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Landesbibliotheksbau in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Detmold, Lippische Landesbibliothek

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Landesbibliotheksbau in Deutschland, Österreich und der Schweiz : Neubauten, Erweiterungen und Umnutzungen zwischen 1975 und 2002 / hrsg. von Detlev Hellfaier. - Frankfurt am Main : Klostermann, 2003. - 229 S. : Ill. + 1 CD-ROM (12 cm). - (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie : Sonderheft ; 85). - ISBN 3-465-03291-8

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Das Ambiente

Am südöstlichen Altstadtrand der ehemaligen lippischen Residenz Detmold gelegen befindet sich in einem großbürgerlichen Palais aus der Mitte des 19. Jahrhunderts seit 1886 die Lippische Landesbibliothek. Die Stadt ist heute Zentrum des Kreises Lippe, der im Jahre 1972 im Zuge der kommunalen Neugliederung aus den Altkreisen Detmold und Lemgo gebildet worden ist (2002: rd 365.000 Einwohner). Das Kreisgebiet stimmt über weite Strecken mit der Fläche des früheren  Fürstentums und Freistaates Lippe bis zu dessen Eingliederung in das Land Nordrhein-Westfalen 1948 überein; seit dieser Zeit ist die Stadt zugleich Sitz der Bezirksregierung des Regierungsbezirkes Detmold, der nunmehr das Gebiet des früheren preußischen Regierungsbezirkes Minden und des ehemaligen Landes Lippe umfasst (2002: rd. 2 Mio. Einwohner). Die Lage auf einem parkähnlichen, etwa 7.000 qm großen Grundstück an der Peripherie der Kernstadt und einer vielbefahrenen Ausfallstraße (B 239) in Richtung Paderborn (B1/A 33), Höxter und Hameln bietet einerseits eine vergleichsweise günstige Verkehrsanbindung sowohl mit öffentlichem Personennahverkehr als auch mit Privatfahrzeugen, andererseits liegt die Bibliothek völlig diametral zum Bahnhof und ist für innerstädtische Fußgänger trotz aller Überschaubarkeit der Stadt (2002: rd. 74.0000 Einwohner) nur mittelbar zu erreichen. Die Hornsche Straße ist keine Geschäftsstraße und lädt bei nach Osten ständig abnehmender Bebauung weder zum Verweilen noch zum Flanieren ein; daher wird die Landesbibliothek in erster Linie nur gezielt angelaufen und es fällt das promenierende und touristische Publikum nahezu völlig aus, eine Tatsache, die sich besonders nachteilig auf den Besuch von Ausstellungen und anderen, sich über mehrere Tage erstreckenden Veranstaltungen auswirkt.

Relativiert werden diese Standortnachteile allerdings dadurch, dass sich eine Reihe wesentlicher Kultur-, Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen entweder in unmittelbarer Nachbarschaft zur Landesbibliothek oder in einem Radius von etwa 500 m befinden. Unmittelbar benachbart sind das Nordrhein-Westfälische Staatsarchiv Detmold, dessen Grundstück auf der rückwärtigen Seite unmittelbar anschließt, und direkt gegenüber das Gymnasium Leopoldinum, nur geringfügig weiter entfernt liegen die Hochschule für Musik und das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität Paderborn, die Stadtbücherei und das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe und daran anschließend ein weiteres Gymnasium sowie die Verwaltungsgebäude der Lippischen Landeskirche mit Bibliothek und kirchlichem Medienzentrum. Bei allen genannten Einrichtungen handelt es sich um geborene Partner der Landesbibliothek, deren Publikum über weite Strecken kongruent ist. Mithin bietet Detmold auf kleinem Raum hervorragende Arbeits- und Forschungsbedingungen für ein breit gestreutes Fächerspektrum. Mit der Hochschule für Musik wurde bereits 1986 ein Kooperationsabkommen geschlossen.

Die Geschichte

Die fast vierhundertjährige Geschichte der Lippischen Landesbibliothek ist gekennzeichnet durch einen weiten Weg ins eigene Haus und bedeutet damit zugleich auch eine Geschichte ihrer Bauten oder ihrer mehr oder weniger glücklichen räumlichen Unterbringung; denn die Bibliothek konnte zu keiner Zeit ein nur für ihre Belange geplantes und gebautes Haus ihr eigen nennen. Den ältesten Buchbestand der Lippischen Landesbibliothek stellt die Bibliothek des Grafen Simon VI. zur Lippe († 1613), einem den Künsten und Wissenschaften der Zeit aufgeschlossenen und in der Konfessionspolitik engagierten Renaissancefürsten, dar. Diese Bibliothek befand sich im wesentlichen in drei eingewölbten Räumen im Turm des Schlosses Brake bei Lemgo, das der Landesherr zwischen 1584 und 1592 prächtig im Stil der Weserrenaissance hatte ausbauen lassen. Als nach dem Tod des Grafen erneut die Stadt Detmold zur Residenz gewählt worden war, stiftete sein gleichnamiger Sohn und Nachfolger aus dieser privaten Büchersammlung die „Gräflich Öffentliche Bibliothek“ und ließ sie in der kurz zuvor gegründeten Provinzialschule aufstellen; als Schul- und Bibliotheksgebäude diente – wie auch anderenorts – die für diese Zwecke hergerichtete spätgotische Klosterkirche des in nachreformatorischer Zeit aufgehobenen Augustinerinnenklosters. Mit der neuen Funktion zum Gebrauch im Unterricht und zum Nutzen des gelehrten Publikums der Residenzstadt wurde die Bibliothek 1614 der Öffentlichkeit übergeben; damit ist zugleich das Geburtsjahr der Lippischen Landesbibliothek markiert.

