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„von Autographensammlern ausgeplündert“ – Ein kurzer Briefwechsel zwischen Wilhelm Buchner und Karl Ferdinand Dräxler

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Grabbe-Jahrbuch 26.2007/2008 (2009), S. 142-158.

Unter diesem Zitat wurde im einschlägigen Autographenhandel ein eigenhändiger Brief mit Unterschrift des Schriftstellers und Publizisten Karl Ferdinand Dräxler-Manfred angeboten, der im Januar 2008 von der Lippischen Landesbibliothek in Detmold für ihre Freiligrath-Sammlung erworben werden konnte.[1] Der im Darmstädter Domizil Dräxlers geschriebene Brief datiert vom 26. Januar 1879 und ist an Wilhelm Buchner in Krefeld, den Verfasser der 1882 erschienenen, zweibändigen Briefbiographie Ferdinand Freiligraths gerichtet.[2] Dabei ist allerdings anzumerken, dass es sich zunächst um einen Brief Wilhelm Buchners handelt, den dieser am 9. Dezember 1878 an den Empfänger in Darmstadt gerichtet hatte, und Dräxler nutzte die bis auf wenige Zeilen frei gebliebene Rückseite des Briefbogens für sein Antwortschreiben; dass dieses urschriftliche Rückschreiben aus Gründen der Sparsamkeit erfolgte, mag man allenfalls mutmaßen. Der inhaltlich eher marginale kurze Briefwechsel auf gerade einmal zwei Seiten gewinnt allerdings dadurch an Quellenwert, dass Konrad Hutzelmann jüngst die Entstehungsgeschichte von Buchners berühmter und aufgrund des Fehlens einer modernen Briefausgabe Freiligraths für die Forschung immer noch unverzichtbaren Briefbiographie einer kritischen Prüfung und Bewertung unterzogen hat. Seine wesentlichen Ergebnisse,  Hintergrund und Umfeld des kleinen Schriftwechsels, der hier zunächst im vollen Wortlaut wiedergegeben wird, sind noch einmal in Erinnerung zu rufen und zu kommentieren.[3]

Wilhelm Buchner, eigenhänd. Brief mit Unterschrift an den Publizisten Karl Ferdinand Dräxler(-Manfred) in Darmstadt, dat. Krefeld, 9. Dezember 1878.

                                                                              Crefeld, 9. Dez[ember] 1878.

Hochverehrter Herr!

Vielleicht gedenken Sie noch des jungen Mannes, welcher ab u[nd] zu Ihrer „Muse“ einen kleinen Beitrag lieferte, u[nd] daraus, aus Ihrer Freundschaft mit meinem seligen Vater, die Berechtigung herleitet, Sie mit einer Bitte zu belästigen.

Frau Ida Freiligrath hat mir den brieflichen Nachlaß ihres Gatten u[nd] was sie von Briefen desselben gesammelt, zum Druck einer umfaßenden biographischen Arbeit über den Dichter anvertraut. Es gilt nun auch meinerseits Material zu sammeln. Unter den Manuscripten befinden sich mehrere Briefe von Ihnen, u[nd] ich darf wol [!] annehmen, daß Freiligrath dieselben nicht unbeantwortet ließ. Ich wäre Ihnen, verehrter Herr, zu lebhaftestem Dank verpflichtet, wollten Sie mir dieselben zum Zwecke der ernsten literarischen Benutzung im Original oder Abschrift überlaßen, wie es mir bereits von anderer Seite her mehrfach gewährt worden [ist].

Sie würden mich sehr verpflichten, wollten Sie mir direkt oder durch meinen Bruder, Advocat Buchner [d.i. Adolf Buchner, 1829-1911] in / Darmstadt, ein kurzes Wort sagen, ob ich auf Ihre freundliche Unterstützung rechnen darf.

Mit ergebenstem Gruße

                                                Dr. Wilh[elm] Buchner
                                                Direktor der Städt[ischen] H[öheren]
                                                Mädchenschule

[Urschriftlich zurück auf der Rückseite des gleichem Blattes:] Karl Ferdinand Dräxler-Manfred, eigenhänd. Brief mit Unterschrift an den Schulrektor Dr. Wilhelm Buchner in Krefeld, dat. Darmstadt, 26. Februar 1879.

Mein werther Herr!

Es thut mir sehr leid Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können. Bei Nachsuchung in den alten Briefen haben sich keine von Fr[eiligrath] vorgefunden. Seine Correspondenz war auch fast immer eine kurze und bezog sich in den Jahren, als ich noch Redakteur des „Rheinischen Taschenbuchs“ war, auf Begleitschreiben zu eingesendeten Beiträgen und auf Honorarbedingungen. Um diese kleinen Briefchen bin ich längst von Autographensammlern ausgeplündert worden. –

Da ich von 1839-1845 mit Fr[eiligrath] viele persönliche Zusammenkünfte in Köln, Unkel, St. Goar, Wiesbaden hatte, so trat der mündliche Austausch an Stelle der Correspondenz.

Mit herzlichem Bedauern und hochachtend Ihr ergebener

Dräxler-Manfred

Darmstadt, 26. Febr[uar] 1879.

[Sammlervermerk unten links, 19. Jh.:] Österreich[ischer] Dichter & Novellist

Wilhelm Buchner hatte „alles andere als eine Briefedition vorzulegen beabsichtigt,“  sondern stand ganz in der Tradition der bereits im 19. Jahrhundert verbreiteten und in der Gegenwart wieder entdeckten biographisch-literarischen Gattung der „Briefbiographie“, die unter Heranziehung von aussagefähigen Briefen oder Auszügen aus solchen ein autobiographisch geprägtes Lebensbild nachzeichnet. Die gelegentlich offen oder unterschwellig geäußerte Kritik an seinem Werk zielt ins Leere, wenn sie Maßstäbe anlegt, die allenfalls einer nach modernen briefeditorischen Grundsätzen erarbeiteten Sammlung gerecht werden könnten. Bei allen Unzulänglichkeiten – Lesefehler, nicht aufgelöste Namen, nicht gekennzeichnete Textauslassungen, fehlende Registereinträge u. ä. - , die im Übrigen in ihrer Summe doch eher zu vernachlässigen sind, wird allzu leicht übersehen, dass Buchners Werk mit 623 mitgeteilten Briefen zur Stunde noch immer die umfassendste Dokumentation von Freiligrath-Briefen im Volltext darstellt. Wenn man sich darüber hinaus klar macht, wie diese Briefbiographie überhaupt zustande gekommen ist, gewinnt die Leistung Buchners zusätzlich an Gewicht.

