Bandel führt in den Jahren 1834 bis 1836 Arbeiten im Königreich Hannover aus, etwa im Schloss in Hannover oder an der Aula in Göttingen. Seine bisherigen Arbeiten ermöglichen der Familie ein gutes Auskommen: „Ich hatte mir (bis hierhin) ein schönes Vermögen erworben“. Er wendet sich 1837 entschlossen seinem Lebensprojekt zu, dem deutschen Volk ein Mahnmal zur nationalen Einheit zu bauen.
In Lippe auf der Grotenburg findet er den passenden Standort für das Hermannsdenkmal und erhält die fürstliche Erlaubnis zum Bau. In Detmold gründet sich der Denkmalsverein, besetzt aus den Spitzen der lippischen Verwaltung. Nationale Begeisterung führt deutschlandweit zu weiteren Vereinsgründungen, die Spenden für den Bau einwerben.
Doch die Stimmung zum Denkmal dreht sich im Vormärz. Die Zusammenarbeit mit dem Verein ist zerrüttet, und Bandel fasst deprimiert an seinen Freund Crola zusammen: „Ich habe hier in Detmold keinen Freund“. Das eigene Vermögen ist aufgebraucht, die Zukunft zunächst ungewiss. Als die Familie Bandel sich 1846 nach Hannover wendet, hat sie 300 Taler Schulden. Äußerungen im Briefwechsel der Eheleute Bandel verdeutlichen, unter welchem (finanziellen) Druck die Familie in dieser Zeit steht.
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Brief, Karolina von Bandel an Ernst von Bandel, Detmold 8.10.1843
Ba H 11/35, Blatt 1v und 2r
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Brief, Ernst von Bandel an Hermann Uhde, 22.11.1875
Ba H 6/33 Blatt 2r
Im Zuge der Vorbereitung seiner Autobiographie listet Bandel seinem Freund Hermann Uhde die Erträge auf, die er im Laufe seines Lebens durch seine Arbeiten verdiente. Deutlich wird, dass sein angespartes Vermögen bis zur Fertigstellung des Denkmalsockels verbraucht war. Bandel verließ Detmold verschuldet in Richtung Hannover.
Transkription
Vom Jahre 1828-1833 in 6 Jahren erarbeitete ich mir 17,000 Gulden, da sollte ich für die Glyptothek 6 große Marmor Statuen nach Haller und 12 Sandstein Figuren nach Schwanthaler zur Ausführung übernehmen, auf des Königs Antrag. Ich reiste von München ab gen Teutoburg; meinem Gedanken eines Armin Denkmals näher zu kommen zuerst nach Berlin; weiter nach Hannover, wo ich so reichlich Beschäftigung erhielt, daß ich in 3 Jahren an 11,000 Thaler erarbeitete. Mit König Wilhelms Todte hörten die Bestellungen in Hannover auf und ich gieng nun mit einer schönen ersparten Summe an die Ausführung meines Armin Denkmals; in 8 Jahren bis 1846 erhielt ich Summen durch Erbschaften und durch Marmorarbeiten, nach Vollendung des Unterbaues des Denkmals hatte ich aber 300 Thaler Schulden. Ich zog nach Hannover und konnte dort mir nur so viel erarbeiten, neben einer bayerschen Staatspension, von 100 Thalern, die ich vom Jahre 1827 bis 1849 nicht erhalten hatte, vom letzten Jahre an wieder erhielt, eben nur durchzukommen, deshalb, weil ich wegen meiner Arbeit an der Arminstatue keine weiteren Arbeiten überkam, berechnete ich mir, nachdem ich im Kupfertreiben Fertigkeit erlangt, aus der Hermanns Casse einen Gesellenlohn von 1 Thaler pro Arbeitstag; später in Detmold bei Aufstellung der Figur pro Arbeitstag, wenn ich mitarbeitete 1 1/3 Thaler, da ich in den Wochenrechnungen für mich doch nicht weniger wie meine Arbeiter aufrechnen konnte.
43
„Bericht über das Hermannsdenkmal“
der auf ein kritisches Schreiben des Detmolder Denkmalvereins im Lippischen Regierungs- und Anzeigenblatt reagiert
Hannover, im Januar 1870
Ba H 15/7
Bandels Zusammenarbeit mit dem Detmolder Verein war konfliktreich. Es gab besonders zwei Punkte der Auseinandersetzung: Bandel fand, dass der Verein in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und damit Spendensammeln nicht genug tue. Der Verein hielt Bandel vor, dass er sich grundsätzlich nicht an vereinbarte Budgetrahmen halte und zu viel Geld ausgebe.
Transkription
Seite 2
Was soll der Vorwurf, daß ich keinen Voranschlag eingehalten da ich nicht verpflichtet war einen zur Richtschnur meines Handels zu stellen, und konnte ich keinen geben, da ich den Willen hatte noch während der Arbeit mein Werk durch Aenderungen zu bessern und ist dadurch auch eine Vergrößerung des ganzen Denkmals erwachsen. Der Voranschlag, den ich nachdem ich, nach Vollendung des Unterbaus, die Größe der Armin Statue genau bestimmen konnte, gegeben, ist bislang nicht überschritten.
Wenn der Verein in Detmold im Jahr 1846 Schulden gemacht hat, so war das ihm wohl leichter und angenehmer als eine enge Berührung mit dem großen Deutschen Volke zu erhalten, die ein Schulden machen verhütet haben würde.
Was der Detmolder Verein bis 1846 gethan sagt der Bericht, er verschweigt, daß ich im Jahr 1852 die Arbeiten ins Große wieder aufnehmen wollte und daß ich bis zum Jahre 1860 so thörigt war mit ihm zu unterhandeln wegen Wiederaufnahme seiner Thätigkeit für mein Schaffen und daß er in dieser Zeit seine Hülfe nur dann in Aussicht gestellt hatte, wenn ich mich seinen maaßgebenden Bestimmungen unterstellt hätte. In dieser Zeit hat dieser Verein ohne mein Wissen all meine Vorkehrungen zur Weiterarbeit zerstört, die Werkräume niedergerissen, den Kupfervorrath verkauft kurz Schicht gemacht, als wenn mein Werk vollendet wäre. Das waren des Detmolder Vereins Thaten für das Denkmal in seiner vierzehn jährigen Sorgenzeit.
Seite 3
Man sollte über Dinge von denen man keine Kenntnisse hat und um die man sich nicht bekümmerte, nicht berichten, so ist der Kostenansatz im Bericht über die bis jetzt gefertigten Kupferarbeit rein aus der Luft gegriffen. Die 6 Herren müssen einen absonderlichen Begriff davon haben, und annehmen, daß man mit den Händen allein, Sommer und Winter unter freiem Himmel schmieden, daß man die Kupfertheile in die Luft befestigen könne etc. und ist es zu verwundern, daß obgleich all meine Thätigkeit an der Ausführung meines Werkes jeder Zeit offen liegt, sie doch nicht wissen, was in der Werkstatt für das Hermanns Denkmal in Hannover für die verausgabten Summen beschafft worden ist. Beweise vom im Bericht gegebenen Unwahrheiten werden durch folgende Angaben beleuchtet. Bei den für die Vollendung des Denkmals beim Verein in Hannover eingekommenen Gaben, war nur die des Königs Maj: Georg V. von einer Sicherheit der Vollendung des Ganzen abhängig gewesen und wurde diese Summe von 500 Thalern sofort ausgezahlt zur Arbeit, als ich damit in vollem Gange war. Die 500 Tahler die der Magistrat Berlins nach Detmold (auf Aufruf von Hannover) unter Bedingung versprochen hatte, wurden auf meine Anfrage „ob sie zur Arbeit oder zur Verzinsung versprochen seyn“ sofort von Berlin hierher für die Arbeit eingeschickt. Die Gabe des Magistrats von Wien von 1000 Gulden ward, ohne Bemerkung, nach Hannover zur Arbeit geschickt. Die Gabe S. Majestät des Königs Wilhelm von Preussen von 2000 Thalern ward sofort gegeben, damit die Arbeit nicht aufgehalten sey, und habe ich durch S. Majestät selbst das Versprechen weitere Königlicher Hülfe erhalten. Der Verein in Hamburg konnte erst nach einer dritten Aufforderung, die Auszahlung seiner Gaben für die Arbeit nach Hannover zu stellen, vom Verein in Detmold erfüllt sehen.
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Hermannsdenkmal bei Detmold
Sockel des Denkmals, um 1860
Lithografie
4 H 8

