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Angebot und Nachfrage: Zusammenarbeit der Lippischen Landesbibliothek mit Schulen in Detmold

von Julia Freifrau Hiller von Gaertringen

Druckfassung in: Schüler in wissenschaftlichen Bibliotheken / Deutsches Bibliotheksinstitut. Hrsg. von Karen Wien. Berlin 1999 (Arbeitshilfen / Deutsches Bibliotheksinstitut), S. 29-43.

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1. Wovon ist die Rede?

a. Die Lippische Landesbibliothek

Die Lippische Landesbibliothek wurde 1614 als Gräflich Öffentliche Bibliothek gestiftet. 1820 wurde sie mit anderen im Fürstentum Lippe entstandenen Büchersammlungen zur Fürstlich Öffentlichen Bibliothek vereinigt. Seither entwickelte sie sich zu einer leistungsfähigen Landesbibliothek. Sie ist heute eine Einrichtung des Landesverbandes Lippe, der nach Angliederung des Staates Lippe an Nordrhein-Westfalen 1949 zur Wahrung der kulturellen Belange und der Wohlfahrt Lippes gegründet wurde. Nach einem großzügigen Umbau in den Jahren 1992/93 präsentiert sie sich in ihrem klassizistischen Gebäude am Rand der Innenstadt von Detmold als modernes Dienstleistungszentrum für die Bürger der Region. Sie ist:

  • Wissenschaftliche Universalbibliothek
    d.h. sie dient der Forschung, der Lehre und dem Studium, der beruflichen Arbeit, der Fortbildung und dem allgemeinen Bildungsinteresse. Ihren Kunden bietet sie Literatur aus allen Fachgebieten mit Schwerpunkt auf den historischen Fächern und den Gesellschaftswissenschaften.
  • Regionalbibliothek für Ostwestfalen-Lippe
    d.h. sie sammelt, erschließt und vermittelt die auf Lippe bezogene Literatur mit dem Anspruch auf Vollständigkeit, vor allem auch nichtkonventionelle Materialien, und dokumentiert das Regionalschrifttum in der Lippischen Bibliographie auf CD-ROM.
  • Informationszentrum der Region
    d.h. sie ist zuständig für die Informationsversorgung aller ca. 300.000 Einwohner der Region Lippe und erfüllt diese Aufgabe durch das eigene Literaturangebot, die Literaturbeschaffung über Fernleihe, das umfangreiche Angebot an Datenbanken und den weltweiten Zugriff auf Information über das Internet.

b. Die Schüler

In den Städten des Kreises Lippe gibt es 15 Schulen mit gymnasialer Oberstufe, davon elf Gymnasien, zwei Gesamtschulen und zwei Höhere Berufsfachschulen. Ingesamt besuchen ca. 3300 Oberstufenschüler diese Schulen. Die Entfernung von der Landesbibliothek in Detmold beträgt in keinem Fall mehr als 20 Kilometer. Dennoch ist es schwierig, die Schüler alle zu erreichen.

  • Der Kreis Lippe ist eine ländliche Gegend. Der Nahverkehr ist nicht so organisiert, daß Schüler jederzeit einfach und kostengünstig nach Detmold in die Landesbibliothek kommen könnten. Neben dem Busverkehr auf Kreisebene gibt es einzelne Stadtverkehrsbetriebe, deren Versorgungsangebot für Schülerbedürfnisse in der Regel ausreicht.
  • Die Schulorte verfügen jeweils über eigene Stadtbüchereien mit einem Bestandumfang von 10.000 bis 90.000 Bänden (Detmold: 90.000 Bände, Bad Salzuflen: 70.000 Bände, Lemgo: 50.000 Bände, Lage, Blomberg: 30.000 Bände, Oerlinghausen: 20.000 Bände, Leopoldshöhe: 15.000 Bände, Barntrup: 10.000 Bände) und einem Bestandsfaktor von 0,9 bis 1,8 Medieneinheiten pro Einwohner, der von den Schülern, vor allem aber auch von den Lehrern für ausreichend gehalten wird.
  • Die Städte des Kreises Lippe legen viel Wert auf ihre Eigenständigkeit und pflegen ihre Distanz zur Stadt Detmold. Historisch gewachsene Vorbehalte gegen die Residenzstadt spielen noch heute eine große Rolle.

