VII. „Endlich wohl zieh’ ich vom Leder“

Freiligraths zweites Londoner Exil 1851-1868

Im Mai 1851 bezieht Freiligrath eine Wohnung in Hackney, einer Vorstadt von London.

Im Juni 1852 tritt er eine Stelle im Büro des Londoner Großhandelsgeschäfts von Joseph Oxford an.

1853 gibt Freiligrath eine Anthologie englischsprachiger Lyrik The rose, thistle and shamrock heraus. Ein Jahr später folgt mit dem Sammelband Dichtung und Dichter ein Querschnitt durch die deutsche Literatur. Die eigene Lyrikproduktion stagniert.

Im Juni 1856 übernimmt Freiligrath die Leitung der Londoner Filiale der Schweizer Generalbank. 1857 erscheint seine Übersetzung von Longfellows Hiawatha.

Freiligrath nimmt 1859 gemeinsam mit Gottfried Kinkel an der Schillerfeier der deutschen Emigranten in London teil. In diesem Jahr kommt es zum Streit mit Marx. Anfang 1860 konstatiert Freiligrath unmissverständlich, nicht mehr zur Partei zu gehören. Das persönliche Verhältnis zu Marx bleibt distanziert freundlich.

Freiligrath verliert 1865 seine Stellung bei der Schweizer Generalbank, da die Londoner Filiale geschlossen wird.

131
Ida Freiligrath, geb. Melos, Photographie von C. SILVY, London, 1862
FrS B 31

132
Ferdinand Freiligrath, Photographie von C. SILVY, London, 1862
FrS B 17

133
Die Börse in London, Stahlstich, Hildburghausen, 1844
B 8/8 W

134
The Port of London, Stahlstich, gezeichnet von WILLIAM HENRY BARTLETT, gestochen von ROBERT SANDS, 1879
FrS B 136

135
BAEDECKER, KARL: London und seine Umgebung nebst Reiserouten von Continent nach England und zurück : Handbuch für Reisende. – Coblenz: Baedecker, 1862. – XLVI, 332 S. : zahlr. Ktn.
K 693
Freiligraths erster Wohnsitz befand sich in Hackney, einem nordöstlichen Vorort Londons.

136
FREILIGRATH, FERDINAND: Sämmtliche Werke : vollständige Original-Ausgabe. – Bd. 1-6. – New York: Gerhard, 1858-1859.
FA 1.1858
Bei dieser von dem deutschstämmigen Verleger Frederick Gerhard in New York veranstalteten ersten Gesamtausgabe Freiligraths während dessen Exils in London handelt es sich um eine nicht vom Autor autorisierte Ausgabe. Die Hintergründe, die zur Drucklegung führten und die Druckgeschichte sind noch nicht hinreichend erforscht.

137
BRANDES, HEINRICH KARL: Ausflug nach England im Sommer 1851. – Lemgo, Detmold: Meyer, 1855. – 72 S., Kt.
K 694 →Hier online.

Der Rektor des Lemgoer Gymnasiums bereiste England und besuchte in London die Weltausstellung. Ob er, wie Carl Weerth, der ebenfalls im Sommer 1851 in London weilte, mit Freiligrath zusammengetroffen ist, bleibt unerwähnt.

138
FERDINAND FREILIGRATH, „Für’s Schwarze Land“, eigenhändiger Gedichtentwurf, Bleistift mit zahlreichen Korrekturen, Weihnachten 1866. – 1 Bl., 2 S.
FrS 172

139
FERDINAND FREILIGRATH, „Nadel und Draht. Eine Stimme vom Great Eastern“, eigenhändiges Gedichtautograph mit Unterschrift. – 1 Bl., 2 S.
FrS 419

140
FERDINAND FREILIGRATH, eigenhändiger Brief mit Unterschrift an Ludwig Merckel in Varenholz, dat. London, 2. Februar 1857. – 2 Dbll., 7 S.
FrS 56
Freiligrath nimmt den seit den frühen 1840er Jahren abgerissenen Kontakt zu seinem Schulfreund Ludwig Merckel, jetzt Pfarrer in Varenholz, wieder auf und gibt diesem einen kurzen Abriss seines Lebens seit seiner Verheiratung 1841. Im Politischen hält er an seiner Überzeugung fest, für die Freiheit einzutreten, dies aber mit einer toleranten, nicht mit einer fanatischen Gesinnung.

