Ausstellung

Heinrich Haxel

zum 100. Geburtstag

DekoPorträt Heinrich HaxelDekoPorträt Heinrich HaxelDekoPorträt Heinrich Haxel
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Heinrich Haxel zum 100. Geburtstag

Die Lippische Landesbibliothek erinnert an ihren früheren Direktor

Ausstellung in den Räumen der Bibliothek vom 5. Februar bis zum 2. März 2001

Anlässlich seines 100. Geburtstages erinnert die Lippische Landesbibliothek an ihren früheren Direktor Heinrich Haxel (1901-1971). Haxel kam 1946 aus Stettin an die Lippische Landesbibliothek. Im April 1953 wurde er in das Amt des Bibliotheksdirektors berufen.

Mit benutzerfreundlichen Öffnungszeiten, Sofortausleihe und wirksamen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit gelang es ihm in kurzer Zeit, ein großes Publikum anzusprechen und die Benutzung des Hauses beträchtlich zu steigern. Die Bibliotheksvorträge, in denen aktuelle Neuerscheinungen vorgestellt wurden, waren in den fünfziger Jahren eines der prestigeträchtigsten Angebote der Bibliothek.

Foto Heinrich Haxel
Heinrich Haxel

Beträchtlichen Zuwachs erfuhr während seines Direktorats die Autographen-Sammlung der Landesbibliothek. Haxel konnte die Sammlung um insgesamt 743 Nummern vermehren. 1952 erwarb er die vier Stammbücher der Familie Freiligrath, 1959 gelang ihm der Ankauf der Werkhandschrift von Grabbes Napoleon oder die hundert Tage.

Schon 1957 lagen die ersten Pläne für einen Magazinanbau vor. 1964 wurde endlich mit dem Anbau an der Gartenseite der Bibliothek begonnen, im Oktober 1965 war das neue Magazin bezugsfertig. Im Januar 1966, kurz vor seiner Pensionierung, konnte Haxel die Landesbibliothek wieder für den Benutzerverkehr öffnen.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Landesbibliothek montags, dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 20 Uhr zu sehen.

Wie steht es mit der »Wissenschaftlichkeit«?

Im März 1951, gleich nach dem Amtsantritt Haxels als kommissarischer Direktor der Landesbibliothek, kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung mit dem früheren Direktor Erich Kittel. Kittel hatte bis Ende 1950 die Bibliothek und das Archiv zusammen geleitet; durch die Angliederung Lippes an Nordrhein-Westfalen war aber eine gemeinsame Leitung nicht mehr möglich, denn das Staatsarchiv gehörte nun zum Land Nordrhein-Westfalen und die Landesbibliothek zum Landesverband Lippe.

Im Jahr 1947 hatte Kittel mit dem Argument, die Landesbibliothek sei eine „rein wissenschaftliche“ Bibliothek, „nichtwissenschaftliche“ Leser von der Benutzung ausgeschlossen. Innerhalb kürzester Zeit hatte die Landesbibliothek einen Verlust von ca. 1000 Benutzern, d.h. der Hälfte ihrer Leser, zu verkraften. Die Stadt Detmold hatte daraufhin in den Räumen der Landesbibliothek eine eigene Stadtbücherei gegründet, um die Literaturversorgung ihrer Einwohner mit „nichtwissenschaftlicher“ Literatur, vor allem mit Unterhaltungsliteratur, sicherzustellen. Basis der Stadtbücherei war eine Haussammlung, sie bestand aus 1700 von ihren Besitzern nicht mehr gebrauchten Büchern. Kittel hatte versprochen, der Stadtbücherei die belletristischen Bestände der Landesbibliothek zu überlassen – was dann aber nicht geschah. Die Stadtbücherei, die aus freiwilligen Bücherspenden entstanden war, konnte jedenfalls ihre Aufgabe nicht im mindesten adäquat erfüllen.

Haxel versuchte nach seinem Dienstantritt, die Entwicklung zu revidieren. Er erklärte sich bereit, die zuvor ausgeschlossenen Leser wieder in der Landesbibliothek aufzunehmen. Dazu belegte er mit Zahlen, dass die Landesbibliothek schon früher keine „rein wissenschaftliche“ Bibliothek gewesen sei und auch jetzt nicht als eine solche genutzt werde. Die Stadt Detmold plante, ihre kaum leistungsfähige Stadtbücherei zu schließen, die Bestände der Landesbibliothek zu überlassen und ihr einen jährlichen Zuschuss für die Erledigung der Stadtbüchereiaufgaben einzuräumen. Anfang 1951 wurde öffentlich diskutiert, ob die Stadtbücherei wieder aufgelöst werden solle. Haxel befürwortete die Auflösung.