Räumliche Enge, Baufälligkeit und eine dem Bildungsideal der Spätaufklärung verpflichtete moderne Zwecksetzung veranlassten die Fürstin Pauline zur Lippe († 1820) die Schulbibliothek mit anderen im Laufe der Zeit in Detmold entstandenen fürstlichen, kirchlichen und behördlichen Sammlungen zusammenzuführen. Heimstatt fand diese neue „Fürstliche Öffentliche Bibliothek“ im östlichen Pavillon der spätbarocken fürstlichen Reitbahn, der heutigen Stadthalle. Das war und ist ein repräsentativer Bau, der zu einem um 1800 errichteten System von Pavillon- und Flügelbauten im Schlossareal zählt und mit seiner Schauseite zum Residenzschloss exponiert ist. Dort verblieb die Bibliothek bis zum endgültigen Umzug im Jahre 1886, zumal es zum Bau eines neuen Archiv- und Bibliotheksgebäudes, das in den 1830er Jahren projektiert worden war, in der Folgezeit aus Kostengründen nicht mehr gekommen ist. Neben diversen Unzulänglichkeiten zwang zu Beginn der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts der mittlerweile auf knapp 50.000 Bände angewachsene Buchbestand zur räumlichen Neuorientierung. Es ist der Weitsicht und zähen Beharrlichkeit des damaligen Bibliotheksdirektors Otto Preuß († 1892) zu verdanken, dass kein neues Provisorium in Gestalt eines wiederum bald zu kleinen Gebäudes geschaffen wurde, sondern sich der Blick auf ein damals bereits in öffentlichem Besitz befindliches ehemaliges großbürgerliches Palais am südöstlichen Stadtrand konzentrierte, das zumindest von seinem Volumen her versprach, der Bibliothek über Generationen hinweg zu genügen; in diesem in Rede stehenden Gebäude an der Hornschen Straße befindet sich die Lippische Landesbibliothek bis heute.

Bauherr dieses vielleicht schönsten, sicher aber größten spätklassizistischen Privathauses in Detmold war 1842/43 der Großkaufmann und „Partikulier“ Johann Wilhelm Ebert († 1874). Die Ausführung lag in den Händen eines hiesigen Salinenbaumeisters, doch spricht  einiges für die fachkundige Vermutung, dass der Schinkel-Schüler Johann Heinrich Strack († 1880), zu dem sich Kontakte nach Detmold nachweisen lassen, zumindest als Ideengeber herangezogen worden ist. Das Gebäudeensemble umfasste das dreigeschossige Wohnhaus mit ursprünglich 39 Zimmern und einer Gesamtfläche von über 1.500 qm sowie zwei nicht mit dem Hauptgebäude verbundene 1 ½ geschossige Flügelbauten, von denen heute nur noch der westliche in mittlerweile stark verändertem Zustand erhalten geblieben ist, der andere musste 1965 dem Magazinbau weichen. Als die neue Heimstatt 1886 bezogen wurde, reichte das auf hohem Sockel aufliegende Parterregeschoss für Bestände, Benutzung und Verwaltung noch völlig aus, so dass in die weiteren Etagen und in die Nebengebäude noch bis 1920/21 das Naturkundliche Museum und die „Sammlung vaterländischer Alterthümer“ mit ihren Exponaten Einzug halten konnten. Mehr noch als die konfliktträchtige Doppelnutzung durch zwei sammlungsintensive Bildungsinstitute machte sich im Bibliotheksalltag der Umstand nachteilig bemerkbar, dass das Gebäude eben nicht für die Zwecke einer Bibliothek geschaffen worden war; eine Veränderung der gegebenen Situation wäre nur über erhebliche bauliche Eingriffe zu erreichen gewesen, zu denen man sich damals nicht bereit finden mochte.

Erst ein Großbrand im November 1921, dem neben etwa 10.000 Bänden das komplette Dach und das obere Stockwerk zum Opfer gefallen waren und der die übrige Bausubstanz mehr oder minder stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, zwang zum Handeln. Nachdem ein kompletter Neubau an anderer Stelle rasch verworfen worden war, wurde das strapazierte Gebäude wieder hergerichtet. Aus heutiger Sicht ist sicher zu begrüßen, dass man seinerzeit an der alten Raumeinteilung ohne nennenswerte Abstriche festgehalten hat, denn so blieb die klassizistische Struktur des Hauses auch in seinem Inneren weitgehend ungestört. Nur an der Ostseite musste das Gebäude partiell entkernt werden, um Platz für ein siebengeschossiges Büchermagazin mit einem Fassungsvermögen von 200.000 Bänden zu schaffen, das die längst anachronistische Aufstellung an den Wänden von Sälen und Zimmern ablöste und damit zum einen eine flexiblere Betriebsorganisation ermöglichte, zum anderen Platz für eigene Benutzungs-, Arbeits- und Funktionsräume schuf. Damit waren die Aktivitäten für die nächsten Jahrzehnte erschöpft und die Landesbibliothek entsprach baulich und funktionell etwa dem üblichen Standard der Zeit.

