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„So möge denn der Strom zur Quelle zurückkehren!“ – Ferdinand Freiligrath und die Anfänge des Lippischen Literaturarchivs

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Heimatland Lippe 94 (2001), 6/7, S. 109-111

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Ferdinand Freiligrath. Lithographie nach einer Originalzeichnung (1867)
FrS B 20

Von seinem Wohnort Barmen aus, wohin ihn sein Beruf als kaufmännischer Angestellter geführt hatte, teilte Ferdinand Freiligrath seinem Freund, dem Schriftsteller Levin Schücking in einem vom 12. August 1839 datierten Brief mit, dass man ihm just von offizieller Seite die Bibliothekarstelle in Detmold angetragen, er diese Offerte aber mit Rücksicht auf die diesbezüglichen Avancen des Freundes ausgeschlagen hätte; auch der Hinweis darauf, dass Schücking mit hannoverischer Staatsangehörigkeit – und damit Ausländer – ohnehin nicht für diesen Posten im Fürstentum Lippe in Betracht käme, änderte nichts an seiner ablehnenden Haltung, wenngleich er tröstend anschloss: „Es könnte Dir, bei einiger Assiduität und wenn man sieht, daß ich bestimmt renoncire, doch vielleicht noch glücken! – Und wenn Dir nicht, warum sollt’ ich am Ende gar dem ehrlichen kleinen Preuß mich in den Weg stellen? – Ich schlage mich sonst schon durch, und gehe zuletzt doch noch lieber irgend ein, meine äußere Stellung sicherndes und in der Wahl von Wohnort und Lebensweise nicht beschränkendes, Engagement mit Cotta ein, als daß ich mich durch eine Duodezresidenz und ihre kleinlichen Verhältnisse binden lasse. – Hübsch ist’s freilich in Detmold, und ordentliche Kerls sind auch drin, aber – – Versuche Du Dein Glück, Levin; ich stehe ab.“

Bei der Bibliothekarstelle in Detmold handelte es sich natürlich um die Stelle des Direktors der Fürstlichen Öffentlichen Bibliothek, der heutigen Lippischen Landesbibliothek, und bei dem „ehrlichen kleinen Preuß“ um den Justizassessor Otto Preuß, dem am 12. Dezember 1838 nebenamtlich die Leitung der Bibliothek übertragen worden war. Als Freiligrath die zitierten Zeilen schrieb, war jener gerade 23 Jahre alt, für den sechs Jahre älteren Dichter mithin der „kleine Preuß“. Und aus der Tatsache, dass man schon ein gutes halbes Jahr nach dessen Ernennung die Fühler nach einer prominenten Persönlichkeit für die Leitung der Detmolder Bibliothek ausstreckte, wird zweifellos deutlich, dass mit Preuß wohl zunächst nur eine Interimslösung angestrebt worden war. Diese währte dann immerhin bis 1890 und damit 52 Jahre, denn Freiligrath orientierte sich anders und auch Schücking kam – wie erwartet – in Detmold nicht zum Zuge. Ferdinand Freiligrath und Otto Preuß dürften sich, nachdem sie im Sommer 1839 in Detmold zusammengetroffen waren, erst 30 Jahre später wieder von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden haben.

