10. Juni 2021 | Blog Digitalisierung | Heidi Köhler

Jetzt digital: Johanna Beckmanns meisterhafte Scherenschnitte

Der Lippischen Landesbibliothek wurden 1942 acht Bücher der 1941 verstorbenen Scherenschnitt-Künstlerin Johanna Beckmann als Geschenk überlassen. Anlässlich ihres 80. Todestages sind diese Bücher jetzt auch als Digitalisate bei uns zu finden.
https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/nav/classification/766239?&facets=name%3D%22Beckmann%2C%20Johanna%22
Johanna Beckmann wird am 3. Mai 1868 auf Gut Butterholz in Brüssow in der Uckermark in Brandenburg geboren. Ihre Eltern Wilhelm Eduard Beckmann (1837-1892) und Charlotte Marie Beckmann, geb. Bergell (1836-1892) sind Pächter des Gutes. Die Familie zieht bald um in die Kleinstadt Burg Stargard im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Dort verbringt Johanna Beckmann zusammen mit ihrer älteren Schwester Margarete ihre Kindheit.

Der Ort Burg Stargard hat für die Künstlerin zeitlebens eine große Bedeutung. Die Schwester ist dort Lehrerin in der Stadtschule. Im Frühjahr und im Herbst ist Johanna Beckmann häufig dort und beschäftigt sich mit Naturstudien für ihre Scherenschnitte.

Mit siebzehn Jahren beginnt Johanna Beckmann in Berlin eine Ausbildung. Sie besucht die Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums, die Königliche Kunstschule (die sie als prämierte Schülerin verlässt) und die Zeichenschule des Lette-Vereins. 1889 beendet sie ihre Ausbildung mit einem Examen als Zeichenlehrerin. Anschließend arbeitet sie ein Jahr in ihrem Beruf an der Kunstgewerbeschule in Stettin, danach im Kunstgewerbemuseum in Berlin.

Wegen ihrer herausragenden Fähigkeiten wird sie 1891 vom Direktor der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) Prof. Alexander Kips als Gestalterin und Silhouetten-Malerin angeworben und arbeitet dort über zwanzig Jahre.

Zunächst befasst sich Johanna Beckmann mit verschiedenen künstlerischen Techniken: Porzellanmalerei, Pflanzenzeichnungen, Mustervorlagen für kunstgewerbliche Arbeiten (Dekore für Porzellan, Tapeten, Fliesen). Erst im Laufe der Zeit konzentriert sie sich auf den Scherenschnitt und fällt vor allem durch ihre meisterhaften Pflanzenillustrationen auf. Darüber hinaus hat Johanna Beckmann eigene Texte geschrieben und illustriert, eine eigene Schrift entworfen und sich um eine ästhetisch anspruchsvolle  Gesamtgestaltung ihrer Bücher bemüht.
Sie hat Erfolg. 1895/96 gibt es eine erste Ausstellung ihrer Werke im Kunstsalon Eduard Schulte in Berlin. Ihre Scherenschnitte erscheinen in Kinder-, Jugend- und Unterhaltungszeitschriften („Westermanns Monatshefte“, „Über Land und Meer“, „Gartenwelt“ u.a.) und ab 1905 veröffentlicht sie fast dreißig Bücher, in denen sie überwiegend eigene  Gedichte mit ihren Scherenschnitten illustriert. Acht dieser Bücher können sie in der Lippischen Landesbibliothek ausleihen oder in digitalisierter Form ansehen.

Ihre „schwarze Kunst“ (der Titel eins ihrer Bücher, in dem sie die Scherenschnitt-Technik erläutert) schmückt u.a. Märchenbücher der Brüder Grimm und Hans Christian Andersens sowie Texte von Johann Wolfgang von Goethe, Joseph von Eichendorff und Theodor Storm.  

Johanna Beckmann reist nach England und Skandinavien und erhält 1913 ein Rom-Stipendium. Ihre Werke werden prämiert, ihr Name wird in verschiedene Lexika aufgenommen, ihre Bücher verkaufen sich gut, sogar eine neu gezüchtete Pelargonienart wird nach ihr benannt. Dass Johanna Beckmann nicht nur „Silhouetten-Schneiderin“ ist, sondern auch in anderen künstlerischen Techniken versiert ist, zeigt das Bild einer Begonienart aus der Zeitschrift „Gartenwelt“ von 1917.
 
Nach dem Ersten Weltkrieg enden die erfolgreichen Jahre für die Künstlerin. Sie gerät zunehmend in Vergessenheit und materielle Not. Das Interesse an ihren Scherenschnitten schwindet; eine fortschreitende Augenkrankheit erschwert ihre Arbeit und sie muss ihre Anstellung in der KPM aufgeben. Sie veröffentlicht weiterhin Bücher und versucht, ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf ihrer Motive für Briefpapier, Postkarten, Exlibris u.a. zu verdienen, hat damit aber keinen großen Erfolg.

Johanna Beckmann stirbt am 8. Februar 1941 mit 72 Jahren im Berliner Virchov-Krankenhaus. Sie wird am 13. Februar auf dem städtischen Friedhof in Burg Stargard beerdigt, wo man ihr Grab bis heute besuchen kann.
Ergänzend zu den Büchern von Johanna Beckmann gibt es in der Lippischen Landesbibliothek eine Biographie über die Künstlerin: „Johanna Beckmann – Die Meisterin des Scherenschnitts“ von Gudrun Mohr (Berlin, 2016, Signatur: KDEB 128).

Literatur


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