Sie befinden sich hier: Startseite » 


Die Lippische Landesbibliothek in der Archivlandschaft Ostwestfalen-Lippe

von Julia Freifrau Hiller von Gaertringen


Vortrag beim Fachgespräch "Die Rolle der Archive in der Kulturlandschaft Ostwestfalen-Lippe" am 26. Januar 2009 im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen in Detmold

 

Regionalbibliotheken sind wissenschaftliche Universalbibliotheken mit Archivfunktion. Sie wählen streng aus, was sie erwerben, nach den Kriterien von Wertbeständigkeit, Bestandsprofil und Benutzungsrelevanz. Was sie erwerben, bewahren sie dauerhaft auf. Sie archivieren es also. Im folgenden wird die regionale Archivfunktion der LLB kurz dargestellt, die Erschließungssituation skizziert und ein Angebot zur kooperativen Erschließung und Bereitstellung von gleichartigem Quellenmaterial in Bibliotheken und Archiven gemacht.

Buchbestände

Vor allem Provenienzen von Buchbeständen sind interessant für die Forschung. Profile von Privatbibliotheken sind Lese- und Arbeitsprofile ihrer Besitzer. Privater Buchbesitz ist Quelle für den geistigen Horizont des Besitzers.

In der LLB gilt das bereits für den Gründungsbestand. Dabei handelt es sich nämlich um die Bibliothek des Grafen Simon VI. zur Lippe, bestehend aus 3.000 Titeln – eine Sammlung, die als Handbibliothek des Grafen für politische und administrative Zwecke anzusehen ist. Sie ist überhaupt nicht, wie andere Adelsbibliotheken ihrer Zeit, mit dem Ziel der höfischen Repräsentation angelegt worden. Daher ist nichts zufällig oder nur wegen seines repräsentativen Charakters darin vorhanden. Graf Simons Büchersammlung ist vielmehr die Bibliothek eines Berufspolitikers und zeigt in ihrem Bestand den Zusammenhang zwischen Buchbesitz und politischem, vor allem konfessionspolitischem Handeln auf.

Im Jahr 1940 ist auch die Handbibliothek der Fürstin Pauline als Dauerleihgabe der Familie zur Lippe in die LLB gelangt. Sie ist nicht mehr vollständig, da die Fürstin selbst Bücher aus ihren privaten Beständen großzügig verschenkt hat, u.a. an die Lemgoer Gymnasialbibliothek. 864 Titel sind erhalten. Diese Bibliothek spiegelt sehr konkret das private Leseinteresse einer Fürstin der Spätaufklärung. Fürstin Pauline las vorzugsweise zeitgenössische Literatur, vor allem Belletristik, und hielt sich zwecks Orientierung über Neuerscheinungen auch verschiedene Rezensionsorgane. Von ihrer Hand sind zudem Bindeanweisungen erhalten, und die Festlegung der Einbandart durch die Besitzerin sagt auch etwas aus über den Wert, den sie dem entsprechenden Band zumaß.

Widmungsexemplare sind in ihrer Bedeutung als Quelle nicht zu unterschätzen. In der Paulinenbibliothek finden sich beispielsweise Widmungen von Johann Wilhelm Ludwig Gleim, ihrem literarischen Mentor, die das Verhältnis der beiden historischen Persönlichkeiten widerspiegeln. Diese exemplarspezifischen Widmungen, die bei der früheren Katalogisierung in Zettelkatalogen nicht berücksichtigt wurden, werden in der LLB seit 2001 im Rahmen der Retrokatalogisierung der Altbestände ebenso erschlossen wie alle Vorbesitzervermerke, Exlibris und sonstigen exemplarspezifischen Merkmale, die auf frühere Besitzer und Leser hinweisen. Diese Provenienzvermerke sind im elektronischen Bibliothekskatalog leicht zu erschließen und führen die Herkunftsbibliotheken, die mit Ausnahme der Simon- und der Paulinenbibliothek nicht geschlossen aufgestellt sind, virtuell wieder zusammen.