Dagegen bezog Erich Kittel sehr deutlich Stellung. Er warnte vor einer Angliederung der Stadtbücherei an die Landesbibliothek, da dies auf Dauer den wissenschaftlichen Charakter der Bibliothek zerstören müsse, und plädierte für die Förderung einer separaten Stadtbücherei Detmold. Zugleich sprach er Haxel als lediglich kommissarischem Leiter der Landesbibliothek das Recht zu einer so weitreichenden Profiländerung der Landesbibliothek ab. Die Leistung des Landesverbandes Lippe rief er auf, vor einer endgültigen Besetzung der Direktorstelle auch in dieser Angelegenheit zu entscheiden und von einer Berufung Haxels in das Amt abzusehen. Daraus resultierte eine langjährige Feindschaft zwischen Archivdirektor und Bibliotheksdirektor.

Haxel setzte – unterstützt von der lippischen Presse – seine Auffassung der Landesbibliotheksaufgaben durch. Niemand verstand, wem die Einschränkung auf einen „rein wissenschaftlichen“ Charakter nützen solle. Alle plädierten dafür, dass die Landesbibliothek weiterhin ihren allgemeinbildenden Charakter behalten solle. Aber auch Kittel behielt Recht: die Stadtbücherei Detmold blieb erhalten und ergänzt mit ihren 90.000 Bänden heute sehr effizient das Angebot der Landesbibliothek.

1
Erich Kittel:
Landesbibliothek oder Detmolder Bücherei?
Kittel verfasste am 21. März 1951 eine vierseitige Stellungnahme zu seinem Streit mit Haxel. Er behauptete, Haxel beabsichtige die Umwandlung der Landesbibliothek in eine Volksbücherei. Es werde dann aber künftig unmöglich sein, gegen die „einströmende Masse der Detmolder Büchereileser“ die Interessen der wissenschaftlichen Benutzer zu wahren. Es sei voraussehbar, dass alle finanziellen Mittel für Unterhaltungsliteratur und populäre Darstellungen aufgewendet werden würden. Damit zerstöre Haxel den 350 Jahre alten Charakter der Landesbibliothek als wissenschaftlicher Bibliothek.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1951

2
Heinrich Haxel:
Bericht über die Lippische Landesbibliothek
Haxel warf Kittel in seiner Gegenerklärung vom 28. März 1951 vor, die Landesbibliothek durch den Ausschluss „nichtwissenschaftlicher“ Leser immens geschädigt zu haben. Dabei habe die Landesbibliothek noch nie eine Einschränkung auf ein wissenschaftliches Publikum gekannt. Sie habe auch immer schon schöne Literatur an jedermann ausgeliehen. Und auch nach der Maßnahme Kittels seien 30% der Buchausleihe auf die schöne Literatur entfallen. Die Schließung der Stadtbücherei und die Wiederaufnahme ihrer Leser in die Landesbibliothek stelle lediglich den Zustand von vor 1947 wieder her und sei keineswegs als Profiländerung der Landesbibliothek anzusehen. Eine Verengung des Profils auf das „rein Wissenschaftliche“ dagegen führe zu ungeheurem Leserschwund und in dessen Folge zum Absterben der Bibliothek.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1951

3
Was nützt eine rein wissenschaftliche Bibliothek?
In: Westfalenzeitung (Neue Lippische Rundschau) Nr.83 vom 10.4.1951.
Unterstützt wurde Haxel durch diesen Artikel in der Westfalenzeitung. Der Verfasser fragte, was es nützen würde, wenn die lippische Bevölkerung von der Benutzung ihrer Bibliothek ausgeschlossen werde.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1951

4
Wohin steuert die Landesbibliothek?
In: Lippische Landeszeitung Nr.84 vom 11.4.1951
Auch die Lippische Landeszeitung sah keinen Sinn darin, die Landesbibliothek auf rein wissenschaftliche Interessen zu beschränken. Sie sah voraus, dass eine solche Bibliothek in Lippe auf Dauer finanziell nicht tragbar wäre.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1951