Denn aufgrund bisher nicht hinreichend herangezogener brieflicher Äußerungen Ida Freiligraths hat Hutzelmann nachweisen können, wie intensiv die Witwe um den Nachruhm des verstorbenen Dichters bemüht gewesen ist. Sie hatte nicht nur dafür Sorge getragen, dass bereits 1877, also ein Jahr nach seinem Tod, eine dritte und gleich anschließend noch eine vierte, „sehr vermehrte und vervollständigte Auflage“ seiner Gesammelten Dichtungen bei Göschen herausgebracht werden konnte[4], sondern hatte zudem den Publizisten und Radikaldemokraten Ludwig Walesrode (1810-1889) mit der Abfassung einer Biographie Freiligraths beauftragt und ferner Vorkehrungen getroffen, eine Briefausgabe des Dichters zu veranstalten. Zu diesem Zwecke waren zahlreiche Briefpartner Freiligraths oder deren Erben kontaktiert und um kurzzeitige Überlassung von Briefschaften des Verstorbenen gebeten worden. Das mühselige Unterfangen blieb nicht ohne Erfolg: Briefe an Chamisso, Gustav Schwab, Carriere, Levin Schücking, Müller von Königswinter, an die früheren Barmer Freunde Koester und Eichmann, an den Jugendfreund Ludwig Merkel in Detmold und an viele andere gelangten so in ihre Hände, wurden unter Mithilfe ihrer Schwester Marie abgeschrieben oder exzerpiert, um daraufhin an die Empfänger zurückgesandt zu werden; Heinrich Zulauff, einst Freund aus dem Wuppertal und Mitfinanzier der „Neuen Rheinischen Zeitung“, hatte die an ihn gerichteten Briefe Freiligraths sogar selbst abgeschrieben und Kopien übersandt, da er um den Verlust der Originale auf dem risikobehafteten Weg von Texas nach Cannstatt fürchtete. Ludwig Walesrode indes, der über Jahre mit Freiligrath das Exil in London geteilt hatte und der für eine Biographie gewiss prädestiniert schien, dessen Beurteilung von Leben und Werk man mit gespanntem Interesse hätte entgegensehen können, kam über Vorarbeiten nicht hinaus und sah sich aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, den Auftrag zurückzugeben. Ihm verdanken wir nur das ausführlich wertende und werbende „Vorwort“ zum Versteigerungskatalog der „Bibliothek Freiligrath“ von 1878, die nach seinen Worten „einen sprechenden Zug in dem biographischen Bilde des Dichters“ bildet.[5] Vor diesem Hintergrund sah Ida Freiligrath von ihrem ursprünglichen Vorhaben – Biographie und Briefausgabe – ab; damit bot sich das Genre der Briefbiographie geradezu von selbst an.

Im Laufe des Jahres 1878 konnte Dr. Wilhelm Buchner (1827-1900), Direktor der Höheren Töchterschule in Krefeld, als Verfasser gewonnen werden. Nach eigener Aussage brachte ihn sein in der Augsburger Allgemeinen Zeitung verfasster Nachruf auf Freiligrath wieder in den Kontakt mit der Ehefrau des Verstorbenen, und nachdem nun Walesrode von seinem Plan abstehen musste, geriet er erneut ins Blickfeld. Der Vertrauensvorschuss, den die Nachlassverwalterin damit gewährte, hatte einen nachvollziehbaren Hintergrund, denn Buchner war in der Familie Freiligrath wohlbekannt. Im Hause seines Vaters, des Justizrats und Publizisten Karl Buchner (1800-1872) in Darmstadt hatten der damals 14jährige Gymnasiast und seine jüngeren Geschwister den berühmten Dichter kennen gelernt. „Und wir heranwachsenden Söhne verehrten und liebten den gefeierten Dichter, der uns zugleich so heiter und menschlich liebenswürdig entgegenkam“, charakterisiert Buchner in der Rückschau diese gemeinsam erlebte Zeit. Frisch vermählt mit Ida Melos hatte Freiligrath in den Jahren 1841 bis 1842 Darmstadt als Wohnsitz gewählt und in dem Ehepaar Karl und Auguste Buchner „verstehende und stützende Freunde“ gefunden.[6] Nicht zuletzt dank Freiligrath wurde das Haus Karl Buchners, der selbst seit jeher literarischen Neigungen anhing und im Rheinischen Odeon, in der Augsburger Allgemeinen Zeitung, im Schwäbischen Merkur und in anderen Blättern publizierte,[7] zu einem Treffpunkt der literarischen Szene. Eduard Duller, Louise von Ploennies, Justinus Kerner, Ludwig Uhland, Gustav Schwab, Clemens Brentano, Emanuel Geibel, Levin Schücking, Hans Christian Andersen und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben genossen hier wiederholt Gastfreundschaft. Folgt man der im Briefstil verfassten Familienchronik von Marie Buchner (1872-1931), einer Tochter Wilhelms, so legten die Großeltern Wert darauf, dass die Kinder  bisweilen Gelegenheit erhielten, die Gespräche mit Freiligrath und anderen illustren Gästen zu verfolgen, denn  ... verstehen sie auch nicht alles, so bleibt doch manches Wertvolle in ihnen haften, das ihre Zukunft bereichern wird.[8]

