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Vom „verbummelten Lied“ zum Festgesang
Joseph Victor von Scheffels „Die Teutoburger Schlacht“

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 79 (2010), S. 171-191.

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Abb. 1: Joseph Viktor von Scheffel, um 1876
FrS B 113

Als „verbummeltes Lied“ und „abnormes Epos“ qualifizierte der 22-jährige Jurastudent Joseph Victor (von) Scheffel seine jüngst entstandenen Verse über die „Die Teutoburger Schlacht“, als er diese am 31. Oktober 1848 von Heidelberg aus der Redaktion des humoristisch-satirischen Wochenblattes „Fliegende Blätter“ zur Publikation offerierte. Um die „künstlerische Auswahl und Critik“ der Adressatin in die gewünschte Richtung zu lenken, unterstrich er, dass „gerade neben dem größten Ernste der Zeit auch der Humor um so reichlicher wachsen“ müsse und sich darüber hinaus sein Werk „zu einer Reihe ebenso gelungener Illustrationen“ eigne, wie das schon bei früher erfolgten Einsendungen der Fall gewesen sei.(1)  Scheffel hatte den richtigen Instinkt; denn parodistische Beiträge und kritisch-engagierte politische Satire, versehen mit Karikaturen ausgesuchter Künstler, zeichneten gerade im Vormärz und in den Folgejahren die „Fliegenden Blätter“ aus und begründeten ihre wachsende Beliebtheit.(2)  Die ambitionierten Herausgeber und Verleger Caspar Braun und Friedrich Schneider, die die Zeitschrift im Jahre 1845 in München ins Leben gerufen hatten, griffen ohne zu Zögern zu. Und so konnten sich die Leser im Jahrgang 1849 (Nr. 229, S. 100-102) nicht nur an den 13 Strophen des bissig-frivolen Gedichts „Die Teutoburger Schlacht“ ergötzen, sondern hatten gewiss auch ihr Vergnügen an den acht Holzschnitten, mit denen der Illustrator Ernst Fröhlich (1810-1882),(3)  ein ausgewiesener Buchkünstler, das Geschehen deftig unterlegt hatte. Nur das bescheidene Namenskürzel „J. S.“ wies auf den Autor des Liedes hin, das sich später unter seinem Eingangsvers „Als die Römer frech geworden“ bis heute im deutschen Liedschatz erhalten hat. Während sich die Entstehungszeit der Strophen so einigermaßen eingrenzen lässt, kann man die näheren Umstände, die den Verfasser veranlasst haben, sich mit dem Stoff der Varusschlacht zu befassen, allenfalls wahrscheinlich machen.

Künstlerische und schöngeistige Neigungen traten bei dem im Jahre 1826 in Karlsruhe als Sohn eines Ingenieurs und Oberbaurats geborenen Joseph Victor Scheffel schon früh zu Tage.(4)  Nur zu gern hätte sich der spätere „Lieblingsdichter des deutschen Bildungsbürgertums“ der Malerei verschrieben, doch folgte er dem auf eine Beamtenlaufbahn ausgelegten Wunsch des Vaters und schrieb sich im Herbst 1843 in der juristischen Fakultät der Universität München ein. Studienaufenthalte in Heidelberg, wo er einer studentischen Verbindung beitrat, in Berlin und wieder in Heidelberg folgten. Im März 1847 kehrte er als Rechtskandidat in seine Heimatstadt zurück, brachte 1848 das juristische Staatsexamen hinter sich und erwarb am Anfang des folgenden Jahres an der Universität Heidelberg den Doktorgrad. Seine Dissertation fasste er in lateinischer Sprache ab.(5) Noch als Rechtskandidat fungierte er als Sekretär des liberalen badischen Gesandten in der Paulskirche, Karl Theodor Welcker, der ihm allerdings in zu konservativen Kreisen verkehrte; ihm sei klar geworden, „dass die Republik unsere Zukunft sein muss“, schrieb er damals seinem Vater.(6) Später bekannte er sich eher zu den Anhängern der konstitutionellen Monarchie und favorisierte eine großdeutsche Lösung.

Die Abfassung der Verse von der „Teutoburger Schlacht“ wird gern in die Zeit von Ende Mai 1847 bis zu ihrer Zusendung an die Redaktion der „Fliegenden Blätter“ Ende Oktober 1848 gelegt.(7) Während über das Enddatum nicht diskutiert zu werden braucht, beruht das erstere auf dem Faktum, dass Scheffel schon am 26. Mai 1847 seine „Lieder eines fahrenden Schülers“ an die „Blätter“ geschickt hatte, die diese auch im Jahrgang 1847 (Nr. 116, S. 153-156) gebracht haben; weitere erschienen im Folgejahrgang.(8) Das Lied über die Schlacht im Teutoburger Wald war damals noch nicht enthalten, daraus schließt man, dass die Reime zu diesem Zeitpunkt noch nicht existiert haben. Zwingend ist das keineswegs, denn selbstverständlich hätten zumindest schon Ideenskizzen, Entwürfe, einzelne Strophen und ähnliches vorliegen können. Auch ist nicht einmal ausgeschlossen, ob nicht ohnehin eine frühe Fassung bereits in der Kneipzeitung der Burschenschaft Frankonia, als deren Redakteur Scheffel zeitweilig fungiert hat, erschienen ist. Juristische Kommilitonen, Bundesbrüder und Mitkandidaten mögen zu unterschiedlichen Gelegenheiten sogar das eine oder andere beigesteuert haben; Kneipabende bei rauem Männergesang beflügeln nach reichlichem Biergenuss die Dichtkunst. Verlässliche Aufschlüsse können hier nur vom autographen Befund erwartet werden.(9)

Grundsätzlich ist zu fragen, welche Ansatzpunkte es überhaupt gibt, die Anfänge des Liedes näher in den Griff zu bekommen. Unstreitig ist, dass sich das Zeitfenster wohl von Scheffels zweitem Studienaufenthalt in Heidelberg von November 1846 bis März 1847 über die sich unmittelbar anschließende Periode als Kandidat in Karlsruhe, Frankfurt und Heidelberg bis eben zum eingangs genannten Schreiben mit Beilagen vom 31. Oktober 1848 an die Redaktion der „Fliegenden Blätter“ anbietet. Unmittelbare Äußerungen des Autors zum Entstehen seines später so von ihm charakterisierten „lustigen Studentenliedes“ fehlen bisher. Befragt man das kleine Werk selbst, so bleibt die Ausbeute gering. Unmittelbaren Gegenwartsbezug weist das in der 13. und letzten Strophe spöttisch besungene unfertige Hermannsdenkmal auf. Es war deutschlandweit bekannt, dass im Herbst 1846 nach Fertigstellung des 28 m hohen Unterbaus, des Umgangs („Piedestal“) und des Kegelstumpfs für die Arminius-Figur die Arbeiten am Denkmal aufgrund ausbleibender Spendengelder und allgemein nachlassender Begeisterung zum Erliegen gekommen waren; zumindest die bissigen Verse können erst danach entstanden sein:

