Sie befinden sich hier: Startseite » 


Die Lippische Bibliographie: vom Druckwerk zum Online-Portal

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Die Regionalbibliographie im digitalen Zeitalter : Deutschland und seine Nachbarländer / hrsg. von Ludger Syré und Heidrun Wiesenmüller. - Frankfurt am Main : Klostermann, 2006. - 426 S. - (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie : Sonderheft ; 90). - ISBN 3-465-03461-9. - S. 267-277.


Räumliche und politische Voraussetzungen
Retrospektive regionalbibliographische Berichterstattung
↓ Laufende regionalbibliographische Berichterstattung: Printmedien
Datenbank und CD-ROM
Lippische Bibliographie Online im World Wide Web
↓ Anhang: Auswahl regionaler Bibliographien zu Lippe
↓ Anmerkungen

Räumliche und politische Voraussetzungen

Im nordöstlichen Teil Nordrhein-Westfalens – unmittelbar an der Grenze zum Bundesland Niedersachsen und umgeben von den Nachbarkreisen Minden-Lübbecke, Herford, Gütersloh, Paderborn und Höxter sowie dem Oberzentrum Bielefeld – liegt Lippe. Mit Ausnahme der im Süden bzw. Südwesten gelegenen Heidelandschaft der Senne, die den östlichen Randabschnitt der Münsterländischen Bucht darstellt, wird Lippe vom Landschaftstyp ‚Mittelgebirge’ geprägt. Unterbrochen wird dieser allgemeine Eindruck von der Wesertalaue im Norden sowie den in die Herforder (Ravensberger) Mulde sich einfügenden Talauen der Werre und Bega. Die Werre als größter Fluss Lippes mündet bei Rehme, ein gutes Stück nördlich der lippischen Grenze, in die Weser. Die Mittelgebirgslandschaft Lippes ist ein Teil des westlichen Weserberglandes. Der Teutoburger Wald im Südwesten und der im Nordosten und Osten verlaufende Höhenzug des Lippischen Berglandes rahmen ein stark gegliedertes, flacheres Hügelland ein. Das Blomberger Becken und die in Lippe beginnend, nach Norden sich ausdehnende Herforder (Ravensberger) Mulde sind neben der Senne die einzigen, weitgehend flachen Bereiche.

Das ehemalige Land Lippe wurde 1947 im Kontext der politischen Neuordnung in Nordwestdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg als einer der letzten deutschen Kleinstaaten in das neue Bundesland Nordrhein-Westfalen als dessen dritter Landesteil eingegliedert. Mit diesem längst überfälligen Akt war eine über 800jährige Selbständigkeit von Edelherrschaft, Grafschaft (seit 1528), Fürstentum (seit 1789) und Freistaat (1918-1947) zu Ende gegangen. Die Grenzen dieser ehemaligen Gebietskörperschaften sind allerdings – mit Ausnahme einiger historischer Exklaven, zu denen etwa auch Lippstadt zählt – noch immer weitgehend deckungsgleich mit denjenigen des heutigen Kreises Lippe, der 1972/73 im Zuge der Kommunalreform aus den Altkreisen Detmold und Lemgo gebildet worden ist; allein im Südosten wurde dem neuen Großkreis als bescheidene Gebietserweiterung die bis dahin zum Kreis Höxter gehörende Gemeinde Lügde zugeschlagen. Der Kreis Lippe umfasst derzeit etwa 1.250 qkm mit rund 365.000 Einwohnern und ist damit nicht nur für die hier zu behandelnde Thematik recht überschaubar. Aufgrund des historischen Hintergrundes wurde dem ehemaligen Land Lippe in Nordrhein-Westfalen auf gesetzlicher Grundlage eine gewisse Sonderstellung eingeräumt. Diese manifestiert sich vor allem darin, dass das lippische Landesvermögen, zu dem nicht nur Forsten, Domänen und Ländereien, Burgen und Schlösser, Natur- und Kulturdenkmäler sowie zwei Staatsbäder, sondern auch die Kultur- und Bildungsinstitute Lippisches Landesmuseum und Lippische Landesbibliothek gehören, im Land verblieben ist und vom Landesverband Lippe laut Lippe-Gesetz von 1947 zur „Wohlfahrt der Bewohner im Bereich des früheren Landes Lippe“ zu verwalten ist. Landesmuseum und Landesbibliothek erhalten auf der Grundlage dieses Gesetzes einen erheblichen finanziellen Zuschuss vom Land Nordrhein-Westfalen. Trotz starker Mobilität der Bevölkerung seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich in Lippe ein ausgeprägtes Regionalbewusstsein erhalten, das nicht zuletzt seinen Niederschlag in einer äußerst regen Publizistik findet und damit diesem historischen Land ein eigenes geistiges Profil verleiht.