2. Schüler als Benutzer der Lippischen Landesbibliothek

Bereits heute nutzen zahlreiche Schüler selbständig die Lippische Landesbibliothek als Informationseinrichtung. Um die Nutzung der Bibliothek durch Schüler, ihre Informations- und Bildungskompetenz zu fördern, sind Schüler von den Benutzungsgebühren ausgenommen: alle Dienstleistungen der Bibliothek sind für sie kostenlos.

Die nachstehende Grafik zeigt drei etwa gleich starke Benutzergruppen aus Allgemeinen Benutzern, Hochschulangehörigen (Hochschule für Musik Detmold, Fachhochschule Lippe, Universität Bielefeld und Universität Paderborn) sowie Schülern und Auszubildenden.

Tortengrafik zeigt die Anteile der Benutzergruppen 1998: Allgemeine Benutzer 31,4%, Hochschulangehörige 29,6%, Schüler und Auszubildende 28%, Bibliotheken 8,4%, Institutionen 2,4%
Benutzergruppen der Lippischen Landesbibliothek 1998

Hochschulangehörige und institutionelle Benutzer haben eine vergleichsweise überdurchschnittliche Ausleihquote. Schüler und Auszubildende, die 28 % der eingetragenen Benutzer ausmachen, sind mit nur 12 % an der Ausleihe beteiligt.

Benutzergruppenspezifische Ausleihe aus der Lippischen Landesbibliothek 1998

Die Ausleihquote von Schülern liegt bei durchschnittlich 5,3 Bänden pro Jahr (allgemein: 12,4 Bände). Eine Begründung für den relativ hohen Benutzeranteil bei gleichzeitig relativ niedriger Ausleihquote mag neben dem geringeren Literaturbedarf von Schülern auch die andere Wahrnehmung des Informationsangebots sein. Vor allem das Internetangebot wird stark von Schülern frequentiert. Voraussetzung für die Nutzung des Internet in der Lippischen Landesbibliothek ist der Besitz eines Benutzerausweises. Zwar wird die Internetnutzung nicht statistisch erfaßt, aber jeder das Internet nutzende Schüler ist eingetragener Bibliotheksbenutzer.

Von besonderem Interesse für die bibliothekspädagogische Arbeit der Landesbibliothek ist das Interessenprofil der Schüler.

Ausleihe insgesamt nach Fächern 1998

Im Interessenprofil der gesamten Benutzerschaft machen neben dem Bereich Allgemeines, der Fächer wie Wissenschaftskunde, Bibliotheks-, Museums- und Archivwesen, Publizistik, allgemeine Zeitschriften etc. umfaßt, die Fächer Kunst und Musik mit 15,7 % den größten Anteil aus. Ursächlich dafür ist der große Kreis von Benutzern aus dem Bereich Praktische Musik und Musikwissenschaft. Es folgen das Fach Geschichte mit 14,2 %, die Gesellschaftswissenschaften mit 12,4 % und die Sprach- und Literaturwissenschaften mit 8,5 %.

Ausleihe der Schüler nach Fächern 1998

Bei den Schülern ist eindeutig die Computerliteratur mit 15,0 % (allgemein: 8,4 %) Favoritin. Ihr folgt der Bereich Sprache/Literatur mit 11,9 % (allgemein: 8,5 %): ein Indiz dafür, daß es noch immer vor allem Deutschlehrer sind, die die Schüler in die Bibliothek schicken. Ebenso ist die Ausleihe in den Fächern Psychologie und Pädagogik höher als im Durchschnitt aller Benutzer. Auch in den Naturwissenschaften ist dies der Fall: hier verfügt die Landesbibliothek nur über einen allgemeinen Grundbestand, der aber unter Schülern offenbar Zuspruch findet.