„Und zu Ehren der Geschichten
Will ein Denkmal man errichten,
Schon steht das Piedestal,
Doch wer die Statue [franz. auszusprechen] bezahl
Weiß nur Gott im Himmel!“

Abb. 2 a+b: Viktor von Scheffel, Die Teutoburger Schlacht
In: Fliegende Blätter 1849, Nr. 229, S. 100-102
LLB Detmold, SW 253c.4º

Autobiographische Züge tragen sicher die Strophen sieben und acht. Die Reime werden heute gern übergangen, da man mit ihrer schauerlichen Situationskomik nichts mehr Rechtes anzufangen weiß. Bekanntlich geht es um den im Römerheer als Volontär dienenden Rechtskandidaten Scaevola, der von den Cheruskern gefangen genommen und grausam gefoltert wird, indem man ihn vor dem Aufhängen rücklings auf sein Exemplar des Corpus iuris nagelt. Scheffel belegt damit seine gute Quellenkenntnis, denn Florus beschreibt im zweiten Buch seiner „Römischen Geschichte“(10) nicht nur den Selbstmord des Varus in den Sümpfen und Wäldern Germaniens, sondern auch die ausgesuchten Gräuel der siegreichen Stämme insbesondere gegen die römischen Rechtskundigen (in causarum patronos), die vom Ausstechen der Augen, über das Abhacken der Hände zum Herausschneiden der Zunge und des Zunähen des Mundes reichen; diese Marterszenen haben die Karikaturisten und Illustratoren stets zu Höchstleistungen angespornt.(11) Im Volontär Scaevola darf man getrost Scheffel selbst sehen, der seit März 1848 einerseits ohne Bezüge als Sekretär für den Abgeordneten Welcker tätig war, andererseits sich als Rechtskandidat parallel dazu auf seine juristischen Staatsprüfungen vorbereiten und sich hier u. a. durch das römische Recht quälen musste; das Examen soll er schließlich „in einem wahren Parforceritt“ bestanden haben. Seiner Aversion gegen das römische Recht hat er wenig später in seinem „Trompeter von Säckingen“ noch einmal Luft gemacht, wo er der Hauptfigur in den Mund legt:

„Römisch Recht, gedenk’ ich deiner,
Liegt’s wie Alpdruck auf dem Herzen,
Liegt’s wie Mühlstein mir im Magen,
Ist der Kopf wie brettvernagelt!“(12)

Mithin bedeuten die besagten Strophen geradezu eine persönliche Abrechnung des Kandidaten mit einem ungeliebten Studien- und Prüfungsstoff. Die historische Person des römischen Rechtsgelehrten Quintus Mucius Scaevola († 82 v. Chr.) gab obendrein ein treffliches Motiv ab: Zum Einen gilt er als Verfasser eines 18-bändigen Ius civile, zum Anderen lässt sich in seinem Namen mit etwas Wohlwollen eine vulgär-latinisierte Form von Scheffel erkennen (Scaevola = Scefela); zumindest ist ein Namensgleichklang nicht von der Hand zu weisen. Das bedeutet, dass diese beiden Strophen vergleichsweise spät entstanden sein könnten, eben erst in der Zeit, als Scheffel Rechtskandidat war. Für die Datierung des gesamten Liedes besagt das nichts, hier kommt man beim gegenwärtigen Wissensstand über den eingangs genannten Zeitrahmen nicht hinaus.

Unabhängig davon, wie weit Scheffel in der vaterländischen Geschichte bewandert war und er die dramatischen Bearbeitungen der Hermannschlacht von Klopstock, Kleist oder Grabbe kannte, die unmittelbare Anregung zu seinem Bänkelgedicht dürfte er mit ziemlicher Sicherheit Heines „Deutschland, ein Wintermärchen“, das 1844 erschienen war und das sich gerade in Studentenkreisen ausgesprochener Beliebtheit erfreute, erhalten haben. Im Kapitel XI, dem „Arminius-Caput“, heißt es dort bekanntlich über Varus:

„Das ist der Teutoburger Wald,
Den Tacitus beschrieben,
Das ist der klassische Morast,
Wo Varus stecken geblieben.

Hier schlug ihn der Cheruskerfürst
Der Hermann, der edle Recke;
Die deutsche Nationalität,
Die siegte in dem Drecke.“(13)

Heines „satirisch beschriebenen Germanensieg“ nimmt Scheffel auf, schlachtet ihn aber nur zu witzigen Pointen aus; feinsinniger Spott am Bemühen um eine „deutsche Nationalität“ und literarische Ironie an restaurativer Deutschtümelei lagen dem Badener fern. Aus dem „klassischen Morast“ und dem „Sieg im Drecke“ bleibt dann nur noch „Er geriet in einen Sumpf, / Verlor zwei Stiefel und einen Strumpf / Und blieb elend stecken“. Und auch zur letzten Strophe seines Liedes, in der es um das Denkmal geht, dürfte Scheffel von Heines Ausgangsversen animiert worden sein:

„O Hermann, dir verdanken wir das!
Drum wird dir, wie sich gebühret,
Zu Dettmoldt ein Monument gesetzt;
Hab’ selber subskribiret“.

Entgegen manch anderer Darstellung hat Heine den Denkmalsbau finanziell nicht unterstützt; er wäre sich selbst untreu geworden.(14) Neben ihm, der schon in seiner 1826 erschienenen „Harzreise“ in munterer Zechrunde im Brocken-Restaurant einem Greifswalder Studenten, der sich mit der Abfassung eines „Nazionalheldengedichts zur Verherrlichung Hermanns und der Hermannsschlacht“ trug, grotesk-alberne Ratschläge zur Abfassung eines solchen Epos gegeben haben will,(15) haben sicher noch andere Studentenlieder Pate gestanden; immerhin war das Hermann-Motiv weit verbreitet und die allgemeine Hermann-Begeisterung trug auch bei Scheffel ihre lyrischen Früchte, „wenn der Humor sich einstellt.“(16) Vielleicht kannte Scheffel das 1808 entstandene Lied „Auf, singet und trinket den köstlichen Trank“, das noch heute in den Kommersbüchern zu finden ist, und das vom Sieg der Bier trinkenden Germanen über die vom Weingenuss ermüdeten Römer kündet.(17) Der entsetzte Augustus der 11. Strophe („Erst blieb ihm vor jähem Schrecken …“) findet seine Parallele in den letzten Versen dieses Studentenliedes, wo es heißt „Da konnte Roms Kaiser des Siegs sich nicht freun, / Er weinte sich heiser und klagte beim Wein“. Dass er den verzweifelten Ausruf des Kaisers aus Suetons Kaiserviten nahezu wörtlich übernommen hat, wo es heißt „Quintili Vare, legiones redde,“(18) ist bekannt. Bereits Grabbe legte im „Schluss“ seiner „Hermannsschlacht“ dem sich mühsam aufrichtenden Augustus die Worte „Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!“ in den Mund.(19)

Abb. 3: Viktor von Scheffel, Die Teutoburger Schlacht, Reinschrift, o. Datum, Karlsruhe, Museum für Literatur am Oberrhein, Nachlass Scheffel, Nr. 1449.