Retrospektive regionalbibliographische Berichterstattung

Lippe verfügt über eine lückenlose regionalbibliographische Berichterstattung. Nach ersten tastenden Versuchen der Literaturanzeige konnte hier spätestens seit Ausgang des 19. Jahrhunderts eine bibliographische Tradition begründet werden; denn im Jahre 1886 legten Otto Weerth († 1930) und Ernst Anemüller († 1943) – beide Lehrer am Detmolder Gymnasium und letzterer wenig später bis 1924 Direktor der Lippischen Landesbibliothek – eine „Bibliotheca Lippiaca“ vor.[1] Wie der Untertitel hinreichend ausweist, handelt es sich um eine „Uebersicht über die landeskundliche und geschichtliche Litteratur des Fürstenthums Lippe“, womit gleichzeitig der inhaltliche wie räumliche Rahmen deutlich umrissen ist. Die 926 selbständig und unselbständig seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts erschienenen Titel dieser Bibliographie waren nach dem „Normalschema für landeskundliche Bibliographie“ geordnet, einer Systematik, die von der Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskunde von Deutschland kurz zuvor aufgestellt worden war. Die Bearbeiter hatten diesem rein landeskundlich ausgerichteten Schema noch eine sechste Sachgruppe „Geschichte“ hinzugefügt, „um möglichst alles gedruckte Material für unseren kleinen Bezirk hier zusammenzubringen.“ Als Vorarbeiten nennen die Bearbeiter nur die schmale Zusammenstellung „Litteratur der Lippischen Geschichte“, die der Direktor der Fürstlich-öffentlichen Bibliothek Otto Preuß 1860 dem ersten Band seiner „Lippischen Regesten“ vorausgeschickt hatte. Da insbesondere auf dessen „wirksamste Unterstützung“ Bezug genommen wird, darf davon ausgegangen werden, dass die Bestände dieser Bibliothek, nämlich der heutigen Lippischen Landesbibliothek, das Substrat für die „Bibliotheca Lippiaca“ gebildet hat, zumal die Herausgeber von relativer Vollständigkeit ausgehen.

Das für die lippische Landesforschung verdienstvolle Werk wurde in der Folgezeit nicht fortgesetzt, so dass diese erste ernst zu nehmende Regionalbibliographie weit über ein halbes Jahrhundert lang maßgeblich blieb; sie ist heute nur noch von wissenschafts- und bibliographiegeschichtlichem Interesse. Aufgrund der nach der Jahrhundertwende stark anwachsenden Heimatliteratur und der zunehmenden landeskundlichen und landesgeschichtlichen Forschungen machte sich alsbald das Fehlen einer auf dem aktuellen Stand befindlichen Regionalbibliographie nachteilig bemerkbar. Die zwischen 1869 und 1928/29 veröffentlichten Zugangsverzeichnisse der Lippischen Landesbibliothek boten, da sie naturgemäß nur selbständig erschienenes landeskundliches Schrifttum nachweisen, nur einen recht mäßigen Ersatz. Eine Verbesserung der nachteiligen Situation zeichnete sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg ab, als sich der Naturwissenschaftliche und Historische Verein für das Land Lippe in Detmold der Sache annahm und es als eine seiner dringlichsten Aufgaben ansah, für Vorarbeiten zu einer umfassenden lippischen Bibliographie zu werben. Wenn auch der Verein mit diesem Projekt alsbald an seine Grenzen stieß, gelang es dank seiner Initiative, den Landesverband Lippe, in dessen Trägerschaft 1947 die Lippische Landesbibliothek gelangt war, für das Vorhaben zu gewinnen. Dem Verband fiel dies um so leichter, da sowohl der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster als auch das nordrhein-westfälische Kultusministerium in die Förderung eingebunden werden konnten.