Freiligraths Lebensweg in diesen drei Jahrzehnten, so mag lexikalisch in Erinnerung gerufen werden, war nicht mit dem doch eher beschaulichen Alltag in einer „Duodezresidenz“ zu vergleichen, in der er 1810 als Sohn des Lehrers Wilhelm Freiligrath im Haus Unter der Wehme geboren worden war. Mit 15 Jahren verließ er bereits das Detmolder Gymnasium, begab sich nach Soest und trat dort eine Kaufmannslehre an; neben der Ausbildung zum Bank- und Handelskorrespondenten beschäftigte er sich mit modernen Sprachen und Literatur, übersetzte englische und französische Lyrik und begann mit eigenen lyrischen Versuchen. 1832 ging er als „Kommis“ eines Großhandelshauses nach Amsterdam, wechselte fünf Jahre später nach Barmen, wo er in Karl Immermann einen Förderer fand, nachdem bereits zuvor andere namhafte Literaten der Zeit auf ihn aufmerksam geworden waren. 1838 erschien im Cotta-Verlag seine Sammlung „Gedichte“, die ihn mit einem Schlage im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus bekannt und berühmt machen sollte: Freiligrath traf damit den Geschmack des breiten Publikums der Biedermeierzeit und verschaffte sich Beachtung in der engeren Literaturszene des Vormärz. Selbst die ihm reserviert begegnende Annette von Droste-Hülshoff musste einräumen: „Hier in Norddeutschland sind die Leute ganz wie betrunken von seinen Gedichten; schön sind sie auch, aber wüst“. Der literarische Erfolg veranlasste ihn, sich von 1839 an als Schriftsteller am Rhein niederzulassen. Angesichts des sozialen Elends und der sich wieder verschärfenden politischen Unterdrückung gab er spätestens seit 1842 seine überpolitische Neutralität auf. Nach Verbot des Gedichts „Trotz alledem“ und dem überwältigenden Nachhall der 1844 erschienenen Gedichtsammlung „Ein Glaubensbekenntnis“ verzichtete er auf den ihm vom preußischen König gewährten Ehrensold. Zur „persona non grata“ geworden, verließ er Deutschland, begab sich über Belgien und die Schweiz ins Exil nach England. Im Revolutionsjahr 1848 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde in Düsseldorf wegen seines Gedichts „Die Todten an die Lebenden“, das „wie kein anderes seinen Ruhm als Dichter einer demokratischen Erneuerung begründete“, des Landesverrats und der Majestätsbeleidigung angeklagt und unter triumphalen Umständen freigesprochen. Vorübergehend – gemeinsam mit Georg Weerth – als Redakteur der von Karl Marx geleiteten „Neuen Rheinischen Zeitung“ in Köln tätig, wandte er sich 1851 mit seiner Familie nach erneuten polizeilichen Verfolgungen wieder nach England, arbeitete in London zunächst als Kaufmann, dann als Repräsentant der „General Bank of Switzerland“. Bemüht um eine neutrale Stellung zwischen den rivalisierenden Gruppen der politischen Emigration entfremdete er sich von Marx und Engels, deren theoretischem Ansatz er als „Sozialist vom Gefühle her“ nie so recht zu folgen vermocht hatte.

Das war die Situation, als ihn in London im Jahre 1862 der lippische Kammerdirektor Wilhelm Caspari aufsuchte, um ihm einen Brief oder eine mündlich vorgetragene Bitte des Geheimen Justizrates und Bibliotheksdirektors Otto Preuß zu übermitteln. Aus der erhaltenen Antwort Freiligraths wissen wir, dass der Bibliothekar diesen um Autographen seines lyrischen Oeuvres für die Fürstliche Bibliothek ersucht haben muss. Ebenso detailreich wie warmherzig schreibt der Emigrant am 30. Juli 1862 an den „lieben alten Freund“ aus Jugendtagen in Detmold:

Brief Freiligraths an Preuß, 30. Juli 1862 (S. 2-3)
FrS 71

Habe herzlichen Dank für die ehrenvolle Auszeichnung, derer Du mich würdigen willst! Was könnte mir angenehmer und willkommener sein, als die ersten Handschriften einiger meiner Gedichte in der Dir anvertrauten Bibliothek niederlegen zu dürfen, – in derselben Bibliothek, der ich mit meine frühesten Anregungen verdanke und, als ‚Bibliothekspage’ des guten alten Clostermeier auf ihren Leitern hangend, bald in jenes rothgebundene Exemplar der ersten Ausgabe von Vossens Odyssee, (...) bald in die bildervollen Quartanten des Hawkesworth´schen Reisewerkes mich vertiefte, statt die mir zum Aufstellen angewiesenen Bücher von Repositor zu Repositor zu schleppen.