Die Ausgangssituation

Glücklicherweise blieben die Stadt Detmold und damit auch die Lippische Landesbibliothek von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont, so dass es in unmittelbarem Anschluss an 1945 zunächst keiner Maßnahmen bedurfte, um die Funktionsfähigkeit der Bibliothek wiederherzustellen. Bauliche Eingriffe von beträchtlichem Ausmaß, deren Ergebnis unmittelbar die Ausgangssituation der durchgreifenden Neugestaltung der frühen 1990er Jahre beschreibt, erlebte die Bibliothek zwischen 1964 und 1967. Sie waren aufgrund der mittlerweile erschöpften Stellplatzkapazität des Magazins zwingend erforderlich geworden. An der südöstlichen Ecke mit dem Hauptgebäude durch einen schmalen Zwischentrakt verbunden, wurde 1965 ein neues sechsgeschossiges Magazin für 300.000 Bände errichtet, das 1979/80 noch einmal um einen nahezu identischen kubischen Baukörper von gleichem Fassungsvermögen erweitert wurde. Da das alte, in das Hauptgebäude integrierte Magazin von 1922 aufgegeben wurde, ergaben sich nun Freiflächen, die, nachdem man die ursprüngliche Dreigeschossigkeit wiederhergestellt hatte, Raum für Katalograum/Bibliographisches Zentrum, Lesesaal sowie Sondersammlungs- und Arbeitsräume gewährten; dank der enormen Deckenhöhen von nahezu fünf (!) Metern konnte der Nutzungsgrad durch den Einbau von Emporen zusätzlich erhöht werden. Im übrigen Gebäude bemühte man sich mit zurückhaltendem Aufwand, eine bescheidene Großflächigkeit und etwas mehr Helligkeit zu erreichen. Durch Aufbrechen von Wänden und das Einziehen von Säulen entstanden im Erdgeschoss die für Ausstellungszwecke zu nutzende Eingangshalle und darüber im 1. Obergeschoss ein Zeitschriftenlesesaal. Die übrigen Räume blieben weitgehend unangetastet. Wenngleich erste Ansätze von Funktionalität und mäßiger Transparenz des Raumensembles verbunden mit eher punktuellen betriebsorganisatorischen Straffungen unbestreitbar zu erkennen gewesen sind und die geschaffene Situation zweifellos einen Gewinn gegenüber der Ausgangslage darstellte, blieb in der Rückschau das Bemühen um Modernisierung der Landesbibliothek ausgesprochen zurückhaltend und konservativ. Unzureichende Finanzmittel dafür allein ins Feld zu führen, greift sicher zu kurz: die Zeit war hier wie anderenorts noch nicht reif für richtungsweisende Bibliotheksprojekte, wie sie zeitgleich in neugegründeten nordrhein-westfälischen Universitäten erprobt wurden.

Die wesentlichen räumlich-funktionellen und in der Mehrheit auch daraus abzuleitenden betriebsorganisatorischen Defizite lassen sich wie folgt beschreiben:

  • kompromissloses Festhalten am Prinzip der Magazinbibliothek und damit an der starren Dreiteilung von Verwaltung, Benutzungsbereich und Magazin
  • unglücklich bemessene Benutzungseinrichtungen: Hauptlesesaal (ca. 5.500 Bände) und Katalograum/Bibliographisches Zentrum in ihren Bestandskapazitäten zu gering bemessen, am wirklichen Bedarf vorbeigehender großer Zeitschriftenlesesaal, unzeitgemäße Ausleih-Thekensituation
  • viel zu große und zu hohe, z.T. dunkle Diensträume, Benutzungsflächen durch wuchtige Galerien eher drückend, düster-abweisende Durchgänge, unglückliche Farbgebung, kaum Verglasungen, wenig Transparenz
  • Belegung ganzer Raumfluchten durch Sondersammlungen musealen Charakters (z.B. Grabbe-Archiv), für die Öffentlichkeit nicht sichtbar und unzugänglich bzw. nicht bedarfsorientiert (z.B. Musik-Arbeitsraum)
  • Benutzertreppenhaus (1964/67 eingefügt) zur Erschließung der Lesesäle und eines Sammlungsraumes viel zu eng und zu niedrig, versteckter Zugang, demgegenüber großes repräsentatives, aber durch nachträgliche (Holz-)Einbauten verbautes und verdunkeltes Haupttreppenhaus, das zum reinen Verwaltungstreppenhaus degradiert worden war, Aufzüge nur in den Magazinen, keine behindertengerechte Infrastruktur
  • beide Magazine, auch das 1979/80 erbaute, lassen sich aufgrund ihrer Bauweise bei späterem Stellplatzbedarf nicht mit Kompaktregalen nachrüsten, aus gleichem Grund und aus Sicherheitsproblemen verbietet sich eine – partielle – Magazinöffnung
  • Buchbearbeitung verteilt auf mehrere Ebenen; kaum zumutbare Werkstätten (Buchbinderei, Fotolabor, Hausmeister)
  • keine Veranstaltungs-, Schulungs- oder Tagungsräume, keine Sozialräume, unzureichende Sanitäreinrichtungen.

