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Ort des Dialogs
Das neue FORUM Wissenschaft | Bibliothek | Musik in Detmold

von Joachim Eberhardt

Druckfassung in: Heimatland Lippe (108) 2015, 9, 220-222.

Seit März 2014 wurde an der Hornschen Straße in Detmold gebaut, im Sommer 2015 waren sie fertig: der Neubau „Musikbibliothek | Musikwissenschaft“ der Hochschule für Musik Detmold und das transparente „Foyer“, also der Glasgang, der ihn mit dem klassizistischen Palais der Lippischen Landesbibliothek / Theologischen Bibliothek und Mediothek verbindet. Die neuen Gebäude sind nur der steingewordene Ausdruck einer tiefergreifenden Idee, die mit der Bezeichnung „FORUM Wissenschaft | Bibliothek | Musik“ ihre glückliche Formulierung gefunden hat. Denn das Wort „Forum“ steht im ursprünglichen Sinne für einen Markt- (und Gerichts-)platz, also einen öffentlichen Raum der Begegnung. Und auch die abgeleitete Bedeutung als eine virtuelle oder reale „Einrichtung, die eine Gelegenheit zur Diskussion und zum Meinungsaustausch über bestimmte Themen bietet“, wie es im Wahrig heißt, trifft das, was in diesem Raum geschehen soll: Begegnung zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Studierenden, Bürgerinnen und Bürgern.

Gemeint ist mit dem „FORUM“ das Gelände zwischen Willi-Hofmann-Straße 2 und Hornscher Straße 44, in deren Mitte der neu enstandene Gebäudekomplex mit der Landesbibliothek / Theologischen Bibliothek und dem Neubau Musikbibliothek | Musikwissenschaft liegt. Durch die Neugestaltung des rückwärtigen Freiraums – ein Fuß- und Radweg führt nun von der Willi-Hofmann-Straße über den Parkplatz des Landesarchivs NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe, zum Eingangsbereich – rücken das Landesarchiv NRW und die im gleichen Haus befindlichen Kreisarchiv Lippe und Stadtarchiv Detmold näher an Landesbibliothek / Theologische Bibliothek und Musikbibliothek | Musikwissenschaft. Jenseits der Hornschen Straße, in dem Gebäude, das mal Landeskirchenamt und Lippische Forstverwaltung beherbergt hat, liegt das Zentrum des Netzwerkes für Qualitätsmanagement und Lehrentwicklung von zwölf Musikhochschulen.

Die Idee des FORUMs ist es, aus Nachbarn zu Partnern zu werden und einen Genius loci gestaltend hervorzubringen. Davon werden neben den genannten Einrichtungen vor allem die Öffentlichkeit und die Stadt Detmold etwas haben. Die Stadt gewinnt mit dem neugestalteten Gelände am Rande der Kernstadt ein städtebauliches Schmuckstück dazu. Die interessierte Öffentlichkeit gewinnt durch die Zusammenarbeit der Partner und die Offenheit des FORUMs. Beispielsweise ist es die erklärte Absicht der Detmolder Musikwissenschaft, die aus der beschaulichen, aber längst zu klein gewordenen Villa in der Gartenstraße in den Neubau umgezogen ist, die neue räumliche Situation auch in eine stärkere Ansprache der Öffentlichkeit umzumünzen und ihre Arbeit sichtbarer werden zu lassen – in Ausstellungen, Vorträgen oder anderen Formaten, die noch zu entwickeln sind.

Landesarchiv und Landesbibliothek sind beides Einrichtungen, zu deren Auftrag die Bewahrung des materiellen historischen Erbes der Region Lippe gehört. Ein Teil der bewahrten Dokumente hat zudem mit Musik zu tun, so dass ihre Bestände die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die Studierenden zu gemeinsamen Projekten einladen. Dabei geht es nicht nur um historische Forschung, sondern auch um die Erschließung und Vermittlung der Bestände. Dass es dafür schon eine gewisse Tradition gibt, kann ich seitens der Landesbibliothek beispielhaft mit dem Verweis auf das Buchprojekt „Lippes Grüner Hügel“ und das Editionsprojekt „Bargheers Fiedellieder“ belegen. Die Kompositon der „Fiedellieder“ des letzten Hofkapellmeisters Carl Louis Bargheer war nur im Bestand der Landesbibliothek und nur als Notenmanuskript vorhanden. Eine Gruppe Studierender der Musikwissenschaft hat dieses Manuskript entziffert, die Komposition mit kritischen Überlegungen neu gesetzt und Dokumente zur Biographie Bargheers aus Landesbibliothek und Landesarchiv durchgearbeitet. Die von ihnen erstellte Druckveröffentlichung wurde mit der Aufführung der „Fiedellieder“ durch Angehörige der Hochschule für Musik Detmold gemeinsam gefeiert. Wenn es nach mir geht: Mehr davon!