Zu Beginn des Jahres 1951 nahm Wilhelm Hansen, Kustos und später Direktor des Lippischen Landesmuseums, die Arbeit an der neuen lippischen Bibliographie auf.[2] Anfänglich wurde er unterstützt von dem an der Landesbibliothek beschäftigten Grabbe-Forscher und Bibliothekar Alfred Bergmann und dauerhaft begleitet von einem vierköpfigen Arbeitsausschuss. Die Materialsammlung konnte gegen Ende 1954 als im wesentlichen abgeschlossen gelten. Die Berichtszeit dieser von vornherein als retrospektives Verzeichnis konzipierten Regionalbibliographie reicht von der Zeit um 1800 bis zum Jahre 1953, allerdings konnten selbständig erschienene Werke noch bis 1955 berücksichtigt werden. Die über 16.000 Titel umfassende Bibliographie lehnte sich in ihrem systematischen Aufbau sinnfälligerweise an die seit diesem Jahr im Erscheinen begriffene Westfälische Bibliographie von Alois Bömer und Hermann Degering sowie an die bereits seit 1938 vorliegende Niedersächsische Bibliographie von Friedrich Busch an; beide Bibliographien haben ihr Vorbild bekanntlich in Ernst Wermkes „Bibliographie der Geschichte Ost- und Westpreußens“(1933). Gleich diesen umfasst die Lippische Bibliographie sachlich alle Lebensbereiche vornehmlich historisch gesehen und weist den forschungsintensiven Themenkreisen „Arminius und die Varusschlacht“ sowie „Externsteine“ eigene Systemgruppen zu. Räumlich folgt das beachtenswerte Werk den Grenzen Lippes (einschließlich Lippstadt) und kann es sich aufgrund der geringen Ausdehnung und des noch überschaubaren Literaturaufkommens erlauben, das Schrifttum bis hin zu ungezeichneten Beiträgen in Tageszeitungen zu erschließen; das wird in allen folgenden Bibliographien bis zur Gegenwart so gehalten.

Hansen stützte sich bei seiner bibliographischen Arbeit vorrangig auf die umfangreichen Bestände der Lippe-Abteilung der Detmolder Landesbibliothek, nennt darüber hinaus aber noch einige regionale und überregionale Spezialbibliotheken. Dank des Entgegenkommens der Historischen Kommission für Westfalen in Münster konnte der Bearbeiter noch Einblick in das Manuskript der oben genannten Westfälischen Bibliographie nehmen und Nachträge aus dessen Lippe-Kapitel übernehmen. Als Besonderheit führen nahezu alle der in der Lippischen Bibliographie versammelten Titel die Signaturen der Lippischen Landesbibliothek, ein Verfahren, dem sich die Fortsetzungen bis heute trotz bibliothekarischer Bedenken angeschlossen haben. Das dann im Jahre 1957 erschienene Werk stellt ohne jeden Zweifel eine beachtliche Leistung eines Einzelnen dar und leistet noch immer als Nachweisinstrument unschätzbare Dienste. Gelegentlich geäußerte Kritik am methodischen Vorgehen, am Übergehen einschlägiger Hilfsmittel, der für eine Bibliographie untypischen Bebilderung (Stiche, Titel- und Schmuckblätter) und ähnliches mehr mögen in der Sache durchaus zutreffen, erscheinen vor dem skizzierten Hintergrund allerdings überzogen.

Anerkennend müssen wir heute feststellen, dass mit dieser Bibliographie die Region Lippe einerseits Anschluss an die Nachbarregionen – Westfalen und Niedersachsen – gefunden hat und andererseits hier für eine positive regionalbibliographische Entwicklung der Weg bereitet worden ist. Denn von nun an war man auch in der Landesbibliothek in stärkerem Maße sensibilisiert, sammelte und verzeichnete das einschlägige Titelmaterial unabhängig von der Erscheinungsform mit dem Anspruch auf Vollständigkeit, überarbeitete und aktualisierte den Lippe-Katalog, so dass die grundlegenden Voraussetzungen für eine Fortsetzung geschaffen werden konnten. Die ließ jedoch noch auf sich warten, und um die Berichtslücke zu einer Kumulation nicht zu groß werden zu lassen, entschied man sich zehn Jahre nach dem Erscheinen der Lippischen Bibliographie zunächst für die Herausgabe von jährlichen bibliographischen Verzeichnissen. Unter dem recht hausbackenen Titel „Neues Schrifttum über das Lipperland und seine Bewohner“ erschienen diese dann auch für die Berichtszeit 1967 bis 1975 und boten trotz ihrer bescheidenen Aufmachung jedem, der sich mit lippischen Themen befasste, willkommene Hilfe.[3]