Abb. 4: Viktor von Scheffel, Bleistiftzeichnung, 1865
LLB Detmold, A 826, eingeklebt auf Vorsatzblatt

Nach der Veröffentlichung des Liedes von der „Teutoburger Schlacht“ im Jahre 1849 in den „Fliegenden Blättern“ fanden die 13 Strophen Eingang in das 1855 im Verlag der Gebrüder Baensch in Magdeburg erschienene „Commersbuch für den deutschen Studenten“; während Verfasser- und Titelangaben fehlen, werden als Quelle die „Fliegenden Blätter“ und als Melodie diejenige des verbreiteten Liedes „Die Hussiten zogen vor Naumburg“, das seinen Text Karl Friedrich Seyferth, einem Juristen aus Langensalza (1832) verdankt, angegeben;(20) auch das 1858 erstmals bei Schauenburg in Lahr verlegte „Allgemeine Deutsche Kommersbuch“ mochte auf das in Studentenkreisen beliebte Lied römisch-germanischen Raufhändels nicht verzichten – und verzeichnet es noch heute in der 165. Auflage von 2008. Wohl eher auf sanften Druck von Freunden, besonders durch den geselligen Heidelberger Akademikerstammtisch der „Engeren“, als aus eigener Überzeugung heraus hat Scheffel 1868 eine Anthologie seiner heiteren Poesie unter dem Titel „Gaudeamus! Lieder aus dem Engeren und Weiteren“ bei Metzler in Stuttgart herausgebracht. Diese Sammlung von Gedichten, Studenten- und Trinkliedern sowie poetischen Reiseberichten und anderen humorvollen Beiträgen zu historisch-naturwissenschaftlichen Themen, von ihm anfangs nur schlicht als „Liederbuch“ und „leichtfertiges Sackbüchlein von 12 Bogen“ bezeichnet,(21) hat ihn im deutschsprachigen Raum auf einen Schlag berühmt gemacht und im Jahre 1887 die 50. Auflage erlebt; sie wird bis in die jüngere Vergangenheit nachgedruckt. Unter dem Rubrum „Culturgeschichtliches“ ist hier auch die „Teutoburger Schlacht“ vertreten. Im Jahre 1869 wurde zusätzlich eine von seinem Freund, dem Historienmaler Anton von Werner (1843-1915) mit 60 Holzschnitten illustrierte bibliophile Ausgabe im Quartformat aufgelegt, der 1877 eine zweite, auf 111 Illustrationen vermehrte Auflage folgte.(22) Darin ist dem zwei Jahre zuvor eingeweihten Hermannsdenkmal eine ganze Abbildungsseite gewidmet. In der seriösen Scheffel-Forschung besteht seit langem Einvernehmen darüber, dass im Gefolge dieser ausgesprochen populären Gedicht- und Liedersammlung der Blick des Publikums überhaupt erst auf diesen Autor gelenkt worden ist, und man sich nun auf dessen bereits 1854 erschienenes Versepos „Der Trompeter von Säckingen“ sowie auf den ein Jahr später vom gleichen Verfasser publizierten historischen Roman „Ekkehard“ entsann. Diese Werke von zunächst nur mäßigem Erfolg avancierten in der Folgezeit zu wahren Bestsellern.(23) Allein der „Trompeter von Säckingen“ wurde bis zum Jahre 1927 unvorstellbare 334 mal aufgelegt und dürfte damit wohl in keiner Hausbibliothek des deutschen Bürgertums gefehlt haben; der „Ekkehard“ hatte bis zum Jahre 1918 stolze 284 Auflagen erreicht.

In der Sammlung „Gaudeamus“ waren zunächst nur die 13 Strophen des Liedes versammelt, die bereits 1849 in den „Fliegenden Blättern“ enthalten waren. Doch tauchten erstmalig in der zweiten Auflage des nun im Leipziger Teubner-Verlag erschienenen „Commers-Buches für den deutschen Studenten“ (1858) zwei weitere bierselige und Trinkfestigkeit preisende Strophen auf, die Scheffel zeitweilig das Verdikt eines Saufpoeten eingebracht haben. Insbesondere für seine Mutter Josephine, die sich selbst an einer Ode „Thusnelde“ versucht hatte, war damit die Schmerzgrenze erreicht und, besorgt um ihren guten Namen, zögerte sie nicht, dem erwachsenen Sohn entsprechende Vorhaltungen zu machen.(24) Im Anschluss an die 10. Strophe, die nach vollbrachter Tat vom großen Frühstück der Cherusker kundet, wurde nämlich eingerückt:

„Hui, da gab’s westfäl’schen Schinken,
Bier soviel man wollte trinken,
Auch im Trinken blieb er Held,
Doch auch seine Frau Thusneld
Soff als wie ein Hausknecht.“

Und als nun letzte und damit 15. Strophe wurden die Verse hinzugefügt:

„Wem ist dieses Lied gelungen?
Ein Studente hat’s gesungen.
In Westfalen trank er viel,
Drum aus Nationalgefühl
Hat er’s angefertigt.“

Obwohl nach durchaus seriösem Bericht um 1850 eine Abschrift dieser 15-strophigen Version in einem Liber amicorum von der Hand Scheffels vorgelegen haben soll,(25) bestehen gewisse Zweifel daran, ob diese in Stil und Diktion so abweichenden beiden Strophen tatsächlich aus der sonst so witzig-pointierten Feder des Urhebers rühren; zu holprig sind die Verse, zu plump der Witz und zu platt ist die Aussage namentlich der Schlussstrophe.(26) In den vom Autor zu verantwortenden Gaudeamus-Ausgaben haben sie wohl aus guten Gründen nie Aufnahme gefunden.

