6. Kapitel

Der späte Bandel

Erfolg und Rückblick

▶ Zurück zur Übersicht

Bandel erlebt die Fertigstellung des Hermannsdenkmals und die große Einweihungsfeier am 16. August 1875 als Zeit, in der er Anerkennung und Ehrung für seine Leistung erhält. Euphorisch schreibt er: »Was ich gewollt ist erreicht, was ich immer und immer gewünscht ist herrlicher in Erfüllung gegangen als ich gehofft, O! daß der Herr mich so beglückt!«

In den 1870er Jahren schreibt Bandel an seinen Lebenserinnerungen. Er will sie gemeinsam mit dem Journalisten und Literaturwissenschaftler Hermann Uhde herausbringen (sie erscheinen unfertig erst 1937). Die Briefe dieser Zeit an den jüngeren Freund zeigen sich als Arbeit an der Lebenserzählung. Bandel deutet rückblickend sein Leben, reflektiert sein Kunstverständnis und seine Lebensleistung.

Leitmotiv ist das Selbstbild als autonomer Künstler: Er baute das Hermannsdenkmal im Dienst des nationalen Einheitsprojektes und aus »Liebe« zu seinem Volk. Nur die Anerkennung der Deutschen habe er gesucht. Die Selbstbeschreibung als kauziger »Alte vom Berge« ist Teil der Selbstinszenierung. Die Vollendung des Hermannsdenkmals ist ihm Beweis eines gelungenen Lebens.

69
Modell des Denkmals

(hier präsentiert ohne Modell des Sockels)
Höhe der Figur: 66 cm
Gips, grün bemalt
Ba Ü 4

70
Ehrenbürgerurkunde der Stadt Detmold für Ernst von Bandel, 1871

Reproduktion (Original in der Dauerausstellung des LLM)
Original: Ba B 53

71
Urschrift der Lebenserinnerungen Ernst von Bandels
Handschriftliches Manuskript, Tinte auf Papier
Ba H 5/1

Bandel begann in den 1790er Jahren an seinen Memoiren zu arbeiten. Er sammelte Unterlagen und Material, das er mit Unterstützung seines Freundes, des Journalisten und Literaturhistorikers Hermann Uhde (1845–1879) in Form bringen wollte. Uhde sollte die Erinnerungen herausgeben. Der Tod der Freunde verhinderte eine zeitnahe Veröffentlichung. Die Erinnerungen erschienen erst 1937 als Fragment.

72
Ernst von Bandel: Erinnerungen aus meinem Leben
/ Hrsg., mit Erl. vers. und bis zum Tode d. Meisters fortgef. von Adolf Gregorius. – Detmold: Meyer, 1937
Buch, 408 S.
LZ 45,4

73
Ernst von Bandel in dunklem Mantel mit Pelzkragen, im Oval, um 1875
Repro einer Fotografie
Ba B 103

74
Brief, Ernst von Bandel an Hermann Uhde, 16.4.1874
Ba H 6/11

Bandels Selbststilisierung als kauziger „Alter vom Berg“ geht so weit, dass er die Brief an Uhde damit unterschreibt.

75
Bandel’s Wohnung am Denkmal, 1875

Lithografie von Ludwig Menke
Ba B 40

Als Unterkunft während verschiedener Bauphasen diente Bandel die „Bandel-Hütte“. Verschiedene Abbildungen zeigen die Behausung sowie die Arbeitshütten und die Schmiede. Auch wenn sich Bandel als „Alter vom Berg“ inszeniert, er verbrachte seine Zeit in Detmold nicht ausschließlich auf der Grotenburg. Die Familie bewohnte verschiedene Unterkünfte in der Stadt. Man darf sich die Hütte zudem nicht nur als karge Bretterbude mit Feldbett vorstellen. 1873 beschwerte Bandel sich bei seinem Freund Uhde: „Seit vier Tagen wohne ich mit meiner lieben Frau, die morgen 71 Jahre erlebt haben wird, hier oben, in der Ihnen bekannten Behüttung, die durch einen kleinen Anbau vergrößert und durch Tapezirung des Salons verschönert worden ist; die Waldespoesie ist dadurch in Etwas beeinträchtigt und durch meiner Frau Einrichtung und Ordnung ist eine städtische Beengung nun eingezogen.“ Tapeten, Vorhänge, ein von der Stadt Detmold gestifteter „Armstuhl“ und ein Klavier gehörten zur Einrichtung.