5
Karl Werth:
Ein Wort zum Thema „Landesbibliothek“
In: Freie Presse Nr.90 vom 18.4.1951
Der Studienrat Karl Werth unterstützte die Auffassung Kittels. Er plädierte dafür, Stadtbüchereiaufgaben und Landesbibliotheksaufgaben strikt zu trennen.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1951

6
Laßt die Landesbibliothek, wie sie ist!
In: Westfalenzeitung (Neue Lippische Rundschau) Nr.104 vom 7.5.1951
So wie dieser lauteten die meisten Leserbriefe: die Diskussion ist überflüssig. Es ist doch gut so, wie es ist!
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1951

Der »Werbefaktor« Bibliotheksvorträge

Seit dem 16. Mai 1946 veranstaltete die Landesbibliothek im wiedereröffneten Lesesaal Bibliotheksvorträge allgemeinbildenden Charakters. Anfangs war es das Ziel, die im Dritten Reich verbotene Literatur wieder bekannt zu machen und die in- und ausländische Gegenwartsliteratur auch denen zur Kenntnis zu bringen, die wegen der geringen Auflagen und der großen Einfuhrschwierigkeiten in der Nachkriegszeit die Bücher nicht selbst kaufen konnten. Die ersten Vortragsreihen hießen „Wiedersehen mit alten Bekannten“, „Literarische Neuerscheinungen“ und „Der moderne Roman des Auslands“.

Den allerersten Vortrag hielt Heinrich Haxel unter dem Titel „Einführung in wieder zugängliches Schrifttum der Landesbibliothek“. Ein Jahr später referierte er im Rahmen der Reihe „Literarische Neuerscheinungen“ über Werner Bergengruens Dies irae und Rudolf Hagelstanges Venezianisches Credo und in der Vortragssaison 1948 über John Steinbecks Der Mond ging unter.

Später wurden die Bibliotheksvorträge unter Haxels Regie eines der prestigeträchtigsten Angebote der Landesbibliothek. „Sie stellen einen Werbefaktor dar; der gepflegte Raum des Lesesaals ladet zur Abhaltung solcher Vortragsreihen geradezu ein und die Bibliothek beschränkt sich auf diese Weise nicht nur auf die Bereitstellung des Schrifttums, sondern zeigt der Leserschaft bzw. der Bevölkerung Problematik und Wert der Gegenwartsliteratur auf“, schrieb Haxel in einem Tätigkeitsbericht von Februar 1951.

In jedem Winterhalbjahr wurden in Kooperation mit der Volkshochschule etwa zehn Vorträge veranstaltet. Insgesamt waren es 150, sagte Haxel bei seiner Pensionierung. Die Redner waren häufig lippische Studienräte und -rätinnen, aber auch hier ansässige Ärzte, Rechtsanwälte und Pastoren. Dazu kamen auswärtige Gäste. Behandelt wurden wichtige Neuerscheinungen aller Art, nicht nur Werke der schönen Literatur, sondern auch Bücher aus dem Bereich der Geschichtswissenschaften, der Philosophie, Theologie oder der Naturwissenschaften.

In Bibliothekskreisen war die allgemeinbildende Vortragsreihe umstritten. Sie diente als Argument, wieder einmal die Wissenschaftlichkeit der Bibliothek zu bestreiten. Gleichwohl war sie überaus erfolgreich. Im Winterhalbjahr 1963/64 wurden in zehn Vorträgen insgesamt 1400 Besucher gezählt. Dabei bot die Landesbibliothek den Hörern zweimal nicht genügend Platz: als Hochhuths Stellvertreter und Grass‘ Hundejahre vorgestellt wurden, musste man in die Aula des Leopoldinums ausweichen.