141
FERDINAND FREILIGRATH, eigenhändiger Brief mit Unterschrift an Levin Schücking in London, dat. London, 29. Mai 1862. – 1 Dbl., 2 ½ S.
FrS 381

„… Du bist in London, u. ich würde von Herzen dankbar sein, wenn Du mir die Gelegenheit geben wolltest, Dich zu sehen, u. Dir selbst zu wiederholen (…) – wie sehr ich es nämlich beklage, dass Mißverständnisse u. Zufälligkeiten einen Riß in unser Verhältnis gebracht haben, …“

142
FREILIGRATH, FERDINAND: Für Julius Mosen : eine Stimme aus dem Exil (Februar 1863). – Leipzig: Trübner, 1863. – 4 Bl. – Mit eigenhänd. Widmung an Carl Weerth.
FrS E 56
Der Jurist, Schriftsteller und Dramaturg Julius Mosen (1803-1867) litt seit 1846 an einer schweren rheumatischen Krankheit, die ihn fast die beiden letzten Lebensjahrzehnte ans Bett fesselte. Freiligrath und andere setzten sich für die Herausgabe einer Gesamt-ausgabe Mosens ein und warben für deren Subskription. Die Initiative hatte Erfolg; noch im gleichen Jahr erschienen die „Sämtlichen Werke“ in Mosens Wahlheimat Oldenburg.

143
MOSEN, JULIUS: Sämmtliche Werke. – Bd. 1-8. – Oldenburg: Schmidt, 1863.
A 803b.1.1

144
FERDINAND FREILIGRATH, eigenhändiger Brief mit Unterschrift an den Journalisten Friedrich Kapp in New York, dat. London, 28. Februar 1863. – 1 Dbl., 4 S.
FrS 507
Freiligrath bittet Kapp, den er bereits aus seiner Barmer Zeit kannte und der zu den radikalen Frühsozialisten der 48er Bewegung zählte, um Subskription der Gesamtausgabe Julius Mosens und bei den Deutschen in Amerika dafür zu werben. Er hätte bereits 150 Subskribenten gewonnen und hofft auf etwa das Doppelte zu kommen.

145
Gottfried Kinkel, Stahlstich, gestochen von THEODOR KÜHNER, um 1850
FrS B 146

146
Ferdinand Freiligrath, Photographie von C. SILVY, London, 1862
FrS B 15

147
Ferdinand Freiligrath, Photographie von C. SILVY, London, 1862
FrS B 16

148
Henry Wadsworth Longfellow, Stahlstich von WILLIAM HENRY MOTE, London, Bogue, 1851
FrS B 97

149
Samuel Taylor Coleridge, Lithographie nach einem Gemälde von PETER VAN DYKE, 1840
FrS B 112

150
Felicia Hemans, Radierung, gezeichnet von WILLIAM EDWARD WEST, gestochen von WILLIAM HOLL,1837
FrS B 110

151
Alfred Tennyson, Stahlstich, London, W. Kent (late David Bogue), 1850
FrS B 98

152
FERDINAND FREILIGRATH, „Die zwei Schwestern (Wir waren zwei Töchter aus Einem Haus…)“, Übersetzung nach Alfred Tennyson, eigenhändiges Gedichtmanuskript mit Unterschrift, 1859. – 1 Bl., 2 S. – Beil.: Briefumschlag von Freiligrath eigenh. adressiert an „Herr Dr. Hoffmann von Fallersleben / Weimar / Großherzogthum Sachsen“. Innen trägt der Umschlag die Worte: „Mit den treusten Grüßen! Bald Brief! FFth“. Notiz [von Hoffmann] auf Adressseite: „London 7. Nov. 1859, ohne Brief“
FrS 588