3. Bibliothekspädagogische Arbeit in der Lippischen Landesbibliothek

Immer schon sind Schülergruppen zu Führungen in die Lippische Landesbibliothek gekommen und haben Lehrer ihre Schüler zur Informationsbeschaffung in die Bibliothek geschickt. Und immer schon hat die Bibliothek bei der Materialsuche für Referate oder Hausarbeiten und bei der Vorbereitung auf Prüfungsthemen weitergeholfen.

Die Nachfrageorientierung der Landesbibliothek in bezug auf die Schülerarbeit schien aber in den letzten Jahren, besonders auch im Hinblick auf den veränderten Stellenwert von Informationskompetenz für junge Menschen in unserer Gesellschaft, nicht mehr ausreichend. Die Erkenntnis, daß gerade auch Wissenschaftliche Regionalbibliotheken mit ihrem großen Potential an Spezialisten daran mitwirken müssen, die Fähigkeit Jugendlicher zur erfolgreichen und effizienten Informationsbeschaffung zu fördern, stand am Anfang des bibliothekspädagogischen Angebots der Landesbibliothek.

Ende 1996 wurde der Arbeitsbereich Bibliothekspädagogik neu in den Organisationsplan der Lippischen Landesbibliothek aufgenommen und damit erstmals als eigenständiges Arbeitsgebiet innerhalb des Bereiches Publikumsservice verankert. Über die Erfahrungen der letzten zweieinhalb Jahre wird hier berichtet.

a. Das Angebot

  • Schülerführungen
    Der Klassiker, den es überall gibt. Schülerführungen werden je nach Interessenlage sehr flexibel gestaltet. Vor allem aber lernen die Schüler alle Benutzungsbereiche kennen und erhalten Orientierung im Umgang mit der systematischen Freihandaufstellung und mit den konventionellen und elektronischen Informationsmitteln der Bibliothek. Wenn sie wollen, erfahren sie etwas mehr über die Geschichte der Bibliothek, über die interne Organisation des Hauses, über konservatorische Fragen oder über die bibliothekarischen Berufe.
  • Benutzungstraining mit Arbeitsblättern
    Dies ist die Verbindung einer Benutzungseinführung mit einem sich direkt anschließenden Benutzungstraining. Dauer: ca. 2,5 Stunden. An einem unterrichtsnahen Beispiel üben die Schüler sich in die Strategien der Literatur- und Informationsbeschaffung zu Einzelthemen ein. Sie bearbeiten selbständig verschiedene Arbeitsblätter, die sie mit der Recherche in den Katalogen der Bibliothek vertraut machen. Gegebenenfalls probieren sie auch die Literatursuche in Biblio­graphien und Datenbanken aus. Die so erworbene Benutzungskompetenz können sie später im "echten" Benutzungsfall zum Einsatz bringen.
  • Unterrichtsprojekte und Schülerwettbewerbe
    Immer wieder profilieren sich auch lippische Schüler als angehende Forscher, wenn sie fächerübergreifende Projektarbeiten erstellen oder an überregionalen Schülerwettbewerben teilnehmen. Diesen Schülern, die sich mit Phantasie und Neugier ernsthaft an die wissenschaftliche Arbeit machen, bietet die Landesbibliothek ihre "geistige Unterstützung". Themenspezifische Handapparate und Arbeitshilfen können bereitgestellt werden. Sofern die Beiträge als Gruppenarbeiten erstellt werden, bietet sich auch ein gut vorbereiteter Studienaufenthalt in der Landesbibliothek an.
  • Studientage
    Über das benutzungsorientierte Schulungsprogramm hinaus bietet die Landesbibliothek Schülergruppen die Möglichkeit zu ein- oder mehrtägigen themenbezogenen Arbeitsaufenthalten in der Bibliothek. Die Arbeitsmöglichkeiten der Landesbibliothek für solche Schülergruppen sind ideal. Alle Dienstleistungen der Bibliothek sind kompakt in einem Gebäude zusammengefaßt. Erfahrungsgemäß finden sich die Schüler in kürzester Zeit problemlos im Haus zurecht. Der Vortragsraum im Dachgeschoß der Bibliothek bietet die Möglichkeit zur ungestörten und konzentrierten Gruppenarbeit. Ziel der Studientage ist es, den Forscherdrang der Schüler zu wecken und eine praxisnahe Vorstellung von wissenschaftlicher Tätigkeit zu vermitteln.
  • Schülerausstellungen in der Landesbibliothek
    Erwünscht ist es auch, daß Schülergruppen zu den anhand der Bibliotheksbestände erarbeiteten Themen kleinere Ausstellungen vorbereiten und auf diese Weise die Ergebnisse ihres Studienaufenthalts in der Landesbibliothek der Öffentlichkeit präsentieren. Die Landesbibliothek leistet dabei die nötige Unterstützung und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit für das Ausstellungsprojekt.
  • Schülerpraktika in der Landesbibliothek
    Schülern, die die Bibliothek nicht nur aus der Perspektive des Benutzers kennenlernen wollen, bietet die Landesbibliothek die Möglichkeit eines Schülerpraktikums. Erklärtes Ziel ist es, daß sich die Jugendlichen am Ende des Praktikums selbständig in der Bibliothek zurechtfinden und ihren Gastaufenthalt als versierte Bibliotheksbenutzer mit Kenntnissen beenden, auf die sie als Nutzer auch jeder anderen Bibliothek später jederzeit zurückgreifen können.

