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Lippe auf der Silberscheibe. Die Lippische Bibliographie ab 1998 auf CD-ROM

von Harald Pilzer

Druckfassung in: Heimatland Lippe 90 (1997) 12, S. 356-360.

↓ Sinn, Zweck und Nutzen einer Bibliographie
↓ Die Lippische Bibliographie
↓ Die Lippische Bibliographie auf CD-ROM
↓ Recherchemöglichkeiten und technische Spezifika
↓ Bezugsmöglichkeiten und Bezugsbedingungen
↓ Anmerkungen

Anläßlich des Tages der Offenen Tür am 26. 10. 1997 konnte die Lippische Landesbibliothek unter Resonanz seitens des interessierten Publikums den Prototyp der Lippischen Bibliographie auf CD-ROM vorstellen. Hier sollen nun einige Informationen zur Lippischen Bibliographie und der CD-ROM-Ausgabe folgen.

Sinn, Zweck und Nutzen einer Bibliographie

Eine Bibliographie im engeren Sinne ist ein Verzeichnis von Büchern, Aufsätzen oder Artikeln zu einem sehr häufig in fachlicher Sicht eingegrenzten Thema. In Deutschland, in einem Land mit einer ausgeprägten Geschichte der Regionen und Länder, hat sich mit der Entstehung des historischen Interesses und der Institutionalisierung der Geschichtswissenschaft als Wissenschaftlicher Disziplin in der Übergangszeit von der Spätaufklärung zur Frühromantik im beginnenden 19. Jahrhundert auch ein landeskundliches Interesse entwickelt. Erste landeskundliche Schriftenverzeichnisse wurden zusammengestellt; dies wiederum stieß die Entwicklung zur Entstehung einer ganzen Reihe von Regionalbibliographien an.

Literaturverzeichnisse dieser Art sollen mit dem Anspruch auf möglichste Vollständigkeit das für eine Region relevante Schrifttum verzeichnen. Im Sinne einer objektiven Bibliographie sind dann all die Veröffentlichungen als relevant zu verstehen, die Vorgänge, Institutionen, Personen oder natürliche Gegebenheiten in einer gegebenen Region in allgemein verständlicher, publizistischer oder fachwissenschaftlicher Hinsicht behandeln. Dabei kann es sich um selbständige Veröffentlichungen handeln, wie Bücher oder Broschüren, oder auch um die weitaus häufiger anzutreffenden unselbständig erschienenen Beiträge und Artikel in Sammelwerken, Zeitschriften und Zeitungen. In der Regel gehen die Allgemein- und Fachbibliographien in der Menge des verzeichneten Schrifttums immer über den Besitz einer einzelnen Bibliothek hinaus, oder anders formuliert: das zu einem Sachgebiet oder einer Person verzeichnete Schrifttum ist nicht in jeder Bibliothek vorhanden, und nur in den Sachgebieten, in denen eine Bibliothek einen umfassenden Sammelauftrag hat, wird sie auch tatsächlich eine möglichst vollständige Sammlung des zu einem Thema erschienenen Schrifttums besitzen.

Bibliographien sind somit häufig die ersten Hilfsmittel in Wissenschaft und Forschung, wenn es darum geht, einen Überblick über den Stand der Erscheinungen zu einem Thema oder einem Sachverhalt zu ermitteln. Die Bibliographie, und nun meint der Begriff nicht mehr nur das gedruckte Verzeichnis, hat sich geradezu als Hilfswissenschaft der Wissenschaften herausgebildet und in Dokumentation und Literaturinformation einen festen Platz erhalten.

