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Musikhandschriften Friedrichs Kiels in der Lippischen Landesbibliothek Detmold

von Jürgen Arndt

Druckfassung in: Friedrich-Kiel-Studien1 (1993), S. 135-157.

[Online-Stellung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die Friedrich-Kiel-Studien sind eine Veröffentlichung der Friedrich-Kiel-Gesellschaft e.V.]

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Vorbemerkung des Autors: Sehr wertvolle Unterstützung während der Entstehung dieser Arbeit erhielt ich von Prof. Dr. Arno Forchert, Irmlind Capelle M.A., Joachim Veit M.A. und Walter Werbeck M.A. vom musikwissenschaftlichen Seminar Detmold-Paderborn sowie von Peter Pfeil, dem Geschäftsführer der Friedrich-Kiel-Gesellschaft, wofür ich mich an dieser Stelle besonders herzlich bedanken möchte. 

Einleitung

Die in der Lippischen Landesbibliothek Detmold aufbewahrten Musikhandschriften des Komponisten Friedrich Kiel (1821-1885) stammen aus der Autographensammlung von Kiels Schüler und Freund Erich Prieger (1849-1913). Im Jahre 1942 wurden diese Handschriften vom Bonner Antiquar Carl Holzschuh der Landesbibliothek im Zusammenhang mit einem Autographenkauf zum Geschenk gemacht.

Die Musikautographen enthalten musiktheoretische Übungen und Studien, Komposition für Klavier zu zwei und vier Händen, je eine ausgeschriebene Kadenz zu dem 2. Klavierkonzert B-Dur op. 19 von Ludwig van Beethoven und dem Klavierkonzert A-Dur KV 488 von Wolfgang Amadeus Mozart, zwei Werke für Soloinstrumente (Horn, Violine) mit Klavierbegleitung, eine Bearbeitung für Violine und Klavier des Adagio-Satzes der Sonate B-Dur für Klavier zu vier Händen KV 358 (186c) von Mozart, fünf Klavierlieder, eine Vertonung des 1. Verses aus dem deutschen Magnificat für Sopran- und Tenor-Solostimmen mit Klavierbegleitung, die Stimme des „Soprano I“ aus Kiels „Stabat mater“ op. 25 sowie zwei Kompositionen für Orchester.

Zu den musiktheoretischen Übungen gehören Studien nach der Kompositionslehre von Adolf Bernhard Marx, kontrapunktische Arbeiten und Harmonielehreübungen. Während die letzten wahrscheinlich vor Kiels Übersiedlung von Bad Berleburg nach Berlin, 1842, entstanden sind, hat Kiel die sehr umfangreichen kontrapunktisehen Arbeiten und die Studien nach Marx während seines Unterrichts bei Siegfried Dehn in den Jahren 1842 bis 1844 in Berlin angefertigt. Einen großen Anteil an den Detmolder Kiel-Handschriften haben neben den musiktheoretischen Übungen die Kompositionen für Klavier zu zwei Händen. Es handelt sich hierbei um insgesamt 34 zum Teil sehr kurze Werke, die in einigen Fällen nur unvollständig erhalten oder von Kiel nicht vollendet worden sind. Von diesen Klavierwerken sind besonders drei Sonaten in E-Dur, A-Dur und fis-Moll zu erwähnen, die Kiel im Jahre 1844 wahrscheinlich unter der Aufsicht von Dehn komponiert hat. Diese drei Sonaten liegen sowohl als Entwurf als auch in Reinschrift vor. Zwei Handschriften mit Kompositionen für Klavier zu vier Händen hat Kiel 1848 für den Unterricht mit seinen Schülern angefertigt. Bei den Orchesterwerken handelt es sich zum einen um eine Ouvertüre, die vermutlich 1836 entstanden ist, zum anderen um die dem König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., gewidmete Fantasie für Klavier und Orchester, die Kiel 1840 oder 1841 in Berleburg komponiert hat. Beide Kompositionen für Orchester sind nur unvollständig erhalten; von der Fantasie fehlt allerdings nur ein Teil der letzten Partiturseite (16 Takte).

