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Lippische Landesbibliothek Detmold

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Regionalbibliotheken in Deutschland. Hg. von Bernd Hagenau. Frankfurt am Main: Klostermann 2000, S. 241-245 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie: Sonderhefte; 78).

→Zur PDF-Fassung.

Adresse Hornsche Straße 41, D-32756 Detmold
Telefon (0 52 31) 9 26 60-0
Telefax (0 52 31) 9 26 60-55
E-Mail llbmail(at)llb-detmold.de
Internet www.llb-detmold.de
Bibliothekssigel 51
Träger Landesverband Lippe mit gesetzlichen Zuschuß des Landes Nordrhein-Westfalen

Funktion

Die Lippische Landesbibliothek ist eine wissenschaftliche Allgemeinbibliothek. Sie dient der Forschung, der Lehre und dem Studium, der beruflichen Arbeit, der Fortbildung und der Information.

Bestände

Druckschriften über 470.000 Bände einschließlich Mikroformen
Zeitschriften 1.460 laufend gehaltene Zeitschriften
Handschriften 185 Handschriften, rd. 10.000 Autographen
Inkunabeln 100
Nachlässe 40

Allgemeine Sammelgebiete

Der Schwerpunkt des Literaturbestandes liegt traditionsgemäß auf den Geisteswissenschaften. Besonders ausgeprägt sind die Bestände in den Gebieten Geschichtswissenschaft, Sprach- und Literaturwissenschaften, Musik und Kunst, aber auch Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; die übrigen Wissenschaftsfächer sind bedarfsorientiert ausgebaut.

Besondere Sammelgebiete

Deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts, Geschichte, insbesondere west- und nordwestdeutsche Landesgeschichte, Musik, Lippiaca, Westfalica, Grabbe, Freiligrath, Weerth, Lortzing.

Sondersammlungen

  • Lippiaca-Sammlung mit über 55.000 Titeln sowie dem Lippe-Bildarchiv und der Bandel-Sammlung.
  • Privatbibliothek des Grafen Simon VI. zur Lippe (gest. 1613) mit 3.500 Bänden Renaissance-Literatur.
  • Handbibliothek der Fürstin Pauline zur Lippe (gest. 1820) mit Literatur aus der Epoche der Aufklärung.
  • Musiksammlung mit dem historischen Altbestand der Fürstlichen Hofkapelle und des Hoftheaters (ca. 90.000 Noten) sowie Handschriften, Autographen uncl dem Lortzing-Archiv.
  • Sozial- und zeitgeschichtliche Sammlung.
  • Das Lippische Literaturarchiv, eine Sonderabteilung der Lippischen Landesbibliothek, befindet sich seit 1990 im Geburtshaus des Dramatikers Christian Dietrich Grabbe in Detmold. Das Literaturarchiv betreut die handschriftlichen Nachlässe und Sammlungen von zur Zeit vierzig Autoren, die in Lippe geboren wurden oder hier gelebt und gearbeitet haben; dazu kommt eine Vielzahl von Einzelautographen. Von überragender Bedeutung sind das Grabbe-Archiv, die Freiligrath-Sammlung und das Georg-Weerth-Archiv.

Benutzung

Die Bibliothek ist öffentlich zugänglich. Freihandbereich für die Bestände ab 1980 (Aufstellung nach GHBS), Magazinierung für die Altbestände bis 1979. Benutzung von Handschriften und Autographen nach Voranmeldung. Die Benutzung der Bestände des Lippischen Literaturarchivs ist nur in den Räumen des Archivs möglich.

Allgemeine Kataloge

  • OPAC für die aktuellen Bestände <http://www. llb-detmold.de>.
  • Alphabetischer Katalog bis 1992.
  • Schlagwortkatalog (RSWK) 1980-1992.
  • Systematischer Katalog bis 1987.

Sonderkataloge

  • Lippe-Datenbank ab 1976; Lippe-Kataloge: Alphabetischer Katalog, Systematischer Katalog (bis 1996) Kataloge des Lippe-Bildarchivs und der Bandel-Sammlung
  • Musik-Kataloge: Noten-Kataloge, Katalog der Musikhandschriften, Katalog des Lortzing-Archivs, Sachkatalog Musikliteratur
  • Katalog der Sozial- und Zeitgeschichtlichen Sammlung
  • Katalog des Lippischen Literaturarchivs

Regionale Dienstleistungen

Die Regionaldokumentation Lippe ermittelt, erwirbt und erschließt Literatur, die sich inhaltlich mit dem Kreis Lippe bzw. dem früheren Fürstentum und Freistaat Lippe befaßt. Die Literatursammlung umfaßt außer den im Verlagsbuchhandel erhältlichen Monographien insbesondere die sogenannte „graue Literatur“, also Firmenschriften, Vereinsfestschriften, Examensarbeiten, amtliche Schriften sowie unselbständig erschienene Literatur. Die Bibliothek dokumentiert dieses Regionalschrifttum in der Lippischen Bibliographie auf CD-ROM und in der Lippe-Datenbank. Die bis 1986 erschienenen Veröffentlichungen sind in der gedruckten Lippischen Bibliographie Bd.1 (1957), Bd.2 (1982) und in den Lippischen Jahresbibliographien 1976-1986 nachgewiesen.