Als Freiligrath nach dem Scheitern seines gemeinsam mit dem Schriftsteller und Übersetzer Heinrich Künzel konzipierten Projektes einer Wochenschrift „Britannia“, die sich der würdigen Verbreitung der englischen Literatur und der englischen Lebensart in Deutschland zum Ziel gesetzt hatte, Darmstadt im Juni 1842 in Richtung St. Goar verließ, blieben er und seine Frau der Familie Buchner mit Unterbrechungen fast ein Leben lang verbunden. Und Karl Buchner, zu den Freisinnigen zählender ehemaliger Gießener Burschenschafter und sogar zeitweiliger Sympathisant der radikalen Studentenbewegung um Karl Follen,[9] zählte aufgrund seiner liberal-demokratischen Überzeugung zu den Korrespondenzpartnern, die Freiligrath im Zuge seiner Entwicklung zum politischen Dichter wiederholt konsultierte und deren Meinung er schätzte.[10] Mit den Worten Sie sind zwar Constitutioneller und ich bin Republikaner (...), aber wir lieben uns darum doch, und haben am Ende auch nur Ein gemeinschaftliches Ziel vor Augen beschreibt Freiligrath 1848 kurz vor der Rückkehr nach Deutschland sein Verhältnis zu dem Darmstädter Vertrauten.[11]

Der Sohn, Wilhelm Buchner, gehörte bereits als Gymnasiast einem Literaturzirkel an und war früh publizistisch tätig. Sein Studium der Sprachwissenschaft und der Klassischen Philologie in Gießen und Berlin schloss er im Jahre 1848 mit der Promotion ab und erwarb die Lehrbefähigung an Gymnasien. Während seiner Studienzeit in Berlin hatte er Kontakt zu Varnhagen von Ense, den Brüdern Grimm, Ludwig Tieck und zu Bettina von Arnim. Nach Darmstadt zurückgekehrt, traf er im Oktober 1848 im Hause seiner Eltern wieder mit Ferdinand Freiligrath zusammen, dessen Besuch auch hier einem Triumphzug gleich kam. Und ein Jahr später, nach dem gerade erfolgten Verbot der „Neuen Rheinischen Zeitung“, nutzte Buchner einen Umweg über Köln, um dem verehrten Dichter einen Besuch abzustatten. Die Familienüberlieferung weiß zu berichten, dass er gemeinsam mit dem Bonner Studenten und politischen Dichter Adolf Strodtmann Freiligrath aufgesucht hatte, der bei aller Liebenswürdigkeit einen eher deprimierten Eindruck bei seinen jungen Besuchern hinterlassen haben soll.[12] Freiligrath und sein späterer Biograph haben sich wohl nicht wieder gesehen. Auch scheint brieflicher Kontakt nicht aufgenommen worden zu sein, wenn man davon absieht, dass Freiligrath am 26. April 1872 den Kindern Karl Buchners mit bewegten Worten zum Ableben ihres Vaters kondolierte[13] und Wilhelm ein knappes Jahr später jene Traueranzeige erhielt, mit der Ida und Ferdinand Freiligrath den Tod ihres Sohnes Otto bekannt gaben.[14]

Über verschiedene Zwischenstationen gelangte Buchner 1855 schließlich als Lehrer an das Realgymnasium in Eisenach, heiratete hier Dorette Rein, die Tochter des Gymnasialprofessors Dr. Wilhelm Rein,[15] und erhielt dank familiärer Verbindungen nach Krefeld zwei Jahre später den Ruf als Direktor der dortigen Evangelischen Höheren Töchterschule. Aufgrund seiner unbestrittenen pädagogisch-didaktischen Fähigkeiten und seines Geschickes im Umgang mit Kollegium und politischen Gremien gelang es ihm, die private Anstalt zu einem modernen öffentlichen Bildungsinstitut in städtischer Trägerschaft (seit 1874) auszubauen, dem er bis 1893 vorstand.[16] Bereits lange vor der Bearbeitung der Briefbiographie Freiligraths hatte er sich durch einschlägige literaturwissenschaftliche, biographische und bildungstheoretische Publikationen einen Namen gemacht. Vornehmlich für den Gebrauch an höheren Schulen war schon 1852 seine „Geschichte der deutschen Nationalliteratur“ erschienen, die er um einen Abriss der deutschen Kunstgeschichte ergänzt hatte und die mehrere Auflagen erfuhr; die „Kunstgeschichte“ wurde seit 1878 als eigenständige Monographie vertrieben und überlebte ihn mit der 13. Auflage 1918 um fast zwei Jahrzehnte. Ein ähnlicher Erfolg war auch seiner gleichfalls zu Unterrichtszwecken bearbeiteten „Deutschen Dichtung“ beschieden, denn deren achte Auflage, bearbeitet von Heinrich Werneke, kam noch im Jahre 1904 heraus. Hohen Bekanntheitsgrad genoss zudem seine „Deutsche Ehrenhalle“, die in 25 Lieferungen zwischen 1858 und 1862 Lebensabrisse großer Deutscher brachte und seit 1869 um weitere 18 Bändchen, zeitweilig unter dem Synonymtitel „Deutsche Ruhmeshalle“, vermehrt worden war. Allein schon diese thematisch breite Palette an selbständig erschienenen Veröffentlichungen qualifizierte ihn für eine Arbeit über Freiligrath und hinzu trat, dass er diesem 1877 neben dem bereits genannten Nachruf einen soliden, persönliches Empfinden nicht verleugnenden Aufsatz im Schulprogramm der Höheren Mädchenschule in Krefeld gewidmet hat.[17]

