Sie befinden sich hier: Startseite » 


Traue keiner Statistik. Im Deutschen Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung kommt Lippe zu schlecht weg

von Joachim Eberhardt

Druckfassung in: Heimatland Lippe 105 (2012) 3, 92-95.
Gegenüber dem Druck korrigierte Fassung.

Einleitung
Museumsbesuche
Theater- und Konzertbesuche
Bibliotheksbesuche
Fazit

Leserbrief von Ewald Ernst
Entgegnung zum Leserbrief

Als Bertelsmann im Herbst 2011 seinen „Deutschen Lernatlas“ (www.deutscher-lernatlas.de) veröffentlichte, war das Erstaunen in Lippe groß. Man fand sich auf dem 144., dem letzten Platz in der Vergleichskategorie der „Kreise im verdichteten Umland“. Und das, obwohl der Kreis Lippe seit Jahren politisch an der Bildungs- und Ausbildungssituation arbeitet, selbst 2010 das Projekt „Lernen vor Ort“ initiiert hat und Teil einer „Modellregion Kulturelle Bildung“ ist. Der Lernatlas musste sich methodische Mängel vorwerfen lassen; so jedenfalls äußerte sich Horst Weishaupt, Professor am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt im Interview des WDR <http://www.wdr.de/wissen/wdr_wissen/themen/schule_beruf/aktuell/2011/12/lernatlas.php5>. Auf der anderen Seite wurde der Vorwurf laut, die Kritik aus Lippe an der Studie halte „gefühlte Erfolge“ gegen die objektiv vorliegenden Kennzahlen, so eine Stellungnahme im Bildungsportal Lippe <http://bildungsportal-lippe.de/themenbox/deutscher-lernatlas/stellungnahmen/index.html>.
Die differierenden Einschätzungen sind Grund genug, sich den Lernatlas und die präsentierten Daten einmal genauer anzuschauen. Dabei habe ich ganz beschränkte Interessen: Mich interessiert als Bibliothekar, in welcher Form die Bibliothekssituation in Lippe Eingang in die Wertung gefunden hat; mich interessiert als Mitarbeiter des Landesverbandes Lippe, in welcher Form die Aktivitäten des Landesverbandes auf der Ebene der Kulturellen Bildung berücksichtigt wurden. Dabei möchte ich durchaus den Lernatlas an seinen eigenen Ansprüchen messen, wie sie Jörg Dräger, Vorstandsmitglied bei Bertelsmann und früherer Bildungssenator der Stadt Hamburg, im Grußwort des offiziellen Ergebnisberichts formuliert. Der Lernatlas soll, so Dräger, unter anderen die Fragen beantworten:

„Finde ich, finden meine Kinder […] gute Lernbedingungen vor Ort vor? […] Wie steht es um das Angebot für kulturelle Bildung?  […] Kurzum: Lebe ich in einer Umgebung, die anregt, neue Erfahrungen zu machen und mich weiterzuentwickeln?“ (S. 4 – Seitenzahlangaben in Klammern beziehen sich hier und im Folgenden auf die PDF-Fassung des „Ergebnisberichts“, der auf den Webseiten des Lernatlas runtergeladen werden kann)

Der Lernatlas präsentiert seine Zahlen in vier „Lerndimensionen“, nämlich „1. Schulisches Lernen“, 2. „Berufliches Lernen“, 3. „Soziales Lernen“ und 4. „Persönliches Lernen“. Mich interessiert die Dimension „Persönliches Lernen“, die nach der Formulierung des Ergebnisberichts „Hinweise darauf [gibt], welche Lernmöglichkeiten die Menschen in einer Region zur persönlichen Entwicklung und Entfaltung vorfinden und nutzen“. (S. 9) Von den 8 darin enthaltenen „Kennzahlen“ möchte ich mir 3 genauer ansehen, nämlich die Museumsbesuche, die Theater- und Konzertbesuche, die Bibliotheksnutzung. Ich zitiere die ausführliche Wertetabelle:

  Rang in Vergleichsgruppe Wert Durchschnittswert der Vergleichsgruppe Durchschnittswert NRW Durchschnittswert Deutschland
Museumsbesucher in der Region (in Besuchen je 100 Einwohner) 110 57,95 103,27 82,37 130,58
Theater- und Konzertbesucher in der Region (in Besuchen je HH) 124 0,29 0,70 0,57 0,74
Nutzung von Bibliotheken in Entleihern je 100 Einwohner 78 6,00 7,59 6,92 7,98

Ich gehe gleich darauf ausführlicher ein. Zunächst einmal: Ist es nicht erstaunlich, dass der Kreis Lippe hier so schlecht dasteht?