Die Idee und das Ziel

Die vorstehende Darstellung hat hinreichend deutlich gemacht, dass sich die Lippische Landesbibliothek zu Beginn der 1980er Jahre in einer in hohem Maße unbefriedigenden Gesamtsituation befunden hat. Ohne durchgreifende bauliche, organisatorische und infrastrukturelle Maßnahmen war die Bibliothek weder entwicklungs- noch wettbewerbsfähig. Die umfangreichen Schritte, die in der Folgezeit konsequent umgesetzt wurden, und von denen hier in erster Linie die das Gebäude berührenden Fragen von Interesse sind, waren Bestandteil eines in den Jahren seit 1986 erarbeiteten, immer wieder ergänzten und verfeinerten Modernisierungs- und Entwicklungskonzeptes für die Detmolder Landesbibliothek. Das Konzept basierte auf drei Leitideen:

  • Raumgewinn durch die Verlagerung der Abteilung Lippisches Literaturarchiv in das Geburtshaus des Detmolder Dramatikers Christian Dietrich Grabbe († 1836) in der Innenstadt
  • Großzügiger Um- und Ausbau des Hauptgebäudes der Landesbibliothek
  • Durchgreifende Neuorganisation, Automatisierung der Geschäftsgänge und der Ausleihe, OPAC, Anschluss an das Online-Katalogisierungsverbundsystem des Landes Nordrhein-Westfalen (HBZ-Verbund)

Der erste notwendige Schritt, die Verlagerung der Abteilung Lippisches Literaturarchiv in das von der Stadt Detmold und vom Land Nordrhein-Westfalen durchgreifend sanierte und restaurierte Geburtshaus des Dichters Christian Dietrich Grabbe, einen Barockbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, erfolgte im Juli 1990. Über die Unterbringung und Nutzungsmöglichkeiten im multifunktional angelegten „Grabbe-Haus“ wurde im Einzelnen bereits an anderer Stelle ausführlich gehandelt, so dass dieser Komplex hier nicht noch einmal aufgegriffen werden muss. Auf jeden Fall war damit der Weg frei geworden, die Umgestaltung des Bibliotheksgebäudes nunmehr gezielt in Angriff zu nehmen. Im Einvernehmen mit der Bauabteilung des Landesverbandes Lippe wurden nachstehende Ziele formuliert:

  1. Aufstellung eines weitgehend ausleihbaren Freihandbestandes aller Fachgebiete in einer Größenordnung bis maximal 100.000 Bänden
  2. Schaffung möglichst vieler Freiflächen durch Wegfall nachträglicher erfolgter Einbauten, funktionsloser Türen und nichttragender Wände
  3. Ausnutzung der erheblichen Deckenhöhen durch Einziehen von Brücken oder Galerien
  4. Hinwendung zu Helligkeit und Transparenz durch Aufgliederung tragender Wände in Stützen sowie durch großflächige Verglasungen unter behutsamer Beibehaltung und Akzentuierung der historischen Struktur des Gebäudes
  5. Aufgabe des bisherigen allgemeinen Lesesaals und des Zeitschriftenlesesaals und Integration der dort aufgestellten Bestände in den Freihandbereich
  6. Umwandlung des allgemeinen Lesesaals in einen Sonderlesesaal zur Benutzung schützenswerter und sensibler Bestände
  7. Zusammenführung des bisher auf verschiedene Sachgruppen verteilten Altbestandes (16./Anf. 17. Jh.), nämlich die weitgehend erhaltene Bibliothek Graf Simons VI. zur Lippe, und dessen repräsentative und forschungsfreundliche Aufstellung im Sonderlesesaal
  8. Integration von Benutzerarbeitsplätzen in die Freihandzonen
  9. Schaffung funktionsgerechter und gleichzeitig ansprechender Arbeitsräume, Arbeitsflächen und Werkstätten für die Mitarbeiter/innen der Bibliothek vor dem Hintergrund der anstehenden Optimierung der Betriebsorganisation (integrierte Buchbearbeitung, Auflösung der Abteilungsstruktur zugunsten übergreifender Teams) und des Arbeitsumfeldes
  10. Einrichtung größenvariabler Sozial- und Veranstaltungsräume mit der erforderlichen technischen Infrastruktur im bisher ungenutzten Dachgeschoss
  11. Schaffung von recreation areas für die Bibliothekskunden im Eingangsbereich und auf den Podesten im repräsentativen Treppenhaus
  12. Einbau behindertengerechter Zugänge und Transportmittel, Erneuerung und Erweiterung der Sanitäreinrichtungen

Das vorstehende „Zwölf-Punkte-Programm“ lässt sich auf die griffige Formel bringen: Abkehr von der eher abweisenden, verschlossenen, unpersönlichen und elitär anmutenden Raumsituation, Hinwendung zur offenen, freundlichen, modernen Forschungs- und Gebrauchsbibliothek, die ohne Qualitätsverlust ebenso anregende wie behagliche Atmosphäre zu vermitteln imstande ist.

