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Perseus-Auge Hellblau. Erhart Kästner und Gerhart Hauptmann. Briefe, Texte, Notizen

Erich Kästner, Gerhart Hauptmann

Erhart Kästner zum 100. Geburtstag am 13. März 2004: Buchvorstellung zur Eröffnung der Ausstellung „Zwischen Beruf und Berufung. Erhart Kästner – Bibliothekar, Schriftsteller, Sekretär Gerhart Hauptmanns“ im Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, 25. Februar 2004 sowie im Gerhart-Hauptmann-Haus Agnetendorf am 26. Februar 2004

von Julia Freifrau Hiller von Gaertringen

Sommer 1936. Gerhart Hauptmann diktiert seinem Sekretär Erhart Kästner im Park des Hauses Wiesenstein im Riesengebirge einen dramatischen Text. »Er geht langsam, steht oftmals still. Die Hunde laufen hin und zurück. Sein Blick geht fernhin. Dies Auge ist für die Ferne gemacht. Ein gefältelter Blick. Blick kleinster Pupillen in hellblauem Aug. Dennoch ist etwas von Wegschaun darin. Auge, das ein Leben lang den Blick der Medusa auffing. Perseus-Auge. Hellblau.« Im Bild des Perseus, der sich dem Grauen zu nähern und es im Spiegel anzublicken wagt, erschließt sich Kästner die mythische Substanz des hauptmannschen Spätwerks, dessen Entstehung er als Sekretär und Freund des Dichters kritisch begleitet hat.

Der alte Dichter und sein Werk beschäftigten Erhart Kästner dreißig Jahre lang – von den ersten Kontakten zum Freundeskreis Hauptmanns 1934 bis zur Einbeziehung seiner Hauptmann-Erinnerungen in die literarische Arbeit an der Lerchenschule 1964. Das Verhältnis veränderte sich mit den Jahren: von der ehrfürchtigen Bewunderung für den großen Meister am Anfang über die persönliche – und manchmal allzu große – Nähe in der Zeit als Hauptmann-Sekretär 1936/37 hin zu enger menschlicher Bindung in den Jahren des Zweiten Weltkriegs. Die durchaus ambivalente Vater-Sohn-Beziehung, welche die beiden Autoren verband, ist für Kästner in vieler Hinsicht prägend gewesen, nicht zuletzt auch für seine eigene literarische Arbeit.

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