Als weitere Provenienzen wären vielleicht erwähnenswert: die Gymnasialbibliotheken in Detmold und Lemgo, die Bibliothek des Detmolder Bildungsvereins und der Fürst-Leopold-Hochschule. Auch Buchbestände aus Behördenbesitz wie der Fürstlich Lippischen Rentkammer und des Lippischen Landtags sowie der früheren Mindener Regierung lassen sich durch dieser Erschließung wieder zuordnen. Nach Abschluss der Retrokatalogisierung in der Landesbibliothek werden die früheren Büchersammlungen, so weit sie in die Landesbibliothek gelangt sind, rekonstruierbar sein. Aber auch nichtlippischer privater Buchbesitz aus bedeutender Provenienz wird erschlossen sein, etwa Einzelbände aus den Bibliotheken August Wilhelm Schlegels oder Arthur Schopenhauers, die antiquarisch ins Lippische Literaturarchiv gelangt sind.

Bildsammlung

Wie jede alte Regionalbibliothek höfischer Herkunft besitzt auch die LLB Bildmaterial in größerem Umfang. In ihrer Lippe-Bildsammlung befinden sich Kupferstiche, Lithographien, Aquarelle, Zeichnungen, Skizzen und andere bildliche Darstellungen von Baudenkmälern, Landschafts- und Ortsansichten sowie Naturdenkmälern Lippes, aber auch Porträts lippischer Persönlichkeiten, Fotoalben, Skizzenbücher und anderes graphisches Material mit Bezügen zur lippischen Region.

Die Bestände der Bildsammlung waren in Zettelkatalogen verzeichnet. Die Beschränkung auf solche lokalen Verzeichnisse ist heute nicht mehr zu vertreten. Hier haben Regionalbibliotheken den großen Vorteil, dass sie zugleich die Erzeuger der früheren Regionalbibliographien sind, die längst in Datenbanken überführt wurden. Die LLB erstellt die Datenbank Regionaldokumentation Lippe. Sie ist über unsere Website rund um die Uhr via Internet verfügbar. Der Literaturnachweis seit 1976 ist vollständig, älteres Titelmaterial wird laufend nacherfasst. Diese Datenbank wird seit 2003 zum Regionalportal ausgebaut und kontinuierlich um den Nachweis von und Zugang zu digitalisierten Bildquellen und Volltexten ergänzt.

Ein großer Teil der Bestände der Lippe-Bildsammlung, bisher 1.053 Originalgraphiken, ist bereits digitalisiert und steht in der Datenbank Regionaldokumentation Lippe weltweit als Image zur Verfügung. Jede Abbildung ist nach bundesweit einheitlichen bibliothekarischen Regeln erschlossen; inhaltlich werden nach Möglichkeit alle wesentlichen Details erfasst. Die Datenbank lässt die spezielle Suche nach Bildmaterial zu und unterscheidet dabei noch einmal nach Bildwerk, Plakat, Theaterzettel und Fotografie. Die Bilder werden in einer für die Bildschirmanzeige optimierten Auflösung dargestellt und können unter Angabe der Quelle Regionaldokumentation Lippe  für nichtkommerzielle Zwecke verwendet werden.

Plakatsammlung

In den Jahren 1933-1945 stellte Bibliotheksdirektor Eduard Wiegand eine Sammlung zeitgeschichtlich relevanter Akzidenzdrucke und Broschüren zusammen, die heute unter dem Namen „Sozial- und zeitgeschichtliche Sammlung“ in der LLB verwahrt wird. Sie enthält Plakate, Flugschriften, Flugblätter, Tarnschriften etc. Vertreten sind nationalsozialistische Materialien, aber auch Materialien der politischen Gegner aus der Zeit der Weimarer Republik. Die Plakatsammlung umfasst vor allem Wahlplakate der Weimarer Republik und politische Plakate des Dritten Reiches. Ein Dublettenabgleich und -austausch mit dem Staatsarchiv Detmold ist 1983/84 erfolgt. Aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind in der LLB vor allem Veranstaltungsplakate überliefert.

Die Plakate sind in einem separaten Sachkatalog erschlossen. Sie haben sich bisher aus Gründen ihres Formats einer Digitalisierung entzogen. Nur eine Auswahl von 37 Plakaten zu den Wahlen und Volksabstimmungen von 1924 bis 1933 ist – sozusagen als Appetithäppchen – digital in der Datenbank Regionaldokumentation Lippe verfügbar. Die Plakate sollen, so war bereits verabredet, gemeinsam mit der Sammlung des Staatsarchivs in der Datenbank erschlossen werden. Wünschenswert wäre es, dieses Digitalisierungsprojekt alsbald anzugehen.