Noch mehr, noch enger wird zukünftig bei den Bibliotheken zusammengearbeitet. Landesbibliothek und Musikbibliothek sind nun baulich verbunden und als ein gemeinsamer Raum zu begreifen, den man durch das Glasfoyer betritt. Um die Orientierung möglichst leicht zu machen, haben die Bibliotheken verabredet, ihre Bestände nach fachlicher Sortierung aufzustellen. Ausleihbare musikbezogene Literatur und Noten sollen künftig vollständig im Neubau stehen, einschließlich der entsprechenden Bestandsgruppen der Landesbibliothek, und nicht nur das: sie wird auch fast vollständig frei zugänglich präsentiert, in den hellen und hohen drei Etagen des Neubaus.

Umgekehrt wird beispielsweise der pädagogische und psychologische Bestand der Musikbibliothek zu den passenden Fachgruppen in den Baukörper der Landesbibliothek gestellt; auch hier soll die jüngere Literatur im Freihandbereich stehen, und damit der direkten Inaugenscheinnahme durch Besucherinnen und Besucher zugänglich sein.

Die gemeinsame Bestandspräsentation geht einher mit einem Modernisierungsschritt – und einer nicht unbeträchtlichen Investition – für Landes- und Musikbibliothek, nämlich der Umstellung auf RFID-Etiketten für die Kennzeichnung der präsentierten Bücher und Medien. Die Bibliotheksbesucherinnen und -besucher werden daher künftig die Möglichkeit haben, ihre Ausleihwünsche selbst an einem Lesegerät zu verbuchen, können sich aber natürlich auch weiterhin an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenden. Virtuell gehen die Bibliotheken ebenfalls zusammen und präsentieren ihre Bestände im gemeinsamen Katalog. Zudem wird der Bibliothekskomplex weitgehend einheitliche Öffnungszeiten haben. Für alle Nutzerinnen und Nutzer beider Bibliotheken bedeutet dies: nun stehen ihnen mehr Medien schneller und bequemer zur Verfügung als bisher. 

Alles dies ist nicht ohne bedeutende Vor- und Nacharbeiten zu haben. Die verschiedenen Partner haben unterschiedliche Lasten schultern müssen. So ist das Investitionsvolumen bei der Hochschule für Musik Detmold, die den Neubau errichten ließ, sicher am größten. Die Universität Paderborn hat das Vorhaben mit einem kräftigen Zuschuss unterstützt. Das Landesarchiv NRW beteiligt sich an den Kosten der Gestaltung der Freianlagen. Der Landesverband Lippe schließlich als Träger der Lippischen Landesbibliothek / Theologischen Bibliothek und Mediothek hat nicht nur die Baukosten des Foyers zur Hälfte übernommen – und also eine halbe Million € investiert –, sondern auch die der in der Landesbibliothek nötigen Veränderungen. Denn im Gebäude der Landesbibliothek wird sich im Anschluss an den Beginn der Zusammenarbeit noch einiges verändern. Weil die Ausleihe künftig im Foyer und gemeinsam von beiden Bibliotheken betrieben wird, entfällt diese Funktion in der jetzigen Eingangshalle der Landesbibliothek. Es liegt nahe, die Informationstheke dorthin zu verlegen. Die entstehenden Freiräume sollen genutzt werden, für unsere Benutzerinnen und Benutzer Aufenthalts- und Arbeitsinseln zu schaffen und die Bestände der Religionspädagogischen Mediothek und der Lippe-Abteilung besser zu präsentieren. Ja der Bestand der Mediothek soll zukünftig vollständig im Freihandbereich präsentiert sein.

Auch im ersten Obergeschoss der Landesbibliothek entsteht durch den Umzug der Musikbestände Freiraum, den wir zur verstärkten Präsentation theologischer Bestände nutzen werden. Denn der Bestand der früheren Theologischen Bibliothek der Lippischen Landeskirche ist 2013 in unsere Magazine eingezogen; nur die Neuanschaffungen wurden im Freihandbereich aufgestellt. Das wird sich nun ändern können, allerdings nicht von jetzt auf gleich. Für diese Veränderungen – und die damit phasenweise einhergehenden Einschränkungen muss ich also noch um etwas Geduld bitten.

Diese Entwicklungen und weiteren Bestandsbewegungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen müssen. Auch die gemeinsame Betriebsorganisation von Landesbibliothek und Musikbibliothek wird sicher noch Zeit brauchen, bis die Routine da ist, auch nach der offiziellen Eröffnung am 25.9. Doch die starke Idee, die hinter diesen Veränderungen steckt und die alle Partner des FORUMs eint, ist jetzt schon zu spüren. 

Mehr zum Thema auch unter www.forum-detmold.de .