  • Wie kann es sein, dass der Museumsbesuch in Lippe dermaßen weit unter dem Durchschnitt liegt, wo doch die Museumslandschaft hier so lebendig ist und mit dem LWL-Freilichtmuseum in Detmold einen echten Besuchermagneten aufzuweisen hat?
  • Wie kann es sein, dass pro Haushalt nur 0,29 Besuche in Theater und Konzert zu verzeichnen sind, wo doch Lippe ein eigenes, erfolgreich arbeitendes Landestheater besitzt und mit der Hochschule für Musik in Detmold eine musikalische Ausbildungsstätte, die auch eine rege Konzerttätigkeit aufzuweisen hat? 
  • Wie kann es schließlich sein, dass die Bibliotheksnutzung so schlecht ist, obwohl nicht nur die 16 Städte und Gemeinden in Lippe eigene Stadt- und Gemeindebüchereien haben, sondern darüberhinaus die Lippische Landesbibliothek Detmold als wissenschaftliche Bibliothek für die Region Schule, Ausbildung und Forschung unterstützt?

Doch ich will hier nicht „gefühlte Erfolge“ gegen die Bertelsmann-Zahlen halten, sondern erst einmal verstehen, wie sich die Differenz zwischen Bertelsmann-Rang und meiner Intuition erklärt.

Museumsbesuche

2009 mit Besucherrekord: das Lippische Landesmuseum an der Ameide in Detmold. Im Bild das Kornhaus.
Foto: Landesverband Lippe

Was bedeutet der Wert von knapp 58 Museumsbesuchen auf 100 Einwohner im Kreis Lippe in absoluten Zahlen? Hochgerechnet auf die von Bertelsmann angegebenen „353.007“ Einwohner des Kreises entspricht dies 204.563 Museumsbesuchen im Kreis Lippe, und zwar im Jahr 2009 (S. 61). Kommt Ihnen das auch etwas wenig vor?

Welche Museen es im Kreis Lippe überhaupt gibt, kann man den Seiten der Museumsinitiative OWL entnehmen (www.museumsinitiative-owl.de). Der größte Besuchermagnet darunter ist das LWL-Freilichtmuseum in Detmold. Es hatte 2009 – das war ein gutes Jahr – rund 204.000 Besucher (laut Pressemitteilung des LWL <http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?urlID=21964> zu verzeichnen. 2009 war auch das Jahr der Mythos-Sonderausstellung im Lippischen Landesmuseum Detmold, dem das Museum seinen Besucherrekord von fast 100.000 Besuchern verdankt. Ich habe also das Archäologische Freilichtmuseum in Oerlinghausen, das Weserrenaissance-Museum in Lemgo oder das LWL-Industriemuseum Ziegelei in Lage noch gar nicht in die Betrachtung einbezogen und liege trotzdem mehr als deutlich über der von Bertelsmann angegebenen Besucherzahl. Wie erklärt sich diese Differenz zwischen Bertelsmann und der Wirklichkeit?

Das erläutert der Ergebnisbericht auf S. 61: „Die Daten beinhalten die Anzahl der gemeldeten Besuche in Museen und Sonderausstellungen. […] Die Kennzahl wird auf Raumordnungsebene berechnet, weil Museen und Sonderausstellungen Besucher von außerhalb der Kreisgrenzen anziehen“. Was ist eine „Raumordnungsregion“? Ich habe diese Frage Bertelsmann selbst gestellt und zitiere aus der Antwort per Email vom 2.2.2012:

„Die Kennzahl zu den Museumsbesuchern ist auf die „Raumordnungsregion“ bezogen. Das bedeutet, dass Raumordnungsregionen betrachtet werden, denen mehrere Kreise u. kreisfreie Städte angehören können. Diese Regionen werden vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ausgewiesen. [...] Lippe gehört in die Raumordnungsregion Bielefeld (503) zusammen mit den Kreisen Herford, Minden-Lübbecke, Bielefeld, Gütersloh. Die Kennzahl Museumsbesuche wird so gebildet, dass alle gemeldeten Besucher in den Museen dieser Region gezählt werden; das Ergebnis wird dann ins Verhältnis gesetzt zur Zahl der Einwohner der Region. Das Verhältnis wird dann jedem Kreis in der Region zugeordnet.“

Im Klartext: Bertelsmann hat hier die Museumsbesuche von fünf Kreisen zusammen betrachtet, dies auf durchschnittliche Besuche pro 100 Einwohner umgerechnet und die so ermittelte Zahl dann jedem der Kreise zugeordnet. Da im Kreis Lippe die tatsächlichen Besucherzahlen, wie gesehen, viel besser sind, muss es an den anderen Kreisen der Raumordnungsregion liegen, die den Durchschnitt drücken, dass Lippe in dieser Kennzahl so schlecht dasteht.

