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LZ-Serie 3: Japan-Beschreibung aus Lemgo geht um die Welt

Engelbert Kaempfer und seine „Histoire (...) du Japon“

von Joachim Eberhardt

Druckfassung (redigiert) in: LZ Nr. 171 vom 26./27.7.2014, S. 25.

Die zweifarbig gedruckte Titelseite der 1729 erschienenen französischen Ausgabe von Engelbert Kaempfers Beschreibung Japans.
Signatur: K 980.4°

Engelbert Kaempfer (1651-1716), der große Lemgoer Reisende, ist eine der spannendsten Figuren in der lippischen Wissenschaftsgeschichte. Von seiner zehnjährigen Reise als Gesandter und Arzt, unter anderem nach Persien und Japan, brachte er eine Fülle von Beobachtungen mit. Zu Lebzeiten erschien allerdings nur 1712 bei der Meyerschen Hofbuchdruckerei in seiner Heimatstadt Lemgo das umfangreiche Werk der „Exotischen Köstlichkeiten“. Das ist, wie der Titel vermuten lässt, ein Potpourri unterschiedlichster Inhalte: die systematische Betrachtung der staatliche Verfassung Persiens steht neben medizinischen Abhandlungen oder Bemerkungen zur Dattelpalme und zur japanischen Flora.

Nach Kaempfers Tod 1716 wurde sein Nachlass von Sir Hans Sloane gekauft, einem irischen Arzt, Naturwissenschaftler und Sammler, der 1727 Nachfolger Isaac Newtons als Präsident der Royal Society wurde. Sloane sorgte für die Veröffentlichung der Kaempferschen Manuskripte zur japanischen Geschichte, Kultur und Landeskunde als History of Japan 1727 – natürlich in englischer Übersetzung. Dass zwei Jahre später bereits die hier vorgestellte französische Ausgabe erscheint, 1733 eine niederländische, zeigt deutlich, wie rasch Kaempfers Japanbeschreibung in der gelehrten Welt akzeptiert wurde. Die französische Ausgabe erfährt noch im 18. Jahrhundert mehrere Auflagen. 
Doch erst 50 Jahre nach der englischen Erstveröffentlichung kommt es auch zu einer deutschsprachigen Ausgabe. Herausgegeben wird sie, auf der Grundlage von deutschen Manuskriptfassungen, von dem preußischen Diplomaten Christan Conrad Wilhelm von Dohm. Der stammte nicht nur aus Lemgo, sondern war auch mit einer Tochter des Leiters der Meyerschen Hofbuchdruckerei verheiratet; selbstverständlich erscheint darum die deutsche Ausgabe 1777/79 dort.

Durch die internationale Veröffentlichungsgeschichte erfahren Kaempfers Darstellungen und Beschreibungen Japans weite Verbreitung; die „Geschichte Japans“ ist in ihrer Wirkung für das europäische Japanbild des 18. und 19. Jahrhunderts kaum zu überschätzen.