Das Ergebnis

Nach vielgestaltigen Vorarbeiten, diversen technischen Untersuchungen, den erforderlichen Ausschreibungen und immer wieder, auch noch während der Umbauphase, nuancierten Detailplanungen wurden die Zielvorstellungen vom Beginn des Jahres 1992 an Schritt für Schritt verwirklicht, so dass die neue Bibliothek nach achtzehnmonatiger Bauzeit 1993 im Beisein des nordrhein-westfälischen Kultusministers Schwier feierlich wiedereröffnet werden  konnte. Es muss ausdrücklich hervorgehoben werden, dass die Bibliothek trotz der massiven Eingriffe in die Bausubstanz und allen damit verbundenen Widrigkeiten aufgrund der exakten Planungen und des abschnittsweisen Vorgehens nur gegen Ende für sechs Wochen geschlossen werden musste, in der übrigen Zeit nahezu alle Serviceleistungen anbieten konnte. Die Bibliothekskunden honorierten dieses professionelle Vorgehen in besonderem Maße. Da zeitgleich zu den Baumaßnahmen auch die Neuorganisation der Betriebsabläufe und deren Ausrichtung auf die noch im Jahr 1992 eingeführten DV-Module Verbundkatalogisierung, Ausleihautomatisierung, integrierte Buchbearbeitung, OPAC (Bibliotheks-Informationssystem SISIS) einhergingen, verfügt die Bibliothek seither über alle Möglichkeiten zeitgemäßer und zukunftsweisender Bibliotheksbenutzung. Sie verbindet mit dem nun geschützt im Sonderlesesaal aufgestellten Gründungsbestand aus dem 16. und beginnenden 17. Jahrhundert, mit dem magazinierten Forschungs- und Archivbestand von der Mitte des 17. bis 1979 sowie dem Freihandbestand aktueller und z.T. vielbenutzter Literatur von etwa 1980 an bis zur Gegenwart, zusammen 1993 rd. 420.000 Bände, 2002 rd. 500.000 Bände, Tradition und Moderne in augenfälliger Weise. Bauplanung und -leitung lagen in Händen der Bauabteilung des Landesverbandes Lippe, die Gesamtkosten der Umbaumaßnahme lagen bei rd. 3 Mio. DM, die Finanzierung erfolgte zu 2/3 durch den Landesverband Lippe als Träger der Bibliothek, zu 1/3 durch das Land Nordrhein-Westfalen.

Ungeachtet der Tatsache, dass im Laufe des mittlerweile vergangenen knappen Jahrzehnts einige interne Diensträume die Funktion wechseln mussten, stellt sich das neue Raumgefüge der Lippischen Landesbibliothek bis heute etwa folgendermaßen dar: Im Souterrain wurden auf der Gebäudesüdseite (Gartenseite) nach Entkernung verbauter und abgekammerter Werkstätten und anderer eher funktionsloser Räume zwei große Diensträume der Abteilung Zentrale Buchbearbeitung mit vorgelagerten großen Rück- und Bereitstellungsflächen sowie die EDV-Zentrale geschaffen, die übrigen Flächen werden von der neuen Buchbinderei, dem ebenfalls neuen Fotolabor sowie von neuen Sanitäreinrichtungen eingenommen. Heizungsanlage, kleinere Lagerräume und Räume der Haustechnik blieben an alter Stelle. Vom Souterrain, das im übrigen aufgrund des hohen Sockels erheblich über das Geländeniveau hinausragt, mithin nicht das Gefühl entstehen lässt, sich unter der Erde zu befinden, führt bis ins 2. Obergeschoss ein neuer Personenaufzug, der auch von außen behindertengerecht zugänglich ist; der Aufzug wurde an der Stelle des 1964/67 so unglücklich eingerichteten Benutzertreppenhauses positioniert.

Im Erdgeschoss wurden in die frühere Eingangshalle zentral die Ausleihe und Erstinformation in einem Dodekagon integriert, dahinter öffnet sich der erste Teil des Freihandbereiches mit an der Gebäudesüdseite eingezogenen transparenten Stahlbrücken. Dabei ist es von großer Wichtigkeit, dass bereits vor, spätestens aber beim Betreten des Hauses Buchbestände der Freihand sogleich sichtbar sein sollen. Neu gestaltete Diensträume, darunter die der Fernleihe, schließen sich an. Der Katalograum mit dem Informationszentrum blieb weitgehend erhalten, erhielt jedoch durch Mauerdurchbrüche zu einem bisher toten Raum zusätzlich Stellfläche für abgebrochene konventionelle Kataloge, bibliographischen Apparat und zwischenzeitlich zusätzliche Datenbank- und Internet-PCs.

Das 1. Obergeschoss nimmt den weitaus umfangreichsten Teil des Freihandbestandes auf; zwei gleichfalls transparente Stahlbrücken sowohl auf der Garten- als auf der Straßenseite sorgen bei einer Raumhöhe von 4,85 Meter für die erforderlichen Kapazitäten. Der vormalige allgemeine (Haupt-) Lesesaal wurde zum Sonderlesesaal zur Benutzung sensiblen Bibliotheksgutes umgewandelt, der Lesesaalbestand mit Ausnahme der Loseblattsammlungen und umfangreicher Quellensammlungen aus der Geschichtswissenschaft fachlich in den Freihandbereich integriert. Dem unmittelbaren Zugriff durch eine filigrane Gitterkonstruktion entzogen, konnte hier die Bibliothek Simons VI. zur Lippe und damit der bis auf die magazinierten Handschriften und Inkunabeln älteste Buchbestand der Landesbibliothek (rd. 2.400 Bände) mit seinen z.T. prächtigen Renaissanceeinbänden repräsentativ aufgestellt werden. Zwei Dienstzimmer ergänzen auf dieser Ebene das Raumangebot.