Allerdings mehrten sich alsbald die Stimmen, die für ein Schließen der Berichtslücke zwischen 1954 und 1966 sowie eine Integration der bisher erschienenen Jahresberichte „Neues Schrifttum ...“ plädierten. Namentlich der mitgliederstarke Lippische Heimatbund und erneut der Naturwissenschaftliche und Historische Verein für das Land Lippe entwickelten Aktivitäten und wurden Anfang der 1970er Jahre beim Landesverband Lippe mit einem diesbezüglichen Antrag vorstellig. Da sich die Lippische Landesbibliothek damals aufgrund ihrer nur dünnen Personalausstattung nicht in der Lage sah, diese Arbeit zusätzlich zu übernehmen, wurde im Jahre 1974 Ernst Fleischhack, Diplom-Bibliothekar an der Landesbibliothek, nebenamtlich mit der Bearbeitung eines Anschlussbandes an die von Hansen vorgelegte Lippische Bibliographie beauftragt. Trotz großen persönlichen Engagements des Bearbeiters und der in der Landesbibliothek vorhandenen Vorarbeiten gingen bis zum Abschluss des Manuskriptes Jahre dahin. Dass zu Anfang des Jahres 1977 noch ein eigenes „Kolloquium über Fragen der Herausgabe von Band II der Lippischen Bibliographie“ unter Beteiligung „interessierter Persönlichkeiten aus Lippe sowie in landeskundlicher Bibliographiearbeit erfahrener Fachkräfte [sc. Reinhard Oberschelp, Hannover, und Hans-Rudi Vitt, Dortmund]“ einberufen werden musste, überrascht ebenso wie die anschließende Einrichtung eines neunköpfigen „Arbeitsausschusses“, über dessen Sinnhaftigkeit man angesichts genügend vorhandener bibliothekarisch-bibliographischer Fachkompetenz heute nur rätseln kann; den Fortgang der Arbeit dürfte dieses Gremium kaum beschleunigt oder bereichert haben. Erst als Fleischhack aufgrund günstigerer personeller Rahmenbedingungen 1979 die Leitung der Lippe-Abteilung der Landesbibliothek übertragen und die bibliographische Arbeit damit institutionalisiert worden war, konnte der zweite Band der Lippischen Bibliographie fertiggestellt und 1982 im Druck vorgelegt werden.[4]

Die Berichtszeit schliesst mit 1954/56 an den Vorgängerband von Hansen an und endet  mit dem Schrifttum des Jahres 1975; Nachträge aus früherer Zeit sind zahlreich. In räumlicher Hinsicht beschränkt sich die erfasste Literatur nicht allein auf den heutigen Kreis Lippe, sondern bezieht auch vormalige Gebietsteile ein, sofern die Zeit der lippischen Herrschaft behandelt wird. Das Kriterium für eine referierende Bibliographie wird geradezu berührt, wenn man liest, dass Veröffentlichungen mit gesamtwestfälischer Thematik Aufnahme gefunden haben, „wenn sie lippische Probleme kapitel- oder abschnittsweise besonders erwähnen.“ Dass für eine solches Vorgehen nur die Überschaubarkeit der Bezugsregion ins Feld geführt werden kann, versteht sich von selbst. Vor dem gleichen Hintergrund ist zudem die großzügige Verzeichnung von Zeitungsartikeln zu sehen, die schon Hansen vorgegeben hatte. Für die Ordnung der Titel wurde, „um unliebsame Bruchstellen zu vermeiden,“ die Systematik des ersten Bandes in weiten Teilen zugrunde gelegt, wobei aber in etlichen Sachgebieten eine weitere Untergliederung vorgenommen werden musste und an verschiedenen Stellen leichte Modifizierungen sinnvoll erschienen. Mit 15.400 Titeln hatte der zweite Band der Lippischen Bibliographie fast mit seinem Vorgänger gleichgezogen; damit wird zum einen nachhaltig belegt, welch hoher Stellenwert historischen wie gegenwärtigen regionalkundlichen Themen inzwischen beigemessen worden ist, was sich folgerichtig in der zunehmenden Publikationsdichte niedergeschlagen hat, zum anderen wird aber auch deutlich, dass sich die Aufnahmekriterien für eine Regionalbibliographie – und sei sie auch nur für einen so kleinen Raum – nicht endlos strapazieren lassen, sollen nicht Handhabbarkeit und letztendlich Nutzen darunter leiden. Die retrospektive Lippische Bibliographie hat hier einen tragfähigen Kompromiss gefunden und bietet mit ihren nahezu 31.500 Titeln einen erschöpfenden Informations- und Wissensspeicher für eine Teilregion des Landes Nordrhein-Westfalen.