Allerdings hat das Lied eine dauerhafte Änderung dann doch erfahren, denn nach Aufrichtung der Arminius-Figur sowie der Fertigstellung und Einweihung des Hermannsdenkmals im Jahre 1875 hatte die ursprünglich 13. und letzte Strophe, die vom unfertigen Denkmal handelt, ihren Sinn verloren. Der Überlieferung nach haben sangeskundige und reimfeste Männer aus Herford anlässlich eines Besuches auf der Grotenburg im Juni 1874 diese Strophe aktuell umformuliert in:

„Und zu Ehren der Geschichte,
Hat ein Denkmal man errichtet;
Deutschlands Kraft und Einigkeit
Verkündet es jetzt weit und breit:
‚Mögen sie nur kommen!’“(27)

Mit dieser Strophe ist zugleich die zwischenzeitlich vollzogene Umwidmung des Denkmals vom Sinnbild deutscher Einigkeit und Freiheit zum Macht und Stärke verkörpernden Nationaldenkmal preußisch-deutscher Prägung mit eindeutiger Zielrichtung gegen das revanchelüsterne Frankreich verbalisiert worden. Zu allem Überfluss hielt es die „dichterisch begabte Gattin“ eines der Herforder Kaufleute für ihre Pflicht, dem entsagungsvollen Architekten Ernst von Bandel ihrerseits ein lyrisches Denkmal zu setzen, indem sie reimte:

„Endlich nach so vielen Mühen
Von Bandel sieht sein Werk erblühen;
Hermann steht jetzt aufgestellt,
Zusammen kommt die ganze Welt
In dem Lipp’schen Reiche.“(28)

Abb. 5: Ludwig Teichgräber, Die Varus-Schlacht. Gedicht von J. v. Scheffel, für Solo, Chor und Clavier bearb. Dortmund 1875. Mit handschriftlichen Korrekturen und Anmerkungen Scheffels. Faksimile.
Linse 1909, Anhang, LLB Detmold, Lg 1384c.

Und als die Einweihung des Hermannsdenkmals in Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. am 16. August 1875 näher rückte, entstanden in Druckerei und Verlag Friedrich Crüwell in Dortmund wohlfeile Bilderbögen, die Scheffels Lied in einer 15-strophigen Variante humorvoll illustrierten und – in hohen Auflagen gedruckt – zu neuer Popularität erhoben; auf die ausgesprochen nichts sagende Strophe „Wem ist dieses Lied gelungen …“ hatte man dabei weise verzichtet. Scheffel hatte vom Verleger Friedrich Wilhelm Ruhfus am 1. August 1875 den Text mit der neuen Schlussstrophe erbeten und zugesagt, er werde „den ganzen Text durchgehen und … so corrigiren, daß er auch als Volkslied bei der Einweihung des Hermanndenkmals (!) würdig gesungen werden kann.“ Als Honorar erbat er sich „lediglich ein genaues Abbild oder Photographie“ des Denkmals, um dieses später in eine zweite Auflage der illustrierten Quartausgabe seines „Gaudeamus“ aufnehmen zu können; das ist in der Tat im Jahre 1877 durch Anton von Werner geschehen.(29) Wenige Tage später und damit kurz vor dem großen Festakt auf der Grotenburg übersandte er die Korrekturen. Bezüglich der ihm peinlichen 10. Strophe schärfte er den Verlegern des Bilderbogens und der gleichzeitig erscheinenden separaten Liedfassung ein, „den Text in dieser anständigen Fassung wiederzugeben“, da die ursprüngliche „studentisch übermüthig, ja roh“ erscheint, wenn sie nicht abgeändert würde;(30) allerdings hatte er dieser bereits am 9. Juli sein Imprimatur gegeben.(31) Dem Wunsche des Dichters konnte man aufgrund des fortgeschrittenen Termins für die Bilderbögen nicht mehr nachkommen; sie wurden auch in späteren Auflagen nicht verbessert. Neben einigen weiteren marginalen Eingriffen lautet die 10. Strophe allerdings in den ernsthaften Publikationen, in die sie Eingang gefunden hat, seither:

„Wild gab’s und westfäl’schen Schinken,
Bier, so viel man wollte trinken,
Auch im Zechen blieb er Held,
Doch auch seine Frau Thusneld,
Trank walkyrenmäßig.“

Angesichts der unstreitigen Leistungen Ernst von Bandels tolerierte Scheffel nach kleineren stilistischen Glättungen sogar die Reimversuche der Kaufmannsgattin. In den von ihm selbst veranlassten Ausgaben des „Gaudeamus“ hat allerdings nur die letzte, das vollendete Denkmal betreffende Strophe dauerhaft Berücksichtigung erfahren. Alle anderen Zudichtungen, auch die später auf Bilderleporellos verbreiteten weiteren Strophen, gerieten alsbald und ohne Schaden für die Nachwelt in Vergessenheit.(32) Als die Detmolder Druckereibesitzer August und Wilhelm Klingenberg den Autor baten, einen Beitrag über Ernst von Bandel und das Hermannsdenkmal – vermutlich für das von ihnen herausgegebene Album „Das Hermanns-Denkmal und der Teutoburger Wald“ – zur Verfügung zu stellen, lehnte Scheffel ab. Da ihm „die eigene Anschauung der zu schildernden Landschaft sowie des Denkmals“ fehle und er Bandel „in seiner markigen Eigenart“ persönlich nie kennengelernt habe, so sei es ihm nicht möglich, dem Wunsche nachzukommen, teilte er am 1. Juli 1875 brieflich mit.(33) Und so erschien der prächtige, mit 20 Lithographien lippischer Motive von Ludwig Menke versehene und mit poetischen Texten von Ludwig Altenbernd, Ferdinand Freiligrath, Felix Dahn und anderen angereicherte Band im Quartquerformat ohne gereimte Strophen des Festlieddichters.