Direktion, Verwaltung und Referenten blieben in den bisherigen Räumen im 2. Obergeschoss, wo auch der Freihandbereich fortgeführt wird; hier allerdings entgegen der ursprünglichen Planung ohne eingezogene Brücken, da die Deckenhöhe aufgrund stark dimensionierter Unterzüge für öffentlichen Zugang um wenige Zentimeter nicht ausreichte; durch die Aufstellung höherer Regale (2,30 m) wurde der Verlust an Stellfläche geringfügig kompensiert. Der frühere sog. „Musik-Arbeitsraum“, der vordem neben den Beständen der Musiksammlung auch zwei Benutzerarbeitsplätze beherbergt hatte, mutierte zu einem Arbeitsraum für die retrospektive Katalogisierung und für die Aufbewahrung von Non-book-material der Regionaldokumentation („Lippe-Abteilung“).

Das Dachgeschoss wurde bisher nur in Gestalt zweier wegen der möglichen Brandgefahr abgemauerter Kammern zur Unterbringung von nicht genutztem Mobiliar, diversen längst obsoleten Einrichtungsgegenständen und Verpackungsmaterialien genutzt. Diese Kammern wurden herausgebrochen und das Dachgeschoss in Trockenbauweise ausgebaut. Es beherbergt seither einen Veranstaltungsraum, verknüpft mit einem variabel in diesen einzubeziehenden Sozialraum und einer modern eingerichteten Küche, ferner Garderobe und die erforderlichen Sanitäreinrichtungen; der Veranstaltungsraum verfügt über die für Tagungs-, Seminar- oder Schulungszwecke erforderliche technisch-logistische Infrastruktur. Zwei an anderer Stelle geschaffene Abstellräume nehmen die nicht benötigte Bestuhlung, Büromöbel sowie Lagerschränke der Bibliotheksverwaltung auf. Zu bedauern ist, dass die ursprünglich vorgesehenen fünf Fenstergauben auf der Garten- und auf der Straßenseite des mächtigen Daches durch die zuständige Denkmalbehörde nicht genehmigt wurde, eine Entscheidung, die angesichts des Totalverlustes des Daches durch den Brand 1921 fragwürdig erscheint. Veranstaltungs- und Sozialräume sowie die Küche erhalten nun durch Dachflächenfenster das nötige Tageslicht.

Ein besonderer Gewinn für das Bibliotheksgebäude dürfte u. a. darin liegen, dass das imposante Treppenhaus wieder als Hauptverkehrsweg zu allen Benutzungs- und Funktionsbereichen der Bibliothek geworden ist. Aufgrund der völligen Verglasung zu den Freihandbereichen, der Entfernung späterer Einbauten und der Neufassung der großen Treppenhausfenster ist es lichtdurchflutet und bietet auf zwei Podesten von ausreichender  Fläche Ruhezonen oder auch „Parlatorien“ für die Besucher der Bibliothek. Wie in den Zielvorstellungen formuliert, kam es darauf an, möglichst viel Transparenz, Helligkeit und Freundlichkeit in das bis dahin über weite Strecken recht düstere und kühle Gebäude zu bringen. Wo irgend möglich und sinnvoll, wurde dieser Forderung Rechnung getragen und dies nicht nur in Gestalt großer Mauerdurchbrüche, Entfernung nichttragender Wände, großflächiger Verglasungen sowie Entkernung und Entrümpelung, sondern auch im innenarchitektonischen Detail, wie in der Wahl weißer Farbtöne bei Türen und Wänden, lichtgrau und heller Hölzer bei Mobiliar und Verblendungen.

Großen Wert legten Bibliotheksleitung und Bauabteilung des Landesverbandes Lippe auf die Erhaltung der historischen Strukturen des schönen Gebäudes; sie konnten in einigen Teilbereichen sogar wieder akzentuierter zur Geltung gebracht werden als zuvor. Die im Freihandbereich des 2 . Obergeschosses nach Ablösung mehrerer Tapetenschichten partiell zutage getretene alte Wandbemalung aus der Zeit vor 1886 wurde liebevoll restauriert und bildet heute den spannungsreichen Kontrast zwischen alt und neu.

Die Akzeptanz

Fasst man die in den nun beinahe zehn Jahren nach dem Umbau durch Kundengespräche und  Interviews im Gefolge von Führungen, Seminaren und Tagen der „Offenen Tür“ u.ä. gewonnenen Erkenntnisse zusammen, so überwiegt zweifellos ein positives Meinungsbild. Erwartungsgemäß werden immer wieder die allgemein guten Arbeitsbedingungen im Freihandbereich und im Sonderlesesaal, die freie Zugänglichkeit zur neueren und aktuellen Literatur sowie die Helligkeit und Transparenz hervorgehoben. Die Visualisierung des Gründungsbestandes im Sonderlesesaal fasziniert, der bewusste Kontrast zwischen Altbestandspräsentation auf der einen und moderner Freihand auf der anderen Seite wird als Interesse weckendes Stilmittel auch von denen empfunden, die gemeinhin wenig Zugang zum alten Buch haben. Auch das ursprünglich mit einer gewissen Skepsis aufgenommene Fehlen einer eigens für Ausstellungen ausgewiesenen Fläche hat sich in uneingeschränkte Zustimmung gekehrt, denn die Präsentationen ziehen sich nun vom Eingangsbereich durch das Treppenhaus, belegen die Freihandzonen und Durchgänge, den Sonderlesesaal und können sich sogar bis hinauf in den Veranstaltungsraum im 3. Obergeschoss erstrecken. Der damit verbundene Gedanke, den Ausstellungsbesucher auf diese Weise durch das Haus zu navigieren und geradezu spielerisch und nebenbei mit dem Serviceangebot der Bibliothek bekannt zu machen, wird durchaus verstanden.