Gebäude

Spätklassizistische Patriziervilla, vermutlich unter planerischer Beteiligung des Schinkel-Schülers Johann Heinrich Strack 1842/43 erbaut, dann Palais des Prinzen Woldemar zur Lippe. Seit 1886 Sitz der Lippischen Landesbibliothek. Bauliche Umgestaltung und Erweiterung um Magazine 1964-67 und 1980. 1992/93 Neugestaltung im Gebäudeinneren.

Gründungsjahr 1614

Geschichte

Die Anfänge der Lippischen Landesbibliothek reichen bis weit in das 16. Jahrhundert zurück. Als offizielles Gründungsdatum gilt das Jahr 1614, als der regierende Graf und edle Herr Simon VII. zur Lippe die „Gräflich öffentliche Bibliothek“ in der Kirche des nach der Reformation aufgehobenen Augustinerinnen-Klosters zu Detmold gründete und sie der dort wenige Jahre zuvor ins Leben gerufenen Lateinschule als Schulbibliothek überwies. Die Bibliothek mußte nicht von Grund auf neu aufgebaut werden, sondern geht auf den Bücherschatz zurück, den sein Vater Simon VI. von 1567 an bis zu seinem Tode 1613 zusammengetragen hatte. Begründerin der Lippischen Landesbibliothek als einer der Allgemeinheit dienenden Gebrauchsbibliothek im modernen Sinn wurde die Fürstin Pauline zur Lippe (gest. 1820).

Diese vom Bildungsgedanken der Aufklärung geprägte Regentin führte die Schulbibliothek mit weiteren, im Laufe der Zeit in Detmold entstandenen Büchersammlungen zusammen und stiftete daraus die „Fürstlich Öffentliche Bibliothek zu Detmold“. Räumliche Enge zwang die mittlerweile auf rund 60.000 Bände angewachsene Bibliothek 1886 zum Umzug in das 1842/43 von einem wohlhabenden Kaufmann erbaute klassizistische Palais an der Hornschen Straße, wo die Bibliothek noch heute untergebracht ist.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel neben weiteren Innovationen auch die Entwicklung zur Landesbibliothek, indem neben die klassische universale Ausrichtung der Bestände die Sammlung der regionalen Literatur und ihre Erschließung in einer Regionalbibliographie sowie der Aufbau der Autographensammlung traten. Der offizielle Name „Lippische Landesbibliothek“ rührt aus dem Jahre 1919, als die zum Domanium zählende Bibliothek mit der übrigen, ehemals fürstlichen Vermögensmasse auf den Freistaat Lippe überging. 

Ein verheerender Brand im Jahre 1921, rigide Sparmaßnahmen und die zwischen 1924 und 1949 getroffene direktorale Personalunion mit dem Landesarchiv warfen die im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert so verheißungsvoll begonnene Entwicklung zunächst erheblich zurück.
Als Lippe im Jahre 1948 als letzter deutscher Kleinstaat seine Selbständigkeit aufgab und mit dem Land Nordrhein-Westfalen vereinigt wurde, ging die Landesbibliothek auf den zur Verwaltung des lippischen Landesvermögens geschaffenen Landesverband Lippe über. Der Altbestand des 15.-19. Jahrhunderts, der kontinuierlich gewachsen ist, ist angesichts der erheblichen Kriegsverluste alter Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen hier nahezu einmalig.
Die Lippische Landesbibliothek ist heute eine der großen hochschulunabhängigen Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde in den Jahren 1991-1993 zu einem modernen Dienstleistungszentrum ausgebaut: Freihandaufstellung, EDV-gestützte Dienstleistungen und Geschäftsgänge, Ausleihverbuchung, OPACs und Online-Dienste gewähren zeitgemäße und zukunftsorientierte Bibliotheksarbeit und -benutzung. Über Internet ist sie mit den Informationen und dem Wissen der Welt verbunden und bietet über eine eigene Homepage ihre Dienstleistungen im World-Wide-Web an.

Literatur

  • Die Lippische Landesbibliothek. Bau – Sammlungen – Partner. Hrsg. von Detlev Hellfaier. Detmold 1993. →Hier online.
  • Hellfaier, Detlev: Detmold, Lippische Landesbibliothek. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Bd. 3: Nordrhein-Westfalen. Hildesheim 1992, S. 210-217. →Hier online.