7
Einladung zur ersten Vortragsveranstaltung am 13. Mai 1946
Dr. Haxel referiert über wieder zugängliches Schrifttum in der Landesbibliothek.
Bibliotheksarchiv Gruppe V, 1. Bibliotheksvorträge 1946-1950

8
Besprochene Bücher aus der Vortragsreihe „Wiedersehen mit alten Bekannten“
Alphabetische Liste der im ersten Vortragszyklus 1946/47besprochenen Bücher – von Henri Barbusse bis Stefan Zweig.
Bibliotheksarchiv Gruppe V, 1. Bibliotheksvorträge 1946-1950

9
Vortragsreihe der Lippischen Landesbibliothek über Literarische Neuerscheinungen. Programmzettel. April/Mai 1947
Bibliotheksarchiv Gruppe V, 1. Bibliotheksvorträge 1946-1950

10
Werner Bergengruen: Dies irae. Eine Dichtung. – München : Desch, [1945]. Maschinenschriftliche Abschrift.
Die berühmte, von Haxel am 23. April 1947 vorgestellte Gedichtsammlung Bergengruens war im Buchhandel damals nicht verfügbar. Sie wurde für die Landesbibliothek seitengenau maschinenschriftlich abgeschrieben und in zwei Exemplaren an interessierte Leser ausgeliehen.
D 115f.4°

11
Rudolf Hagelstange: Venezianisches Credo. Wiesbaden : Insel-Verlag, 1946
Die im Sommer und Herbst 1944 in Italien verfassten Sonette Hagelstanges besprach Haxel ebenfalls am 23. April 1947.
D 953t

12
Bibliotheksvorträge (im Rahmen der Volkshochschule Detmold).
Programmzettel. September-Dezember 1948
Bibliotheksarchiv Gruppe V, 1. Bibliotheksvorträge 1946-1950

13
John Steinbeck: Der Mond ging unter.
Roman. 8. Auflage. Zürich : Humanitas-Verlag 1944
Die Schweizer Bücherhilfe unterstützte in den Nachkriegsjahren großzügig deutsche Bibliotheken mit aktueller ausländischer Literatur. Sie stellte bereits zu Kriegsende Bücher zu Umerziehungszwecken für die Kriegsgefangenenlager bereit. Das vorliegende Exemplar von John Steinbecks Roman Der Mond geht unter gelangte aus einem solchen Kriegsgefangenenlager in die Landesbibliothek. Haxel besprach es in einem Bibliotheksvortrag am 29. September 1948.
F 1212i

14
18. Vortragsreihe der Lippischen Landesbibliothek.
Einladung vom 14.2.1964 zum Vortrag des Dechanten Reineke über Rolf Hochhuths Der Stellvertreter
Der Vortrag des Repräsentanten der katholischen Kirche in Lippe über das umstrittene Theaterstück zog viele Besucher in die völlig überfüllte Aula des Gymnasiums Leopoldinum. Er musste wiederholt werden.
Bibliotheksarchiv Gruppe V, 1. Bibliotheksvorträge 1962-1966

15
Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter.
Schauspiel. 14.-19. Tausend. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt, 1963.
D 965m

16
Walther Liedtke: Pflichtverteidiger für den Papst?
In: Freie Presse Nr.45 vom 22.2.1964
Zeitungsbericht über den Vortrag Reinekes.
Bibliotheksarchiv Gruppe V, 1. Bibliotheksvorträge 1962-1966

17
20. Vortragsreihe der Lippischen Landesbibliothek. Programmzettel vom 5. Oktober 1965
Einladung zur letzten Vortragsreihe in Haxels Dienstzeit.
Bibliotheksarchiv Gruppe V, 1. Bibliotheksvorträge 1962-1966

Autographenerwerbungen

Mit Rechnung vom 1. April 1951 erwarb Heinrich Haxel die ersten Autographen seiner Amtszeit für die Landesbibliothek. Es handelte sich um drei Fragmente aus Grabbes Drama Die Hermannsschlacht. Die Fragmente wurden aus Privatbesitz zum Preis von 1300 DM angekauft. Insgesamt konnte Haxel in den 15 Jahren als Direktor 734 Autographen für die Landesbibliothek erwerben: Manuskripte und Briefe Christian Dietrich Grabbes, Briefe Albert Lortzings, Gedichthandschriften und Briefe Ferdinand Freiligraths. Er hat 1970 in einem ausführlichen Aufsatz darüber berichtet.

Bei den ersten Lortzing-Autographen, die Haxel für die Landesbibliothek erwerben konnte, handelt es sich um drei Schriftstücke, die alle im Zusammenhang mit dem Musikdirektor Wagner stehen. Wagner wirkte am Aktientheater in Chemnitz. Ein Nachfahre gleichen Namens verkaufte die Dokumente 1951 an die Lippische Landesbibliothek.