b. Werbung

  • Kontaktarbeit
    Schülerpraktikanten und ihre Betreuungslehrer sind einer der Multiplikatoren für die Bekanntmachung des bibliothekspädagogischen Angebots. Lehrer, die mit Schülergruppen in die Landesbibliothek kommen, werden immer wieder auf die weiteren Möglichkeiten hingewiesen und gebeten, im Kollegium dafür zu werben. Der persönliche Kontakt zu einzelnen Lehrern hat sich bisher als wirksamstes Werbeinstrument erwiesen. Die Schulabteilung der Bezirksregierung als Betreuungsinstanz und die Fachstelle Schule des Lippischen Heimatbundes sind informiert. Bei Besuchen in Fachkonferenzen hätten auch Lehrer, die vom Angebot der Landesbibliothek bisher keinen Gebrauch gemacht haben, Gelegenheit, Wünsche und Anregungen für eine Weiterentwicklung zu formulieren; bisher allerdings wurden diese Informationsbesuche nicht nachgefragt.
  • Merkblatt
    Eine weitere Möglichkeit, Kontakt zu einzelnen Lehrern herzustellen, ist ein entsprechendes Merkblatt der Lippischen Landesbibliothek. In der Eingangshalle liegen verschiedene benutzungsrelevante Merkblätter zum Mitnehmen aus. Eines davon informiert über das bibliotheks­pädagogische Angebot. Es wird auch immer wieder gezielt an Lehrer verteilt.
  • Berufsbildungsmesse
    Jährlich im September veranstaltet das für den Kreis Lippe zuständige Arbeitsamt Detmold eine Aus- und Weiterbildungsmesse. Die Landesbibliothek ist dort seit 1998 mit einem Stand vertreten. Die Präsenz auf der Messe ist für die Landesbibliothek weniger ein Instrument zur Berufswerbung als eine Möglichkeit, ihre Public Relations zu erweitern. Während der Messe werden jeweils ca. 200 Schulklassen und mindestens ebenso viele Lehrer über Ausbildungsinstitutionen in Lippe informiert. Insofern erreicht die Landesbibliothek hier vornehmlich das für die bibliothekspädagogische Arbeit relevante Publikum.
  • Pressearbeit
    Im Herbst 1996 wurde die regionale Presse auf das bibliothekspädagogische Angebot aufmerksam gemacht und zu einer Schülerführung eingeladen. Die lippischen Zeitungen berichteten angemessen, und Radio Lippe sendete eine kleine Reportage. Um die Presse für die Schülerarbeit aufgeschlossen zu halten, gilt seither der Grundsatz: sie wird informiert, sofern sichtbare Ergebnisse präsentiert werden können. Die alltägliche Arbeit mit Schülern wird nur ganz allgemein innerhalb der Pressekontakte im Bewußtsein gehalten.
  • Veröffentlichungen
    Im August-Heft 1998 der Zeitschrift Heimatland Lippe wurde ein Aufsatz über das biblio­thekspädagogische Angebot veröffentlicht.[1] Die Zeitschrift ist die Hauszeitschrift des Landesverbandes Lippe und des Lippischen Heimatbundes. Sie hat eine Auflage von 10.000 Exemplaren, erscheint monatlich und erreicht eine Vielzahl von Haushalten in Lippe.