Theatersammlung

Mit der Übernahme der Notenbibliothek des ehemaligen Detmolder Hoftheaters und der Hofkapelle in die LLB ab 1939 gelangten auch Theaterakten, Rollenhefte, Textbücher und Theaterzettel in der Besitz der Bibliothek. Für die regionale Theatergeschichte sind die Materialien der Theatersammlung eine aussagekräftige und unverzichtbare Quelle.

Die 1.047 Theaterzettel stammen aus dem Zeitraum 1777-1953, zum größten Teil aus der Zeit des Detmolder Hoftheaters. Es wurde 1825 im Rosental eröffnet und bestand bis zur Umwandlung zum Landestheater 1919. Die älteren Zettel aus der Zeit vor 1825 sind Vorstellungsankündigungen durchreisender Wandertheatertruppen. Die Zettel liefern Informationen zu Spielplänen, Inszenierungen und Akteuren des Musik- und Sprechtheaters und verweisen zugleich auf Tendenzen des Publikumsgeschmacks. Obwohl die Zeitreihe nicht vollständig erhalten ist, spiegeln sie doch die ganze Detmolder Bühnengeschichte und verraten manches Detail über die künstlerische und soziale Wirklichkeit früheren Theaterlebens.

Die Detmolder Theaterzettel sind seit 2006 digitalisiert in der Datenbank Regionaldokumentation Lippe erschlossen. Es lässt sich mühelos feststellen, welche Stücke in Detmold gespielt wurden oder welcher Bühnenstar in Detmold ein Gastspiel gab. Ein einfacher Klick lässt den Theaterzettel in Lesegröße auf dem Bildschirm erscheinen.

Fotosammlung

Die Fotosammlung des Landesverbandes Lippe, die auf Grundlage einer früheren Sammlung der LLB aufgebaut worden war, wurde 2002 an die LLB abgegeben. Grundlage hierfür war die Möglichkeit der Bereitstellung von Digitalisaten der Fotos über die Datenbank Regionaldokumentation Lippe. Die Sammlung umfasst mehrere zehntausend historische Fotos lippischer Persönlichkeiten, lippischer Baudenkmäler, Torinschriften, Ortsansichten etc., zum Teil geordnet, zum Teil ungeordnet – so wie vom Vorbesitzer übernommen.

Die LLB hat derzeit keine Personalkapazität, die ihr zusätzlich übertragene Sammlung umfassend zu erschließen. Sie hat aber sofort damit angefangen, die bereits geordneten Teile der Sammlung zu digitalisieren und überregional verfügbar zu machen. Die Fotos werden mit Werkvertragskräften katalogisiert und digitalisiert. Zur Zeit sind etwa 13.000 Fotos online. Die Datenbank als Bildquelle ist beispielsweise in der Redaktion Zeitgeschichte des ZDF bekannt, wird dort genutzt und sichert der LLB durch den Verkauf von Reproduktionen und Nutzungsrechten Einnahmen.

Die LLB bietet an, Bild- und Fotoarchive anderer Institutionen in Lippe aus dem Bereich der regionalen Bilddokumentation in ihre Datenbank einzubeziehen und die Bestände darin zu erschließen. Alternativ wäre die Schaffung eines gemeinsamen Portals für die Bildrecherche in verschiedenen webfähigen Bilddatenbanken, die im Archivbereich allerdings noch nicht vorhanden sind.

Bandel-Sammlung

Im angefangenen Varusjahr darf eine Sondersammlung der LLB nicht vergessen werden: die Bandel-Sammlung. Darin befinden sich Materialien, die sich mit Ernst von Bandel und dem Hermannsdenkmal befassen. Bandels umfangreiche Korrespondenz mit Zeitgenossen, sein Skizzenheft, Manuskripte, Bandel-Bildnisse, Darstellungen des Hermannsdenkmals u. a. bilden den Bestand dieser Sammlung. Die Sammlung ist bisher nur durch Zettelkataloge erschlossen. Die Hermannsdenkmal-Graphik ist mit der Bildsammlung digitalisiert worden und steht über die Datenbank Regionaldokumentation Lippe der Nutzung zur Verfügung.

