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Die Fotosammlung Reckert in der Lippischen Landesbibliothek

von Heidi Köhler

Druckfassung in: Heimatland Lippe 93 (2000), 2, S. 53-55. →Link zum Artikel.

Zur Entstehung
Inhalt
Aufbau
Detmolder Gebäude im Wandel der Zeit

Zur Entstehung

Die Landesbibliothek besitzt seit 1995 eine umfangreiche Fotosammlung, die ihr von Herrn Gerhard Reckert aus Detmold, einem langjährigen Benutzer der Bibliothek, überlassen wurde. Bereits 1994 habe ich – als Betreuerin des LippeBildArchivs – Herrn Reckert besucht und mir Inhalt und Aufbau der Sammlung, die von Herrn Reckert 1984 begonnen wurde, erklären lassen. Nach dem viel zu frühen und überraschenden Tode Gerhard Reckerts im darauf folgenden Jahr ging die Fotosammlung in den Besitz der Landesbibliothek über.

Inhalt

Die Fotosammlung Reckert enthält Fotos von Gebäuden der Kernstadt Detmold. Es handelt sich hierbei um Reproduktionen alter Aufnahmen aus Büchern, Zeitungen, Fotosammlungen, Nachlässen etc. sowie um neue Aufnahmen derselben Gebäude, die Gerhard Reckert immer dann anfertigte, wenn an dem betreffenden Gebäude eine bauliche Veränderung vorgenommen wurde. Bei der Anfertigung dieser „Gegenaufnahmen“ bemühte sich der Fotograf darum, die Fotos möglichst aus dem der historischen Aufnahme entsprechenden Blickwinkel zu machen.

Um historische Aufnahmen der Detmolder Kernstadtgebäude möglichst lückenlos aufzuspüren, hat Gerhard Reckert die Bestände zahlreicher Institutionen „durchforstet“, so auch die der Landesbibliothek. Insbesondere die lippischen Zeitungen haben sich dabei als ergiebige Fundgrube erwiesen, da sich hier auch Abbildungen der weniger bekannten Gebäude Detmolds finden lassen. Die grob gerasterten Zeitungsaufnahmen entsprechen nicht den heutigen Qualitätsansprüchen an eine Fotografie, sie vermitteln aber einen Eindruck vom Zustand und Erscheinungsbild des jeweiligen Gebäudes zur damaligen Zelt.

Ergänzend zu den öffentlich zugänglichen Bildsammlungen hat Herr Reckert sich auch um die Ermittlung privater Fotosammlungen bemüht und die dort gefundenen Aufnahmen mit Angabe des Besitzers ebenfalls in seine Sammlung aufgenommen.

Aufbau

Die Fotosammlung Reckert gliedert sich in folgende Teile:

  • Ein Ordner „Übersicht zur Sammlung“ enthält Quellenangaben zur verwendeten Literatur, genaue Angaben zur Herkunft der Bilder, einen Ausdruck aller in den Fotoalben verwendeten Bildunterschriften und weitere Hinweise zum Inhalt der Sammlung.
  • 20 Fotoalben bilden das Kernstück der Sammlung. In den Alben befinden sich – alphabetisch sortiert nach den 1994 geltenden Detmolder Straßennamen – die Fotos mit Untertexten und Quellenangaben. Die Ordnung innerhalb der Straßen erfolgt nur sehr grob nach den Hausnummern, die Hornsche und die Lange Straße sind wegen ihrer Länge in Teilabschnitte untergliedert.
  • In acht Karteikästen befinden sich – wiederum alphabetisch nach Straßennamen sortiert – Karteikarten mit Kontaktabzügen aller in den Alben enthaltenen Fotos mit Angabe der Fundstelle, der Negativarchiv-Nummer und weiteren Informationen zum Foto. Zur ersten Orientierung und Suche eignet sich diese Kartei wegen ihrer Handlichkeit und der Vollständigkeit der Angaben besonders gut.
  • Ein Ordner „Negativ-Archiv Reihe A“ enthält die Negative der Reproaufnahmen.
  • Ein Ordner „Negativ-Archiv Reihe B“ enthält die Negative der von Gerhard Reckert angefertigten Gegenaufnahmen.
  • Zwei Ordner beinhalten Textmaterial zu den abgebildeten Gebäuden, wobei es sich vor allem um Artikel aus lippischen Tages- und Wochenzeitungen handelt.

Detmolder Gebäude im Wandel der Zeit

Das Haus Lange Straße 14 im Jahre 1920
Das Haus Lange Straße 14 nach der Renovierung von 1987/88
Foto: Gerhard Reckert

Am Beispiel des „Schmerimen-Hauses“ in der Langen Straße 14 und am Beispiel des erst kürzlich restaurierten Gebäudes in der Langen Straße 35 („Strate‘s Brauhaus“) soll ein Eindruck von der Fotosammlung Reckert vermittelt werden.
Von dem 1547 erbauten ältesten Steinhaus Detmolds, dem „Schmerimenhaus“ in der Langen Straße 14 gibt es mehrere historische Aufnahmen, die die Veränderungen, denen das Haus im Laufe der Jahre ausgesetzt war, verdeutlichen. Herausgegriffen sei an dieser Stelle eine Aufnahme aus dem Jahre 1910. Daneben die Gegenaufnahme aus dem Jahre 1988. lm Vergleich lassen sich die Veränderungen der Fassade deutlich erkennen. Sie betreffen u.a. die Gestaltung des Eingangsbereichs im Erdgeschoss, die Fenster in den oberen Etagen sowie den Anstrich und Putz der Fassade.

Von dem ca. 450 Jahre alten Gebäude in der Langen Straße 35 konnten nur sehr wenige Aufnahmen ermittelt werden. Die älteste datiert um 1910 und befindet sich im Bestand des LippeBildArchivs der Lippischen Landesbibliothek. Die Aufnahme zeigt die Häuserzeile Lange Straße 33 bis 39. Dazu gibt es eine Gegenaufnahme aus dem Jahre 1984. Die Veränderung des Hauses ist augenfällig: Verkleidung der Hausfront, Umgestaltung des Erdgeschosses, Entfernung der Fensterzeile über dem Erdgeschoss, modernisierte Fenster im Obergeschoss u.v.a.m. Eine aktuelle Aufnahme des erst kürzlich restaurierten Hauses gibt es in der 1995 abgeschlossenen Fotosammlung Reekert nicht; bei einem Besuch von „Strate’s Brauhaus“ kann sich jeder Interessierte selber ein Bild von der wiederum deutlichen Umgestaltung des Hauses machen.

Verdeutlichen kann die Fotosammlung Reckert die baulichen bzw. architektonischen Veränderungen der Gebäude der Kernstadt Detmold sowie – mit Einschränkungen – auch die Veränderungen bezüglich der Umnutzung der Häuser. Dem interessierten Laien, aber auch dem wissenschaftlich arbeitenden Benutzer der Lippischen Landesbibliothek bietet sich so eine Möglichkeit, ohne eigene aufwendige Recherchen die vorhandenen bildlichen Darstellungen Detmolder Gebäude bis zum Jahr 1995 in einer geschlossenen Sammlung einzusehen. Ergänzend dazu steht jedem Bibliotheksbenutzer die umfangreiche Literatur der Landesbibliothek zur Verfügung, wobei insbesondere der Bestand der Regionalliteratur zu nennen ist. Die Fotosammlung Reckert ist im Lesesaal der Lippischen Landesbibliothek von Montag bis Freitag zwischen 10 und 13 und zwischen 14 und 18 Uhr zu benutzen, Reprographien können ebenfalls im Lesesaal der Bibliothek bestellt werden.