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Afrika-Reisen – die geographische Eroberung eines Kontinents

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek bis zum 27. August 1999

von Julia Hiller von Gaertringen

Druckfassung in: Heimatland Lippe 92 (1999), S. 185-186.

→ PDF-Fassung zum Download.

Karte der Kapkolonie aus dem Jahre 1719.

Heute kann sich das niemand mehr vorstellen: Afrika war noch um die Mitte des letzten Jahrhunderts ein weitgehend unbekannter Kontinent. Überaus strapaziöse Expeditionen waren erforderlich, um die Flußläufe und Wüstenstraßen im Innern des Kontinents zu erkunden und festzustellen, ob sie als Handelswege nutzbar seien. Eine Vielzahl der Expeditionsteilnehmer starb an Tropenfieber, Hunger und Durchfallerkrankungen, wurde von den Eingeborenen ermordet oder im Kampf getötet. Die Überlebenden einer Expedition konnten berichten über Gewässersysteme und Wüstengegenden, waren aber zuvor jahrelang von jeder Kommunikationsmöglichkeit abgeschnitten.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestand in Europa nur ein geringes Interesse am Kontinent Afrika. Die Portugiesen hatten im 15. Jahrhundert Afrika umrundet und den Seeweg nach Indien gefunden, sie hatten seither die afrikanische Küste mit Handelsstationen besetzt und Afrika als Reservoir des Reichtums genutzt; die anderen Seefahrernationen – Engländer, Holländer, Franzosen – waren ihnen gefolgt und hatten sich ihren Anteil am Afrika-Geschäft gesichert. Vor allem der Handel mit Elfenbein und mit Sklaven war einträglich für die europäischen Kaufleute. Ein Vordringen über die Küstenzone hinaus und eine Erschließung des Landesinneren war wegen der geographischen Gegebenheiten schwierig und für das Warengeschäft unnötig, da der Binnenhandel von arabischen Händlern abgewickelt wurde.

Das einzige Gebiet, das bereits im 17. und 18. Jahrhundert erschlossen wurde, war Südafrika, in dem sich seit Gründung der Kapkolonie 1652 Europäer niederließen. Das milde Klima der Kap-Region ermöglichte eine dauerhafte Ansiedlung, und als die Kolonie, vor allem durch den Zuzug hugenottischer Flüchtlinge, stark anwuchs, dehnte sich die Landnahme immer weiter in die Siedlungsgebiete der Hottentotten und Buschmänner aus. Der deutsche Astronom Peter Kolb war der erste, der 1719 ein dickes Buch über Südafrika veröffentlichte; aber auch die Reiseberichte des schwedischen Forschungsreisenden Sparrmann, des englischen Naturforschers Patterson und des französischen Ornithologen LeVaillant erschienen noch im 18. Jahrhundert.
Erst mit der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten 1776 und mit dem Verlust der englischen Kolonien in Nordamerika wurde Afrika für die Europäer interessant. Die 1788 gegründete British Association for promoting the discovery of the interior parts of Africa erstrebte die Nutzung des „dunklen Kontinents“ als Rohstofflieferant und Absatzmarkt. Bereits die erste, 1795 nach Westafrika ausgesandte Expedition des Schotten Mungo Park zur Erforschung des Niger hatte eindeutig wirtschaftpolitische Ziele. Die Geschichte der Erforschung Afrikas durch reisende Europäer ist zugleich auch die Geschichte seiner Eroberung und Ausbeutung.

Für die Expeditionsteilnehmer selbst standen ihre wissenschaftlichen Interessen im Vordergrund. Ihr Forschungseifer richtete sich dabei vornehmlich auf die geographische Erschließung des Kontinents, vor allem auf Flußläufe, Seen und Gewässersysteme. Heute sind die Forschungsberichte der europäischen Reisenden vor allem wegen ihrer ethnographischen Aspekte interessant. Was durch die Kolonialpolitik in der afrikanischen Kultur zerstört wurde, findet sich in mancher Reisebeschreibung am Rande oder auch ganz ausführlich dargestellt. Insofern sind die Reiseberichte der geographischen Eroberer aus der vorkolonialen Zeit auch die Quellen einer afrikanischen Kulturgeschichte.

Die Lippische Landesbibliothek präsentiert in den Sommermonaten 1999 im Rahmen des Detmolder Projekts Afrika – Kult und Visionen 100 bemerkenswerte Drucke zum Thema Afrika aus der Zeit vor der Kolonialisierung. Es konnte bei weitem nicht alles berücksichtigt werden, doch läßt die erstaunliche Fülle des Vorhandenen es zu, das Gezeigte als einen repräsentativen Querschnitt zu bezeichnen.

Zu sehen sind Werke des 17., 18. und 19. Jahrhunderts: Karten und Atlanten, Reisebeschreibungen, Forschungs- und Entdeckungsberichte, die auch etwas zum Anschauen bieten. Zu den ältesten Büchern gehören eine holländische Beschreibung der Goldküste von Guinea aus dem Jahr 1602, die Africae descriptio des arabischen Forschungsreisenden Leo Africanus in einer Ausgabe von 1832 und Oliver Dappers Umbständliche und eigentliche Beschreibung von Africa von 1670 mit Kupferstichen afrikanischer Trachten, Landkarten und Stadtansichten. Reiseberichte aus Südafrika, das seit Gründung der Kapkolonie 1652 von Europäern besiedelt wurde, stammen bereits aus dem 18. Jahrhundert. Natürlich werden auch die Forschungsberichte berühmter Afrikareisender des 19. Jahrhunderts gezeigt, etwa die Reiseaufzeichnungen von Mungo Park, Heinrich Barth, Gerhard Rohlfs, Gustav Nachtigal, David Livingstone und Henry Morton Stanley.

Die Ausstellung ist montags, dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr in den Räumen der Landesbibliothek, Detmold, Hornsche Str. 41, zu sehen.