So möge denn der Strom zur Quelle zurückkehren! Mit anderen Worten: Ich schicke Dir hiermit (...) die nachstehend verzeichneten Manuskripte, (sämmtlich aus meiner früheren Zeit, 1831-36): – Der Blumen Rache; Der Scheik am Sinai; Der Alexandriner; Gesicht des Reisenden; Der Tod des Führers; O säh ich auf der Haide dort; – Übersetzung nach Burns; Das Lever; – Übersetzung nach Alfr. de Musset; Bei Grabbe’s Tod; –

Alles wie Du sehen wirst, Brouillons, erste Niederschriften; die eine mehr, die andere weniger durchcorrigirt; hin u. wieder mit Abweichungen von den Drucken; zum Theil von der komisch contrastirenden Folie sonstiger Scripturen sich abhebend, (s. namentlich das biedere Billet, worauf der Blumen Rache), u. dadurch deutlich genug verrathend, dass sie hastig zwischen anderer Arbeit hingeworfen wurden. Du hast hier eben die Werkstatt: Staub u. Gehämmer und Hobelspäne! Und ich denke mir, dass es Eurer Theilnahme an den Bestrebungen des Landsmanns u. Jugendgenossen vielleicht am liebsten so ist. Jedenfalls wirst Du mir zugeben, daß ich nicht eitel bin. Nicht mancher Poet, glaub’ ich, ließe sich bei der Arbeit so belauschen, nicht mancher über die Schultern so aufs Blatt sehn!

Nun, lieber Freund, habe nochmals den herzlichsten Dank für alle Güte und laß die armen grauen Blätter Deiner Nachsicht empfohlen sein! Ich will nur gestehen, dass ich sie gestern Abend nicht ohne eine gewisse Beklemmung aus uraltvergrabenen Convoluten für Dich hervorgesucht habe. Und jetzt entlasse ich sie mit einer Art von väterlicher Zärtlichkeit, über die mich selbst ein Lächeln anwandelt (...)“

Ein in Diktion und Stil sicher bewundernswerter Brief! Leider kennen wir den Inhalt der Nachricht, die Preuß in London überbringen ließ, bisher nicht und so erfährt man nicht unmittelbar die Motive, die den Bibliothekar bewogen haben, den Jugendfreund um Autographen zu bitten. Vielleicht ist das auch gar nicht erforderlich, denn wir verfügen über genügend Beispiele dafür, wie auch andernorts Bibliotheken im Laufe des 19. Jahrhunderts den entscheidenden Schritt hin zu einem öffentlichen regionalen Bildungsinstitut vollzogen haben. Der ausgesprochen modern denkende Preuß hatte die Zeichen der Zeit erkannt und diese Entwicklung auch in Detmold energisch vorangetrieben: er war bemüht, neben der universalen Ausrichtung der Bibliotheksbestände die Sammlung der regionalen Literatur zu intensivieren und diese in einer Regionalbibliographie zu dokumentieren und neben diese Sammlung von Druckschriften eine solche von Autographen gleichsam als Zeugnisse des geistigen und kulturellen Profils des Landes anzulegen. In diesem Zusammenhang ist sein Bemühen um Freiligrath-Manuskripte zu sehen.

Otto Preuß (1816-1892). Bleistiftzeichnung (um 1845) von I. Geißler
HSA 22-6

Bemerkenswert und wohl einmalig ist sicher eines: der Dichter selbst legte den Grundstein zu einer Sammlung, die heute seinen Namen trägt und Bestandteil des Literaturarchivs der Lippischen Landesbibliothek ist. Dabei war Ferdinand Freiligrath, der im übrigen selbst Autographensammler war, ganz offensichtlich bewusst, dass er mit diesen „Brouillons“, also schriftlichen Entwürfen, kaum bibliophile Sammlerstücke, sondern vielmehr Zeugnisse für seinen dichterischen Schaffensprozess aus der Hand gab; er machte sie damit der sprach- und literaturwissenschaftlichen Forschung zugänglich, womit er genau den Sinn und Zweck von Literaturarchiven traf. Die Pflege von literarischen Nachlässen und die Sammlung von Autographen von Persönlichkeiten, die in einer bestimmtem Beziehung zur Region stehen, und der nachhaltige Ausbau von Literaturarchiven zählen zu den Kernaufgaben von Landesbibliotheken; sie bedürfen heute längst keiner Begründung mehr. Am Anfang dieser Entwicklung stehen in Detmold der hier geborene und aufgewachsene prominente Dichter Ferdinand Freiligrath und der vorausschauende gelehrte Bibliothekar Otto Preuß, der zu Recht als „Schöpfer der Landesbibliothek“ gilt.