Im Jahr 1952 gelang es, aus dem Besitz einer Enkelin Freiligraths vier Stammbücher der Familie Freiligrath für die Landesbibliothek zu erwerben. Haxel stellte die Neuerwerbung im Rahmen der Bibliotheksvorträge am 19. Februar 1952 der Öffentlichkeit vor. Die Stammbücher enthalten über 200 Eintragungen, die von 1828 bis 1898 volle sieben Jahrzehnte umfassen.Es finden sich Widmungen von Hans Christian Andersen, Eduard Duller, Gottfried Kinkel, Emanuel Geibel, Friedrich Hebbel, Hoffmann von Fallersleben, Gottfried Keller, Franz Liszt, Arnold Ruge, Levin Schücking und vielen anderen bekannten oder weniger bekannten Persönlichkeiten.

1956 konnte Haxel den Nachlass des früheren lippischen Regierungspräsidenten Friedrich Simon Petri und seines Sohnes Moritz Leopold Petri für die Landesbibliothek sichern. Dazu gehörten auch 103 Briefe der Fürstin Pauline zur Lippe an Petri aus den Jahren 1802 bis 1820 und 22 Briefe, die Paulines Sohn und Nachfolger Leopold II. zur Lippe in den Jahren 1821 bis 1845 mit Petri wechselte.

Besonders sensationell war 1959 der Ankauf der Werkhandschrift von Christian Dietrich Grabbes Drama Napoleon oder die hundert Tage. Sie war die letzte große Werkhandschrift Grabbes, die sich noch in Privatbesitz befand. Für den Landesverband Lippe war diese Handschrift, die zum Schätzpreis von 25.000 DM versteigert werden sollte, zunächst völlig unerschwinglich. Es waren zu wenig finanzielle Mittel vorhanden, um auf der Auktion überhaupt mitzubieten. Andererseits war klar, daß die Handschrift nach Detmold gehörte. Als auf der Auktion überhaupt kein Gebot einging, sprang der Direktor des Schiller-Nationalmuseums ein und erwarb die Handschrift mit Mitteln der Schiller-Gesellschaft. Dadurch gewann der Landesverband Lippe Zeit. Heinrich Drake persönlich warb um Spendengelder, das Land Nordrhein-Westfalen beteiligte sich, und im November 1960 ging die Handschrift in das Eigentum der Lippischen Landesbibliothek über.

18
Albert Lortzing:
Eigenhändiges Zeugnis mit Siegel für Musikdirektor Wagner.
Ich freue mich der Gelegenheit, bezeugen zu können, daß ich in Herrn Musikdirektor Wagner nicht nur einen gebildeten Musiker, sondern auch einen tüchtigen und umsichtigen Dirigenten kennen gelernt habe, deßen Requirirung jeder Theaterdirektion nur höchst willkommen sein kann.
Gera den 7ten Februar 1850
Albert Gustav Lortzing
Mus-La 1 L 21

19
Stammbuch Ferdinand Freiligraths
45 S., Ledereinband
Mit August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, unter dessen Einfluß er sich zum politischen Schriftsteller wandelte, verbrachte Freiligrath am 17. August 1843 eine durchzechte Nacht im Gasthaus Zum Riesen in Koblenz. Auf die Rückseite von Champagner-Etiketten der Marken Verzenay und Sillery schrieb Hoffmann von Fallersleben ihm schwungvolle Widmungen, die er später in sein Stammbuch einfügte.
Fr.S 322

20
Stammbuch der Ida Melos
118 S., Ledereinband
Eintragung Ferdinand Freiligraths in das Stammbuch seiner Frau vom 2. Juni 1840. Der Freund Carl Schlickum ergänzte den Gedichttext um zwei Aquarelle, die einen Blick vom Rhein auf das Siebengebirge und eine Ansicht der Stadt Unkel von der Flussseite her zeigen.
Fr.S. 325

21
Haxel, Heinrich: Vier Stammbücher der Familie Freiligrath.
Detmold : Lippische Landesbibliothek, 1976. – 48 S. ; 4 Faks.-Bl.
(Nachrichten aus der Lippischen Landesbibliothek Detmold ; 7)

