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„Echte Heimatzeitschrift“

Landesbibliothek und Heimatbund haben Heimatland Lippe digitalisiert

von Joachim Eberhardt

Druckfassung in: Heimatland Lippe 110 (2017) 10, 244-245.

„Heimatland Lippe“ hat sich zur am weitesten verbreiteten Zeitschrift über Lippe entwickelt. Wer die erschienen Ausgaben in zeitlicher Folge nebeneinanderlegt, übersieht ein lebendiges Bild der Zeitläufte, gleichsam eine Fieberkurve der Diskussionen und Aufreger in der Region.

Um die „Heimatliebe in allen Schichten der Bevölkerung“ zu vertiefen, brachte der Heimatbund im Januar 1954 das erste Heft des „Mitteilungsblatt des Lippischen Heimatbundes“ heraus: Zehn mit der Schreibmaschine geschriebene Seiten im Format A4, die hektographisch vervielfältigt worden waren. (Abbildung) Zunächst ist der Inhalt von recht drögen Sitzungsberichten u.ä. bestimmt. Doch schon im zweiten und dritten Heft wird über die Öffentlichkeit auch Politik gemacht. Z.B. hält ein Artikel dem Landesverband Lippe den „Unwürdigen Zustand an den Externsteinen“ vor – obwohl der LVL per Satzung Mitglied im Vorstand des Heimatbundes ist!

Die Gestaltung des Blattes wird schnell ansprechender. Ab Nummer 6 (1955) sind die Hefte professionell gesetzt und ordentlich gedruckt; das Format schrumpft auf handlichere 17x24 Zentimeter. Den pappgrauen Umschlag des nächsten Heftes ziert eine rot-gelbe lippische Rose. Das erste Foto erscheint im Heft 12 (1957) und zeigt anlässlich seines 75. Geburtstages das Porträt Bernhard Eberts, Mitbegründer und Nestor des Heimatbundes. Heft 17 (1958) enthält erstmals vier Extraseiten in besserem Papier für Fotos. Ab dem Heft 23 (1959) hat sich die Papierqualität soweit verbessert, dass Fotos regelhaft in den Text gedruckt werden können. Auch inhaltlich wird das Mitteilungsblatt vielfältiger. Im Heft 16 (1957) liest man die erste Buchbesprechung. Wilhelm Süvern will darin allerdings weniger über eine Veröffentlichung informieren, als die Leser selbst zum Schreiben bewegen: „Ihr Heimatfreunde alle in Stadt und Land: laßt euch von diesem Büchlein anregen zu eigenem Schaffen!“

Die Heft- und Seitenzählung dieser ersten Jahre irritiert ein wenig. Die Einzelhefte sind nach ihrem Erscheinen durchgezählt; ab 1956 erscheinen vier pro Jahr. Mit dem neuen Druckverfahren und dem Formatwechsel sind dann auch die Seiten heftübergreifend durchgezählt ab Heft 6 (1955) bis Heft 26 (1960), das mit Seite 524 endet.

Ab 1961 nennt der Heimatbund seine Zeitschrift „Heimatland Lippe. Mitteilungsblatt des Lippischen Heimatbundes“. Das erste Heft vom Januar 1961 ähnelt äußerlich dem Vorgänger und markiert damit Kontinuität. Warum wird der Name geändert? „Zum Geleit“ werden die Leser informiert, dass der Heimatbund 1960 „eine ernste Krise durchgemacht“ habe. Doch für die dramatischen Worte über „Ratlosigkeit und Selbstzerfleischung“ bzw. „persönlichen Hader“ der Vorstandsmitglieder gibt das neue Heft keine Erklärung. Inhaltlich aber hat sich einiges getan. Zwar bleibt das Heft in bewährter Manier ein Ort programmatischer und appellativer Äußerungen, doch nun finden sich auch die ersten anlasslosen, rein informierenden Aufsätze, etwa „Einige Heilpflanzen und Giftkräuter der lippischen Flora: Die Mistel“ von Oskar Suffert. Schon im Folgejahr verdichtet sich die Erscheinungsweise zu einem zweimonatlichen Rhythmus, zusammen mit einer inhaltlichen Neubestimmung. Denn „es wäre wohl töricht, die Eindrucks- und Werbekraft moderner bildlicher Darstellung nicht zu nutzen ... das uns Mögliche wollen wir tun, dieses Blatt zu einer echten Heimatzeitschrift zu gestalten“, so Wilhelm Süvern, Vorsitzender des Heimatbundes. Und zwar fehle etwas wie die „früher so angesehenen und gern gelesenen lippischen Kalender“.