Ein besonderes Problem stellt die Singweise des Liedes dar.(34) Erstmals gab das Magdeburger „Commers-Buch“ von 1855 an, dass die „Teutoburger Schlacht“ nach der Melodie des Volksliedes „Die Hussiten zogen vor Naumburg“ zu singen sei. Diese in vielen Varianten geläufige Melodie geht auf eine wohl ungarische Volksweise zurück, die namentlich durch Carl Maria von Webers „Andante und Rondo ungherese“, 1809 für Altviola und Orchester komponiert, 1813 für Fagott und Orchester bearbeitet und als op. 36 im Jahre 1816 herausgegeben, auch in Deutschland Verbreitung gefunden hat. Über 20 Jahre lang sangen kneipende Studenten und andere Zeit- und Zechgenossen das Schlachtenlied nach dieser Melodie, der Scheffel von Anfang an das Versmaß seines Gedichtes zugrunde gelegt hatte. Gewiss verdankte er dem „Hussiten-Lied“ zudem die Anregung zu der zeitweiligen Schlussstrophe „Und zu Ehren der Geschichten / Will ein Denkmal man errichten“, denn da heißt es am Ende bekanntlich „Und zu Ehren des Mirakel / Ist nun jährlich ein Spektakel“. Den flapsigen Refrain von sim-serim bis wau-wau-wau kannte das „Hussitenlied“ nicht. Als im Vorfeld der Einweihung des Hermannsdenkmals offenbar eine Hymne gesucht wurde, geriet der Text Scheffels wieder ins Blickfeld, allerdings scheint man die Hussiten-Melodie als für einen Festgesang zu diesem Anlass ungeeignet angesehen zu haben. Da es sich auf der anderen Seite jedoch um eine jedermann bekannte und eingängige Singweise handeln musste, griff man auf die populäre Melodie des „Liedes vom Bürgermeister Tschech“ zurück.

Mit diesem Lied hatte es folgende Bewandtnis: Am 26. Juli 1844 war vom Storkower Bürgermeister Heinrich Ludwig Tschech auf König Friedrich Wilhelm IV. und seine Gemahlin Elisabeth von Bayern ein Pistolenattentat verübt worden, die Potentaten blieben unversehrt, Tschech wurde ergriffen und später hingerichtet.(35) Während anfangs Freude und Erleichterung über die Unversehrtheit von König und Königin überwogen, wendete sich alsbald das Blatt, und maßlos enttäuscht über das wankelmütige Verhalten Friedrich Wilhelms und seine reaktionäre Regierung goss das Volk Hohn und Spott über das Attentat, den Attentäter und den Monarchen aus. Schnell reimte man den Bänkelsang „Wer war wohl je so frech, / als der Bürgermeister Tschech? / Denn er traf bei einem Haar / unser teures Königspaar …“ Der im Laufe der Zeit  immer wieder variierte Text wurde nach der Melodie des seinerzeit beliebten Festmarsches „Kriegers-Lust“, den der österreichische Militärkapellmeister Joseph Gungl (1809-1889) im Jahre 1841 komponiert hatte,(36) gesungen und nahm, von der preußischen Polizei argwöhnisch beäugt, die Gestalt eines Gassenhauers an.(37)

Die frische Melodie des Tschech-Liedes, die auch schon einen beißend-schmissigen Kehrreim enthielt, wurde für die Enthüllungsfeier des Denkmals spätestens 1875 durch den Dortmunder Musikalienhändler und Gelegenheitskomponisten Ludwig Teichgräber (1840-1904) als Festlied „für Solo, Chor und  Clavier“ bearbeitet und unter dem Titel „Die Varus-Schlacht“ herausgegeben. Dabei muss man ihm, der gelegentlich sogar als Komponist des Liedes benannt wird, zugestehen, dass er die Melodie seines Vorbildes nicht einfach übernommen hat, sondern offensichtlich darum bemüht war, die Anklänge an das Tschech-Lied bzw. an Gungls Marsch durch rhythmische Verfremdung und Wechsel mit neuen kurzen Floskeln abzumildern; dennoch schimmern die Vorlagen deutlich durch, und der Rest der „Komposition“ beschränkt sich auf eine simple Volksliedbegleitung.(38) Nach Teichgräbers eigener Aussage „lag die neue Melodie in der Dortmunder Gegend quasi in der Luft“; auf welchem Wege sie dorthin geweht ist, weiß man nicht. Wie auch immer diese Aussage zu bewerten ist, muss man wohl davon ausgehen, dass der Bearbeiter eher einer zwischenzeitlich eingetretenen Gewohnheit gefolgt ist. Die auf Joseph Gungls Festmarsch basierende Melodie für Scheffels „Als die Römer frech geworden“ verdrängte in der Folgezeit die alte Singweise nach dem „Hussitenlied“ völlig und auch eine im „Allgemeinen Reichs-Commersbuch“ von 1875 verbreitete abweichende Vertonung von A. Anger aus dem gleichen Jahr hatte ebenso wenig nachhaltige Wirkung wie eine weitere vom Ende der 1870er Jahre.(39) So darf man wohl annehmen, dass bei der feierlichen Einweihung des Hermannsdenkmals am 16. August 1875 das Musikkorps des 6. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 55 oder eine der anderen Musikkapellen die „Teutoburger Schlacht“ nach der uns heute geläufigen Melodie intoniert und der vielstimmige Chor der Festbesucher begeistert die von Joseph Victor (von) Scheffel kurz zuvor autorisierten Strophen geschmettert hat.(40) Nahezu drei Jahrzehnte nach seiner erstmaligen Publikation wurde nun das „verbummelte Studentenlied“ unter der Ohrenzeugenschaft des Kaisers zur Festhymne im Marschrhythmus geadelt.

Damit hatte das Lied wie das Denkmal selbst seine Entwicklung von der Wiederentdeckung des Arminius/Hermann als Frontfigur des entstehenden Nationalbewusstseins um 1848 über die eher unpolitische, die studentische Trinkkultur thematisierende Zeit der Restauration hin zur militaristisch-revanchistischen Umdeutung des nun gegen Frankreich gerichteten Nationalhelden Hermann durchlaufen.  Die bis heute besonders in Lippe ungebrochene Popularität des Liedes, das stets den Höhepunkt landsmannschaftlich-geselligen Wohlbefindens auf Neujahrsempfängen, Hermannstagen oder Schützenfesten bildet und längst auch die regionale Theaterbühne erobert hat, konnte dessen Autor, der anlässlich seines 50. Geburtstages in den Adelsstand erhoben wurde und am 9. April 1886 in Karlsruhe starb, bei aller ihm eigenen Phantasie nicht voraussehen.