22
Christian Dietrich Grabbe:
Werkmanuskript von Napoleon oder die hundert Tage
Titelblatt und Vorwort, eigenhändig von Grabbe.
Grabbes unter dem Eindruck der Juli-Revolution 1830 entstandenes Napoleon-Drama beschäftigt sich mit einem Ereignis der Zeitgeschichte, nämlich Napoleon Bonapartes Versuch, im Jahr 1815 noch einmal in den Gang der europäischen Geschichte einzugreifen. Das vorliegende Manuskript ist die Druckvorlage des Dramas. Etwa ein Drittel des Manuskripts stammt von Grabbes eigener Hand; die anderen Teile stammen von Schreibern, sind aber von Grabbe selbst durchkorrigiert und mit zahlreichen aufgeklebten Ergänzungen versehen.
GA Ms 23a

23
Auktionskatalog Nr. 541
der Autographenhandlung Stargardt. 10. April 1959.
Die unter Nr.23 angebotene Napoleon-Handschrift war das Glanzstück der Auktion – und die Autographenhandlung Stargardt trug dem Rechnung durch Vorschalten ganzseitiger Fotografien von vier Blättern der Handschrift vor dem Titelblatt des Katalogs.
Zs. 1272.4°: 541

„Lippe vor 100 Jahren“

Im Dezember 1961 erschien der im Auftrag des Lippischen Heimatbundes von Haxel herausgegebene Band „Lippe vor 100 Jahren“. Einleitend erzählt Haxel die Geschichte der Lippischen Landesbibliothek. Sachverständige, pflichteifrige, aber auch nachlässige, unlustige, ja diebische Bibliothekare werden vorgestellt, und ebenso denkwürdige Bibliotheksbenutzer und -benutzerinnen.

Der Band präsentiert eine Auswahl von 80 Blättern aus dem Bestand der damals 700 Blätter umfassenden Lippe-Bildsammlung der Landesbibliothek: Bleistift- und Federzeichnungen, Aquarelle, Kupferstiche, Lithographien und Ölgemälde mit Darstellungen Lippes aus dem 19. Jahrhundert. Als Künstler sind neben anderen Wilhelm Tegeler, Emil Zeiss, Ludwig Menke, Hugo von Donop und Carl Dewitz vertreten.

24
Lippe vor 100 Jahren.
Aus dem „Antiquarischen Album“ der Lippischen Landesbibliothek.
Herausgegeben von Heinrich Haxel.
Detmold 1961
L40

25
Die ehemalige Mühle in Heidelbeck
Aquarell von Emil Zeiß aus dem Jahr 1874
Lippe-Bildsammlung 1 H 2

26
Horn. Turm auf der Stadtmauer am Neuen Tore
Aquarell von Hugo von Donop aus dem Jahr 1873
Lippe-Bildsammlung 3 E 10

27
Die Externsteine am Teutoburger Walde
Lithographie nach einer Zeichnung von Wilhelm Tegeler aus dem Jahr 1829
Lippe-Bildsammlung 8 H 16

28
Alverdissen. Herrschaftliches Schloss
Aquarellierte Federzeichnung von Emil Zeiß aus dem Jahr 1864
Lippe-Bildsammlung 2 A 2,1

Baumaßnahmen

Eine bauliche Erweiterung der Landesbibliothek war schon lange notwendig. Im März 1957 lagen erste Baupläne für den Anbau eines Bibliotheksmagazins vor. Damals umfasste der Bestand ca. 200.000 Bände. Ca. 50.000 Bände wurden aus Platzmangel zwischen den Regalen auf dem Fußboden gestapelt und auf dem feuchten und staubigen Dachboden gelagert.

Haxel plante den Anbau eines Magazinflügels in der gartenseitigen Verlängerung des östlichen Gebäudeteils, in dem damals ein Büchermagazin eingebaut war. Ein Anbau zur Straßenseite stand nicht zur Diskussion, damit der Eindruck der spätklassizistischen Fassade des Bibliotheksgebäudes keinen Schaden nehme. Der Erweiterungsbau sollte in seiner Fassadengliederung dem Hauptgebäude angeglichen und durch einen Glasgang mit ihm verbunden werden.

Anfang November 1959 besuchte Kultusminister Schütz die Landesbibliothek, drängte auf die Vorlage von Bauplänen und erklärte sich bereit, statt des zunächst geplanten Drittels nunmehr die Hälfte der auf eine Million DM geplanten Baukosten zu übernehmen. Dann aber wurden die Mittel doch nicht in voller Höhe in den Landeshaushalt eingestellt, so dass sich der Bau weiter verzögerte.