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Die vier Fakultäten. Entwurfszeichnung
für das Giebelrelief der Neuen Aula in Göttingen
Tusche auf Papier
Ba Z 1,93
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Universitätsaula am Wilhelmsplatz, davor Standbild des Königs Wilhelm IV., 2014
Foto: Georg-August-Universität Göttingen, Marc Oliver Schulz
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Giebelfries, 2016
Foto: Georg-August-Universität Göttingen, Klein und Neumann
1836 erhielt Bandel den Auftrag, das vom Hannoveraner König Wilhelm IV. gestiftete Gebäude der Neuen Universitätsaula in Göttingen mit einem Giebelfries zu schmücken. Um Konflikte mit der Universität zu vermeiden, stellte Bandel sich einem Professorengremium und überzeugte dies von seinem Bildprogramm. Der Fries zeigt Allegorien der vier Fakultäten (von links. Medizin, Theologie, Jura, Philosophie), in der Mitte zwischen ihnen der junge forschend-gebildete Geist.
Die Stadt Göttingen dankte mit einem Standbild des Stifters, das Bandel ebenfalls entwarf, in der Ausführung aber einer Gießerei überlassen musste. Dabei gab es Pannen. Am meisten störte Bandel, dass der eiserne Wilhelm IV. – auf Beschluss des Göttinger Magistrats! – nicht zum gestifteten Gebäude sah: also in die falsche Richtung. Bandel bemerkte das erst im September 1837 bei der Enthüllung und wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken. Seit 1900 steht Wilhelm so, wie Bandel sich das vorgestellt hatte.

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Armin-Säule mit Text
Spendenliste, um 1840
4 H 5a
Bei diesem Doppelblatt handelt es sich um ein Formular zum Eintragen von Spendern in eine Liste. Der Text auf den Seiten 1 und 4 stammt von Bandel.

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Bericht über das Hermanns-Denkmal.
Beilage zur Nr. 151 des Regierungs- und Anzeige-Blattes von 1869.
Repro, Original: LZ 32
50
Fürst Leopold II.
Relief-Porträt, Gips, 1845
Ba Ü 6
51
Johann Moritz Oppenheim (1801-1864)
Relief-Porträt, Gips, 28 x 28 cm, 1858
Ba Ü 5