Anmerkungen

  1. Nach LINSE, EMIL, J[oseph] V[ictor] v[on] Scheffels Lied von der „Teutoburger Schlacht“, eine Studie, Dortmund 1909, 11.
  2. Fliegende Blätter, München: Braun & Schneider, 1845-1944; die Zeitschrift erschien anfangs unregelmäßig, später wöchentlich. Im Vormärz und in den 1850er Jahren machte neben humoristischen Beiträgen auch politische Satire den Inhalt aus, nach behördlichen Repressalien und Konfiskationen wandten sich die Blätter allerdings bald ganz von der Politik ab und widmeten sich zunehmend volkstümlich-heiterer Unterhaltung, vgl. Obenaus, Sibylle, Literarische und politische Zeitschriften, 1848-1880, Stuttgart 1987, 74-76.  – Die Zeitschrift ist auch in (Teil-)Faksimiles und als elektronische Ressource verfügbar; jüngst hat die Universitätsbibliothek Heidelberg damit begonnen, ihr Exemplar zu digitalisieren und im Netz verfügbar zu machen, http://www.ub.uniheidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digilit/fliegendeblaetter.html . Einen Querschnitt aus den ersten Jahrgängen bietet Bernhard, Marianne (Hg.), Fliegende Blätter, eine Auswahl aus dem ersten Jahrzehnt, (Die bibliophilen Taschenbücher 74) Dortmund 1979; die Lippische Landesbibliothek Detmold (LLB) verfügt über ein nicht ganz vollständiges Exemplar, Signatur: SW 253c.4°; die Nummer 229 mit dem Erstdruck der „Teutoburger Schlacht“ wurde in der Jubiläumsausstellung im Lippischen Landesmuseum in Detmold gezeigt, vgl. Berke, Stephan (Bearb.), 2000 Jahre Varusschlacht. Mythos, Stuttgart 2009, 345-346, Kat.-Nr. 235.
  3. Über ihn vgl. THIEME, ULRICH (Hg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 12, Leipzig 1916, 519-511; FLEMIG, KURT, Karikaturisten-Lexikon, München 1993, 79.
  4. Die Literatur über Joseph Victor (von) Scheffel ist kaum noch zu übersehen; neben der materialreichen, aber mittlerweile überholten frühen Biographie von PROELSS, JOHANNES, Scheffel’s Leben und Dichten, mit vielen Original-Briefen des Dichters, Berlin 1887, vgl. vor allem die jüngeren Untersuchungen von SELBMANN, ROLF, Dichterberuf im bürgerlichen Zeitalter, Joseph Viktor von Scheffel und seine Literatur, (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, 3. F., 58) Heidelberg 1982; MAHAL, GÜNTHER, Joseph Viktor von Scheffel, Versuch einer Revision, Karlsruhe 1986; BERSCHIN, WALTER / WUNDERLICH, WERNER (Hg.), Joseph Victor von Scheffel (1826-1886), ein deutscher Poet – gefeiert und geschmäht, Ostfildern 2003, dieser Tagungsband enthält u.a. eine Scheffel-Bibliographie, die 387 Titel neuerer Literatur nachweist, s. SCHANK, STEFAN, Joseph Victor von Scheffel: Bibliographie 1945 bis 2001, 223-250; eine dankenswerte Aktualisierung bis zum Erscheinungsjahr 2005 von SCHANK, STEFAN, Joseph Victor von Scheffel: Bibliographie 1945 bis 2005 / für den Zeitraum 2001 bis 2005 zsgest. von JÜRGEN OPPERMANN, Karlsruhe 2006 [Online-Ressource; URL: http://www.boa-bw.de/bsz279239637.html]; für die ältere Literatur und namentlich für die frühen Textausgaben und Übersetzungen ist hilfreich die Zusammenstellung von BREITNER, ANTON, Joseph Viktor von Scheffel und seine Literatur, Bayreuth 1912; zuletzt erschienen der informative biographische Abriss von MESSMER, ROBERT, Joseph Victor von Scheffel, Schriftsteller und Dichter, 1826-1886, in: TADDEY, GERHARD (Hg.), Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 2005, 242-261, sowie der knappe Überblick von SCHMIDT-BERGMANN, HANSGEORG, Scheffel, Joseph Victor von, in: NDB, Bd. 22, Berlin 2005, 610-612. – Werkausgaben liegen vor von J. PROELSS (7 Bde., 1907-1908), J. FRANKE (10 Bde., 1917), A. KLAAR (6 Bde., 1917), A. KUTSCHER (3 Bde., 1917), K. SIEGEN / M. MENDHEIM (6 Bde., 1917; neu in 2 Bdn. von A. A. STEINER, 1969) und F. PANZER (4 Bde., 1920, 2. Aufl. 1925, Nachdr. 2004).
  5. Über Scheffels Jurastudium und seine juristische Tätigkeit ist heranzuziehen HAEHLING VON LANZENAUER, REINER, Dichterjurist Scheffel, (Schriftenreihe des Rechtshistorischen Museums Karlsruhe 6) Karlsruhe 1988.
  6. Scheffel an Philipp Jakob Scheffel, Frankfurt/Main, 5.4.1848 (ZENTNER, WILHELM <Hg.>, Joseph Victor von Scheffel, Briefe ins Elternhaus 1843-1849, Karlsruhe 1926, 177).
  7. LINSE 1909, 13; danach auch ANEMÜLLER, ERNST, Das Lied von der Teutoburger Schlacht, in: Der Teutoburger Wald, 1 (1925), 6 (Juli); LANG, RAIMUND, „Als die Römer frech geworden ..“, 1. Scheffels Bänkelsängerlied über einen o-beinigen Feldherrn; 2. Die Metamorphose eines Bänkelgesangs zum Festlied, in: Studenten-Kurier, N.F. 12 (1997), 2, 13-16; 3, 12-15; BRODERSEN, KAI, „Als die Römer frech geworden“. Historische Kontexte eines ‚Volkslieds’, in: WAGNER-EGELHAAF, MARTINA (Hg.), Hermanns Schlachten. Zur Literaturgeschichte eines nationalen Mythos, (Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen 32) Bielefeld 2008, 107-127; HELLFAIER, DETLEV, Bummellied und Hymne. Scheffels „Teutoburger Schlacht“, in: Heimatland Lippe 102 (2009), 254-256.