Dass man sich ausdrücklich an den Lippischen Kalendern orientieren möchte, bedeutet zweierlei. Erstens will Süvern eine breite und nicht fachkundige Leserschaft erreichen, für die Beiträge darum gut lesbar und fachlich verständlich geschrieben sein müssen. Zweitens öffnet sich die Zeitschrift für Unterhaltendes: „Da lacht der Lipper!“ heißt eine neue Rubrik. Der inhaltlichen Modernisierung entspricht ein „Facelifting“ des Layouts, am augenfälligsten im ganzseitigen Farbdruck des Titelblattes. Dazu tritt im Innern des Heftes erstmals ein zweispaltiges Layout. Die Zeitschrift verbindet diese Modernisierungsschritte mit einer Betonung der Tradition, indem sie sich erstmals mit einer Jahrgangszählung präsentiert. Das Jahr 1962 ist nämlich, behauptet das Titelblatt, der „55. Jahrgang“. Diese Zählung bezieht sich auf die Jahre seit der Gründung des Heimatbundes. „Heimatland Lippe“ hat also seine Existenz bereits mit dem 54. Jahrgang begonnen. Wenn in den 60er Jahren vermehrt der Begriff der Heimat diskutiert wird, dann schlägt sich das auch darin nieder, dass mit dem Juli-Heft 1966 die Fraktur aus dem Namensschriftzug verbannt wird.

Unter der Überschrift „Gemeinsam für Lippe!“ kündigen im ersten Heft 1979 Arnold Ebert als Vorsitzender des Heimatbundes und Helmut Holländer als Vorsteher des Landesverbandes Lippe an, „enger“ zusammenarbeiten zu wollen; dazu werde auch Heimatland Lippe fortan „gemeinsam publiziert“ und zwar in „monatlicher Erscheinungsweise“. Tatsächlich finden 1979 verstärkt Belange des Landesverbandes Eingang in die Zeitschrift. Allein drei Artikel sind in diesem Jahr der Lippischen Landesbibliothek gewidmet, zwei weitere dem Landesmuseum, und im Märzheft kündigt ein Artikel an, „an dieser Stelle“ „in regelmäßiger Folge“ über die „Kulturförderung durch den Landesverband Lippe“ zu informieren. Die „Schriftleitung“ wird seitdem von einem Vertreter des Heimatbundes und einem des Landesverbandes wahrgenommen. Ab 1993 wird diese Zuständigkeit noch deutlicher markiert, indem „Aktuelles vom Landesverband Lippe“ als Rubrik auch typographisch markiert wird und die vom Landesverband und seinen Einrichtungen beigetragenen Inhalte unter dieser Überschrift präsentiert werden.

Im 92. Jahrgang erfährt 1999 die Zeitschrift ein weiteres „Facelifting“: Das Format wechselt auf A4; das Layout wird bunt; die Schrifttype wechselt zur serifenlosen Rotis. Auf den Umschlaginnenseiten vorn und hinten wird jetzt geworben. Mit dem Aprilheft 2001 liegt Heimatland Lippe zudem eine noch einmal deutlich buntere Beilage „kultur: magazin für Lippe“ bei, die gegen Jahresende in den Druck integriert wird. Ende 2004 ist Schluss mit „kultur:“; ein Jahr später verabschiedet sich topp + möller als Druckdienstleister. Beim neuen Verlag Giesdorf erscheint „Heimatland Lippe“ nun dreispaltig und präsentiert Werbung auch auf den Innenseiten.

Mit dem Januarheft 2007 zeigt der damalige Heimatbund-Schriftleiter Burkhard Meier im dann neuen Editorial eine „behutsame Weiterentwicklung“ der Gestaltung der Zeitschrift an, die mit neuem, nämlich hochglänzendem Papier einhergehe, um eine bessere Wiedergabequalität der Abbildungen zu erzielen. Man fühlt sich damit an die Anfänge der Zeitschrift 1961 erinnert, an Wilhelm Süverns oben zitiertes Urteil über die Torheit, die „Eindrucks- und Werbekraft moderner bildlicher Darstellung“ nicht nutzen zu wollen.

Jetzt online:
  • „Heimatland Lippe“ findet man online frei zugänglich im Portal „Digitale Sammlungen“ der Lippischen Landesbibliothek →hier. Die aufgenommenen Bände sind im Volltext durchsuchbar.
  • An gleicher Stelle präsentiert die Landesbibliothek übrigens auch – in Zusammenarbeit mit dem NHV – die „Lippischen Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde“: →hier.