Die in Detmold vorhandenen Handschriften Kiels sind bis auf zwei Ausnahmen vor 1850 entstanden. Geschrieben wurden die Manuskripte mit schwarzer Tinte; auf Ausnahme wird im folgenden an den entsprechenden Stellen jeweils hingewiesen. Besondere Bedeutung dürfte von den Musikhandschriften den während Kiels Studienzeit bei Dehn verfertigten Übungen und Kompositionen zukommen, denn die Werke dieser Zeit wurden in der Forschung vor allem wegen unzureichender Quellenkenntnis bisher so gut wie nicht berücksichtigt.

Musiktheoretische Übungen und Studien

1. Studien nach Marx und verschiedene Kompositionsentwürfe (Mus-a 1)

Die von Kiel mit „Studien nach Marx“ überschriebene Handschrift enthält nur auf den ersten vier Seiten Übungen nach der Kompositionslehre von Adolf Bernhard Marx. Die übrigen vierzig Seiten dieser von Kiel gezeichneten, aber nicht datierten Handschrift enthalten sich nur über wenige Takte erstreckende Skizzen und Entwürfe vor allem zu Klavierstücken, daneben aber auch zu Vokalwerken und zu einer Orchesterkomposition, die nicht mit der Kompositionslehre von Marx in Verbindung stehen. Bei den Studien nach Marx handelt es sich um Motivverarbeitungen.(Fn. 1)  Kiel wird Marxens Kompositionslehre vermutlich während seines Unterrichts bei Siegfried Wilhelm Dehn in Berlin in den Jahren 1842 his 1844 kennengelernt haben.

Fn. 1: Adolf Bernhard Marx: Die Lehre von der musikalischen Komposition, praktisch-theoretisch, zum Selbstunterricht oder als Leitfaden bei Privatunterweisung und öffentlichen Vorträgen. Leipzig: Breitkopf & Härtel 1838, 1. Aufl, Bd. 2, S. 20.

2. Harmonielehreübungen (Mus-a 2)

Unter der Überschrift „Harmonielehreübungen“ sind verschiedene Handschriften Kiels aufgenommen worden, die einfache Übungen im vierstimmigen Satz, im Generalbaß und Intervallübungen enthalten. Daneben finden sich auch einzelne Blätter, auf deren Vorderseiten Harmonielehreübungen stehen; auf den jeweiligen Rückseiten sind dagegen unvollständig erhaltene Entwürfe zu einer Komposition für Horn und Klavier bzw. zu einem Klavierstück geschrieben. Zwei Blätter unter der Signatur Mus-a 2 enthalten keine Harmonielehreübungen, sondern Skizzen zu Klavierstücken und kontrapunktische Arbeiten. Eine genaue Datierung dieser Handschriften ist nicht möglich. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, daß der größte Teil der Harmonielehreübungen aufgrund des geringen Schwierigkeitsgrades vor Kiels Übersiedlung nach Berlin, 1842, entstanden ist.