  8. Fliegende Blätter, 1848, Nr. 151, S. 50-52; Nr. 153, S. 70-71. – Scheffel an die Redaktion, Karlsruhe, 26.5.1847 (LINSE 1909, 7); von einem „Schock Bummellieder“, die er an die „Fliegenden Blätter“ geschickt habe, berichtet Scheffel am 8.8.1847 seinem Studienfreund Karl Schwanitz in Eisenach (SCHEFFEL, Briefe an Karl Schwanitz <Nebst Briefen der Mutter Scheffels> <1845-1886>, Leipzig 1906, 87). Gelegentlich haderte der Autor mit der ungeschickten Auswahl eingesandter Stücke und der säumigen Veröffentlichung, die er sich mit den anzufertigenden Illustrationen erklärte, vgl. Scheffel an Friedrich Eggers, Karlsruhe, 17.10.1847 (RUGE, GERDA <Hg.>, Eine Studienfreundschaft. Scheffels Briefe an Friedrich Eggers 1844/1849, Karlsruhe 1936, 58-59); Scheffel an Philipp Jakob Scheffel, Frankfurt/Main, 19.5.1848 (ZENTNER, 1926, 183-184); manches erschien erst nach Jahresfrist oder gar nicht, Scheffel an Philipp Jakob Scheffel, Frankfurt/Main, 8.6.1848, und vom 22.6.1848 (ebenda, 189, 191).
  9. Der im Museum für Literatur am Oberrhein, Karlsruhe, aufbewahrte Nachlass des Dichters enthält nur eine 13-strophige Reinschrift des Liedes „Die Teutoburger Schlacht“, Nachlass Scheffel Nr. 1449; Entwürfe oder Vorstudien sind nach freundlicher Auskunft meines Kollegen Dr. JÜRGEN OPPERMANN, Karlsruhe, dort nicht überliefert; der Nachlass des Dichters ist vorzüglich erschlossen von SCHMIDT-BERGMANN, HANSGEORG (Hg.), Joseph Victor von Scheffel. Inventar zu Nachlass und Sammlung, Bd. 1-3, (Schriften des Museums am Oberrhein 2, 1-3) Karlsruhe 2001.
  10. FLORUS, Epitoma de Tito Livio, II, 36-37.
  11. Die Illustrationen sind ebenso zahlreich wie der Abdruck des Liedes; beispielhaft sei verwiesen auf: HESSE, FERDINAND (Hg.), Viktor Scheffel-Album. Perlen deutschen Humors. Gesammelte Dichtungen von Viktor von Scheffel. Mit 325 Originalbildern namhafter Künstler, Berlin-Schöneberg 1913, unpag.
  12. SCHEFFEL, Sämtliche Werke, FRANKE, JOHANNES (Hg.), Bd. 1, Leipzig 1917, 19; seine rund 100 Seiten starke juristische Examensarbeit, die er später zur Dissertation ausgebaut hat, befasste sich mit dem komparatistischen Thema „Über die Natur und Bedeutung des Surrogats nach römischen und französischem Recht“ und war im Herbst 1847 fertig geworden, Scheffel an Friedrich Eggers, Karlsruhe, 17.10.1847 (RUGE 1936, 54).
  13. HEINE, Hist.-krit. Gesamtausgabe („Düsseldorfer Ausgabe“), WOESLER, WINFRIED (Bearb.), Bd. 4, Hamburg 1985, 114-116; vgl. auch zum Folgenden BRODERSEN 2008, 112-117; KÖSTERS, KLAUS, Mythos Arminius. Die Varusschlacht und ihre Folgen, Münster 2009, 229-233; LÖRCHNER, SANDRA, „Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht, [...] [u]nd wir sind Deutsche geblieben!“ Ironisierender Blick auf die „Schlacht im Teutoburger Wald“, in: LOSEMANN, VOLKER / STIEWE, BARBARA, Arminius / Hermann und die Deutschen. Ein nationaler Mythos, Marburg 2009, 51-58.
  14. Ein Quellenbeleg für eine finanzielle Zuwendung Heines zum Denkmalsbau konnte bisher nicht beigebracht werden, allerdings wurde ihm vom Verein für das Hermannsdenkmal über die Pariser Buchhandlung Brockhaus und Avenarius eine Druckgraphik des projektierten Denkmals zugeleitet; nach der französischen Fassung des „Wintermärchens“ hat Heine die fiktive Summe von cinq centimes beigesteuert, was seine Einstellung zum Denkmalsprojekt in aller Deutlichkeit zeigt; HEINE 1985, 1125.
  15. HEINE, Hist.-krit. Gesamtausgabe („Düsseldorfer Ausgabe“), HERMAND, JOST (Bearb.), Bd. 6, Hamburg 1973, 123.
  16. So motivierte er am 8.6.1848 eine aktuelle Sendung an die „Fliegenden Blätter“, Scheffel an Philipp Jakob Scheffel (ZENTNER 1926, 191).
  17. Darauf hat LANG 1997, 1, 14, aufmerksam gemacht. Unter der Eingangsstrophe „Auf Brüder und trinket / Den köstlichen Trank! / Auf jubelt, und singet / Dem Geber den Dank“ erschien das Lied zuerst in dem kleinen anonymen Liederbuch: Lieder im geselligen Kreise zu singen, Greifswald 1808, 13-15; die Vermutung LANGs, dass Scheffel dieses Lied aus der Anthologie von POCCI, FRANZ VON, Alte und neue Studentenlieder mit Bildern und Singweisen, Landshut 1844, gekannt haben mag, trifft nicht zu, da das Lied darin gar nicht enthalten ist.
  18. SUETON, De vita Caesarum, 23,2.
  19. GRABBE, Hist.-krit. Gesamtausgabe, BERGMANN, ALFRED (Bearb.), Bd. 3, Emsdetten 1961, 379.
  20. Vgl. dazu MITZSCHKE, PAUL, Das Naumburger Hussitenlied. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen volkstümlichen Dichtung, Naumburg 1907.
  21. Scheffel an Anton von Werner, Karlsruhe, 23.3.1867 (WERNER, ANTON VON <Hg.>, Briefe Josef Victor von Scheffels an Anton von Werner 1863-1886, Stuttgart 1915, 35) und dass. vom „Allerseelentag“ (1.11.) 1867 (ebenda, 66); zur Sammlung „Gaudeamus“ vgl. u.a. SELBMANN 1982, 107-117; MAHAL 1986, 149-167; mit Hinweisen auf den Eingang des Liedes in die diversen Kommersbücher auch BRODERSEN 2008, 118-120.
  22. Ursprünglich war wohl nur eine durch Anton von Werner illustrierte Ausgabe vorgesehen, doch hielt Scheffel es im Mai 1867 für zweckmäßig, „eine unillustrierte vorauszuschicken“, da „die Kriegsereignisse die illustrierte Ausgabe wieder verzögern könnten“, Scheffel an Anton von Werner, Heidelberg, 4.5.1867 (VON WERNER 1915, 45); vgl. auch DRESCH, JUTTA, „... lebendige Gestalten aus alter Zeit“. Anton von Werners Illustrationen der historischen Dichtungen Joseph Victor von Scheffels, in: BARTMANN, DOMINIK (Hg.), Anton von Werner, Geschichte in Bildern. [Ausstellungskatalog.] 2. Aufl. München 1997, 33-48, zur Sammlung „Gaudeamus“ 40-42. – Der Maler und Zeichner von Werner wurde zum Buchillustrator Scheffels schlechthin. Die beiden hatten sich im Dezember 1862 in Karlsruhe kennen gelernt und trotz des erheblichen Altersunterschieds schnell Freundschaft geschlossen, vgl. WERNER, ANTON VON, Jugenderinnerungen (1843-1870), BARTMANN, DOMINIK (Hg.), (Quellen zur deutschen Kunstgeschichte vom Klassizismus bis zur Gegenwart 3) Berlin 1994, 80-85.