Kritische Stimmen beklagen bisweilen noch immer unübersichtliche oder verwinkelte Räumlichkeiten und daraus resultierendes Herumirren, machen sich dabei naturgemäß nicht bewusst, dass es sich um ein ehemaliges – wenn auch sehr großes – Wohnhaus handelt, dessen Zimmerfluchten bei allen baulichen Glättungen, Öffnungen und Anpassungen an den Bibliotheksbetrieb vorgegeben sind; dennoch sind die Vorbehalte in gewissem Grade berechtigt, denn ein stimmiges Orientierungs- und Leitsystem ist dringendes Desiderat; bisherige Lösungsansätze waren, auch unter Einbeziehung einer Werbeagentur, wenig überzeugend. Lange Zeit galt die Aufgabe des allgemeinen Lesesaales mit seinen Nachschlagewerken, Handbüchern und der übrigen Referenzliteratur als ausgesprochen benutzerunfreundlich. Damit einher gehen Vorbehalte gegen die verwendete Aufstellungssystematik (GHBS), die bekanntermaßen auf mnemotechnische Elemente verzichtet und gerade für außeruniversitäre Benutzer ausgesprochen gewöhnungsbedürftig ist. Die Wahl der Systematik der Gesamthochschulbibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen war seinerzeit aus rein pragmatischen Gründen, nämlich der Fremddatenübernahme aus dem Hochschulbibliothekszentrum, gefallen und hat sich im bibliothekarischen Alltag bewährt. Den Ressentiments wird offensiv durch klar gegliederte Fachübersichten, Schulungsmaterial und eine Beispielsammlung begegnet, ob sie je ganz auszuräumen sind, steht dahin. Ein wirklich ernstes Problem stellen die beiden ansonsten gut für Projektarbeit angenommenen Räume im 3. Obergeschoss (Dachgeschoss) dar, die sich, nach Süden exponiert, aufgrund fehlender Klimatisierung an heißen Sommertagen unzumutbar aufheizen und einen längeren Aufenthalt allenfalls in den Vormittagsstunden zulassen. Initiativen um Abhilfe durch Nachrüstung einer Klimaanlage hatten bisher aus finanziellen Gründen keinen Erfolg, auch der Einsatz eines mobilen Klimagerätes hilft wenig und ist als Dauerzustand völlig ungeeignet. Auf eine zufriedenstellende Lösung ist weiter hinzuarbeiten. Nicht zu lösen ist hingegen das Handicap, dass der Aufzug nicht bis ins 3. Obergeschoss führt, sondern aus Gründen des Denkmalschutzes bereits im 2. Obergeschoss endet; die Entscheidung über einen zu installierenden Treppenlift steht noch immer aus.

Die Zukunft

Nach den vorstehend beschriebenen Umbau- und Umstrukturierungsmaßnahmen ist die Raumkapazität des Bibliotheksgebäudes an der Hornschen Straße in Detmold weitestgehend ausgereizt, Reserveflächen existieren nicht mehr, und auch die Magazine entziehen sich, wie schon an anderer Stelle bedauert, aufgrund ihrer Bauweise als selbsttragende sechsgeschossige Stahlregalanlagen platzsparenden Maßnahmen ebenso wie anderen Nutzungszwecken; dies gilt zumindest ohne erhebliche kostenintensive bauliche Veränderungen. Um dem in absehbarer Zeit wieder drohenden Platzmangel möglichst frühzeitig zu begegnen, wurde bereits im Jahre 1998 ein Stufenplan „Raumperspektiven für die Lippische Landesbibliothek 200X“ aufgelegt. Darin wird davon ausgegangen, dass neben dem stetig wachsenden Stellflächenbedarf in Freihand und Magazin künftig das kaum beeinflussbar zunehmende landesbibliotheksspezifische Non-book-material mit bestandsschonenden Sonderstandorten und angemessener Präsentation, die Ausdehnung der Datenverarbeitung, die Vermehrung der Benutzerarbeitsplätze mit umfangreicher informationstechnischer Infrastruktur und neue oder erweiterte Dienstleistungen sowie verstärkte Kundenorientierung verbunden mit Maßnahmen zur Verlängerung der Verweildauer besonderen Flächenzuwachs nach sich ziehen werden. Das Konzept ist kurz in seinen entscheidenden Umrissen zu skizzieren.