Die Lippische Bibliographie

Zu einer Lippe betreffenden regelmäßigen Verzeichnung des relevanten Schrifttums ist es eigentlich erst recht spät gekommen und erst zu einem Zeitpunkt, zu dem das Land Lippe als Teil eines deutschen Gesamtstaates nicht mehr existent war. Von Episode gebliebenen Versuchen abgesehen,(1)  setzte die Herausgabe des ersten Bandes der Lippischen Bibliographie im Jahre 1957, bearbeitet von Wilhelm Hansen, einen ersten Eckpunkt bibliographischer Bemühungen, der das Interesse an einer landeskundlichen oder Regionalbibliographie markierte.(2)  In der Lippischen Landesbibliothek, deren Lippe-Katalog ja schon die Grundlage des ersten Bandes gebildet hatte, wurde in der Folgezeit vorsorglich außer der Pflege des eigenen Kataloges auch das Titelmaterial für eine Fortsetzung der gedruckten Bibliographie gesammelt. 25 Jahre nach dem ersten Band der Lippischen Bibliographie erschien 1982 ein zweiter mit einem Berichtszeitraum bis 1975, bearbeitet von Ernst Fleischhack.(3)  Ein Erscheinungszyklus mit Intervallen von 25 Jahren ist jedoch für die an einer solchen Bibliographie Interessierten kein besonders attraktiver, auch wenn als Ersatz in der Lippischen Landesbibliothek ein immer aktueller Katalog des Lippe-Bestandes zur Verfügung stand und steht. Infolgedessen hatte die Landesbibliothek bereits 1968 begonnen, im jährlichen Intervall Listen mit der neuesten Lippe-Literatur herauszugeben.(4)  Nach dem Erscheinen des 2. Bandes der Lippe-Bibliographie wurden diese Listen als „Lippische Jahresbibliographie“ institutionalisiert. Für den Berichtszeitraum von 1976 bis 1986 erschienen als Veröffentlichung der Lippischen Landesbibliothek in den Jahren 1977 bis 1987 insgesamt 11 „Lippische Jahresbibliographien“, die als aktuelle Verzeichnisse und ais Nachweis der in der Lippischen Landesbibliothek vorhandenen Lippe-Literatur die beiden großen Kumulationen sinnvoll ergänzten und sich recht großer Beliebtheit erfreuten.(5)  Diese 11 Jahreshefte wurden jedoch nie oder über ein einheitliches, alle Bände umfassendes Register erschlossen. Mit dem Jahrgang 1987 wurden die gedruckten Jahresbibliographien eingestellt, da zu diesem Zeitpunkt der Umfang des jährlich zu verzeichnenden Schrifttums, die konventionelle Erstellungstechnik der Druckvorlage und das Prinzip einer möglichst kostenneutralen Herstellung nicht mehr zur Deckung zu bringen waren.

Seit 1987 wird die in der Landesbibliothek gesammelte Lippe-Literatur in der sogenannten Lippe-Datenbank erfaßt. Sie ist in der Landesbibliothek über die Publikums-PCs im Informationszentrum zugänglich und wird von der „Regionaldokumentation Lippe“, einer Dienststelle der Landesbibliothek, gepflegt. Zu deren Aufgaben gehört es, die über Lippe erschienene Literatur möglichst vollständig zu sammeln und nachzuweisen.

Die Lippische Bibliographie auf CD-ROM

Auch wenn aus der Lippe-Datenbank heraus je nach Informationsanfrage spezifizierte Selektionen von Titelmaterial erzeugt werden können, kann dies nicht über den häufig von Besuchern der Landesbibliothek geäußerten Wunsch hinwegtäuschen, auch außerhalb der Landesbibliothek Zugriff auf das Titelmaterial der Lippe-Datenbank haben zu wollen.

Die CD-ROM (Compact Disc - Read Only Memory) hat sich in den letzten Jahren ihrer großen Speicherkapazität wegen und ihrer im Vergleich mit Disketten auch sichereren physikalischen Eigenschaften wegen als geeignetes Speicher- und Distributionsmedium für Programme und Daten im Computersektor etabliert. Hinzu kommen eine relativ leichte Handhabbarkeit und neuerdings auch die Tatsache, daß nahezu jeder moderne PC über ein CD-ROM-Laufwerk verfügt. Da sich Programme und Daten direkt von der aus nutzen lassen, belegen sie zudem keinen Festplattenspeicher und kommen häufig auch ohne Installations- oder Initialisierungsdateien auf der Festplatte aus. Die Produktions- und Materialkosten sind zudem deutlich gesunken. Es lag also nahe, das Titelmaterial der Lippe-Datenbank auf einer CD-ROM herauszubringen. Die jetzt vorgestellte Nullnummer der Lippischen Bibliographie auf CD-ROM enthält derzeit rund 13.000 Eintragungen; jährlich kommen rund 1200 Neueintragungen hinzu. Geplant ist zudem, zunächst die rund 10.000 Titel der elf Jahresbibliographien mit einem Berichtszeitraum von 1976 bis 1986 nach und nach in die Datenbank einzubringen, so daß bei Abschluß dieses Projektes mit der CD-ROM der Lippischen Bibliographie als einer Mehrjahreskumulation ein Berichtszeitraum von mehr als zwanzig Jahren abgedeckt würde und der Anschluß an die beiden gedruckt vorliegenden Bände hergestellt werden könnte. Auch die Aufnahme der beiden ersten Bände wäre technisch und vom Umfang her möglich, ohne das Speichervermögen einer Scheibe zu überschreiten. Die Lippische Bibliographie auf CD-ROM soll von 1998 an regelmäßig mit 3 Ausgaben im Jahr erscheinen, die, lassen sich die jetzigen Planungen verwirklichen, jeweils um die aktuelle und ältere Literatur erweitert sind.

Möglich ist auch, die jetzige Form des reinen Literaturnachweises ohne dazugehörige Dokumenteninhalte zu verlassen und auch Dokumententexte zumindest in Auszügen direkt bei den Nachweisen auf der CD-ROM abzuspeichern. So kann anhand von eingescannten Inhaltsverzeichnissen von Büchern häufig bereits die Frage beantwortet werden, inwieweit ein gesuchtes Buch tatsächlich zur Klärung eines Informationsanliegens beiträgt.