So gerüstet hatte er nach eigenem Bekunden selbst bei Ida Freiligrath nachgesucht, ihm „das vorhandene briefliche Material zum Zweck einer biographischen Arbeit anzuvertrauen“. Die Witwe konnte sich nach Walesrodes Absage glücklich schätzen, in Buchner einen würdigen Nachfolger für die ihr am Herzen liegende Aufgabe gefunden zu haben; bereitwillig folgte sie seinem Anerbieten und stellte ihm „die unterdes gesammelten und geordneten Briefe zur Verfügung“; gleichlautend äußerte er sich in dem Schreiben an Dräxler-Manfred vom 9. Dezember 1878. Konrad Hutzelmann hat deutlich gemacht, dass dem Biographen mitnichten die Originalbriefe selbst, sondern nur deren Abschriften und Exzerpte, die Ida und ihre Schwester Marie angefertigt hatten, vorgelegen haben. Auf der anderen Seite ist allerdings sicher, dass Buchner aus dem väterlichen Nachlass zusätzlich eine Vielzahl von Originalbriefen Freiligraths zur Verfügung gestanden hat. Allein das verdienstvolle, von Volker Giel zwischen 1998 und 2001 erarbeitete Freiligrath-Briefrepertorium[18] weist 102 Briefe an Karl Buchner nach, und es ist davon auszugehen, dass deren Zahl ursprünglich noch höher gelegen haben dürfte. Wilhelm Buchner hat jedenfalls 52 Briefe Freiligraths an seinen Vater in die Briefbiographie eingearbeitet. Die Anfrage bei Karl Ferdinand Dräxler, die Anlass zu dieser Miszelle gegeben hat, belegt, dass seine Bemerkung im Vorwort, es sei ihm gelungen, „durch eigene Bemühung noch zahlreiches Weitere aufzufinden“, keinem Zweifel unterliegt. Folgt man der nur oberflächlichen Recherche nach Briefen von oder an Wilhelm Buchner, so finden sich zwischen 1878 und 1880, dem Zeitraum also, während dessen er am Freiligrath-Werk arbeitete, auffallend viele ehemalige Briefpartner des Dichters oder deren Erben; dabei handelt es sich inhaltlich stets um vorhandene Freiligrath-Korrespondenzen verbunden mit der Bitte, diese kurzzeitig zur Verfügung zu stellen.[19] Wie viele der Angeschriebenen dann tatsächlich seinem Wunsch entsprochen haben, bleibt unerwähnt. Buchner selbst hatte wohl mehr erwartet, denn am 18. Februar 1880 teilte er Jakob Felsing, dem Kupferstecher und Vertrauten aus Darmstädter Zeiten, resignierend mit, dass die meisten der 50 bis 60 Anfragen, die er im Frühjahr 1879 versandt hatte, unbeantwortet geblieben seien. Und von den Antworten waren obendrein etliche wertlos, so dass am Ende nur zwei bis drei brauchbare Briefe herauskamen.[20] Die nachhaltige Resonanz dürfte er mithin bereits im Jahre 1878, dem Jahr der Übernahme der anspruchsvollen Aufgabe, erzielt haben.

Bei Karl Ferdinand Dräxler (1806-1879), der meist unter seinem Künstlernamen Dräxler-Manfred zeichnete und sich gelegentlich hinter weiteren Pseudonymen verbarg, hatte er kein Glück, denn die eingangs genannten Autographensammler hatten diesen längst um seine Freiligrath-Briefe gebracht. Bevor sich Dräxler 1845 dauerhaft in Darmstadt niederließ, hatte der gebürtige Lemberger und Sohn eines österreichischen Beamten einen wechselvollen Lebensweg hinter sich.[21] Nach dem Studium der Rechtswissenschaften, später der Philologie in Prag, Wien und Leipzig, das ihm den Doktorgrad einbrachte, gab er Erzählungen, Novellen, Gedichte und Übersetzungen heraus und widmete sich umtriebiger journalistischer Tätigkeit. In Wien redigierte er von 1834 bis 1836 das bei Brockhaus erscheinende „Pfennig-Magazin zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse“, eine populäre Zeitschrift mit steigenden Auflagen.[22] Von der Zensur verfolgt, verließ er Österreich, um Deutschland, Belgien, Frankreich und England zu bereisen, lebte anschließend als Publizist abwechselnd in Mannheim, Frankfurt/Main, Meiningen und Köln. Von Wiesbaden und gleich darauf von Darmstadt aus übernahm er 1845 bis 1858 die Herausgeberschaft des bei Sauerländer in Frankfurt am Main seit 1810 erscheinenden  „Rheinischen Taschenbuchs“, eines Jahrbuchs, das zeitgenössische Lyrik und Prosa brachte und sich vor allem durch seine gediegene druckgrafische Ausstattung auszeichnete.  Darüber hinaus leitete er in Darmstadt, das fortan sein fester Wohnsitz blieb, bis 1852 die Redaktion der „Darmstädter Zeitung“. Von reaktionären Kräften aus dieser Verantwortung gedrängt, gründete er 1853 mit der „Muse“ eine eigene Zeitschrift, deren Untertitel „Blätter für ernste und heitere Unterhaltung“ für sich selbst spricht,[23] und es war eben jene Zeitschrift, mit der sich Wilhelm Buchner in seinem Brief vom Dezember 1878 bei ihrem einstigen Herausgeber als der junge Mann in Erinnerung rief, der seinerzeit den einen oder anderen Beitrag dazu geliefert hatte.[24] Der „Muse“ war keine längerfristige Lebensdauer vergönnt, denn sie ging bereits mit dem fünften Jahrgang 1857 ein. Von 1853 bis zu seinem Tod wirkte Dräxler als Dramaturg am Darmstädter Hoftheater, wo insbesondere die von ihm inszenierten deutschen Erstaufführungen von Verdis „Sizilianischer Vesper“ (1857) und von Gounods „Königin von Saba“ (1863) nicht zuletzt wegen ihrer ausgefeilten Bühnentechnik ein Stück Theatergeschichte geschrieben haben.[25]

Unter dem 26. Mai 1843 trug sich Dräxler in St. Goar in Freiligraths Stammbuch ein[26]; dieser Eintrag dokumentiert nicht das erste persönliche Zusammentreffen der beiden, denn Dräxler nennt in seinem Schreiben von 1879 neben St. Goar auch Treffen in Köln, Unkel und Wiesbaden und gibt den Zeitraum 1839 bis 1845 an; die Begegnung in Unkel müsste zwischen September 1839 und Mai 1841 einzuordnen sein. Den Besuch in St. Goar bestätigte Freiligrath in einem Brief an Heinrich Künzel in Darmstadt, in dem er den bewegten Poetensommer des Jahres 1843, der ihm kaum Zeit zu produktivem Schaffen gelassen hatte, Revue passieren lässt. Unter den 19 aufgeführten „bedeutendsten Namen“ seiner Gäste wird auch Dräxler genannt, während die weniger bedeutende Menge hingegen Legion gewesen sei.[27] Das Wiedersehen in Wiesbaden, an das sich Dräxler im hohen Alter noch erinnerte, dürfte wohl zwischen Juni und Mitte August 1844 in Verbindung mit einer Kur der Freiligraths in Kronberg am Taunus und mit Aufenthalten bei Victor von Zabern, dem Verleger des „Glaubensbekenntniß’“, in Mainz zu sehen sein.[28] Anschließend wandte sich Freiligrath nach Ostende, dann nach Brüssel, um anschließend ins Exil in die Schweiz zu gehen. Ob er und Dräxler sich je wieder begegnet sind, geht aus der Überlieferung nicht hervor; ein Zusammentreffen anlässlich seines Besuches bei Karl Buchner in Darmstadt im Oktober 1848 wäre zumindest möglich gewesen.