Laufende regionalbibliographische Berichterstattung: Printmedien

Unter neuer Leitung hatte die Lippische Landesbibliothek mit dem Berichtsjahr 1967 begonnen, auf der Grundlage ihrer um Vollständigkeit bemühten Sammlung der Regionalliteratur die bibliographische Arbeit in Lippe aufzunehmen. Zum einen war diese bisher aus hier nicht zu diskutierenden Gründen vernachlässigte Kernaufgabe einer Landesbibliothek zwischenzeitlich dringendes Desiderat geworden, zum anderen war die Titelmenge in den 12 Jahren nach dem Abschluss der von Hansen bearbeiteten Lippischen Bibliographie so angewachsen, dass ein weiterer Aufschub der Literaturdokumentation die Chance für einen Anschlussband möglicherweise dauerhaft verbaut hätte. Die bis 1975 jährlich erscheinenden Folgen „Neues Schrifttum über das Lipperland und seine Bewohner“ bedeuteten trotz ihrer wenig glücklichen Titelfassung, der systematischen Ordnung als einzigem Sacherschließungselement und der nur bescheidenen Aufmachung eine vollwertige Regionalbibliographie für diesen Raum und wurden dankbar angenommen. Die knapp 5.000 von 1967 bis 1975 verzeichneten Titel flossen mit den unvermeidlichen Nachträgen in den zweiten Band der Lippischen Bibliographie ein.

Unabhängig davon wurde die mittlerweile bewährte laufende regionalbibliographische Berichterstattung mit dem Jahr 1976 fortgesetzt und die Gelegenheit zu einer Titel- wie auch Formatänderung genutzt. Die von nun an „Lippischen Jahresbibliographien“ verzichteten zwar weiterhin auf ein Sachregister, erschienen aber in handlicherem Oktavformat und später sogar in attraktiverem Outfit.[5] Was die inhaltliche Ausrichtung angeht, so war die bisher eher historische Sichtweise als nicht mehr zeitgemäß aufgegeben worden und hatte der Berücksichtigung aller Wissensgebiete und Lebensbereiche aus Vergangenheit und Gegenwart Platz gemacht; die Lippische Bibliographie trägt seitdem allen Erfordernissen Rechnung, die an eine moderne Regionalbibliographie gestellt werden müssen. Fleischhack war in seinem zweiten Band hier schon erheblich weiter gegangen als sein Vorgänger. Bis zum Berichtsjahr 1986 erschienen die „Jahresbibliographien“ zügig und ohne Berichtsverzug, sie weisen insgesamt rund 10.000 Titel nach.