c. Die Nachfrage

Schülerführungen
Schülerführungen sind die meistgenutzte Möglichkeit, die Bibliothek kennenzulernen. Sehr beliebt sind sie wegen ihrer Unverbindlichkeit und Ergebnisoffenheit. Es kommen vor allem Schüler der Klassenstufe 11, die im Kontext des Lernziels „Lernen lernen“ die Bibliothek als Informationseinrichtung zu nutzen lernen sollen. Im Regelfall suchen Lehrer uns mit ihren Klassen oder Kursen dann auf, wenn ein konkreter Bedarf dafür entstanden ist, daß die Schüler in der Landesbibliothek weiterführende Information ermitteln, wenn also Referate, Projekte oder Jahresarbeiten anstehen. Viele, die den Schritt hinter die klassizistische Kulisse des Bibliotheksgebäudes allein vielleicht nicht tun würden, haben bei einer Führung zunächst einmal zwanglos Gelegenheit, sich über die Aufgaben und Dienstleistungen ihrer Landesbibliothek zu informieren. Es bedarf nachträglich dann nur noch eines kleinen Anstoßes, die Bibliothek auch tatsächlich aufzusuchen.

Benutzungstraining mit Arbeitsblättern
Auch die Verbindung einer Bibliotheksführung mit einem sich direkt anschließenden Benutzungstraining ist beliebt. Das Training mit Arbeitsblättern ist im Zeitraum September bis Dezember 1996 in Zusammenarbeit mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Detmold für das Fach Deutsch entwickelt und von elf Deutsch-Kursen der gymnasialen Oberstufe, der Handelsschule und der Berufsgrundbildungsklassen getestet worden. Die konstruktive Mitarbeit der Kurse, die um Kommentar und Bewertung gebeten wurden, hat die Optimierung der Arbeitsblätter ermöglicht.


Dabei hat sich ergeben, daß diejenigen Schüler, die mit den dort genannten Themen und Autoren nichts anzufangen wissen, zwar ggf. die Aufgaben lösen können, aber doch frustriert sind, auf diese Weise ihre mangelnde literarische Bildung präsentiert zu bekommen. Für die eher berufsbildungsinteressierten Gruppen wurde daher ein Klassensatz Arbeitsblätter Berufskunde entwickelt. Da die zu uns kommenden Schüler meist in Verwaltungs- und Büroberufe und weniger in gewerbliche Berufe drängen, ist das Themenspektrum der Arbeitsblätter auch an diesen Interessen orientiert. Weitere Klassensätze der Arbeitsblätter gibt es inzwischen für die Fächer Geschichte und Kunst. Bei Bedarf könnten die Arbeitsblätter auch für alle weiteren Schulfächer angeboten werden.
Die Arbeitsblätter sind ein Pauschalangebot. Selbstverständlich ist es auch immer möglich, sie auf gegenwärtig im Unterricht behandelte Themen hin abzuwandeln. Auf Anfrage der Lehrer werden spezielle Klassensätze entwickelt. Bei jedem Einsatz werden die Arbeitsblätter neu überprüft, gekürzt oder erweitert und spezialisiert.
Die Arbeitsblätter eines Klassensatzes sind analog strukturiert. Es sind dieselben Suchschritte zu vollziehen, allerdings an unterschiedlichen Beispielen, so daß ein Abschreiben nicht möglich ist. Die Rechercheaufgaben bestehen aus drei Teilen:

