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LZ-Serie 1: Tipps von einem Kenner der Kriegskunst

Im Dreißigjährigen Krieg dürften Soldaten nach dem Lehrbuch von Wallhausen exerziert haben

von Joachim Eberhardt

Druckfassung (redigiert) in: LZ Nr. 159 vom 12./13.7.2014

Titelkupfer. Signatur: H 1474.4°


Detail: Vignette unter dem Inhalt.


Detail aus einer Tafel.

Man weiß wenig über Johann Jacobi von Wallhausen, den Autor der „Kriegskunst zu Fuß“, die 1615 in Oppenheim erschien. Das Titelblatt des Drucks verrät immerhin, dass er zu diesem Zeitpunkt „der löblichen Statt Dantzig bestellten Obristen Wachtmeister und Hauptmann“ ist, also als Soldat über praktische Erfahrung in der „Kriegskunst“ verfügt.

Im Bestand der Landesbibliothek findet sich auch eine „Kriegskunst zu Pferd“ desselben Autors, die 1616 im gleichen Verlag erschien. Die parallelen Titel und die rasche Folge der Veröffentlichung lässt vermuten, dass beide Werke Teil einer umfassenderen Darstellung der Kriegskunst sind; tatsächlich erschien 1617 noch eine „Archiley-Kriegskunst“, die sich auf den Umgang mit Fernfeuerwaffen bezog (lateinisch „arcus“ = Bogen). Auch Wallhausens Darstellung der antiken römischen „Kriegskunst“ – ebenfalls 1617 – findet sich im Bestand.

Die „Kriegskunst zu Fuß“ hat in ihrem systematischen Aufbau Handbuchcharakter. Dabei richtet sie sich nicht nur an den einfachen Soldaten, sondern auch an den exerzierenden Offizier. So beschreibt das Werk neben der Handhabung der unterschiedlichen Handwaffen auch die Ordnung verschiedener Schlachtformationen kleinerer und größerer Gruppen sowie deren „Quartierung und Lager“. Das Titelblatt verspricht gar „newe Invention“ (=Neuerfindung) in diesem Zusammenhang.

Der Formationsteil ist durch detaillierte Schematafeln ergänzt, die für den heutigen Betrachter in ihrer strengen Geometrie zum Teil graphische Qualität haben. Einen Vorgeschmack darauf gibt die perspektivische Ansicht einer Kreuzformation in der Vignette unterhalb des Inhaltsverzeichnisses auf dem Titelkupfer: So können sich Pikeniere gegen Reiterangriffe schützen.

Die „Kriegskunst zu Fuß“ wurde rasch ins französische und holländische, später auch ins russische übersetzt. Im dreißigjährigen Krieg werden Soldaten nach dem Wallhausen exerziert haben, eine neue deutsche Ausgabe erschien 1630. Die Landesbibliothek hat im ersten Jahrhundert ihres Bestehens Bestandszuwachs aus verschiedenen Quellen gehabt. Der militärische Inhalt schließt allerdings bestimmte Vorbesitzer aus – so stammt sie sicher nicht aus dem Nachlass des Theologen Pezel!