76
Ehrenpforte zur Einweihung des Hermannsdenkmals, 16. August 1875

Fotografie
Ba B 42

Pforte erbaut vom Forstpersonal auf dem Weg zur Auffahrt, vermutlich im Heidental; links und rechts als lebendes Standbild jeweils ein Förster auf Podest

77
Ernst von Bandel, Eigenhändige Abschrift einer Urkunde Kaiser Wilhelms I. vom August 1875
Ba H 15/13

Transkription

Abschrift für Dr. Hermann Uhde meinen Freund

Die heutige Einweihung des Hermanns Denkmals bezeichnet den Abschluß eines nationalen Werkes, welches Sie in das Leben gerufen und ein Menschalter hindurch mit selbstloser Hingebung gefördert haben. Indem ich Sie zu der Feier dieses Tages beglückwünsche, übersende Ich Ihnen als ein Zeichnen Meiner Anerkennung dessen, was Sie für das Vaterland geschaffen haben, anbei Meinen Kronen-Orden dritter Klasse. Auch habe Ich Ihnen eine Ehrenhabe von viertausend Mark angewiesen und den Reichskanzler ermächtigt, Ihnen in jedem folgenden Jahre einen gleichen Betrag und falls Ihre Ehegattin Caroline geborne Kohlhagen Sie überleben sollte, derselben nach Ihrem Ableben alljährlich die Hälfte dieser Summe zahlen zu lassen, Detmold, den 16tn August 1875

Wilhelm

An den Bildhauer Ernst von Bandel

Bandel hat diese Abschrift geschrieben in Veytaux-Chillon, am Lac Leman, am 11tn Mai 1876
Meine Ehegattin Caroline ist eine geborne von Kohlhagen.

78
Hermannsdenkmal bei der Einweihung, 1875

Lithografie
4 H 15,1

Hermannsdenkmal von vorn (d.h. von Südwesten) im Vordergrund, rechts dahinter die Tribüne des Kaisers

79
Festszene bei der Einweihung des Hermann-Denkmals

nach der Natur aufgenommen von Knut Ekwall
Holzstich
Ba B 143

80
Enthüllung des Hermannsdenkmals, 1875

Holzstich von Gottlieb Theuerkauf
Ba B 61

81
Kaiser Wilhelm II. und Fürst Woldemar, September 1888

Ernst Raspe, Fotografie
Ba B 0,53A

82
Eichenbekränzte, gerüstete Germania mit Schwert und Schild vor dem Hermannsdenkmal, 1875

Postkarte von Arthur Thiele, Serie: Die Varus-Schlacht
Ba B 56b,1, aus: Bandel-Album Ba A 1, vergrößerte Reproduktion

83
Gerüstete Römer wandern Richtung Teutoburger Wald (Karikatur), 1875

Postkarte von Arthur Thiele, Serie: Die Varus-Schlacht
Ba B 56b,2, aus: Bandel-Album Ba A 1, vergrößerte Reproduktion

84
Angriff der Germanen auf die arglosen Römer (Karikatur), 1875

Postkarte von Arthur Thiele, Serie: Die Varus-Schlacht
Ba B 56b,3, aus: Bandel-Album Ba A 1, vergrößerte Reproduktion

85
Scaevolas Gefangenschaft und Ende (Karikatur), 1875

Postkarte von Arthur Thiele, Serie: Die Varus-Schlacht
Ba B 56b,5, aus: Bandel-Album Ba A 1, vergrößerte Reproduktion

86
Siegesschmaus der Cherusker (Karikatur), 1875

Postkarte von Arthur Thiele, Serie: Die Varus-Schlacht
Ba B 56b,6, aus: Bandel-Album Ba A 1, vergrößerte Reproduktion

87
Hünenring-Festspiele: Freilichtbühne Teutoburger Wald, 1911

Plakat, 49 x 64 cm
Ba B 51a, 2. Ex.

88
Hermann der Cherusker (Filmplakat), 1978

die Schlacht am Teutoburger Wald. Ein Farbfilm im Pilot-Verleih
Plakat, München um 1978. 59 x 83,5 cm
Ba P 3

89
Herman the German: ein Denkmal in der Karikatur

Wanderausstellung zum Internationalen Karikaturenwettbewerb „Das Hermannsdenkmal“
Plakat, Lemgo, 2000, 59 x 84 cm.
Ba P 9, 2. Ex.