A. Suche nach Büchern, deren Titel schon bekannt sind
B. Benutzungsrelevante Fragen zur Bibliothek
C. Suche nach Literatur zu einem bestimmten Thema

Da die vorangehende Erklärung der Bibliothekskataloge ebenfalls in formale und sachliche Suche aufgeteilt ist, haben die Schüler mit diesen Einzelblöcken kein Problem.

Frage 1: Es werden vier Titel vorgegeben, die im Alphabetischen Zettelkatalog bzw. im OPAC zu finden sind. Dazu ist die Signatur zu notieren.
Frage 2: Die Bücher sind in der Freihand herauszusuchen oder aus dem Magazin zu bestellen. Anhand der Bücher sind Fragen nach bibliographischen Daten zu beantworten; als Ergebnis soll notiert werden, welche Daten für eine eindeutige Buchbeschreibung konstitutiv sind.
Frage 3: Wenn die Schüler die Bücher in der Freihand tatsächlich gesucht haben, können sie auch die Frage beantworten, wie die Systemstelle lautet, an der sie fündig geworden sind. Dazu ist ein Blick in die Aufstellungssystematik notwendig. Zugleich ist damit die Brücke zur Sacherschließung geschlagen.
Frage 4: Diese Frage zu benutzungsrelevanten Fakten ruft am Anfang der Führung Gesagtes in Erinnerung. Falls nicht, stellen die Schüler diese Fragen direkt an die Kolleginnen der Ausleihe oder der Information.
Frage 5: Da die Lippische Landesbibliothek ihren Bestand sowohl systematisch nach GHBS als auch verbal nach RSWK erschließt, haben die Schüler unter sachlichem Aspekt zweierlei Zugriff auf die Bücher. Diese Frage bezieht sich auf den älteren Schlagwortkatalog, in dem der Freihandbestand des Zeitraums 1980-1992 vollständig und der ältere Bestand teilweise verzettelt ist. Es ist ein bestimmter Titel unter einem speziellen Schlagwort zu ermitteln.
Frage 6: Die Schlagwortsuche wird am OPAC fortgesetzt. Im OPAC ist der seit 1993 erworbene Bestand komplett und der Freihandbestand 1980-1992 zu 90 % enthalten. Auch hier ist unter einem bestimmten Schlagwort ein spezieller, in anderen Fällen der aktuellste Titel zu ermitteln.
Frage 7: Die sachliche Suche wird wiederum mit einer Frage nach der zum Schlagwort zugehörigen Systemstelle der Aufstellungssystematik abgeschlossen.

Das Arbeitsblatt zum Thema Deutsch ergänzt die Suche in den Bibliothekskatalogen durch eine bibliographische Suche. Es ist ein Titel zum vorgegebenen Thema bibliographisch zu ermitteln und anschließend festzustellen, ob er im Haus vorhanden ist. Erstaunlicherweise wird sogar diese Aufgabe von vielen Schülern noch richtig gelöst.
Das Arbeitsblatt Geschichte weitet die Recherche auf den alten Systematischen Katalog aus, weil für die Arbeit mit historischen Themen natürlich nicht nur die moderne Fachliteratur, sondern auch historisches Quellenmaterial heranzuziehen ist.
Es ist nicht sinnvoll, die Schüler nach der Recherche noch in der Bibliothek mit den richtigen Lösungen zu befassen. Die Lehrer erhalten die Lösungsbögen und bereiten den Bibliotheksbesuch in der nächsten Unterrichtsstunde nach. Es hat sich bewährt, die Schüler dann untereinander ihre Arbeitsblätter austauschen und anhand der Lösungsbögen korrigieren zu lassen. Die Recherchestrategien werden dabei noch einmal für alle rekapituliert.
Die Recherche mit Arbeitsblättern wird mit verschiedenen Schulklassen durchgeführt. Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule schickt jedes Jahr im Herbst die Deutsch-Kurse ihrer 11. Klassen. Sämtliche Fachlehrer können dann davon ausgehen, daß jeder ihrer Oberstufenschüler bereits einmal in der Landesbibliothek gewesen ist.
Den Schülern ist klar, daß sie sich an einem vorgeplanten Beispiel in die Literatursuche hineinfinden und in die Lage versetzt werden sollen, die Suchstrategie auf beliebige andere Themen zu übertragen. Es gibt deshalb erstaunlich wenig Beschwerden über die aufgezwungenen, ziemlich „schulischen“ Themen.

