen Form der Malaria erlag, die er sich auf Haiti eingefangen hatte.

Die Ausstellung der Lippischen Landesbibliothek macht mit diesem interessanten Leben auf Reisen bekannt und stellt den Schriftsteller Georg Weerth als ausgesprochen modernen Zeitgenossen vor.