Bertelsmann rechtfertigt das mit dem Hinweis, man wolle „dem Fakt Rechnung […]tragen, dass z.B. das kulturelle Leben einer (kreisfreien) Stadt auch auf die umliegenden Kreise abstrahlt und die dortigen Bewohner mit einbezieht“. Das klingt dann bedenkenswert, wenn Kreisen mit schlechterem kulturellen Angebot das bessere Angebot des Umlandes zugerechnet wird. Die umgekehrte Zurechnung scheint mir aber wenig einleuchtend, geht es doch dem Lernatlas, wie eingangs zitiert, um die Darstellung der „Lernbedingungen“. Zu behaupten, dass die Bedingungen schlechter sind als gedacht, weil in den Nachbarkreisen das Angebot schlechter ist als im Kreis selbst, das ist so, als würde man mitten in der Innenstadt darüber klagen, dass die Einkaufsmöglichkeiten nicht so gut sind, weil in den Vororten weniger Geschäfte sind!

Theater- und Konzertbesuche

Ein im Vergleich zu anderen Kreisen besonderes Angebot in Lippe: Das Landestheater Detmold.
Foto: Landesverband Lippe

Drei Kennzahlen betrachte ich hier. Von diesen steht der Kreis Lippe bei den Theater- und Konzertbesuchen laut Bertelsmann am schlechtesten da, nämlich auf Rang 124 in der Vergleichsgruppe. Auch das ist auf den ersten Blick erstaunlich, weil Lippe ein eigenes Landestheater aufzuweisen hat – ein Angebot, dass die wenigsten vergleichbaren Kreise machen können – und überdies mit der Hochschule für Musik in Detmold einen starken Mitspieler im Konzertbereich (lt. Wikipedia-Eintrag 450 Konzerte in 2010). Was bedeutet die Bertelsmann-Zahl von 0,29 Theater- und Konzertbesuchen „pro Haushalt“ im Kreis Lippe?

Nach der Landesdatenbank NRW lebten 2006 2,12 Personen in einem Haushalt. Lippes 353.000 Einwohner sind also nach Bertelsmann im Jahr 2009 nur 48.300 mal in ein Theater oder Konzert gegangen. Ein realistischer Wert?

Das Landestheater in Detmold zählte in der Spielzeit 2009/2010 104.607 Besucher der Detmolder Vorstellungen (sowie weitere rund 58.000 bei Vorstellungen außerhalb Detmolds). Das Landestheater allein hatte mehr als doppelt so viele Besucher, wie Bertelsmann für Theater- und Konzertbesuche im Kreis Lippe insgesamt angibt! Wie kann das sein?

Aufschluss gibt wieder der Ergebnisbericht (S. 61) in seiner Kennzahldefinition: Die Kennzahl „zeigt das Verhältnis der Anzahl der Besucher von Theatern, Konzerten und Festspielen je Haushalt im Umkreis von 50 km.“ Auch hier wurde also nicht das Kreisgebiet betrachtet, sondern ein „Umkreis“. Per Email bekam ich eine genauere Erläuterung:

„Wie wird der „Umkreis“ erhoben? Die Fläche des Kreises wird in Parzellen von 125qm eingeteilt und die Bevölkerungsdichte erhoben. Dadurch wird der  "Bevölkerungsschwerpunkt" des Kreises ermittelt. Für die Theater wird die PLZ ermittelt. Dann wird ein Radius von 50 km um diesen Bevölkerungsschwerpunkt gezogen. Und alle HH und Theater, die in den 50km Umkreis fallen werden berücksichtigt. Im Umkreis von 50 km um den bevölkerungsgewichteten Kreismittelpunkt Lippes sind es 1149621 Haushalte und 334547 Besucher. Dabei werden 7 Theaterunternehmen mit 27 Standorten in der Berechnung berücksichtigt.“

Nach der veröffentlichten Statistik des Kreises Lippe ist die Bevölkerungsdichte im Kreis in Detmold am höchsten. Man wird also nicht allzu sehr fehlgehen, wenn man sich den beschriebenen „Umkreis“ als Kreis mit Radius von 50 km um den Stadtkern von Detmold vorstellt.