Ab Sommer 1964 wurde der Magazinbau nach einem Entwurf des Frankfurter Architekturbüros Giefer & Mäckler schließlich ausgeführt. Eine erhebliche Verzögerung trat ein, als sich herausstellte, dass die eingebaute Bücherregalanlage die Baustatik überforderte, weshalb nachträgliche eine stabilisierende Konstruktion eingebracht werden musste. Der Ende 1965 fertiggestellte Neubau bot schließlich Platz für 300.000 Bände. Der Transport zwischen den Etagen wurde durch einen Fahrstuhl und einen Bücheraufzug wesentlich erleichtert. Für eine vollautomatische Buchförderanlage der Firma Siemens reichten die Mittel allerdings nicht aus.

Ab dem 2. November 1965 blieb die Landesbibliothek geschlossen. Jetzt erfolgte der Bücherumzug in das neue Magazingebäude mit sämtlichen zu diesem Zeitpunkt vorhandenen 226.000 Bänden. Noch kurz vor Ende seiner Dienstzeit konnte Haxel im Januar 1966 die umzugshalber für zwei Monate geschlossene Landesbibliothek wieder eröffnen.

In einem zweiten Bauabschnitt wurde während der Jahre 1966/67 das Hauptgebäude baulich verändert. Dabei verschwand außer dem alten Magazineinbau auch die alte Kohleheizung. Der Katalograum, der Lesesaal und das Direktorzimmer zeigen noch heute den damals modernisierten Zustand. Sonst ist auch von diesem Umbau heute nicht mehr viel zu erkennen. Die großzügige Umgestaltung des Jahres 1992/93 hat das Gesicht der Bibliothek noch einmal grundlegend verändert.

29
Landesbibliothek mitten im lebendigen Leben.
In: Lippische Landes-Zeitung Nr.40 vom 21.6.1958
In diesem Zeitungsinterview nimmt Haxel zu den Anbauplänen Stellung. Auf dem Foto von der Magazinseite der Landesbibliothek sieht man noch die rückwärtige Remise, die beim Anbau abgerissen wurde. Die heutige Bebauung östlich der Bibliothek ist noch gar nicht vorhanden.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1956-1958

30
Vorentwurf des Baurats Dr. Müller für den Magazinanbau der Landesbibliothek. April 1958
Bibliotheksarchiv Gruppe I, E 1 a Baumaßnahmen, ab Schriftwechsel 1957-1979

31
Planskizzen des Architekturbüros Giefer & Mäckler für den Umbau.
November 1960
So wie im November 1960 geplant, konnte der Magazinbau dann doch nicht ausgeführt werden. Am 1. Oktober 1962 trat eine neue Landesbauordnung in Kraft, die neue Grenzabstände für die Bebauung festlegte und deren Nichteinhaltung von der Zustimmung der Nachbarn abhängig machte. Die Besitzer der inzwischen bebauten Nachbargrundstücke lehnten jedoch ab. Im Februar 1963 wurde der Bauantrag von der Stadt Detmold abgelehnt.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, E 1 a Baupläne 4

32
Foto.
In: Freie Presse Nr.163 vom 17.7.1964
Der infolge der Ablehnung des Bauantrags geänderte Bauplan gefiel Haxel durchaus nicht. Die klassizistische Rückfront des Hauptgebäudes wird gestört, die Baukörper sind nicht mehr klar voneinander abgesetzt. Damit befand er das schließlich gebaute Magazingebäude für ästhetisch unbefriedigend. Das Foto zeigt den Magazinanbau im Entstehen.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1961-1964

33
Foto.
In: Lippische Landes-Zeitung Nr.287 vom 10.12.1964
Die Magazin-Baustelle.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1961-1964

34
Rückgabe-Aufforderung. 28.10.1965
Mit dieser Postkarte erbat die Landesbibliothek von ihren Benutzern umzugshalber die entliehenen Bücher zurück.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1965-1966

35
Mitteilung über die Wiedereröffnung zum 17.1.1966
Mit dieser Postkarte teilte die Landesbibliothek ihren Benutzern die Wiedereröffnung mit.
Bibliotheksarchiv Gruppe I, A Geschichte der Bibliothek. 1965-1966