Ferdinand Freiligrath, eigenhänd. Entwurf des Gedichts „Der Scheik am Sinai“ (um 1832/34)
FrS 181a

Bei den Gedichtautographen, die 1862 aus Freiligraths Händen in die hiesige Bibliothek gelangten und die, jahrzehntelang sorgsam behütet, seine wechselnden Lebensstationen begleitet haben, handelt es sich ausnahmslos um lyrische Werke, die zu Beginn der 1830er Jahre entstanden waren; nimmt man die beiden Übersetzungen und das aktuellem Anlass verpflichtete Gedicht „Bei Grabbe’s Tod“ beiseite, so zählen die fünf anderen zu der vom Dichter später selbstkritisch so benannten „Wüsten- und Löwenpoesie“: das ausgesprochen populäre „Der Blumen Rache“, von dem allein 15 Vertonungen nachgewiesen werden können, erschien erstmals 1831 im Mindener „Sonntagsblatt“, einer „Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung aus dem Gebiete des Schönen und Nützlichen mit populärer Hinweisung auf deutsche Literatur und Zeitgeschichte“, auch „Der Scheik am Sinai“ wurde dem Publikum zunächst in dem regionalen, in Rinteln 1834 gedruckten Almanach „Kränze“ vorgestellt, als dessen Herausgeber der Paderborner Justizrat, Lyriker, Novellist und Übersetzer Moritz Ludwig Bachmann (†1872) zeichnete. Nach diesem eher publizistisch-provinziellen Start, der allerdings in den einschlägigen Kreisen nicht ohne Gehör blieb, konnte Freiligrath dank namhafter Fürsprecher den „Alexandriner“, die Burns-Übersetzung „O, säh’ ich auf der Haide dort“ (Originaltitel „Oh, wert thou in the cauld blast") und vor allem „Bei Grabbe’s Tod“ in den Jahrgängen 1835 und 1836 des „Morgenblattes für die gebildeten Stände“, die führende feuilletonistische Kulturzeitung aus dem Cotta-Verlag in Stuttgart platzieren, während „Das Gesicht des Reisenden“ und „Der Tod des Führers“ 1836 in dem von Adelbert von Chamisso und Gustav Schwab redigierten „Deutschen Musen-Almanach“ eingerückt wurden. „Das Lever“, eine Übersetzung des gleichnamigen Gedichts Alfred de Mussets, eines Altersgenossen Freiligraths und zeitweilig zum Künstlerkreis um Victor Hugo gehörenden wichtigsten Vertreters der französischen Romantik, erschien im gleichen Jahr in den „Blättern zur Kunde der Literatur des Auslands“. Alle genannten Stücke fanden sodann Eingang in die so erfolgreiche Sammlung „Gedichte“, die 1838 erstmals bei Cotta erschienen war und bis zum Jahre 1905 stolze 53 Auflagen erlebt hat.