Umkreis mit 50km-Radius um den „Bevölkerungsschwerpunkt“ Lippes.
Bild: A. Drewes, Landesverband Lippe

Dieser Umkreis hat eine Fläche von rund 15.700 7.850 Quadratkilometern. Der Kreis Lippe hat demgegenüber eine Fläche von 1.250 Quadratkilometern. Das Bild zeigt in etwa die betrachtete Fläche.

Der betrachtete Umkreis hat eine 12,5 6,3 mal so große Fläche wie der Kreis Lippe. In diesem Gebiet gab es 2009 334.547 Theater- und Konzertbesuche insgesamt. Fast ein Drittel davon entfallen allein auf das Landestheater in Detmold! Also: Auf weniger als ein Zwölftel Sechstel der Fläche entfallen mindestens ein Drittel der Theater- und Konzertbesuche – wenn das keine verzerrende Darstellung ist! Auch für diese Darstellungsweise ist natürlich Bertelsmanns Begründung, man habe damit Stadt-/Land-Effekte ausgleichen wollen. Doch gilt hier dasselbe, was schon für die Museumsbesuche zu bemerken war: Die große Zahl der Theater- und Museumsbesuche verdankt sich dem exzellenten Kulturangebot im Kreis, und gerade dies will doch Bertelsmann gemessen und erfasst haben. Man erinnere sich an Drägers eingangs zitierte Fragen. Stattdessen wird der Kennzahlwert über Gebühr  durch das schwache Umfeld im „Umkreis“ gedrückt.

Bibliotheksbesuche

Die Lippische Landesbibliothek in Detmold bietet mit modernem Medienangebot beste Lernbedingungen

Während bei den beiden bisher betrachteten Kennzahlen die fragwürdigen Bertelsmann-Werte zumindest auch auf der seltsam zusammenfassenden Methode beruhen, muss der Lernatlas für die Bibliothekskennzahl sich vorwerfen lassen, auf falschen Zahlen zu beruhen. Das ist leicht nachzuprüfen, denn für die Bibliotheken gibt es mit der Deutschen Bibliotheksstatistik ein zentrales Nachweisinstrument, das öffentlich im Internet zugänglich ist: www.bibliotheksstatistik.de. Jeder kann sich also die Zahlen holen und nachrechnen.

Bertelsmanns Zahl von rund 6 „Entleihern“ auf 100 Einwohner in Lippe ist nach der Definition des Ergebnisberichts (S. 64) so zu verstehen: Die Kennzahl „zeigt den Anteil (in %) der aktiven Nutzer (Entleiher) der öffentlichen Bibliotheken eines Kreises an den Einwohnern zwischen 6 und 65 Jahren“. Per Email wurde mir erläutert, dass die Altersobergrenze in der Berechnung gar keine Rolle gespielt hat, also in der veröffentlichten Definition irrtümlich angegeben worden ist. Bertelsmann hat die Gesamtzahl der in der Bibliotheksstatistik genannten Entleiher in Bibliotheken im Kreis auf eine Teilmenge der Einwohner, nämlich die Über-6-Jährigen bezogen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sind 2009 etwa 20.000 Kinder in Lippe zwischen 0 und 5 Jahren alt gewesen, also dürfen wir sicher hochrechnen, dass geschätzte 24.000 Kinder zwischen 0 und 6 Jahre alt waren. Ziehen wir diese von den 353.000 Einwohnern Lippes ab, dann entspricht die Zahl von 6 Entleihern auf 100 Einwohner einer Gesamtzahl von knapp 19.800 Entleihern in den öffentlichen Bibliotheken im Kreis Lippe. Tatsächlich kommt man in der Addition der Entleiher sämtlicher Stadt- und Gemeindebüchereien sowie der Lippische Landesbibliothek für 2009 aber auf rund 29.000 Entleiher – das entspricht fast 9 Entleihern auf 100 Einwohner. Für diese eklatante Differenz habe ich nur eine Erklärung: Bertelsmann hat die Lippische Landesbibliothek Detmold nicht mit eingerechnet. Warum das so sein sollte, ist mir ein Rätsel, denn es gibt keine Bibliothek im Kreis Lippe, die mehr für das „Persönliche Lernen“ da ist, die mehr zur Qualität der Lernbedingungen im Kreis beiträgt, als die Lippische Landesbibliothek.