Der ehemalige Darmstädter Redakteur entsann sich richtig, wenn er Wilhelm Buchner mitteilt, dass seine Korrespondenz mit Freiligrath im Wesentlichen um dessen Mitarbeit am „Rheinischen Taschenbuch“ kreiste. Bereits im ersten von Dräxler redigierten Jahrgang 1845 war Freiligraths Gedicht „Vom Harze“ erschienen.[29] Wohl auf entsprechende Bitte hin ließ der Dichter dem Herausgeber durch die Hand seiner Frau Ida im Frühjahr 1845 ein weiteres „anspruchloses Gelegenheitsverschen“ für das „Taschenbuch“ aushändigen. In einem Brief vom 11. April 1845 bat er Dräxler noch um Abänderung des Titels in „Mit einer Erika. Zum Geburtstage. Brüssel, December 1844“. Vor allem kam es ihm darauf an, dass die in diesem Gedicht enthaltenen Provinzialismen gewahrt blieben. Damit war sicher die im Exil besonders wehmütige Reminiszenz an seine lippische Heimat gemeint, die sich in den Versen der dritten Strophe niederschlägt:

Und auch bei mir mit hellem Schein
Schmückt sie die Bergeshalde;
Sie wallt um meinen Externstein
Und rings im lipp’schen Walde;
Da summen Bienen um sie her,
Und durch ihr rothes Blüthenmeer
Ausschlagend jagt der Senner.

Der geänderte Titel konnte glücklicherweise vor der Drucklegung noch eingerückt werden, denn der poetische Geburtstagsgruß war natürlich an Ida Freiligrath gerichtet, die am 20. Dezember 1844 in Brüssel ihren 27. Geburtstag gefeiert hatte. Der Brief enthält darüber hinaus noch ein bemerkenswertes Zeugnis für Freiligraths persönliche Integrität und politische Unbestechlichkeit, wenn er auf das gut gemeinte Anerbieten Dräxlers, ihn bei einer Rückkehr nach Deutschland zu unterstützen, klar stellt: Ich denke vor der Hand nicht daran, nach Deutschland zurückzukehren, u. wenn ich kehre, so will ich nicht durch Gnade kehren, sondern durch Recht.[30]

Der Herausgeber des anspruchsvollen „Rheinischen Taschenbuchs“ war in der Folgezeit an qualitätvollen Beiträgen nicht nur des populären Dichters interessiert, sondern ermunterte diesen, für sein Jahrbuch literarische Texte in der Schweiz einzuwerben. Freiligrath scheint bei seinen Bemühungen kein sonderliches Echo erzielt zu haben, zwar konnte er einen Beitrag Gottfried Kellers in Aussicht stellen,[31] der mit dem Gedicht „Am Rhein“ im Jahrgang 1847 tatsächlich erschienen ist, doch sind weitere Interventionen seinerseits nicht bekannt. Für den besagten Jahrgang 1847 lieferte er immerhin selbst noch „ein kleines Gedicht auf die ‚Proletarier des Geistes’, arme Autoren, Schulmeister usw.“, wie er dem Journalisten Hermann Ebner am 3. Juli 1846 noch aus der Schweiz brieflich mitteilt, alles andere sei nicht zensurfähig. Bei dem „einzig Ungefährlichen aus jüngerer Zeit“ handelte es sich um das elfstrophige Gedicht „Requiescat!“, das mit „Zürich, Februar 1846“ datiert ist und das zu Freiligraths eigener Überraschung in der englischen Übersetzung bereits in der Juni-Ausgabe 1846 von „The Athenaeum“, mithin zeitlich vor dem deutschen Original, erschienen war. Verantwortlich für dieses „Hysteron-Proteron“ war die englische Schriftstellerin Mary Howitt, der Freiligrath „auf ihren Wunsch um allerlei Ungedrucktes zum Übersetzen“ auch dieses Gedicht nach London geschickt hatte; nun hoffte er, dass weder Dräxler noch der Verleger Sauerländer in Frankfurt mit Verstimmung reagieren würden.[32]

Mit der Veröffentlichung des Gedichts „Requiescat“ und dem ersten Exil in London endet offenbar die Verbindung zwischen Dräxler-Manfred und Freiligrath. Briefschaften, in denen es um Honorarfragen gegangen ist, wie Dräxler 1879 schreibt, sind bisher nicht aufgetaucht, aber nicht unwahrscheinlich. Neben den beiden zitierten Briefen Freiligraths vom 11. April und vom 4. Oktober 1845 ist derzeit nur noch ein Schreiben vom Frühjahr des folgenden Jahres auszugsweise bekannt, in dem es u. a. um die so verschiedenen Lebenssituationen der beiden Partner geht: Dräxler als „herzoglich-sächsischer Rat und damit Aristokrat“ auf der einen Seite und der Dichter als preußischer Verbannter auf der anderen, doch verspricht Freiligrath gönnerhaft, den Schriftstellerfreund zu beschützen, wenn die Revolution einst gesiegt haben wird.[33] Dazu ist es nicht gekommen, Freiligrath geriet nicht in die Verlegenheit, sein Versprechen einlösen zu müssen. Wilhelm Buchner aber brachte die ihm übertragene Aufgabe, eine Briefbiographie Freiligraths zu erstellen, erfolgreich zu Ende. Bescheiden merkt er an, dass ihm „eine vollständige Sammlung der Briefe des Dichters (...) oder auch nur eine vollständige Mitteilung der nicht ohne Mühe zusammengetragenen“ fern gelegen habe; er habe „nur das erste abgerundete zuverlässige Lebensbild des Dichters geben“ wollen, so charakterisiert er seine Absicht im Vorwort eines Werkes, das in zwei stattlichen Bänden von zusammen 950 Druckseiten bei Moritz Schauenburg in Lahr, einem Verlag mit breit gestreutem Sortiment,[34] im Jahre 1882 erschienen ist. Bei allem aktuellen Bemühen, das Briefoeuvre Freiligraths in den Griff zu bekommen und dieses für die Forschung verfügbar zu machen, gilt bis heute das anerkennende Urteil Karl Hensings, der bereits 1927 mit Weitsicht äußerte: „Diese Arbeit ist Buchners bestes Werk, sie hat für alle Zeiten dauernden Wert.“[35] Dem bleibt allenfalls noch hinzuzufügen, dass die Arbeit an der Briefbiographie die Familien Buchner und Freiligrath in einer Weise zusammengeführt hat, die sicher niemand ahnen konnte, denn im Jahre 1884 heirateten Freiligraths jüngster Sohn Percy und Wilhelm Buchners zweitälteste Tochter Jutta. Der frühe Unfalltod Percys nur sieben Jahre später hat dieser Verbindung ein jähes Ende bereitet.[36]

