Auch über 80 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus finden sich in Museen, Archiven und Bibliotheken Objekte, die ihren Eigentümer*innen während der NS-Herrschaft unrechtmäßig entzogen wurden. Diese Kulturgüter zu identifizieren und an die Erbberechtigten der rechtmäßigen Eigentümer*innen zurückzugeben, ist die moralische Verpflichtung aller öffentlichen Kulturinstitutionen der Bundesrepublik.
Dieser Verantwortung nimmt sich die Lippische Landesbibliothek mit einem durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste und das Land Nordrhein-Westfalen geförderten Provenienzforschungsprojekt an. Ziel des zunächst einjährigen Projekts ist es, insbesondere die sog. „Zeitgeschichtliche Sammlung‟ zu untersuchen. Dieser Bestand war von Bibliotheksdirektor Dr. Eduard Wiegand (1893–1979) zwischen 1936 und 1944 zusammengetragen worden. Wiegand war ein überzeugter Nationalsozialist, der die Bibliothek an der nationalsozialistischen Ideologie ausrichtete und für seine „Zeitgeschichtliche Sammlung‟ nicht nur Schriften der NSDAP und ihrer Gliederungen zusammentrug, sondern sich auch Material von „Gegnern‟ des Nationalsozialismus wie etwa Gewerkschaften, Freimaurerlogen, jüdischen Institutionen und Privatpersonen aneignete. Ausgehend von diesem Bestand mit 7.228 Titeln werden die Zugänge an Druckschriften (Bücher, Zeitschriften, Flyer usw.) in den Jahren 1933–1945 auf NS-Raubgut untersucht. Bei vorbereitenden Recherchen wurden bereits Druckschriften festgestellt, bei welchen ein begründeter NS-Raubgut-Verdacht besteht.
Und: Sie als Nutzende der Lippischen Landesbibliothek sind zur Mitarbeit eingeladen. Wenn Ihnen in Büchern mit einem Erscheinungsjahr vor 1945 Provenienzspuren, also z.B. Exlibris, Stempel, handschriftliche Besitzvermerke oder Ähnliches auffallen, die Sie für verdächtig halten – lassen Sie es uns wissen!
Text: Antonia Reck; Foto: Zugangsbuch „Zeitgeschichtliche Sammlung“ 1942
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