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Tag der Offenen Tür in der Lippischen Landesbibliothek Detmold

von Julia Hiller von Gaertringen

Druckfassung in: ProLibris 3 (1998) 1, S. 2.

→ Hier PDF-Fassung zum Download.

Am Sonntag, dem 26. Oktober 1997, veranstaltete die Lippische Landesbibliothek einen Tag der Offenen Tür. Von 11 bis 18 Uhr bot das Haus an der Hornschen Straße in Detmold ein vielfältiges Programm.

Literaturbilder von Alexander Steffes

Der Tag wurde mit einer Ausstellung der Literaturbilder von Alexander Steffes eröffnet. Der in Köln lebende Künstler, dessen Bilder von Bibliotheken und Museen in ganz Europa ausgestellt und gesammelt werden, zeigte malerische und graphische Interpretationen von Romanen, Novellen, Lyrik und Kritik der Weltliteratur, etwa zu Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Henry Miller und Vaclav Havel. Zur Eröffnung der Ausstellung las der Schauspieler Jörg Schade aus Werken dieser Autoren.

Die Literaturbilder von Alexander Steffes sind Ergebnis einer sehr subjektiven Begegnung und schöpferischen Auseinandersetzung mit Literatur. Sie erfassen das Ganze eines literarischen Textes und verdichten es in einem einzigen bildlichen Ausdruck oder auch in einer Bildfolge. Der Betrachter der Literaturbilder ist doppelt gefordert, begegnet er in diesen Bildern doch sowohl den literarischen Werken selbst als auch ihrer eigenwilligen Interpretation durch den bildenden Künstler.

Erstmals zu sehen waren Steffes’ eigens für Detmold geschaffene Literaturbilder zu Christian Dietrich Grabbe und Ferdinand Freiligrath, den beiden bedeutendsten aus Detmold gebürtigen Autoren. Im Lippischen Literaturarchiv in Grabbes Geburtshaus, das neben umfangreichen Quellensammlungen zu Grabbe und Freiligrath die Nachlässe und Autographen weiterer in Beziehung zu Lippe stehender Schriftsteller betreut, besitzt die Landesbibliothek eine weithin anerkannte Forschungsstätte für die Literatur des 19. Jahrhunderts. Für dieses Literaturarchiv konnten die literaturhilder von Alexander Steffes inzwischen auch angekauft werden.

Jazz-Frühschoppen

Ab 11.30 Uhr spielte das Detmolder Georg Rox Trio auf zum Jazz-Frühschoppen. Im Foyer der Landesbibliothek erklang swingende Musik und in der Eingangshalle wurden Getränke ausgeschenkt. Viele Besucher lehnten begeistert am Tresen der Infothek und wippten mit den Füßen. Wer länger als geplant blieb und hungrig wurde, für den war im Büchercafé unter dem Dach auch danach den ganzen Tag über für das leibliche Wohl gesorgt.

Faszination alter Handwerkskunst

Rund um das alte Buch präsentierte sich die Landesbibliothek mit ihren Schätzen. Die schönsten und wertvollsten alten Bücher waren im Lesesaal vor der Kulisse des Gründungsbestandes, der Bibliothek des Renaissancefürsten Simon VI. zu Lippe, zu sehen. Damit aber auch ein Einblick zu gewinnen war, wie früher gearbeitet wurde bei der Illustration alter Bücher, waren im Lesesaalbereich die Werkstätten einer Buchmalerin und eines Kupferstechers aufgebaut.

Dorothea Schrader aus Minden präsentierte die mittelalterliche Buchmalerei mit Naturfarben, erklärte geduldig die alten Rezepte und ließ auch mutige Neugierige das frisch auf Pergament aufgetragene Blattgold blank polieren. An Friedrich Hokamps alter Kupfertiefdruckpresse erfuhren die Gäste nicht nur etwas über handwerkliche Druckverfahren, sondern konnten den Farbtiefdruck auch selbst ausprobieren und selbst hergestellte Lesezeichen mit nach Hause nehmen.

Im Werkstattbereich der Bibliothek ernteten die Workshops der beiden Buchbinder, bei denen die Besucher selber mit Karton, Papier und Buchbinderleim zu hantieren lernten, reichen Zuspruch.