Für eine räumliche Erweiterung und innenarchitektonische Optimierung sind das Hauptgebäude, der nicht mit diesem verbundene westliche Seitenflügel und ein auf der Südseite des Grundstücks zwischen den Magazinen und dem Seitenflügel zu errichtendes anderthalb geschossiges transparentes Gebäude, bisher hypothetisch als „Gartenpavillon“ angesprochen, zu berücksichtigen. Das Konzept sieht für das Hauptgebäude neben der nur noch bescheidenen Erweiterung der Freihandstellfläche ein attraktiv-funktionelleres Outfit der Publikumsbereiche (Info- und Multimedia-Center, Freihand, Benutzerarbeitsplätze) und eine Neugestaltung der recreation areas vor. Das 1998 noch von drei Mietparteien, darunter die Dienstwohnung des Hausmeisters, belegte Nebengebäude (max. Nutzfläche rd. 320 qm) ist für die Unterbringung der Abteilung Zentrale Buchbearbeitung, für Sondersammlungen mit angeschlossenen Projektarbeitsräumen und einem Studio vorgesehen, für den „Gartenpavillon“ wird eine multifunktionale Nutzung angestrebt, die ein Lesecafé mit Internetplätzen, Handbibliothek, Zeitungen ebenso umfassen kann wie ein Veranstaltungsforum für Lesungen, Ausstellungen, Kleinkunst sowie ein Forum zur Visualisierung und Präsentation der Landesbibliotheksaufgaben in Gestalt eines alle Medienformen umfassenden Regional-Centers; die Überlegungen sind hier noch nicht abgeschlossen und können künftigem Bedarf folgend jederzeit angepasst werden.

Aus dem Maßnahmenkatalog der „Raumperspektiven 200X“ konnten bis heute die geringfügige Erweiterung der Freihandkapazitäten im Hauptgebäude um 5.000 Bände (jetzt rd. 95.000 Bde.), neue Möblierung der „Parlatorien“ sowie die Neugestaltung der zentralen Information in Analogie zur Ausleihe und mit dieser auf einer Sichtachse befindlich umgesetzt werden. Durch die Aufgabe der Dienstwohnung des Hausmeisters ließ sich im Frühjahr 2001 die projektierte Verlegung der Abteilung Zentrale Buchbearbeitung, die seit 1992/93 im Souterrain des Hauptgebäudes angesiedelt war, vergleichsweise zügig verwirklichen. Nach entsprechender Modernisierung und notwendiger kommunikationstechnischer Anbindung konnte das Team dort vier neue bibliothekarische Arbeitsräume und einen Rückstellraum auf zusammen 86 qm Fläche beziehen. Bis zu einer späteren baulichen über- oder unterirdischen Verbindung erfolgt der Buchtransfer auf der nur kurzen Strecke ins Hauptgebäude mit Containern und Fahrwagen, was sich nach den bisherigen Erfahrungen wider Erwarten als recht unproblematisch darstellt. Die Verlagerung der Abteilung war erforderlich geworden, da insbesondere die Datenverarbeitungszentrale dringend mehr Raum benötigte und auch Poststelle und Signaturendruck bisher wenig funktionell untergebracht  waren; diese Dienstellen rückten nunmehr in die frei gewordenen und in ihrer Größe auch zukünftigem Bedarf angemessenen Räume im Souterrain.

Welche Chancen der weiteren Realisierung der „Raumperspektiven“ eingeräumt werden können, lässt sich zur Stunde noch nicht prognostizieren. Die sich für 2003 aus Kostengründen und Personalreduzierung abzeichnende Aufgabe des einst so begrüßten Standortes Grabbe-Haus für die Abteilung Lippisches Literaturarchiv und die Rückführung der dortigen Bestände ins Bibliotheksgebäude wirft neue Probleme auf und macht die nachhaltige Verfolgung der frühzeitig vorgelegten Pläne und deren schrittweise Umsetzung im Interesse der Bibliothek und ihrer Kunden um so dringlicher.

Literatur

  • Aus Vergangenheit und Gegenwart der Lippischen Landesbibliothek, hrsg. von Karl-Alexander Hellfaier, Detmold 1970. →Hier online
  • Eisenschmidt, Petra, Die Umstrukturierung der Lippischen Landesbibliothek in Detmold: Darstellung der bisherigen Planung und Vergleich mit den Landesbibliotheken in Bregenz und Oldenburg, Köln 1989 (masch., Hausarbeit f. d. höh. Bibliotheksdienst)
  • Hellfaier, Detlev, Auf dem Weg zur neuen Lippischen Landesbibliothek, in: Heimatland Lippe 84 (1991), S. 348-354.  →Hier online.
  • Ders., Das Lippische Literaturarchiv der Lippischen Landesbibliothek: die Umnutzung des historischen Grabbe-Hauses, in: ABI-Technik 12 (1992), S. 43-48.
  • Ders., Provinz ist nur dort, wo alles beim alten bleibt: die Lippische Landesbibliothek auf neuen Wegen, in: Landesverband Lippe 1949-1989, Detmold 1989, S. 327-334. (Heimatland Lippe ; 89)  →Hier online.
  • Ders. u. Ralf Noske, Zur Neueröffnung der Lippischen Landesbibliothek, in: Heimatland Lippe 86 (1993), S. 304-311.
  • Die Lippische Landesbibliothek: Bau, Sammlungen, Partner, hrsg. von Detlev Hellfaier, Detmold 1993 (Nachrichten aus der Lippischen Landesbibliothek Detmold ; 20).  →Hier online.