Anmerkungen

[1] LippLB Detmold, Fr. S 575. – 1 Bl., 2 beschr. S., 22,1 x 13,8 cm; Wintergrüße. 400 Autographen, Widmungsexemplare und Bücher zur Stuttgarter Antiquariatsmesse 2008; Autographen & Bücher Eberhard Köstler, Tutzing 2008, S. 23, Nr. 108.

[2] W. BUCHNER, Ferdinand Freiligrath. Ein Dichterleben in Briefen, 2 Bde., Lahr 1882.

[3] Vgl. K. HUTZELMANN, Anmerkungen zu Wilhelm Buchners „Ferdinand Freiligrath. Ein Dichterleben in Briefen“, in: Grabbe-Jahrbuch 23 (2004), S. 110-120; aufgrund der Überschaubarkeit des Aufsatzes wird im Folgenden auf Einzelnachweise verzichtet; ergänzend dazu HUTZELMANN, Maria Wagner versus Buchner. Ein Nachtrag, in: Grabbe- Jahrbuch 24 (2005), S. 158-168.

[4] Zur Druckgeschichte dieser von Ferdinand Freiligrath 1870 selbst zusammengestellten Gesamtausgabe vgl. D. HELLFAIER, Grabbe und Freiligrath im Archiv des Verlages de Gruyter, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 50 (1981), S. 194-218.

[5] Nachdruck in: K.-A. HELLFAIER, Die Bibliothek Ferdinand Freiligraths (Nachrichten aus der Lippischen Landesbibliothek Detmold, 8), Detmold 1976, S. I-III.

[6] BUCHNER, Vorwort, in: Ferdinand Freiligrath, Bd. 1 (wie Anm. 2), S. III; einen knappen Überblick über Freiligraths Zeit in Darmstadt bietet W. SCHOOF, Freiligrath in Darmstadt. Ein Gedenkblatt zu seinem 150. Geburtstag, in: Hessen-Journal, 2 (1960), Nr. 6, S. 22.

[7] Zu Karl Friedrich August Buchner siehe K. HENSING, in: Hessische Biographien, hg. von H. HAUPT, Bd. 3, Darmstadt 1934 (Nachdr. Wiesbaden 1973), S. 140-147; W. GUNZERT, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 2, Berlin 1955, S. 704; Deutsches Literatur-Lexikon, Bd. 2, 3. Aufl., Bern 1969, Sp. 232f.; eine Lyrikanthologie mit dem schlichten Titel „Gedichte“ brachte Wilhelm Buchner im Todesjahr seines Vaters 1872 heraus.

[8] Marie BUCHNER, Aus Urgroßeltern Zeit. Eine Familienchronik in Briefen, Heilbronn 1928, S. 80; der zweite Band erschien unter dem Titel: Es rollt die Zeit. Eine Familienchronik in Bildern, Heilbronn 1929, gleichfalls in der Form eines Briefromans wird darin die Zeit ihrer Eltern, also Wilhelm und Dorette Buchners, behandelt; als Frontispiz die Reproduktion eines Gemäldes, das Wilhelm Buchner im Halbporträt zeigt.

[9] Über seine politische Tätigkeit siehe die autobiographische Schrift: K. BUCHNER, Ein deutscher Advokat, Darmstadt 1844; aus seiner Sympathie für Karl Sand, den Mörder August von Kotzebues, machte Karl Buchner keinen Hehl, vgl. H. HAUPT, Karl Follen und die Gießener Schwarzen (Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins, NF. 15), Gießen 1907, S. 62, ein Porträt Buchners in der Tracht der „Gießener Schwarzen“, S. 8; zu den „Gießener Schwarzen“ siehe zuletzt Julia Katharina KRÖGER, Die Gießener Schwarzen 1814-1819/29. Studentischer Radikalismus nach den Befreiungskriegen, Köln, Univ., Mag.-Arbeit, 1992.

[10] Vgl. K. ROESSLER, Irene HUFNAGEL, 1844er Assmannshäuser. Kommentarband zu „Ein Glaubensbekenntniß. Zeitgedichte“ von Ferdinand Freiligrath, Mainz 1994, S. 146f. und öfter.

[11] Freiligrath an Karl Buchner, London, 8.4.1848, BUCHNER, Ferdinand Freiligrath, Bd. 2 (wie Anm. 2), S. 204f.

[12] Marie BUCHNER, Aus Urgroßeltern Zeit ( wie Anm. 8), S. 130-132.

[13] Karl Buchner war am 24.4.1872 in Darmstadt verstorben, BUCHNER, Ferdinand Freiligrath, Bd. 2 (wie Anm. 2), S. 430; er war Pate von Freiligraths ältester Tochter Katharine (Käthe, 1845-1904), der er den Tod des „trefflichen alten Freundes“ am 7.5.1872 mitteilt, Freiligrath-Briefe, hg. von Luise WIENS, Stuttgart 1910, S. 222f.

[14] Otto Freiligrath starb 22jährig am 1.3.1873 am Scharlachfieber, Freiligrath an Wilhelm Buchner, Stuttgart, 2.3.1873, Ferdinand Freiligrath, Briefrepertorium, Nr. 1803.