3. Kontrapunktische Arbeiten (Mus-a 3 / Mus-a 5)

Hinter der Signatur Mus-a 3 verbirgt sich sehr umfangreiches Material mit kontrapunktischen Arbeiten. Vor allem befindet sich darunter eine von Kiel selbst mit „Contrapunctische Arbeiten“ überschriebene Sammlung mit 216 durchnumerierten Seiten, die aber nicht vollständig erhalten sind. Es fehlen die Seiten 33-34, 39-44, 69-72, 91-94, 99-106 und 133-140. Die Seiten 77 und 89 wurden in der Numerierung übergangen, die Seiten 118 und 131 zweimal gezählt. Neben dieser Sammlung sind unter der gleichen Signatur noch weitere Übungen, drei- und vierstimmigc Fugen und Kanons, aufgenommen worden.
Die Datierung der Sammlung „Contrapunctische Arbeiten“ kann aufgrund von zwei Abschriften einer Imitationsübung vorgenommen werden, die ebenfalls zu den Detmolder Handschriften Kiels gehört. Diese Imitation steht in der Sammlung auf Seite 114. Die eine Abschrift dieser kontrapunktischen Übung steht auf einem Einzelblatt, das ebenfalls unter der Signatur Mus-a 3 aufgenommen worden ist. Diese Abschrift ist mit „Imitazion in der 6“ überschrieben, in Klammern ist noch hinzugefügt: „Abschrift / aus der Studienzeit 1844“. Die andere Abschrift dieser Imitation ist unter der Signatur Mus-a 40 zu finden. Es handelt sich hier um das mit „Andante“ überschriebene Klavierstück, welches mit Bleistift auf das Jahr 1842 datiert ist. Trotz der unterschiedlichen Datierungen der beiden Abschriften kann festgestellt werden, daß die Sammlung „Contrapunctische Arbeiten“ während Kiels Studienzeit bei Dehn entstanden ist. Ein weiterer Beleg für diese Datierung sind mit Rotstift vorgenommene Korrekturen auf den ersten Seiten der Sammlung, die an einer Stelle mit einem großen „D“ (für Dehn) gezeichnet sind.
Diese Sammlung „Contrapunctische Arbeiten“ beginnt mit dem zweistimmigen Satz, Note gegen Note. Es folgen Übungen im drei- und vierstimmigen Kontrapunkt his hin zu Imitationsübungen und Kanons in der Vergrößerung. Aus der Tatsache, daß die Übungen beim Einmaleins des Kontrapunkts beginnen und daß selbst hier sich Korrekturen von Dehn finden, kann man folgern, daß Kiel vor dem Unterricht bei Dehn so gut wie keine kontrapunktischen Kenntnisse besessen hat.

Zu den kontrapunktischen Übungen gehört auch die unter der Signatur Mus-a 5 aufgenommene Handschrift, die neben einer kontrapunktischen Arbeit noch den Entwurf zu einer mit „Galopp“ überschriebenen Klavierkomposition sowie Skizzen zu anderen Klavierstücken enthält.

Klavierwerke

1. Drei Sonaten für das Pianoforte (Mus-a 20 / Mus-a 21)

Sowohl als Entwürfe (Mus-a 20) als auch in Reinschrift (Mus-a 21) sind drei Klaviersonaten in E-Dur, A-Dur und fis-Moll erhalten. Alle drei Werke wurden von Kiel 1844 komponiert und in der Reinschrift unter dem Titel „Drei Sonaten für das Pianoforte von Fr. Kiel“ zusammengefaßt. Da Kiel 1844 noch bei Dehn studiert hat, ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Sonaten unter dessen Aufsicht entstanden sind.

Sonate Nr 1 E-Dur
1. Satz – Allegro moderato, 2/4-Takt, 155 Takte
2. Satz – (fehlt)
3. Satz – Finale Prestissimo, 6/8-Takt, 240 Takte

Die „Sonate Nr. 1“ ist in dem Entwurf wie in der Reinschrift nur unvollständig erhalten. Es fehlt in beiden Handschriften der zweite Satz. Von den durchnumerierten Seiten der Reinschrift fehlen die Seiten 7 und 8, auf denen vermutlich der zweite Satz gestanden hat. Bis auf zwei Takte im ersten Satz der älteren Handschrift (ein Stück ist von der entsprechenden Seite abgerissen) liegen der erste und der dritte Satz in beiden Manuskripten vollständig vor. Auf der Rückseite des letzten Blattes der älteren Handschrift steht noch eine unvollständige kontrapunktische Übung, ein „Canon“, die mit der Sonate nicht in Zusammenhang steht.

Die Datierungen der Sonate zeigen geringfügige Abweichungen. Während der Entwurf bei beiden Sätzen jeweils mit dem Datum „28. November 1844“ versehen ist, hat Kiel in der Reinschrift am Ende der Sonate das Datum „22. November 1844“ angegeben.

Die Satzbezeichnungen des ersten Satzes stimmen in beiden Handschriften überein. Der dritte Satz ist dagegen im Entwurf mit „Prestissimo“, aber in der Reinschrift mit „Finale Prestissimo“ überschrieben. In bezug auf den Notentext weisen beide Handschriften keine Unterschiede auf. In der älteren Handschrift des dritten Satzes sind einigen Motiven zum Teil mit Rotstift Instrumente (Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Violine, Violoncello) zugeordnet. Vielleicht hat Kiel mit dem Gedanken gespielt, diesen Satz zu instrumentieren.