Studientage
Dieses Angebot ist besonders geeignet für Leistungs- und Projektkurse, die eine längere Abwesenheit vom Schulalltag schulintern organisieren können. Es wird leider nicht sehr stark in Anspruch genommen. Dafür werden vor allem organisatorische Hindernisse geltend gemacht. Die Lehrer äußern immer wieder, daß ihre Klassen für dieses Angebot nicht ausreichend qualifiziert seien. Und natürlich kann ein Studienaufenthalt in der Landesbibliothek nur sinnvoll sein, wenn er als Erfolgserlebnis garantiert ist.
Der erste Studientag wurde im Juni 1997 mit einer Projektgruppe der Gesamtschule Spenge durchgeführt. Thema war der Detmolder Dichter Georg Weerth, zu dem die Landesbibliothek umfangreiche Bestände besitzt. Es gab sieben Projektgruppen zu verschiedenen Weerth-spezifischen Themen. Weitere Studientage wurden etwa zu den Themen „Lessings Emilia Galotti“ und „Alltagsleben der Nachkriegszeit“ veranstaltet.
Um einen erfolgreichen Verlauf zu gewährleisten, werden für jedes der Einzelthemen zielgenaue Arbeitshilfen vorbereitet. Es werden Hinweise auf Autorenlexika gegeben, Hilfen für die richtige Suche mit Schlagwörtern und zur schnellen Standortermittlung in der Aufstellungssystematik etc. Auch der Hinweis auf einschlägige Titel, die zu finden wären, fehlt nicht.
Was in der Landesbibliothek Detmold bisher veranstaltet wurde, waren Studienaufenthalte, bei denen die für Einzelthemen relevante Literatur zuerst zu ermitteln, dann zu finden und schließlich auszuwerten war. Damit dies innerhalb eines kurzen Arbeitstages zu leisten ist, werden die Studienaufenthalte von Schülergruppen gründlich vorbereitet und entsprechend betreut. Natürlich ist es unerläßlich, daß das Forschungsthema vor dem Bibliotheksbesuch in der Schule bereits inhaltlich geklärt ist und daß die einzelnen Fragestellungen weitgehend präzisiert sind, damit sogleich gezielt mit der Literatursuche begonnen werden kann.
Nach einer kurzen Einführung in die Literaturrecherche machen sich die Schüler mit den Arbeitshilfen auf den Weg, ermitteln am Regal die in Frage kommende Literatur und landen recht bald bei der inhaltlichen Arbeit. Da die Schüler die inhaltliche Auswertung der Literatur nicht innerhalb des Studientages abschließen können, nehmen sie die für sie ergiebige Literatur mit nach Hause und setzen dort die Auswertung fort.
Auch die Landesbibliothek in Detmold würde gern mit Schülern an den historischen Buchbeständen arbeiten. Die bisher verwirklichten Projekte haben sich aber auf die Arbeit mit aktueller Forschungsliteratur beschränkt und immer auch das selbständige Ermitteln und Zusammenstellen der einschlägigen Literatur eingeschlossen. Insofern waren alle bisherigen Aufenthalte auch Einübungen in die Bibliotheksbenutzung. Mehrtägige Schüleraufenthalte konnten noch nicht organisiert werden.
Auf Nachfrage werden auch Projekte für Haupt- und Realschüler und für Schüler der Unterstufe durchgeführt. So hat eine 6. Klasse der Städtischen Realschule Detmold mit den Buchbeständen an der sachlichen Einordnung historischen Fotomaterials gearbeitet. Es wurden Handapparate zusammengestellt, und die Schüler haben anhand alter Adreßbücher, anhand von Atlanten und Ortsverzeichnissen und anhand der vorhandenen Literatur zu den Themen Autos, Mode etc. das Material unbekannter Herkunft zeitlich, örtlich und sachlich bestimmt.