Lippisches Literaturarchiv

Zu den Kernaufgaben von Regionalbibliotheken gehört die Sammlung, Erschließung, Bereitstellung und Präsentation von Nachlässen und Autographen jener Schriftsteller, die zu ihrer Region in Beziehung stehen. Die Bibliotheken besitzen den für die Erschließung und weitere Bearbeitung solcher Sammlungen unverzichtbaren bibliographischen und Referenzbestand und die einschlägige Forschungsliteratur. Die Primär- und Sekundärliteratur zu den Nachlassern als regionalen Persönlichkeiten ist selbstverständlich vorhanden. Sie besitzen zudem in ihrem wissenschaftlichen Personal immer auch einen Literaturwissenschaftler, der für die Forschung ein adäquater Partner ist und selbst Editions- und Forschungsvorhaben initiieren kann.

Die LLB hat 1979 ihre damals bereits vorhandenen literarischen Nachlässe und Sammlungen zusammengefasst und das Lippische Literaturarchiv als Abteilung des eigenen Hauses begründet. Es widmet sich vorrangig den aus Detmold stammenden Dichtern Grabbe, Frei­ligrath und Weerth und ist Sammelstätte literarischer und wissenschaftlicher Nachlässe aus der Region. Die Sammlungen werden seither kontinuierlich ergänzt und nach den Regeln der Deutschen Forschungsgemeinschaft einheitlich erschlossen.

Besonders hervorzuheben ist das Grabbe-Archiv, das Alfred Bergmann 1938 der LLB übergab. Es ist ein Schriftsteller-Archiv in seltener Fülle und Geschlossenheit und als Quellensammlung zur deutschen Literatur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von besonderem Wert.  Vorhanden sind Werkhandschriften zu Christian Diet­rich Grabbes Dramen, 265 Briefe von Grabbe und mehr als 200 Briefe und Manuskripte von anderen Verfassern, dazu Schulzeugnisse, Verlagskontrakte, Protokolle aus Grabbes juristischer Tätigkeit, 300 zeitgenössische Porträtstiche und Stadtansichten etc. Ergänzt wird das handschriftliche Material durch eine 15.000 Bände zählende Bibliothek. Das Lippische Literaturarchiv bearbeitet die Grabbe-Bibliographie, pflegt eine eigene Webseite Grabbe online und präsentiert den Bestand in umfassenden Ausstellungen. Aktuelles Projekt ist die Einrichtung eines Grabbe-Portals im WWW  in Kooperation mit dem Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf und der Universität Trier. Die historisch-kritische Grabbe-Ausgabe wird digitalisiert und unter einer komfortablen Benutzeroberfläche im Volltext frei zugänglich angeboten. Die Textseiten werden mit dem kritischen Apparat und den durch Metadaten erschlossenen und recherchierbaren Faksimiles der zugehörigen Werkmanuskripte und Briefe verknüpft. Auch die Erstausgaben von Grabbes Werken werden als Image integriert. Damit wird der Forschung ein zeitgemäß attraktives Angebot zur Beschäftigung mit Grabbes Werk gemacht.

Schon Jahrzehnte vor Grabbe war der gleichfalls in Detmold aufgewachsene, neun Jahre jüngere Ferdinand Freiligrath mit Autographen in der Lippischen Landesbibliothek vertreten. Den Grundstock zur Freiligrath-Sammlung legte der Dichter selbst im Jahre 1862 mit der Schenkung von acht Gedichtmanuskripten an die Landesbibliothek. Heute umfasst sie 60 Gedichtautographen, 402 Briefe von Ferdinand Freiligrath und 110 an ihn, dazu Korrespondenzen aus dem Familien- und Freundeskreis, Stammbücher, die Akten der Freiligrath-Dotation von 1867, Portraits und Ortsansichten. Obwohl das Lippische Literaturarchiv nicht die einzige und nicht einmal die größte Freiligrath-Sammlung besitzt, ist es heute diejenige Institution, die alle noch erreichbaren Originaldokumente und Rezeptionszeugnisse sammelt und die Forschungsarbeit durch Erstellung der Freiligrath-Bibliographie und der Website Freiligrath online unterstützt. Die LLB betreut das digitale Brief-Repertorium mit 5.350 Freiligrath-Briefen, das online über unsere Webseiten verfügbar ist. In Vorbereitung ist eine große Ausstellung zum 200. Geburtstag im Jahr 2010.