Leichte Sonate für Pianoforte Nr. 2 A-Dur
1. Satz – Allegro moderato, 4/4-Takt, 149 Takte
2. Satz – Intermezzo Allegro molto, 3/4-Takt, 78 Takte
3. Satz – Andante con moto, 2/4-Takt, 136 Takte
4. Satz – Presto, 6/8-Takt, 406 Takte

Die zweite Klaviersonate ist von Kiel mit „Leichte Sonate für das Pianoforte Nr. 2“ überschrieben. Datiert ist die Sonate in beiden Handschriften auf den 3. Dezember 1844. Der erste und der vierte Satz sind in beiden Manuskripten vollständig erhalten. Während in der älteren Handschrift von dem zweiten Satz die letzten fünfzehn Takte fehlen und vom dritten nur die letzten vierzig Takte erhalten sind, liegen diese beiden Sätze in der Reinschrift vollständig vor.
Der erste Satz weist in der Reinschrift gegenüber dem Entwurf einen wichtigen Unterschied im Notentext auf: Die Exposition dieses Satzes hat Kiel in der Reinschrift um einen Takt erweitert. Durch die vollständige Wiederholung des Motivs von Takt 53 in Takt 54 ergibt sich gegenüber dem Entwurf von Takt 54 bis 61 eine Verschiebung der folgenden Motive von der dritten auf die erste Zählzeit. Aufgrund der Verlängerung einer halben Note zu einer ganzen Note in Takt 60 entsteht von Takt 54 bis 61, dem Ende der Exposition, ein Takt mehr. Dadurch stimmen Exposition und Reprise in der Reinschrift in bezug auf diesen Abschnitt überein, was im Entwurf nicht der Fall ist.

Der zweite Satz trägt in beiden Handschriften unterschiedliche Satzbezeichnungen. Der Entwurf dieses Satzes ist mit „Presto“ überschrieben, während die Satzbezeichnung in der Reinschrift „Intermezzo Allegro molto“ lautet.

Sonate für Pianoforte Nr. 3 fis-Moll
1. Satz – Allegro, 3/4-Takt, 403 Takte
2. Satz – Adagio, 3/4-Takt, 106 Takte
3. Satz – Allegro molto, ¢-Takt, 221 Takte

Die als „Sonate für Pianoforte Nr. 3“ bezeichnete Klaviersonate liegt nur in der Reinschrift vollständig vor. In dem Entwurf fehlen im ersten Satz die Takte 20 und 21 sowie der gesamte zweite Satz. In beiden Handschriften ist die Sonate von Kiel auf den 23. Dezember 1844 datiert. Auf der letzten Seite der älteren Handschrift befinden sich noch Skizzen für Klavierkompositionen, die mit der Sonate nicht in Verbindung stehen.

Der erste Satz weist in bezug auf den Notentext im Vergleich zwischen Entwurf und Reinschrift vor allem zwei Unterschiede auf: Von Takt 132 bis 135 wurde in der Reinschrift eine Klammer eingefügt, die in der älteren Handschrift noch nicht vorhanden war, so daß dort beide Wiederholungen übereinstimmen. Von Takt 163 bis 218 verläuft in beiden Handschriften ein kontrapunktisch gearbeiteter Teil mit imitatorischem Stimmeneinsatz am Anfang. Der Teil ist in dem Entwurf von Kiel durchgestrichen worden; für die Reinschrift hat er diesen Teil mit verändertem thematischen Material neukomponiert.

Im Vergleich zwischen Entwurf und Reinschrift der drei Sonaten läßt sich feststellen, daß Kiel in der Reinschrift oft noch dynamische Angaben und Phrasierungszeichen hinzufügt. Darüber hinaus nimmt er aber auch Änderungen wie Taktverschiebungen (2. Sonate, 1. Satz), Einfügung einer zusätzlichen Klammer (3. Sonate, 1. Satz) und Neukomposition eines ganzen Teilsatzes (3. Sonate, 1. Satz) vor. Aufgrund der genannten Korrekturen kann man über Kiels Arbeitsweise zu dieser Zeit sagen, daß er bis zur endgültigen Fertigstellung der Komposition eine kritische Distanz zu seinem Werk bewahrte und daher bis zum Schluß Ergänzungen und Änderungen vornahm.

