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1614-2014

400 Jahre Institutions- und Bestandsgeschichte der Lippischen Landesbibliothek stellt ein neues Buch vor

von Joachim Eberhardt

Druckfassung in: Heimatland Lippe 107 (2014) 11, 310-311.
Auch (leicht verändert u.d.T. Landesbibliothek besteht seit 400 Jahren) in: ProLibris 19 (2014) 4, 186-187.

Nicht mit einer Festschrift, sondern mit einem repräsentativen, bilder- und geschichtenreichen Werk feiert die Lippische Landesbibliothek ihr 400jähriges Bestehen. 400 Jahre lassen sich schlecht auf knapp 200 Seiten zusammenpressen – aber Geschichten aus 400 Jahren lassen Zeit und Vergangenheit anschaulich und erlebbar werden; Bilder aus 400 Jahren – der Großteil davon für diesen Band gefertigt – laden zum Blättern und Schmökern ein.

Die Lippische Landesbibliothek / Theologische Bibliothek und Mediothek ist die älteste aktive Kulturinstitution in Lippe. Der Blick auf die Bibliotheks- und Bestandsgeschichte ist in mancherlei Hinsicht ein Blick in die verschiedensten Aspekte lippischer Geschichte, wie sie sich hier in Büchern, Zeitschriften, Bildern, Autographen und anderen Archivalien niedergeschlagen haben. Dass dabei zuweilen wenig Ruhmvolles zum Vorschein kommt, liegt in der Natur einer historischen Betrachtung; aus der zeitlichen Distanz haben auch diese Geschichten oft eine lohnende Pointe. 

Im Jahre 1614 stiftete Simon VII., Graf und Edler Herr zur Lippe, die Bibliothek seines verstorbenen Vaters Simon VI. als „Gräflich Öffentliche Bibliothek“. Aufgestellt wurden die Bücher „auf dem Schulhofe“ der 1602 in Detmold auf dem Gelände des früheren Augustinerinnenklosters eingerichteten Lateinschule. Die Bibliothek blieb über 200 Jahre an diesem Ort, bis Fürstin Pauline sie modernisieren ließ. Geleitet wurde sie von den Archivaren des Hauses zur Lippe, genutzt vor allem von den Lehrern und Schülern der Provinzialschule und den Beamten. Einen regulären Erwerbungsetat gab es nicht, wie in vielen Bibliotheken dieser Zeit. Im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens scheint die Zeit für die Bibliothek beinahe stillzustehen.

Neuerwerbungen sind spärlich, die Nutzung ist bescheiden. Im Fürstenhaus und in den Behörden enstehen andere Büchersammlungen, die für die tägliche Arbeit von Regierung und Beamten wichtiger sind. Doch schon unter Johann Ludwig Knoch kommt der Plan auf, diese Büchersammlung mit der öffentlichen Bibliothek zu vereinigen, wie es dann Fürstin Pauline umsetzen lassen wird. Das achtzehnte Jahrhundert ist eine Zeit wirtschaftlicher Prosperität für den großen lippischen Verlag, die Meyersche Buchhandlung in Lemgo. Seit dem erneuten gräflichen Privileg von 1754 soll die Meyersche von jedem Druckwerk ein Exemplar an die Bibliothek übergeben. Der Bibliotheksbestand dieser Zeit ist daher auch ein Dokument lippischer Druck- und Buchhandelsgeschichte.

Im dritten Jahrhundert ihres Bestehens nimmt die Bibliothek einen ungeahnten Aufschwung. Fürstin Pauline lässt den Bestand der Schulbibliothek mit anderen fürstlichen Büchersammlungen zusammenführen und „allen hiesigen Gebildeten“ als Fürstlich öffentliche Bibliothek zugänglich machen. Zugleich sorgt sie für einen regelmäßigen Erwerbungsetat, der einen systematischen Bestandsaufbau erlaubt. Otto Preuß, der 1838 die Bibliotheksleitung im Nebenamt übernimmt, gibt der Bibliothek dann die Grundzüge eines Sammlungsprofils, das bis heute wirksam ist. Neben der Literaturversorgung der lippischen Bevölkerung widmet sich die Bibliothek der systematischen Sammlung und Dokumentation von Literatur und anderen Quellen über Lippe. Darunter begreift Preuß auch Bilder und Dichterhandschriften und legt so den Grundstein zu den Sondersammlungen.

Ihr viertes Jahrhundert verändert die Lippische Landesbibliothek stärker als die drei Jahrhunderte zuvor. Zweimal wechselt sie den Träger. Bedeutende Sonderbestände (Grabbe-Sammlung, Lortzing-Archiv, Fotosammlung u.a.) werden erworben oder aufgebaut und schärfen ihr Profil. Die Bibliothek erleidet keine Kriegsverluste; doch der Bibliotheksbrand von 1921 bleibt als katastrophischer Moment in Erinnerung. Im Laufe der 100 Jahre versechsfacht sich der Bestand. In den letzten Jahren sind mit der Integration der Theologischen Bibliothek der Lippischen Landeskirche und der Kooperation mit der Bibliothek der Hochschule für Musik Detmold neue Wege für die Zukunft eingeschlagen.

Dieses Buch kämpft mit einem Paradox. Es wirbt für eine in der Region Ostwestfalen-Lippe und in Nordrhein-Westfalen ziemlich einmalige Bibliothek, indem es ihre Geschichte und die ihrer besonderen Bestände entfaltet. Dabei könnte der Eindruck entstehen, sie erschöpfe sich im Historischen – doch nichts wäre falscher! Wie eh und je ist ihre Hauptaufgabe heute, aktuelle Literatur und Medien bereitzuhalten und zu vermitteln.

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