Schüler-Ausstellungen in der Landesbibliothek
Ausstellungen als Ergebnis eines Studienaufenthalts in der Landesbibliothek konnten bisher noch nicht gezeigt werden. Aber aufgeschlossen gegenüber den Wünschen von Lehrern, Arbeitsergebnisse ihrer Schüler öffentlich zu zeigen, ist die Landesbibliothek immer. So haben im Sommer 1998 Schülerinnen und Schüler der Städtischen Realschule Detmold während einer Projektwoche Zeichnungen in verschiedenen Techniken zu lippischen Motiven angefertigt. Die Landesbibliothek, die selbst über eine Fülle von Zeichnungen mit lippischen Motiven verfügt, bot Raum für die Präsentation der Ergebnisse dieses Studienaufenthalts im Freien. Über die Ausstellung wurde in den regionalen Zeitungen und in Radio Lippe berichtet.

4. Fazit

Als Ergebnis der bisherigen Schülerarbeit ist festzuhalten:

Gefordert ist der individuelle Zuschnitt! Geworben wird mit Angeboten, die als Vorschläge aufzufassen sind. Und auf konkrete Nachfrage werden paßgenaue Produkte ausgearbeitet.

Das Arbeiten mit historischen Buchbeständen wird nicht nachgefragt, obwohl das benachbarte Staatsarchiv erfolgreich die Arbeit mit Archivalien für Schulklassen durchführt. Die Landesbibliothek ist im Rahmen des Oberstufenunterrichts weniger als Quellensammlung und Vorort der Universität von Bedeutung denn als Informationseinrichtung.

Gefragt ist das Einüben in Strategien der Informations- und Literaturbeschaffung. Ob bei Benutzungseinführungen, Training mit Arbeitsblättern oder Studienaufenthalten: vor allem diese Dienstleistung wird von der Landesbibliothek erwartet.

Wie hoch der Schüleranteil vor der Einführung des jetzigen Benutzerverwaltungssystems gewesen ist, ist statistisch nicht festgehalten worden. Für die letzten Jahre ist allerdings eine Steigerung des Schüleranteils bei den Benutzern von 22,3 % (1995) auf 28 % (1998) festzustellen. Wie weit dabei der kostenlose Zugang zum Internet eine Rolle spielt und wie weit die Steigerung ein Effekt der aktiven Schülerarbeit ist, bleibt offen. Ebenso ist nicht klar, ob die Steigerung des Ausleihanteils der Schüler von 9 % auf 12 % in den letzten beiden Jahren ein „Mitnahme-Effekt“ der verstärkten Internet-Nutzung oder ein bibliothekspädagogischer Erfolg ist. Immerhin: die Lippische Landesbibliothek erreicht nicht nur absolut mehr Schüler als früher mit ihrem Informationsangebot, sondern steigert auch relativ den Anteil an Schülern in ihrer Benutzerschaft. Das verpflichtet sie, auch künftig etwas für die Schüler zu tun.

Anmerkung

[1] Julia Hiller von Gaertringen: Das Schülerprogramm der Lippischen Landesbibliothek. In: Heimatland Lippe 91 (1998) Nr.8, S. 233-236.
Onlineversion hier.