[15] Buchner unterrichtete in Eisenach von Februar 1855 bis Michaelis (29. September) 1857, vgl. H. STECHELER, Zur Erinnerung an das 50jährige Bestehen des Großherzoglichen Realgymnasiums zu Eisenach. Kleine Beiträge zur Geschichte der Schule, Eisenach 1893, S. 29. - Ein unbedeutendes Versehen HUTZELMANNS, Anmerkungen (wie Anm. 3), S. 119, sei hier korrigiert: bei Marie Buchner (1832-1891), die sich 1881 mit den Worten „Mit warmer Verehrung und der innigsten Liebe. Cannstatt im Mai 1881, Unvergeßlich für mich“ in Ida Freiligraths Stammbuch eingetragen hat, handelt es sich nicht um Wilhelm Buchners Ehefrau, sondern um seine jüngere Schwester, genannt „das Kindle“, H. HAXEL, Vier Stammbücher der Familie Freiligrath (Nachrichten aus der Lippischen Landesbibliothek Detmold, 7), Detmold 1976, S. 25.

[16] Zu Buchners Wirken in Krefeld siehe P. WIETZOREK, 150 Jahre Ricarda-Huch-Gymnasium zu Krefeld 1848-1998, Krefeld 1998, S. 26-52; vgl. auch: Krefeld. Die Geschichte der Stadt, Bd. 3: Von der Franzosenzeit bis zum Endes des Ersten Weltkrieges 1794-1918, hg. von R. FEINENDEGEN u. H. VOGT, Krefeld 2006, S. 269-275.

[17] W. BUCHNER, Ferdinand Freiligrath, in: Jahresbericht der Städt. höheren Mädchenschule Crefeld, 1877, S. 3-24. - Um auf den an versteckter Stelle publizierten Aufsatz besonders aufmerksam zu machen, hat der damalige Bibliotheksdirektor Otto Preuß, ein Jugendfreund des Dichters, auf dem Titelblatt des in der Lippischen Landesbibliothek Detmold befindlichen Exemplars handschriftlich vermerkt: Enthaltend: Leben Ferd. Freiligraths von Wilh. Buchner; siehe LippLB Detmold, KA 502 Nr 14.

[18] Siehe www.ferdinandfreiligrath.de; dazu V. GIEL, Ferdinand Freiligraths Korrespondenzen, in: Briefkultur im Vormärz, hg. von B. FÜLLNER (Vormärzstudien, 9), Bielefeld 2001, S. 245-266; DERS., Briefrepertorium und Briefedition Ferdinand Freiligraths, in: Grabbe-Jahrbuch 23 (2004), S. 90-102.

[19] Wilhelm Buchner an Lorenz Diefenbach, 29.12.1878, Universitätsbibliothek Gießen, Nachlass Diefenbach: Buchner bittet, ihm „diese Briefe Ferdinand Freiligraths zum Zwecke discreter literarischer Benutzung anzuvertrauen“, und fährt fort: „Ich mache mich verbindlich, dieselben nach genauestem Gebrauche wohlbehalten zurückzugeben.“; Wilhelm Buchner an Elisabeth Künzel, die Witwe Heinrich Künzels, 24.5.1879, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Nachlass Künzel 2/II/164: Buchner reicht „die mir gütigst anvertrauten Briefe Freiligraths zurück“; Emanuel Geibel an Wilhelm Buchner, 5.2.1879, Stadtbibliothek Lübeck, Geibel-Autograph 1951 A 1388e: „Unter den Schriftstücken, die ich Ihnen als Material für Ihre Biographie Freiligraths einsandte, befindet sich auch ein Abschiedsgedicht an Landrath Heuberger: Wer das blaue Meer hindurch kommt zu Naxos ...“, Geibel bittet Buchner, das Gedicht nicht in sein geplantes Werk aufzunehmen, da es wohl nie an Heuberger gelangte, dafür aber von ihm selbst (!) bei anderer Gelegenheit benutzt worden sei; Julius Rodenberg an Wilhelm Buchner, 17.6.1880, Zentral- und Landesbibliothek Berlin, NL Rodenberg B 17.

[20] Wilhelm Buchner an Jakob Felsing, 18.2.1880, Universitätsbibliothek Heidelberg, Heid. Hs. 2552, Buchner dankt eingangs für „so manche, auch neuerlich noch in Bezug auf F. Freiligrath erwiesene Freundlichkeit“ und revanchiert sich mit der Abschrift eines Gervinus-Briefes an seinen Vater Karl Buchner vom 15.8.1847; über Georg Jakob Felsing (1802-1883) vgl. Die Felsings aus Darmstadt 1797-1987. Kupferstecher, Drucker, Verleger. Red.: Dorit MARHENKE, Darmstadt 1987, S. 15-18.

[21] Über ihn vgl. F. BRÜMMER, in: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 48, Leipzig 1904, S. 75-77; Österreichisches biographisches Lexikon, bearb. von Eva OBERMAYER-MARNACH, Bd. 1, Graz 1957, S. 197; Deutsches Literatur-Lexikon, Bd. 3, 3. Aufl., Bern 1971, Sp. 504f.; sein Porträt: Stahlstich von Carl Kotterba, 1841, in: Album österreichischer Dichter, Wien 1850, vor S. 377; auch als Einzelblatt, LippLB Detmold Fr. S B 104.

[22] Über dieses nach dem Vorbild des englischen „Penny-Magazine“ aufgemachte Periodikum, das aktuelles lexikalisches Wissen vermitteln sollte, vgl. Sibylle OBENAUS, Literarische und politische Zeitschriften 1830-1848, Stuttgart 1986, S. 47-49.

[23] Die Muse. Blätter für ernste und heitere Unterhaltung, hg. und redigirt von C. Dräxler-Manfred, Darmstadt: [Druck:] L.C. Wittlich, [Verlag:] Jonghaus, [1] (1853) – 5 (1857), die Zeitschrift erschien zweimal wöchentlich, pro Jahrgang umfasste sie zwei Bände („Semester“) in 104 Lief. von zusammen je 830 S., vgl. A. ESTERMANN, Die deutschen Literatur-Zeitschriften 1850-1880, Bibliographien u. Programme, Bd. 3, München 1989, S. 592f., Nr. 1816.

[24] Beiträge W. Buchners finden sich in den Jahrgängen 1854 und 1855. Mit Schreiben vom 20.7.1855 übersandte Dräxler „die bis jetzt erschienenen Lieferungen des zweiten Bandes (15.-21.)“ und bat Buchner um seine Meinungsäußerung, Stadt- u. Landesbibliothek Dortmund, Atg 9964.   