Datenbank und CD-ROM

Nach kurzer erfolgreicher Testphase wurde mit dem Berichtsjahr 1987 die konventionelle jährliche Verzeichnung der Lippe-Literatur aufgegeben, um von nun an bis zur Stunde mit dem Literaturdokumentationssystem LIDOS in einer Regionaldatenbank („Lippe-Datenbank“) fortgeführt zu werden. Ausschlaggebend für den Verzicht auf die periodische Druckausgabe waren zum einen die vergleichsweise hohen Kosten für Produktion und Vertrieb sowie kaum steigerungsfähiger Absatz, zum anderen hatte sich der Umfang des jährlich zu verzeichnenden Schrifttums seit 1976 geradezu verdoppelt, so dass die Handhabbarkeit der einzelnen Jahresbibliographien ohne einheitliche, alle Bände umfassende Register mehr und mehr eingeschränkt war. Die „Lippe-Datenbank“ bietet seither alle Recherchemöglichkeiten eines modernen Datenbanksystems. Da zum damaligen Zeitpunkt noch nicht daran zu denken war, das Titelmaterial aus den von Hansen und Fleischhack bearbeiteten beiden Bänden der Lippischen Bibliographie in absehbarer Zeit in die Datenbank retrospektiv einzugeben, sollte zumindest durch gleichartige (Sach-)Erschließungskriterien eine Verknüpfung mit diesen hergestellt und damit die Nutzung über den Medienwechsel hinweg erleichtert werden. Diese Verknüpfung erfolgt durch zusätzliche Erfassung der Notationen der im Lippe-Katalog und in den Bibliographien verwendeten Systematik sowie durch die Übernahme der in diesen verwendeten Registerbegriffe (Orts-, Personen- und Sachregister) als Deskriptoren. Über die Benutzerfreundlichkeit hinaus sollte damit auch der Herausgabe einer vom Berichtsjahr 1976 an kumulierenden künftigen Druckausgabe der Weg bereitet werden. Die „Lippe-Datenbank“ hatte sich in der Folgezeit schnell etabliert und wird seither dank ihrer unschlagbaren Aktualität rege benutzt. Ihr Gebrauchswert erfuhr noch eine Bereicherung dadurch, dass es zwischenzeitlich gelungen ist, neben der laufenden Literaturverzeichnung nicht nur das in den „Lippischen Jahresbibliographien“ (1976-1986) enthaltene Titelmaterial, sondern darüber hinaus auch die Aufsätze und Beiträge aus den einschlägigen regionalen Zeitschriften seit ihrem Erscheinen (Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Heimatland Lippe, Lemgoer Hefte u.ä.) zu erfassen. Die „Jahresbibliographien“ sind damit heute entbehrlich geworden.

Mit der Integration der „Jahresbibliographien“ in die Lippe-Datenbank war das Ende einer nahezu hundertjährigen Tradition gedruckter lippischer Regionalbibliographien erreicht. Zwar wurde eine mit dem Berichtsjahr 1976 beginnende Kumulation als Printversion im Anschluss an den zweiten Band der Lippischen Bibliographie noch geraume Zeit favorisiert, doch schied deren Realisierung nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen aus, sondern dank der rasch fortschreitenden informationstechnischen Entwicklung zeichneten sich spätestens seit der Mitte der 1990er Jahre auch für die Regionalbibliographien neue Möglichkeiten der Präsentation ab. Zunächst einmal war die Lippe-Datenbank nur im lokalen Netz der Lippischen Landesbibliothek verfügbar und damit der Literatursuchende ausschließlich an die Publikums-PCs im Informationszentrum der Bibliothek gebunden. Der Wunsch, auch außerhalb der Landesbibliothek Zugriff auf die Lippe-Datenbank zu erhalten, wurde umso dringlicher, je mehr Titel in elektronischer Form nachgewiesen werden konnten. Mithin lag es nahe, neue Wege zu beschreiten und das Titelmaterial der Lippe-Datenbank auf periodisch aktualisierten CD-ROMs herauszubringen, die, gleich den früheren Jahresbibliographien, im Abonnement bezogen werden können und unabhängig von der Bibliothek auf jeder marktüblichen PC-Infrastruktur ablauffähig sind.

Die erste Lippische Bibliographie auf CD-ROM kam 1997 heraus, sie setzte mit dem Berichtsjahr 1987 einschließlich einiger Nachträge ein, endete mit dem letzterfassten Dokument kurz vor der Produktion im Herbst des Erscheinungsjahres und enthielt rund 13.000 Eintragungen. Damit war die Lippische Bibliographie die erste Regionalbibliographie im deutschsprachigen Raum überhaupt, die bereits seit 1988 elektronisch zugänglich und darüber hinaus 1997 auf CD-ROM erschienen war. Während die Daten nach wie vor mit der aktuellen LIDOS-Version erfasst wurden, kam als Retrieval-Software Alcarta, das OPAC-Modul von Allegro zum Einsatz; dessen Suchmöglichkeit über verschiedene Register versprach leichte Handhabung. Bis zum Herbst 2000 konnten fünf CD-ROMs herausgegeben werden, die letzte Ausgabe umfasste bereits den kumulierten Datenbestand von rund 24.000 Dokumenten.[6]