Von zweifellos ganz besonderem Wert ist für uns in Detmold die eigenhändige Niederschrift des ergreifenden, 15 Strophen umfassenden Gedichts „Bei Grabbe’s Tod“, das allseits erhebliches Echo erfuhr und auch im „Lippischen Magazin“, Nr. 33 vom 16. November 1836, abgedruckt worden war. Aufgrund des Altersunterschieds von nahezu neun Jahren hatten Freiligrath und Grabbe in Detmold kaum ernsthafte Berührungspunkte: als der eine gerade von der Elementar- in die Bürgerschule aufrückte, war der andere bereits im Begriff die Reifeprüfung abzulegen. Nach eigenem Bekunden lernte Freiligrath den Älteren erst 1830 bei einem Besuch in Detmold näher kennen. Respekt, unverhohlene Bewunderung und Werben um Anerkennung des eigenen lyrischen Talents kennzeichnen in der Folgezeit Freiligraths Haltung gegenüber dem Dramatiker und folgt man den Aussagen Dritter, so war auch Grabbe dem jungen Lyriker ausgesprochen zugetan und er beurteilte ihn wiederholt positiv. Als Grabbe am 12. September 1836 starb, weilte Freiligrath in Westfalen und war im Begriff, an einer militärischen Übung teilzunehmen. Im preußischen Manöverlager bei Salzkotten traf er am 20. September ehemalige Mitschüler aus Lippe, die ihm von Grabbes Ableben berichteten. Insbesondere die pietätlose Art mit der namentlich Friedrich (Fritz) Wilhelm von Meien, ältester Sohn des Regierungspräsidenten Christian von Meien, das traurige Geschehen kommentierte, erschütterte Freiligrath zutiefst. Angesichts des Todes des unglücklichen Landsmannes beschlichen ihn Zweifel an den eigenen Fähigkeiten: „Allmächtiger Gott, was ist es denn am Ende mit Deiner Himmelsgabe, der Poesie, wenn sie einen Mann, dessen Name alle die fünfundzwanzig mal Tausend, die hier unter der Leinwand schlafen, überleben wird, so enden läßt!“, schreibt er noch im September 1836 geradezu händeringend an den Jenaer Literaturprofessor Wolff und schickt bereits Versatzstücke des Gedichts, allerdings noch in Prosa, voraus, die annehmen lassen, dass er den lyrischen Nachruf noch unter dem Eindruck des unmittelbar Erlebten niedergelegt hat. Die Vermutung findet ihre Bestätigung, wenn er später Grabbes Witwe Louise Christiane wissen lässt: „Der kalte, wegwerfende Ton, in dem mir die Nachricht gesagt wurde, empörte mich; äußerlich ein Eisklumpen, glühte ich von innen, und als am andern Morgen die Reveille durch’s Lager ging, war das Gedicht zum größern Theil im Kopfe schon fertig“. Und gegenüber Hermann Kunibert Neumann, Offizier, Dichter und Freund Grabbes aus den letzten Wochen in Düsseldorf, formuliert er Anfang 1837 den bewegenden Satz: „Er ist nun todt! Die Schlacke ist der Erde zurückgegeben, sein Unsterbliches aber schüttelt jetzt die Schwingen, und lächelt über den Pöbel, der den Titanen mit Koth bewarf, weil er ihn nicht begriff!“ Grabbe selbst hätte dies kaum besser sagen können.

Ferdinand Freiligrath kehrte im Juli 1868 im Triumph nach Deutschland zurück. Eine von Verehrern und Freunden initiierte Nationaldotation des deutschen Volkes ermöglichte dem Dichter einen sorgenfreien Lebensabend. Seine westfälisch-lippische Heimat, nach der er sich im Exil so gesehnt hatte, bereiste er im darauf folgenden Sommer noch einmal. Die Stadt Detmold bereitete ihm einen begeisterten Empfang, der Dichter Ludwig Altenbernd hieß ihn in einem eigens verfassten „Gruß an Freiligrath“ willkommen und er sah auch Otto Preuß wieder, der noch bis 1890 die Landesbibliothek leitete. Wenn Freiligrath auch in der Folgezeit in seiner späten Lyrik die nationale Einigung feierte, so sorgte er sich doch vor dem drohenden Cäsarismus der Hohenzollern und er sah im deutschen Kaiserreich kaum die ideale Staatsform, für die er Haft und jahrelanges Exil in Kauf genommen hatte. Freiligrath starb am 18. März 1876 in seiner Wahlheimat Cannstatt. Das Lippische Literaturarchiv der Lippischen Landesbibliothek, zu dem er 1862 den Grundstein gelegt hatte, beherbergt heute in seiner Freiligrath-Sammlung 60 Autographen, fast 400 Briefe des Dichters, Stammbücher, Stiche, Fotos und die Dotationsakten und darüber hinaus nahezu vollständig die gesamte Freiligrath-Literatur.