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Agitierende Gedichte für eine Welt, die „von Taten dröhnt“

Für die Landesbibliothek ist das 19. Jahrhundert ohne den Dichter Ferdinand Freiligrath undenkbar

von Joachim Eberhardt

Druckfassung (redigiert) in: LZ Nr. 183 vom 9./10.8.2014, S. 20.

Detmold war ihm zu klein: Dichter Ferdinand Freiligrath. Das Bild entstand um 1840.
Signatur: FrS B 5.

Für die Landesbibliothek mit ihrer Freiligrath-Sammlung ist das 19. Jahrhundert nicht ohne den in Detmold 1810 geborenen Dichter Ferdinand Freiligrath zu denken. 1838 wurde Freiligrath mit seinem ersten, bei Cotta in Stuttgart erschienenen Lyrikband „Gedichte“ berühmt, ein Riesenerfolg: rund 50 Auflagen erlebte das Werk bis zum Ende des Jahrhunderts. Im gleichen Jahr bot man Freiligrath die freie Direktorenstelle der Landesbibliothek an – vergeblich; Detmold war ihm zu klein.

In den 1840er Jahren weckte die Erfahrung von Zensur sein politisches Bewusstsein, das sich dann auch in politisierenden Gedichten aussprach. Sein „Glaubensbekenntnis“ erschien 1844. Seit Sommer 1846 im freiwilligen Exil in London, versetzten ihn die Nachrichten von den revolutionären Ereignissen im Februar und März 1848 in größte Erregung, die sich in seinen erhaltenen Briefen aus jener Zeit nachfühlen und -lesen lässt. Er schreibt in schneller Folge agitierende Gedichte zur Veröffentlichung in der Deutschen Londoner Zeitung und als Einzeldrucke für den Export als Flugblatt nach Deutschland, obwohl, wie er meint, die Literatur hinter den Ereignissen zurückbleibt: „Wer möchte schon Lieder hören, wenn die Welt von Taten dröhnt“, so schreibt er an den Redakteur Jacob Lucas Schabelitz.

„Schwarz-Roth-Gold“ ist eines dieser Gedichte, geschrieben am 17. März, veröffentlicht am 24. März, in der Ausstellung zu sehen in der Broschürenform des Exports. Freiligrath ruft darin unverblümt zum bewaffneten Freiheitskampf auf. Der Titel des Gedichts verdankt sich dem eingängigen Refrain „Pulver ist schwarz, / Blut ist rot, / Golden flackert die Flamme!“. Heute die deutsche Nationalflagge, hatte die Trikolore Schwarz-Rot-Gold durch ihre Verwendung beim Hambacher Fest 1832 eine revolutionäre Bedeutung erhalten. Sie stand für die Forderung nach nationaler Einheit unter einer demokratisch legitimierten Regierung, gegen die deutsche Kleinstaaterei.

Freiligrath kehrte übrigens im Mai 1848 nach Deutschland zurück, begierig, an den Ereignissen mitzuwirken, nur um als steckbrieflich Gesuchter 1851 wieder nach London fliehen zu müssen.