Lippische Bibliographie Online im World Wide Web

Die CD-ROM-Ausgabe der Lippischen Bibliographie konnte nur den Zwischenschritt zur Online-Präsentation, denn zeitgleich wurde das Konzept einer „Regionaldokumentation Lippe“ erarbeitet, dessen Szenario bereits 1998 auf dem Deutschen Bibliothekartag in Frankfurt/Main vorgestellt wurde. Aufgrund der aus der täglichen Praxis gewonnenen Erfahrungen hatte sich deutlich herauskristallisiert, dass die reine Titelverzeichnung der Regionalliteratur allein den Fragestellungen und vor allem den Erwartungen an regionalkundliche Informationen und Bestände nicht mehr gerecht wird, sondern die Regionalbibliographie vor allem inhaltlich erweitert und in ein regionales Portal integriert werden muss. Voraussetzung dafür war, dass die neue „Lippische Bibliographie Online“ seit Beginn des Jahres 2002 im Internet verfügbar und direkt über die Homepage der Lippischen Landesbibliothek,[7] über die „Digitale Bibliothek Nordrhein-Westfalen“[8] und über das Portal der Regionalbibliographien im Karlsruher Verbundkatalog (KVK) erreichbar ist. Gemäß dem Konzept der Regionaldokumentation wird seither in der „Lippischen Bibliographie Online“ nicht nur wie bisher die Regionalliteratur nachgewiesen, sondern es werden sukzessive aus den Beständen der Lippischen Landesbibliothek die Fotos des Bildarchivs und anderer regionaler fotografischer Sammlungen, Originalgraphiken der Graphischen Sammlung, Theaterzettel, Plakate, Karten und Pläne sowie die biographischen Einträge des mittlerweile vergriffenen „Lippischen Autorenlexikons“ (1986) und der Kreishandbücher (1974ff.) jeweils als retrievalfähige bibliographische Datensätze und als Images im jpg-Format integriert; darüber hinaus werden so weit möglich elektronische Ressourcen und Volltexte angeboten.

Vorrangig aus Kostengründen erfolgt die Umsetzung zunächst mit Softwareprodukten, die in der Detmolder Landesbibliothek eingeführt sind. Bei der bibliographischen Erfassung der regionalen Medien kommt weiterhin LIDOS unter Windows NT/2000 zum Einsatz. Da dieses Programm zwar über eine integrierte Intranetlösung verfügt, jedoch keine Präsentation im Internet zulässt, wird für diese das vorhandene Volltext-Retrievalsystem BRS/Search mit NetAnswer als Web-Applikation für die Onlinepublikation benutzerdefinierter Informationen auf einer SUN Enterprise unter Solaris verwendet; die Aktualisierung der BRS/Search-Datenbank erfolgt wöchentlich. Für das laufende Jahr 2004 ist die Integration der Lippischen Bibliographie Online in das in der Landesbibliothek im Einsatz befindliche Bibliotheks-Informationssystem SISIS-SunRise mit dem Scan-Client von ImageWare vorgesehen und wird diese regionale Dokumentation damit über den WebOPAC verfügbar gemacht. Bei Redaktionsschluss dieses Berichtes, im August 2005, weist die Lippische Bibliographie Online ca. 50.000 Dokumente nach.