153
The Poems of Samuel Taylor Coleridge. – Ed. by DEWENT and SARAH COLERIDGE. With a biographical memoir of FERDINAND FREILIGRATH. – Leipzig: Tauchnitz, 1860. – XLV, 344 S. – (Collection of British Authors ; 512)
FA 19.1860
Auf dem Umschlag eigenhändige Widmung Freiligraths: „Seinem lieben Freunde Adolf Strodtmann mit treuen Grüßen. 16.12.[18]69. F. Fth.“

154
FERDINAND FREILIGRATH, „Gedichte von Felicia Hemans. Uebersetzt von F. Freiligrath“; eigenhändige Niederschrift [Fragment]. – 1. Die Zugvögel, 2. Der Sonnenstrahl, 3. Nachtlied zur See, 4. Lied der Auswanderer. – Undat. – 2 Dbll., 8 S.
FrS 186

155
Englische Gedichte aus neuerer Zeit. Nach Felicia Hemans, L[aetitia] E[lizabeth] Landon, Robert Southey, Alfred Tennyson, Henry W[adsworth] Longfellow und Anderen [übers. u. hrsg.] von FERDINAND FREILIGRATH. – Stuttgart, Tübingen: Cotta, 1846. – X, 415 S.
FA 27.1846

156
FERDINAND FREILIGRATH, eigenhändige Niederschrift seiner Übersetzung von Henry W[adsworth] Longfellow „An ein altes dänisches Liederbuch“ [Fragment]. – Auf S. 4 Schluß der Übersetzung „Friedensmarseillaise“ von Alphonse de Lamartine. – Undat. – 1 Dbl., 3 S.
FrS 161

157
Der Sang von Hiawatha. – Von HENRY WADSWORTH LONGFELLOW. Übersetzt von FERDINAND FREILIGRATH. – Stuttgart, Augsburg: Cotta, 1857. – XVI, 316 S.
FA 27.1857

158
The Rose, Thistle and Shamrock : a selection of English poetry, chiefly modern, by Ferdinand Freiligrath. – Stuttgart: Hallberger, 1853. – XXVII, 638 S.
FA 17.1853

159
FERDINAND FREILIGRATH [Gedichte, Auswahl mit biogr. u. erl. Text]. Mit Portrait. – Cassel: Balde, 1852. – 116 S. – (Moderne Classiker ; 7)
FA 1.1852

160
FERDINAND FREILIGRATH, eigenhändiger Brief mit Unterschrift an Carl Weerth in Detmold, dat. London, 5. Januar 1861. – 1 Dbl., 4 S.
FrS 240
Der Lehrer und Leiter der Naturhistorischen Sammlungen Carl Weerth (1812-1889) hatte Freiligrath Anfang 1860 gebeten, in London, dem „Welteinkaufszentrum für überseeische Naturalien“, u.a. nach dem Preis für ein Löwenfell für sein Naturhistorisches Museum in Detmold zu forschen. Freiligrath holte die entsprechenden Informationen ein, beschaffte eine Löwenhaut und sandte diese direkt an einen Präparator in Stuttgart. Die Vorstellung Weerths, den „Löwenritt“ Freiligraths (Löwe auf dem Rücken einer Giraffe) nachzustellen, ließ sich allerdings nicht umsetzen.

161
Diplom zur Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Naturwissenschaftlichen Verein im Fürstentum Lippe für Ferdinand Freiligrath, dat. Detmold, 11. September 1861, mit eigenhändigen Unterschriften der Vorstandsmitglieder Dr. Kirchner, von Cölln, A. Overbeck und dem Sekretär Wasserfall. – Papier, aufgezogen auf Holzrahmen
Ohne Sign.
Für seine Verdienste um die Beschaffung von Tierpräparaten, Fossilienabgüssen und in Anerkennung seiner Lebensleistung wurde Freiligrath als Ehrenmitglied in den Natur-wissenschaftlichen Verein aufgenommen. Erstaunlicherweise hatte man ihn in den nächst folgenden Mitgliederverzeichnissen von 1869 und 1873 unter den Ehrenmitgliedern schlichtweg vergessen.

162
Carl Weerth, Daguerreotypie, um 1851
B 2 W (G)