[25] Vgl. H. KAISER, Das Großherzogliche Hoftheater zu Darmstadt 1810-1910, Darmstadt 1964, S. 63-67; eine Fotografie zeigt ihn 1873 inmitten des Ensembles und des übrigen Theaterpersonals, S. 89; vgl. auch: 275 Jahre Theater in Darmstadt. Ausstellung, bearb. von J. R. WOLF, Darmstadt 1986.

[26] HAXEL, Vier Stammbücher (wie Anm. 15), S. 18.

[27] Freiligrath an Heinrich Künzel, St. Goar, 1.11.1843, BUCHNER, Ferdinand Freiligrath, Bd. 2 (wie Anm. 2), S. 83f.; vgl. auch ROESSLER/HUFNAGEL, 1844er Assmannshäuser (wie Anm. 10), S. 26 u. 36.

[28] In einem Empfehlungsschreiben zu Gunsten der in existenzbedrohende Lebensumstände geratenen Marie Uttner bittet er am 31.5.1844 von Geisenheim aus den Kriminalrichter Wilhelm Genth in Wiesbaden, Dräxler zu grüßen und für die gute Sache zu gewinnen, Teildruck des Briefes bei ROESSLER/HUFNAGEL, 1844er Assmannhäuser (wie Anm. 10), S. 138; für die folgende Zeit in Kronberg bis zur Abreise nach Belgien ebenda, S. 138-152.

[29] Ferdinand Freiligrath, Vom Harze (Wahre Geschichte. 1843.), in: Rheinisches Taschenbuch auf das Jahr 1845, hg. von Carl DRÄXLER-MANFRED, Frankfurt/Main: Sauerländer (1844), S. 186-190.

[30] Rheinisches Taschenbuch auf das Jahr 1846, hg. von Carl. DRÄXLER-MANFRED, Frankfurt/M.: Sauerländer (1845), S. 205-207. – Freiligrath an Karl Ferdinand Dräxler, Meyenberg, 11.4.1845, Ferdinand Freiligrath, Briefrepertorium, Nr. 2140; der zit. Auszug ist gedruckt in: Ferdinand Freiligrath zum 150. Geburtstag (Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, Mitteilungen, NF. 1), Dortmund 1960, S. 22. – Um Porto zu sparen, sandte Freiligrath diesen Brief an Dräxler als Beischluss zu einem Brief vom 12.4.1845 an Karl Buchner nach Darmstadt, dem er noch einen weiteren Brief an Eduard Duller, der ebenfalls in Darmstadt wohnte, beilegte; vgl. Briefrepertorium, Nr. 343; BUCHNER, Ferdinand Freiligrath, Bd. 2 (wie Anm. 2), S. 156f.

[31] Freiligrath an Karl Ferdinand Dräxler, Meyenberg, 4.10.1845 (Datum des Poststempels), Briefrepertorium, Nr. 3114.

[32] Freiligrath an Hermann Ebner, Zürich, 3.7.1846, Literarische Geheimberichte. Protokolle der Metternich-Agenten, Bd. 2, 1844-1848, hg. von H. ADLER, Köln 1981, S. 140-142; „Requiescat“ erschien im Rheinischen Taschenbuch auf das Jahr 1847, hg. von Carl DRÄXLER-MANFRED, Frankfurt/M.: Sauerländer (1846), S. 209-212. – Nach den Stammbucheintragungen hatte das Dichterehepaar William und Mary Howitt Freiligrath im Juli 1842 und im April 1843 in St. Goar aufgesucht, vgl. HAXEL, Vier Stammbücher (wie Anm. 15), S. 23; gut vier Wochen nach dem Schreiben an Ebner nahmen die Howitts den Dichter in ihrem Haus in London vorübergehend gastlich auf; William Howitt vermittelte ihm eine Stelle als Korrespondent bei Friedrich Huth & Comp.

[33] Freiligrath an Karl Ferdinand Dräxler, Hottingen bei Zürich (?), Febr./März 1846, Ferdinand Freiligrath, Briefrepertorium, Nr. 5032; Herzog Bernhard II. von Sachsen-Meiningen hatte Dräxler 1846 den Titel eines sächsischen Hofrats verliehen.

[34] Der im Jahre 1800 gegründete und seit 1858 unter diesem Namen firmierende Verlag hatte die Schwerpunkte in den Bereichen Recht, Naturwissenschaften/Landwirtschaft, Geschichte, aber auch Philosophie, Religion und Belletristik, verlegte darüber hinaus Adressbücher, regionale Zeitschriften und Kalender, vgl. Gesammt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels und des mit ihm in direktem Verkehr stehenden Auslandes, München 1986, S. 693-726 <Fiche 46> (Mikroreprod. der 17bändigen Ausg. Münster 1881-1894); Buchner hatte in diesem Verlag u.a. seine „Lebensbilder berühmter deutscher Männer“ herausgegeben.

[35] HENSING (wie Anm. 7), S. 36.

[36] Vgl. auch Marie BUCHNER, Es rollt die Zeit (wie Anm. 8), S. 167f., 197f.; Jutta Freiligrath, geb. Buchner, kehrte nach der Pensionierung ihres Vaters 1893 mit diesem nach Eisenach, der Heimatstadt ihrer Mutter, zurück; gelegentlich vertrat sie die Familie Freiligrath bei offiziellen Anlässen, so am 19. Mai 1894 in Assmannshausen zur Freiligrath-Feier anlässlich der 50. Wiederkehr der Abfassung des „Glaubensbekenntnisses“; dem „Freiligrath-Zimmer“ im Gasthaus „Zur Krone“ in Assmannshausen, 1844 Wohnsitz des Dichters, widmeten sie und ihr Vater Porträts und andere Erinnerungsstücke an den Dichter, vgl. Irene HUFNAGEL, K. ROESSLER, Freiligraths Schriften und Erinnerungsstücke in der Krone zu Assmannshausen, Bd. 1, Bornheim 1994, S. 4-6; ROESSLER/HUFNAGEL, 1844er Assmannshäuser (wie Anm. 10), S. 180-182, eine Fotografie zeigt sie im Kreis der Festgesellschaft.