Anhang: Auswahl regionaler Bibliographien zu Lippe

  • Hellfaier, Detlev: Bibliographien zur Geschichte und Landeskunde Westfalens und Lippes. – Detmold: Lipp. Landesbibliothek, 1984. (Nachrichten aus der Lippischen Landesbibliothek Detmold ; 14)
  • Lippische Bibliographie : mit Hinweisen auf die Buchbestände der Lippischen Landesbibliothek, [Bd. 1] bearb. von Wilhelm Hansen, [Bd. 2: Ernst Fleischhack]. – Bde. 1-2. – Detmold: Meyer [Bd. 2: Landesverband Lippe,] 1957-1982.
  • Lippische Bibliographie 1997-2000, bearb. von Heidi Schmidt. – 5 CD-ROM + Beil. – Detmold: Lipp. Landesbibliothek, 1997-2000.
  • Lippische Bibliographie Online [Elektronische Ressource]. – 2001ff. – URL: <http://www.llb-detmold.de/lippe/lippische_bibliographie_online.html> Enthält (Stand 2006) etwa 50.000 Dokumente, davon rund 8.000 Digitalisate.
    Aktuelle URL: http://www.llb-detmold.de/webOPACClient_lippe/start.do
  • Lippisches Autorenlexikon : Lebende und nach dem 1.1.1983 verstorbene Autoren mit Nachträgen, bearb. von Ernst Fleischhack, hrsg. von Detlev Hellfaier. – Bd. 1 [mehr nicht ersch.] – Lemgo: Wagener, 1986.
  • Neues Schrifttum über das Lipperland und seine Bewohner (ab 1976: Lippische Jahresbibliographie), bearb. von Ernst Fleischhack. 1967-1986. – Detmold: Lipp. Landesbibliothek, 1968-1987.
  • Preuss, Otto: Literatur der lippischen Geschichte. – In: Lippische Regesten. Aus gedruckten und ungedruckten Quellen bearb. von Otto Preuss und August Falkmann. – Bd. 1. – Lemgo: Meyer, 1860, S. 1-48.
  • Weddigen, Peter Florens: Kurze Anzeige von Schriften, in welchen Nachrichten von den lippischen Landen enthalten sind. – In: Donop, Wilhelm Gottlieb L. von, Historisch-geographische Beschreibung der Fürstlichen lippischen Lande. – 2. Aufl. – Lemgo: Meyer, 1790, S. 259-272.
  • Weerth, Otto, und Ernst Anemüller: Bibliotheca Lippiaca : Übersicht über die landeskundliche und geschichtliche Litteratur des Fürstenthums Lippe. – Detmold: Hinrich, 1886.

Anmerkungen

[1] Zur Geschichte und Entwicklung vgl.:

  • Alfred Bergmann: Kritische Beleuchtung der Lippischen Bibliographie von 1957. Eine bibliographische Studie. Detmold 1974
  • Ernst Fleischhack: Die Lippe-Sammlung der Lippischen Landesbibliothek und die lippische Bibliographie. – In: Heimatland Lippe 73 (1980), S. 175-177;
  • Ders.: Die Lipper und ihre Bibliographie: eine kritische Betrachtung. – In: Heimatland Lippe 77 (1984), S. 92-93;
  • Ders.: Von der Lippe-Abteilung zur Regionaldokumentation: die regionalbibliographischen Dienstleistungen der Lippischen Landesbibliothek. – In: Heimatland Lippe 79 (1986), S. 392-397;
  • Detlev Hellfaier: „Lippisches Autorenlexikon“ – eine Aufgabe regionaler Dokumentation. – In: Heimatland Lippe 77 (1984), S. 316-317;
  • Ders.: Bibliographien zur Geschichte und Landeskunde Westfalens und Lippes. Detmold 1984, S. 13-16, 32-34;
  • Karl-Alexander Hellfaier: Probleme einer westfälisch-lippischen Bibliographie. – In: Stadtbibliothek und Regionalbibliographie. Festschrift für Hans Moritz Meyer. Hrsg. von Hedwig Bieber u.a. Berlin 1975, S. 199-207;
  • Harald Pilzer: Lippe auf der Silberscheibe: die Lippische Bibliographie ab 1998 auf CD-ROM. – In: Heimatland Lippe 90 (1997), S. 356-360, →hier online;
  • Heidi Schmidt: Regionalbibliographische Dienstleistungen der Lippischen Landesbibliothek. – In: Die Lippische Landesbibliothek – Bau, Sammlungen, Partner. Hrsg. von Detlev Hellfaier. Detmold 1993, S. 81-89.

[2] Lippische Bibliographie, mit Hinweisen auf die Buchbestände der Lippischen Landesbibliothek. Bd. [1]. Bearb. von Wilhelm Hansen. Detmold: Meyer 1957.

[3] Neues Schrifttum über das Lipperland und seine Bewohner. Die Literatur des Jahres ... / Lippische Landesbibliothek Detmold. Bd. 1. 1967 (1968) – 9. 1975 (1977).

[4] Lippische Bibliographie, Bd. 2: Das Schrifttum von 1954/56 bis 1975 mit Nachträgen aus früheren Jahren. Bearb. Von Ernst Fleischhack. Detmold 1982.

[5] Lippische Jahresbibliographie / Lippische Landesbibliothek Detmold. 1976 (1977) – 1986 (1988).

[6] Lippische Bibliographie: CD-ROM-Ausgabe / Lippische Landesbibliothek Detmold. 1976/98 (1998) – 1976/2000 (2000).

[7] URL: www.llb-detmold.de/lippe/lippische_bibliographie_online.html

[8] URL: http://www.digibib-nrw.de/