2. Kapitel

Kunst vs. bürgerliches Leben

Familiengründung

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1822 lernt Bandel in Nürnberg Karoline von Kohlhagen kennen, 1825 verloben sie sich. Bandels Brautwerbungsbriefe geben Einblick, vor welchen Schwierigkeiten das junge Paar steht: Karolines Vater ist alles andere als begeistert von der Aussicht, einen Künstler als Schwiegersohn zu haben. Bandel selbst steht zwischen dem Wunsch, ganz für die Kunst zu leben, den Gefühlen für Karoline und den Ansprüchen einer bürgerlichen Existenz. Er schreibt ihr: „Frey sind Sie und will ich Sie wissen; – ich bin es nicht denn meine Frau Kunst (welch Frevel ich will 2 Frauen!) hat mich ganz in Beschlag genommen.“ Und: „ich habe aber auch nichts mehr so lieb wie früher, Du hast alles um viele Grade heruntergeworffen, bis auf meine Kunst, die hält sich tapfer, die liebe ich wie immer vorher, diese mußt du nun einmal dulden, da hilft nichts; ihr werdet Euch gewiß noch vertragen lernen.“ Karoline lernt offensichtlich, mit der Konkurrentin umzugehen.

1827 wird geheiratet. Das Paar bekommt sieben Kinder: fünf Söhne und zwei Töchter.

10
Ernst von Bandel, 1822

Selbstporträt, Bleistiftzeichnung
Ba B 1

11
Ernst von Bandel, um 1825 (Original)

Reproduktion einer Bleistiftzeichnung von Ernst von Bandel
Ba B 144

12
Karoline von Kohlhagen, 1824 (Original)

Reproduktion einer Bleistiftzeichnung von Ernst von Bandel
Ba B 145

13
Bandel, Familienbild

Die Familie Bandel, o.J.
Bleistift-Kreide-Zeichnung von Heinrich von Bandel
Lippisches Landesmuseum
Repro, Original Inventarnr. K2403/2015

14
Ernst von Bandels Skizzenbuch: die Familienangehörigen nach Geschlecht und Größe (1845), weibliche Seite

Lippisches Landesmuseum
Repro, Original: Inventarnr. K1035/2010

15
Ernst von Bandels Skizzenbuch: die Familienangehörigen nach Geschlecht und Größe (1845), männliche Seite

Lippisches Landesmuseum
Repro, Original: Inventarnr. K1035/2010

16
Ernst von Bandel mit Frau und Sohn, 1835 (Original), 1925 (Druck)

Reproduktion einer eigenhändigen Zeichnung Bandels als Postkarte zur Hermannsfeier 1925
Ba A 4,138

17
Ernst von Bandel, Bildhauer, um 1841

Erbauer des Armindenkmales
Lithografie nach einer Bleistiftzeichnung von Georg Engelbach vom 4.9.1841
Ba B 2

18
Karoline von Bandel geb. von Kohlhagen, um 1880

Fotografie
Ba B 87

19
Ernst von Bandel in dunklem Mantel mit Pelzkragen, um 1875

Fotografie
Ba B 16a

20
Ernst von Bandel in dunklem Mantel mit Pelzkragen, um 1875

unbekannter Künstler, nach der Fotografie gemalt
Ba B 16b

21
Nachfahren Bandels vor dem Hermannsdenkmal

Fotografie
Ba B 82

22
Nachfahren Bandels, aufgestellt auf der Bandeltreppe unterhalb des Hermannsdenkmals, um 1975

Fotografie
BA DT-45-76

23
Ernst von Bandel an Karoline von Kohlhagen

undatierter Brief, 1825
Ba H 8/1, Blatt 1r

Geliebte Freundin!

Könnte ich Ihnen doch sagen welche Gefühle mich nun

bestimmen! Bereit muß ich mich halten in den nächsten

Tagen von allem was mir lieb zu scheiden. Von allem muß

ich mich losreissen um ganz nur der Kunst leben zu können,

um ohne alle freudige und traurige Störung ein Werk beginnen

zu können das mir alles wieder geben kann – und werde ich durch

lange Mühen belohnt werden? Diese Frage könnte mich höchst unglücklich

machen wäre ich nicht in der Schule der Prüfungen aufgewachsen.

Ich wäre höchst undankbar gegen Gott wollte ich nur im geringsten

murren gegen seine väterliche Leitung, denn welche Freuden hat er so

innig mit meinem Bestreben verflochten! Könnte ich Sie nur einen

Augenblick ganz erkennen lassen welche Lust das Bemühen des

Künstlers begleitet. Ist diese Lust nicht ein Betäubungsmittel eine

karge Entschuldigung für die Freuden die dem Menschen werden können?

erringen kann ich diese auch, bin ich nicht glücklich daß ich sie so erringen kann?

Wie gerne möchte ich Ihnen schreiben welch Leben ich mit gegrün=

detem Hoffen entgegen sehen kann, doch was stellt sich mir alles

entgegen! Reich ausgerüstet, einer der ersten meines Gleichen bin ich

vielleicht der Ärmste. Leicht kann ich mir spielend erwerben was nun

einmal der Menschen Glück nur allein befestigen kann, doch mich

schaudert’s wenn ich bedenke, daß ich zu früh abgerufen werden kann;

komme ich mir doch dann wie der elendeste Sünder vor, daß ich mich

erfreche Ihr schönes Leben auf’s Geradwohl meinem Geschicke

anknüpfen zu wollen! Kniefällig möchte ich Sie bitten mich ganz zu

vergessen! oft wünsche ich dann, nie das gewesen zu seyn was mich

Ihnen lieb macht. Gute Carolina! nicht wohl bin ich daß Sie so für

mich wagen wollen!

Unter die ersten Künstler werde ich noch gezählt werden, das weiß ich!

doch Prahlung ist es wenn ich es nun sage, erst beweisen muß ich es durch

That, dazu gehört Zeit. Erst dann wenn ich errungen was von mir gehofft

–; auf keinem anderen Weege und nicht schneller kann

ich werden, als wenn ich ganz frey nach meinem eignen Kunsttrieb

handeln kann; dieß können wäre Gott lob errungen!

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