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Das Hoftheater-Projekt

Gesänge aus des Adlers Horst

von Irmlind Capelle

Druckfassung in: Heimatland Lippe 110 (2017), 10, Seite 241. (Signaturen gegenüber der gedruckten Fassung ergänzt.)

Seit gut zwei Jahren beschäftigt sich das Hoftheater-Projekt mit der Erschließung der reichhaltigen Materialien, die sich zur Blütezeit des Detmolder Hoftheaters in der Lippischen Landesbibliothek erhalten haben.

Das Projekt hat den etwas sperrigen Titel: „Entwicklung eines MEI- und TEI-basierten Modells kontextueller Tiefenerschließung von Musikalienbeständen am Beispiel des Detmolder Hoftheaters im 19. Jahrhundert (1825–1875)“.

Hierbei werden die erhaltenen Aufführungsmaterialien und die dazugehörigen Akten erschlossen. Spätestens seit Beginn der Arbeiten in dem Projekt war bekannt, dass das Detmolder Hoftheater wie alle Theater der Zeit zu seinen Opernaufführungen „Texte der Gesänge“ hatte drucken lassen. Im Jahr 1828 tauchte z. B. in den Belegen zu den Abend-Einnahmen (TA 28) vom 3. August zu Louis Spohrs Oper „Faust“ der Hinweis auf: „incl. für 29 Texte à 2 ggr“ und in den Ausgabebelegen (TA 3) wurden auch die Anschaffungskosten dokumentiert: „Rechnung für Zetteldruck wobey aber auch 600 Texte zur Oper Faust zu 18 rt. 6 ggr“

Drucke aus Lippe

Sind in den ersten Jahren vor allem Buchdrucker Gelbke in Pyrmont und die Coppenrathsche Buchhandlung in Münster als Hersteller dieser Drucke dokumentiert, so wird ab 1834 die Meyer’sche Hofbuchdruckerei angegeben. Im Mai 1834 ist belegt (TA 5): „An die Meiersche Buchhandlung für 1000 Texte zu des Adlers Horst“ (Oper von Franz Gläser) und „An dieselbe für 1000 Texte zu: Robert der Teufel“ (Oper von Giacomo Meyerbeer).

Bei den Erschließungsarbeiten zu den Theatermaterialien konnte jetzt erstmals ein solches Bändchen aus der Meyerschen Hofbuchdruckerei nachgewiesen werden. Der Titel lautet: "Gesänge | aus: | Des Adlers Horst, | romantische Oper in 3 Akten, | von | Karl von Holtei. | Musik vom Kapellmeister Herrn Franz Gläser. | Lemgo, 1834. | Gedruckt in der Meyerschen Hof=Buchdruckerei." Erhalten sind drei Exemplare aus jeweils drei zusammengehörigen, unbeschnittenen Druckbögen (48 Seiten), die sich in den Aufführungsmaterialien zu Franz Gläsers Oper (Mus-n 100) befinden.

Wichtiges Dokument

Für die Geschichte der Meyerschen Hofbuchdruckerei belegt dieser Druck einen der zahlreichen Tätigkeitsbereiche der Druckerei. Für die Geschichte des Theaters ist dieser Text ein wichtiges aufführungspraktische Dokument, denn er dokumentiert die Gestalt der Oper, in der sie von der Detmolder Hoftheatergesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt (Erstaufführung am 29. Oktober 1834) gegeben wurde. Anders als Sinfonien oder Kammermusikwerke hatten Opern in dieser Zeit keine verbindliche Gestalt: Je nach den Möglichkeiten des Theaters wurden einzelne Nummern gekürzt, ganze Nummern herausgenommen und gelegentlich andere eingefügt, die Rollenbezeichnungen aber auch Gesangstexte geändert etc.

Hier können die gedruckten "Texte der Gesänge" erste Hinweise geben, die sich dann an den überlieferten Aufführungsmaterialien überprüfen lassen. Wenn die Texte allerdings wie in diesem Fall "nur" die Texte der Gesänge wiedergeben, so ist dies ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Dialogoper handelt, d. h. um eine Oper, in der sich Dialog und Musik abwechseln (wie z. B. in Mozarts "Zauberflöte", den Opern Albert Lortzings, aber auch den zahlreichen französischen Opern, die in Detmold in Übersetzung gegeben wurden). Welche Eingriffe in die Dialoge vorgenommen wurden – und diese waren oft deutlich größer als die in den Gesangsnummern – wird in diesen Drucken nicht dokumentiert.

Weitere interessante Aspekte zum Detmolder Hoftheater bietet die Website www.hoftheater-detmold.de.