  23. Zuletzt hat MAHAL, GÜNTHER, Erinnerungen an einen Vergessenen, in: BERSCHIN / WUNDERLICH 2003, 11-21, hier 16, auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht.
  24. LINSE 1909, 20-21; SCHEFFEL, JOSEPHINE, Gedichte, SCHEFFEL, VIKTOR VON (Hg.), Stuttgart 1892, 112; vgl. auch MAHAL 1986, 149-151; für Interaktionen zwischen Mutter und Sohn bezüglich des Hermann / Thusnelda-Stoffes, die gelegentlich unterstellt werden, gibt es keine Hinweise.
  25. Nach LINSE 1909, 21.
  26. Die Begrifflichkeit „Hausknecht“ ist Scheffel zumindest nicht fremd: „in Hannover gibt’s bloß Adlige und Hausknechte in adligen Häusern“, charakterisiert er 1848 die Sozialstruktur der Residenzstadt, Scheffel an seine Großmutter, Ratzeburg, 4.7.1848 (ZENTNER 1926, 194); dem Maler Anton von Werner wünscht er in Paris „starke hausknechtartige Schutzengel“, Scheffel an Anton von Werner, Karlsruhe, 8.4.1867 (VON WERNER 1915, 39); vgl. BRODERSEN 2008, 119.
  27. LINSE 1909, 23; BRODERSEN 2008, 121-124.
  28. LINSE 1909, 24.
  29. Scheffel an Friedrich Wilhelm Ruhfus, Radolfzell, 1.8.1875 (Faksimile bei LINSE 1909, 26); SCHEFFEL, Gaudeamus. Mit 111 Holzschnitt-Illustrationen ... von ANTON VON WERNER, 2. Aufl. Stuttgart 1877, 51; vgl. SELBMANN 1982, 182-183.
  30. Scheffel an Friedrich Wilhelm Ruhfus, [Radolfzell,] 6.8.1875 (Faksimile des Briefes und faksimilierter Korrekturabzug bei LINSE 1909, 27 und Anhang).
  31. SCHEFFEL, Die Varus-Schlacht. Erinnerungsblatt an den 16. August 1875. Ill. von MAX HÜGEL, (Illustrierte Volkslieder 1) Dortmund 1875, LLB Detmold, Ba B 56.
  32. SCHEFFEL, Die Varus-Schlacht. Römerlied [Umschlagtitel: Als die Römer frech geworden.] Ill. von ARTHUR THIELE, Halberstadt 1920 (Nachdr. Rosdorf bei Göttingen 2009).
  33. Scheffel an die Gebrüder Klingenberg, Radolfzell, 1.7.1875 (LLB Detmold, Autogr. 333).
  34. Dazu besonders Steinitz, WOLFGANG, Woher stammt die Melodie zu „Als die Römer frech geworden“?, in: WEGENER, HEINZ (Hg.), Musa-Mens-Musici. Im Gedenken an Walther Vetter, Leipzig 1969, 347-355; auch LINSE 1909, 24-30, und BRODERSEN 2008, 118-122.
  35. Über Tschech und das Attentat vgl. STRECKFUSS, ADOLPH, Berlin im neunzehnten Jahrhundert, Bd. 3, Berlin 1869, 184-220; BARCLAY, DAVID E., Anarchie und guter Wille. Friedrich Wilhelm IV. und die preußische Monarchie, Berlin 1995, 180-182; KELLERHOFF, SVEN FELIX, Attentäter. Mit einer Kugel die Welt verändern, Köln 2003, 51-53; Quellencharakter hat die Darstellung der Tochter des Attentäters, die im Laufe der folgenden Jahre mit Radikaldemokraten sympathisierte, siehe TSCHECH, ELISABETH, Leben und Tod des Bürgermeisters Tschech …, Bern 1849; einen bibliophilen Nachdruck von zeitgenössischen Dokumenten kommentiert KLÜNNER, HANS-WERNER, Drei Dokumente zum Attentat des Heinrich Ludwig Tschech auf König Friedrich Wilhelm IV., Braunschweig 1983, 1 Bl., 3 faks. Beil.
  36. GUNGL, JOSEPH, Kriegers Lust. Fest-Marsch, op. 26, für Pianoforte in H-Dur [Klavierpartitur], Berlin 1843, Pl.-Nr. 695, LLB Detmold, Mus-n 17357; zu Gungl siehe MGG 5, 1956, 1121-1122; MGG 8, 2. Aufl., 2002, 278-279.
  37. Vgl. Steinitz, WOLFGANG, Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten, Bd. 2 (Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Volkskunde 4,II) Berlin 1962, 120-146; zuletzt RICHTER, LUKAS, Der Berliner Gassenhauer. Darstellung, Dokumente, Sammlung, (Volksliedstudien 4) [2. Aufl.] Münster 2004, 62-63, 160-163, 233-238, 344-351.
  38. Herrn Prof. Dr. Joachim VEIT, Detmold, danke ich für fachkundige Unterstützung.
  39. MÜLLER, Friedrich KONRAD (Hg.), Allgemeines Reichs-Commersbuch für Deutsche Studenten, Leipzig 1875, 289-290; das Lied wird dort unter dem Titel „Quinctilius Varus“ mit dem Hinweis auf die ebenfalls gebräuchliche Singweise nach dem Hussitenlied aufgeführt; vgl. auch BRODERSEN 2008, 120, 126. – Auf Anfrage des Premierleutnants Gaissert-Brückenau aus Stuttgart erhob Scheffel keine Einwände gegen eine erneute Vertonung seines Liedes, ja er forderte geradezu dazu auf und erläuterte bei dieser Gelegenheit, wie es zum Arrangement Teichgräbers im Vorfeld der Einweihung des Hermannsdenkmals gekommen ist; 1880 war er dann bei einer Stuttgarter Künstlergesellschaft zu Gast, wo „das neu vertonte Scheffellied (…) in traulichster Künstlerklause bei schwäbischem Rebensaft“ erschallte, vgl. GAISSERT-BRÜCKENAU VON, Als die Römer frech geworden …, in: Der Teutoburger Wald, 2 (1926), 8 (Aug.)   
  40. Zur Einweihungsfeier vgl. zuletzt MELLIES, DIRK, „Symbol deutscher Einheit“. Die Einweihungsfeier des Hermannsdenkmals 1875, in: BERKE (Hg.) 2009, 222-228.
  41. So jüngst herausgearbeitet und zusammengefasst von BRODERSEN 2008, 124-125.