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„Uppe dat godes loff unde ere vorhoget unde vormeret werde ...“
Zur Geschichte des Augustinerkanonessen-Klosters Marienanger in Detmold

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 72 (2003) S. 173-236.

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Die Gründung des Augustinerkanonessen-Klosters auf dem Gelände eines Adelshofes in Detmold reicht zurück in das Jahr 1453 und zählt in den Kontext der geistlichen Reformbewegung der devotio moderna. Landesherr, adlige Burgmannen und Rat sind im Verbund mit Herforder Fraterherren als Stifter auszumachen. Die Niederlassung ist eng mit der bereits 1448 erfolgten Gründung des Schwesternhauses in Lemgo verbunden; beide Häuser standen bis 1476 unter gemeinsamer Leitung. Die Annahme der Augustinerregel erfolgte 1456/59 auf Initiative des Diözesanadministrators im Zusammenspiel mit den Prioren der Augustiner-Chorherrenstifte Böddeken und Möllenbeck, die zugleich das Amt der Visitatoren einnahmen. Aufgrund überlieferter Statuten sind wir über die Binnenstruktur der Schwesternhäuser mit mater und Beichtvater an der Spitze gut unterrichtet. Der Konvent rekrutierte sich im wesentlichen aus dem näheren und weiteren Detmolder Umland. Auskommen und sogar Wohlhabenheit erreichte das Kloster bald durch die Herstellung und den Vertrieb von Leinenlaken und Wolltuchen, dem hingegen diente die klösterliche Landwirtschaft in erster Linie der Selbstversorgung; Ländereien des Klosters lagen im Norden und Nordosten der Stadt und rührten zumeist aus landesherrlichem Besitz. Renteneinkünfte, fromme Stiftungen und sonstige Vermächtnisse traten zur Existenzsicherung eher zurück. Als Folge der Reformation 1538, der sich die Religiosen nicht widersetzt haben, dünnte der Konvent aus und das Ordenshaus wandelte sich zur Altersversorgungsstätte. Nachlassende Wirtschaftskraft und weitere nachteilige Einflüsse zwangen die Schwestern seit etwa 1560 zum Verkauf von Grundbesitz und Klostergebäuden. Graf Simon VI. zur Lippe hob 1577 das Kloster formell auf, landesherrliche Deputate sicherten den Lebensunterhalt des Restkonventes; die letzte Schwester starb 1615. Die 1511/12 erbaute Klosterkirche diente von 1602 bis zu ihrem Abbruch 1832 als Provinzialschule, aus der in der Folgezeit das Gymnasium Leopoldinum hervorgegangen ist.