Recherchemöglichkeiten und technische Spezifika

Das Titelmaterial auf der CD~ROM wird über die Register Verfasser, Titelstichwörter, Schlagwörter und Körperschaften – darunter werden Institutionen, Vereine, Behörden usw. verstanden – erschlossen. Hinzu kommt ein Register, das alle Eintragungen der genannten Register enthält, ein sogenanntes Kreuzregister. Ein Freitext-Register enthält im Titelmaterial enthaltenen Begriffe, Ziffern, Abkürzungen usw. Die Vollanzeige der verzeichneten Titel bietet neben den obligatorischen Kategorien wie Verfasser, Titel, Erscheinungsort und -jahr sowie Umfang auch den Hinweis auf die Einordnung der Titel nach der Systematik des Lippe-Sachkataloges an, so daß dem geübten Benutzer und Kenner dieses Kataloges eine Suche nach diesem Kriterium ermöglicht wird. In der Vollanzeige werden bei jedem Titel seine Signatur, also Besitznachweis und Standort in der Landesbibliothek, angezeigt. Damit können gesuchte Titel gegen eine Unkostenbeteiligung im Direktversand auch von zu Hause aus nach Hause bestellt werden, wenn die Bestellerin oder der Besteller bei der Landesbibliothek als Benutzerin oder Benutzer eingetragen ist und dem nicht die besondere Schutzwürdigkeit der gesuchten Literatur entgegensteht.

Eine Recherche erfolgt immer von einem der als Liste angezeigten Register aus. Mit den Richtungstasten kann zwischen der Voll- und der Listenanzeige hin- und hergewechselt werden. Als Zwischenform zwischen Voll- und Listenanzeige gibt es zudem noch die Funktion der Kurztitelliste. Für komplexere Suchen können die Registerbegriffe miteinander verknüpft werden. Ergebnisse können angezeigt, ausgedruckt und zur Weiterverarbeitung exportiert werden.

Die Lippische Bibliographie auf läuft unter dem Datenbankbankprogramm ALLEGRO, das in zahlreichen Bibliotheken im Einsatz ist. Es ist unter einer MS-DOS-Oberfläche oder in einem Windows-Fenster voll ablauffähig von der CD-ROM; es werden keine Dateien auf der Festplatte installiert. Zur Benutzung wird ein gewöhnlicher IBM-kompatibler PC mit eingebautem oder externem CD-ROM-Laufwerk benötigt. Die Datenbank kann unter MS-DOS ab der Version 3.3, unter Windows 3.XX, Windows95 oder WindowsNT betrieben werden.

Bezugsmöglichkeiten und Bezugsbedingungen

Die Lippische Bibliographie auf CD-ROM kann über die Lippische Landesbibliothek bezogen werden. Für die drei Ausgaben des Jahrgangs 1998 gilt bis zum 31. 12. 1997 ein Subskriptionspreis von DM 98,-, die Folgejahrgänge sollen für DM 128,- angeboten werden. Das Titelmaterial kann für wissenschaftliche Anliegen, in der Forschung oder in allgemein interessierenden Fragestellungen benutzt werden. Die gewerbliche Verwendung des Titelmaterials, auch auszugsweise, ist dagegen ausdrücklich untersagt. Auch das Umladen der Daten und eine Weiterverbreitung des Inhalts über öffentliche Netze ist untersagt.

Anmerkungen

(1) Bibliotheca Lippiaca. Übersicht über die landeskundliche und geschichtliche Literatur des Fürstentums Lippe. Zusammengestellt von Otto Weerth und Ernst Anemüller. Detmold: Meyersche Hofbuchdruckerei 1886.

(2) Lippische Bibliographie. Hrsg. vom Landesverband Lippe. Mit Hinweisen auf die Buchbestände der Lippischen Landesbibliothek bearbeitet von Wilhelm Hansen. Detmold: Meyersche Hofbuchhandlung, 1957.

(3) Lippische Bibliographie; Band 2. Das Schrifttum von 1954/56 bis 1975 mit Nachträgen aus früheren Jahren. Herausgegeben vom Landesverband Lippe. Mit Hinweisen auf die Buchbestände der Lippischen Landesbibliothek bearbeitet von Ernst Fleischhack. Detmold 1982, S. VII.

(4) Lippische Landesbibliothek Detmold. Neues Schrifttum über das Lipperland und seine Bewohner. Die Literatur des Jahres. Zusammenstellung und Redaktion: Ernst Fleischhack. 1.1967-9.1975. Detmold 1968-1976.

(5) Lippische Landesbibliothek Detmold. Lippische Jahresbibliographie. Zusammenstellung, Redaktion und Manuskript: Ernst Fleischhack. Berichtsjahre 1976-1986. Detmold: Lippische Landesbibliothek 1977-1988.