Nach dem Verzeichnis der unveröffentlichten Werke Kiels in der Dissertation von Erich Reinecke hat Kiel vor diesen drei Klaviersonaten bereits vier Sonaten für Klavier in den Jahren 1841 und 1842 komponiert.(Fn. 2)  Aus dem Verzeichnis mit veröffentlichten Kompositionen Kiels von Wilhelm Altmann, das Reinecke in seine Dissertation übernommen hat, geht hervor, daß Kiel nach der „Sonate für das Pianoforte Nr. 3“ nur noch zwei Klavierkompositionen verfaßt hat, die 1865 als op. 35 im Druck erschienen sind.(Fn. 3)  Trotz einer sehr intensiven Beschäftigung mit der Komposition von Klaviersonaten in den Jahren 1841 bis 1844 kam es in der Folgezeit nicht zu einer kontinuierlich fortlaufenden Auseinandersetzung Kiels mit dieser.

Fn. 2: Erich Reinecke: Friedrich Kiel, Nachdruck der Dissertation von 1936, Hagen 1976 (Beiträge zur westfälischen Musikgeschichte, Heft 12), S. 86 ff.
Fn. 3: A.a.O., S. 77 ff.

2. Walzer für Klavier (Mus-a 16 bis Mus-a 18 / Mus-a 40)

Walzer G- bzw Ges-Dur
a) Entwurf (Mus-a 16)
b) Reinschrift (Mus-a 17)

Beide Handschriften sind weder von Kiel gezeichnet noch datiert worden. In dem Entwurf hat Kiel die drei letzten Takte gestrichen und durch einen längeren Schluß ersetzt, von dem er allerdings zwei Fassungen entworfen hat, die er nebeneinander stehenließ. Für die Reinschrift verwendete Kiel die etwas geänderte zweite Schlußfassung. In der Reinschrift ist der Walzer mit „Walzer Nr. 6“ überschrieben, wobei „Nr. 6“ allerdings nachträglich durchgestrichen ist. Außerdem steht auf der ersten Seite dieser Handschrift mit Bleistift die Anmerkung „statt Nr. 5 Es-Dur“. Beide Numerierungen deuten darauf hin, daß Kiel diesen Walzer für einen Zyklus vorgesehen hatte. Während im Entwurf eine Tempobezeichnung fehlt, lautet sie in der Reinschrift „Allegretto grazioso ♩=120“. Darüber hinaus hat Kiel den Walzer, der im Entwurf in der Tonart G-Dur steht, in der Reinschrift nach Ges-Dur transponiert, vielleicht, um ihn so besser in den Tonartenplan des vorgesehenen Zyklus integrieren zu können.

Walzer G-Dur
a) Entwurf (Mus-a 18)
b) Reinschrift (Mus-a 17)

Auch diese beiden Handschriften sind von Kiel nicht gezeichnet. Eine – wenn auch unvollständige – Datierung „1. Oktober“ (ohne Jahresangabe) liegt nur in der Reinschrift vor. Die Tempobezeichnung in dieser Handschrift lautet „Ziemlich langsam ♩=96“, während beim Entwurf eine Tempoangabe fehlt.

Walzer B-Dur (Mus-a 40)

Die Reinschrift dieses Walzers ist mit Bleistift auf das Jahr 1837 datiert. Sollte diese Datierung zutreffen, was durch den schlichten Klaviersatz unterstrichen wird, so handelt es sich bei dieser Komposition um ein Werk des erst sechzehnjährigen Kiel. Entstanden ist die hier vorliegende Reinschrift allerdings erst in Berlin, denn die Handschrift enthält neben dem Walzer noch zwei weitere Klavierkompositionen, von denen das im Zusammenhang mit den kontrapunktischen Arbeiten bereits erwähnte mit „Andante“ überschriebene Klavierstück auf das Jahr 1842 datiert ist.