Das Weerth-Archiv besteht seit 1971, als die Familie Weerth der Lippischen Landesbibliothek ein Konvolut Familienbriefe verkaufte, dem sie bis 1974 weitere Konvolute folgen ließ. Heute umfasst das Weerth-Archiv rund 500 Autographen aus der Zeit von 1820 bis 1860, darunter 19 Briefe aus der Feder des in Detmold geborenen „ersten sozialistischen Dichters“ Georg Weerth und 29 an ihn gerichtete Schreiben. Mehr als 400 Briefe zählt die Familienkorrespondenz zwischen den Eltern Georg Weerths – der Vater war Landessuperintendent in Lippe – und seinen Brüdern Carl, Wilhelm und Ferdinand. Wie zu Grabbe und Freiligrath sammelt das Lippische Literaturarchiv auch zu Weerth das Quellenmaterial und die relevante Literatur mit größtmöglicher Vollständigkeit.

Das Lippische Literaturarchiv betreut zudem 51 Nachlässe und Sammlungen zu Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts, die in der Region geboren wurden oder hier gelebt und gearbeitet haben. Die Bestände wurden und werden aktiv eingeworben und dem Archiv in der Regel als Schenkung übereignet. Die LLB sichert ihre Erhaltung und macht sie einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich. Andererseits wendet sie für den Ankauf von Ergänzungen ihrer Autographensammlung im Autographenhandel erhebliche Mittel auf. Der Umfang der einzelnen Bestände reicht von wenigen Blättern bis zu vielen Hundert Archiveinheiten. Das Sammlungsgut besteht aus Werkhandschriften mit Vorarbeiten und Entwürfen, aus Briefen von und an die Autoren, aber auch aus persönlichen Dokumenten und Bildmaterial, Arbeitsmaterialien, Sammlungen etc.

Die frühesten Autoren des Literaturarchivs sind der Romantiker Friedrich Begemann aus Biemsen, dessen Kryptonachlass mit Gedicht- und Dramenhandschriften sich seit 1904 in der LLB befindet, und der Lyriker Ludwig Altenbernd aus Augustdorf, der mit einer 1941 der Bibliothek anvertrauten Sammlung vertreten ist. Ins 19. Jahrhundert gehört auch der Nachlass von Wilhelm Oesterhaus, der das „lippisch Platt“ pflegte und dazu eine Grammatik und ein Wörterbuch erstellt hat – zur Zeit Gegenstand wissenschaftlicher Erforschung. Weitere Nachlässe aufzuzählen, möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen. Durch vielfältige Bezüge vernetzt, geben sie sich immer wieder gegenseitig Aufschluss. Es entstehen zusammenhängende Bestandskomplexe, die für die Nutzung durch die Forschung von großem Vorteil sind.

Unsere Nachlässe und Sammlungen sind von recht unterschiedlicher Relevanz – nicht nur für Landeskunde und Regionalliteratur, sondern immer wieder auch an ganz unvermuteter Stelle. In den Korrespondenzen finden sich Briefe namhafter Persönlichkeiten, die nicht nach Lippe gehören, und in den Nachlässen ganze Konvolute, die die Germanistik, die Kunstgeschichte oder gar die Kaukasiologie beflügeln.

Nicht zu überschätzen ist die Internet-Präsenz des Bestandsnachweises. In Vorbereitung ist die bisher aus technischen Gründen nicht mögliche, aktive Mitarbeit im bundesweiten Verbundkalatog für Nachlässe und Autographen, Kalliope, der die Bestände von mehr als 300 sammelnden Institutionen nachweist, auch die der LLB. Die LLB präsentiert ihre Sammlungen auf einer im Ausbau befindlichen Webseite mit Informationen zu Nachlasser und Nachlass sowie zugehörigem Findbuch, Personalbibliographie und Volltexten. Anfragen aus aller Welt stellen die Bestände immer wieder in neue und überraschende Zusammenhänge.