Fazit

Nach meiner kleinen Stichprobe kann ich den Lernatlas nicht mehr ernst nehmen. Zwar habe ich nicht alle Kennzahlen betrachtet oder nachgerechnet, aber jede der drei Kennzahlen der Dimension „Persönliches Lernen“, die ich betrachtet habe, war durch die Methode verzerrt oder gar falsch. Man sieht dies noch einmal deutlich, wenn man sich fragt, wie denn der Kreis Lippe die Ergebnisse für eine zweite Auflage des Lernatlas verbessern könnte. Er müsste, um bei den Museumsbesuchen besser abzuschneiden, sich darum bemühen, dass mehr Leute in die Museen in den Kreisen Bielefeld, Gütersloh, Herford oder Minden-Lübbecke gehen. Bei den Theater- und Museumsbesuchen würde es helfen, wenn mehr Leute die Theater in Bielefeld und Paderborn oder die Konzerte in Höxter, Hameln oder Minden besuchten. Die Bibliothekskennzahl ist sicher am leichtesten zu verbessern; dazu müsste man in Gütersloh nur genauer zu rechnen lernen.

Leserbrief von Ewald Ernst

Horn, den 8.5.2012

Nachdem Landrat Heuwinkel im Dezember gesagt hatte, was zur Ehre Lippes zu sagen war, blamiert Dr. Joachim Eberhard, stellvertretender Direktor der Lippischen Landesbibliothek, sich, die Lippische Landesbibliothek und den Landesverband Lippe ohne Not und bestätigt Rang 144 von 144 auf dem Lippe im Lernatlas der Bertelsmann-Stiftung gelandet war.

Nur für Lippe die wissenschaftliche Bibliothek zu den öffentlichen Bibliotheken hinzuzurechnen, ist ein dummer Taschenspielertrick. Auch andere Kreise haben wissenschaftliche Bibliotheken. Bertelsmann hat die wissenschaftlichen Bibliotheken bewusst ausgeklammert. Auch in Lippe setzt kein Haupt-oder Realschulabgänger seinen Fuß über die Schwelle der wissenschaftlichen LLB, da direkt benachbart die Stadtbibliothek offen steht.  

Aber auch in Lippe gilt:                                 

Kreisumfang Kreisfläche F=πr²

Der schöne rote Kreis um den Mittelpunkt von Detmold mit dem Radius von 50 km hat eine Fläche von etwa 7.850 km² und nicht 15.700 km².

Doppelt falsch sind die gelehrten Schlussfolgerungen des Herrn Dr. Eberhard.

Mit freundlichen Grüßen

Ernst

Entgegnung zum Leserbrief

Sehr geehrter Herr Erns,

Vielen Dank für diese Zuschrift und Ihre Korrektur der Kreisformel. Ich habe sie oben in den Text schon eingesetzt. Das Argument ist trotz Korrektur immer noch überzeugend, wie Sie leicht nachvollziehen können, die Schlussfolgerung also nicht doppelt falsch, sondern einfach richtig.

Zum "dummen Taschenspielertrick": Ich habe nicht "nur für Lippe die wissenschaftliche Bibliothek zu den öffentlichen hinzugerechnet". Dann hätte ich auch die FH-Bibliothek mit Standort im Detmold und Lemgo, die Bibliothek der Musikhochschule, die der Lippischen Landeskirche und andere dazurechnen müssen (und in anderen Kreisen analog ähnliche wissenschaftliche Bibliotheken). Stattdessen habe ich mir angesehen, was Bertelsmann zu messen vorgibt: die "Lernbedingungen" in der Region. Dann habe ich überlegt, welche Daten sie dazu hätten heranziehen müssen. Da gehört zwingend die Lippische Landesbibliothek dazu, weil sie genau die gefragte / gemessene Funktion erfüllt, im Unterschied zu den anderen genannten wissenschaftlichen Bibliotheken. 

Dass die Bibliothek bei Bertelsmann nicht in den Blick kamen, ist ein Konstruktionsfehler der Studie, und genau das bemängele ich auch. Um's noch klarer zu machen: Stellen Sie sich vor, Bertelsmann hätte die Lebensbedingungen für Familien bewerten wollen. Eine Kennzahl wäre die Zahl der Kindergartenplätze pro Haushalt auf dem Gebiet des Kreises. Würde es dann genügen, wenn Bertelsmann nur die Kindergärten in der Trägerschaft der Kommunen (und nicht auch kirchliche und freie Träger) erfasst hätte?

J. Eberhardt