3. Variationen für Klavier (Mus-a 3 / Mus-a 4 / Mus-a 27)

Variationen über ein sechzehntaktiges Thema A-Dur (Mus-a 3)

Fälschlicherweise zu den kontrapunktischen Arbeiten wurde ein Entwurf von sieben Variationen über ein sechzehntaktiges „Tema“ in A-Dur, 3/4-Takt, aufgenommen. Das Manuskript enthält noch viele Korrekturen.

Variationen über „Was kommt dort von der Höh“ (Mus-a 4)

Der ungezeichnete und undatierte Entwurf enthält Variationen für Klavier über das zehntaktige Thema „Was kommt dort von der Höh“ in C-Dur, ₵-Takt. Die Variationen I bis IV sind vollständig ausgearbeitet, während die fünfte Variation ebenso wie die abschließende Wiederholung des Themas nur skizziert vorliegen. Eine Bearbeitung dieser Variation für Klavier zu vier Händen befindet sich in der Handschrift Mus-a 19.

Variationen über ein „Andantino“-Thema in A-Dur (Mus-a 27)

Bei der Handschrift mit sechs Variationen über ein 24taktiges „Andantino“-Thema in A-Dur, 2/4-Takt, handelt es sich um eine ungezeichnete und undatierte Reinschrift, bei der nachträglich mit Bleistift Korrekturen vorgenommen wurden.

4. Zyklus für Klavier (Mus-a 11 / Mus-a 12)

a) Entwurf (Mus-a 11)
1. Des-Dur, 4/4-Takt
2. Modulation, „Allegro“, von Des- nach Es-Dur, 4/4-Takt
3. „Nr. 3“, „Adagio“, Es-Dur, 4/4-Takt
4. Modulation, von Es- nach E-Dur, 4/4-Takt
5. „Nr. 4“, „Praeludio, Bruchstück“, e-Moll, 3/4-Takt

b) Reinschrift (Mus-a 12)
1. „Nr. 3“. Es-Dur, 3/4-Takt
2. „Modulation – Poco Allegro“, von Es- nach E-Dur, 4/4-Takt
3. „Nr. 4, Praeludio“, „Moderato“, e-Moll, 3/4-Takt
4. „Modulation“, „Allegro“, 3/4-Takt

Beide Handschriften sind weder gezeichnet noch datiert und nur unvollständig erhalten. Das erste Stück des Zyklus sowie die darauffolgende Überleitung fehlen in beiden Manuskripten. Die einzelnen Klavierstücke sind jeweils durch abgesetzte Überleitungen miteinander verbunden, in denen von der Tonart des vorangehenden zur Tonart oder Paralleltonart des folgenden Stückes moduliert wird.

Die vier Seiten der Handschrift Mus-a 11 sind mit Bleistift als „Klavierstücke Entwürfe Bruchstück“ bezeichnet und von 1 bis 4 durchnumeriert worden. Vom ersten erhaltenen Stück in diesem Manuskript fehlt der Anfang, während die folgende Modulation und das nächste Stück, „Nr. 3“, vollständig erhalten sind. Auch die dann folgende Überleitung liegt vollständig vor. Sie trägt hier allerdings keine Tempobezeichnung. Von dem Klavierstück „Nr. 4“, das mit Bleistift als „Praeludio, Bruchstück“ bezeichnet ist, sind in dieser Handschrift nur die ersten zwanzig Takte erhalten.

Ebenfalls aus vier Seiten, die hier von 7 bis 10 durchnumeriert sind, besteht die Handschrift Mus-a 12. Dieses Manuskript enthält zunächst die sieben Schlußtakte des Klavierstückes „Nr. 3“. Die folgende Überleitung ist nun mit „Modulation – Poco Allegro“ überschrieben. Das Stück „Nr. 4, Praeludio“ liegt in dieser Handschrift vollständig vor. Die ersten achtzehn Takte stimmen mit den entsprechenden Takten aus Mus-a 11 überein. Danach wird das Praeludio allerdings anders weitergeführt. Von der darauffolgenden Überleitung, die nur in dieser Handschrift vorhanden ist, sind nur die ersten vier Takte erhalten.
In beiden Handschriften finden sich mit Bleistift vorgenommene Korrekturen Kiels, die auf eine spätere Durchsicht schließen lassen. Darauf weist auch die mit Bleistift geschriebene Anmerkung in Mus-a 12 „Kleine vierhändige Klavierstücke von Friedrich Kiel op. 57“ hin. Für sein op. 57 hat Kiel die „Modulation – Poco Allegro“ für Klavier zu vier Händen bearbeitet  und dort zwischen das zweite und dritte Stück als Überleitung gestellt. Die Tempobezeichnung lautet in op. 57 „Andante“.

5. Verschiedene Kompositionen für Klavier

a) Drei Klavierstücke in Des-, A- und E-Dur (Mus-a 6)
„Nr. 1“ – „Ziemlich rasch und behend“, Des-Dur, ¾-Takt
„Nr. 2“ – „Mit sinnigem, ruhigem Vortrage“, A-Dur, 2/4-Takt
„Nr. 3“ – „Ruhig, doch nicht zu langsam“, E-Dur, 6/8-Takt

Bei der ungezeichneten und undatierten Handschrift mit den von 1 bis 3 durchnumerierten Klavierstücken handelt es sich um eine Reinschrift. In „Nr. 2“, das ursprünglich die Form AABA hatte, hat Kiel den B-Teil im 3/8-Takt sowie die darauffolgende Wiederholung des A-Teils mit Bleistift gestrichen. Über dem Stück steht außerdem die Anmerkung „cf op. 18 Nr. 9 (Lied D-Dur)“. Ein Vergleich des Stückes „Nr. 2“ mit dem Lied aus op. 18 läßt jedoch keinen Zusammenhang zwischen beiden Kompositionen erkennen. Von dem zunächst vollendeten Klavierstück „Nr. 3“ hat Kiel die letzten achtzehn Takte gestrichen, ohne sie durch andere zu ersetzen.

b) Klavierstück „In mäßiger Bewegung“, B-/H-Dur, 6/4-Takt (Mus-a 7 und Mus-a 8)
1. Entwurf (Mus-a 8)
2. Reinschrift (Mus-a 7)

Sowohl der Entwurf als auch die Reinschrift sind weder gezeichnet noch datiert. In der Reinschrift, die keine Tempobezeichnung trägt, hat Kiel das im Entwurf in B-Dur stehende Stück nach H-Dur transponiert, ohne daß daraus weitere Änderungen im Notentext resultierten. Die Handschrift Mus-a 8 enthält neben dem Klavierstück noch zwei Entwürfe zu einer zehntaktigen „Introduzion“ für Klavier in B-Dur, 2/4-Takt.

c) „Klavierstück E-Dur“, 4/4-Takt (Mus-a 9)

Der mit Bleistift als „Klavierstück E-Dur“ überschriebene fünfzehntaktige Entwurf ist weder von Kiel gezeichnet noch datiert.

d) Zwei Klavierstücke fis-Moll, ¾-Takt, und G-Dur, 2/4-Takt (Mus-a 10)

Die ungezeichnete und undatierte Handschrift enthält den Entwurf eines dreizehntaktigen Klavierstückes, das die Tempobezeichnung „Andante con moto“ trägt und tonartlich in fis-Moll beginnt und in Cis-Dur endet. Bei dem anderen Stück dieser Handschrift handelt es sich um einen neuntaktigen Entwurf in G-Dur, bei dem sowohl die Tempobezeichnung als auch die Taktvorzeichnung (2/4-Takt) fehlen. Außerdem findet sich in diesem Manuskript noch ein skizzierter, dreitaktiger Baßlauf.

e) „Menuett“ e-Moll, ¾-Takt, „Bagatelle“ fis-Moll, ¾-Takt (Mus-a 13)

Den Entwurf zu einem mit „Tempo di Menuett“ überschriebenen Klavierstück sowie drei weitere Entwürfe und eine Skizze enthält diese ungezeichnete und undatierte Handschrift. Auf derselben Seite wie das Menuett stehen noch zwei weitere Entwürfe, von denen der eine mit dem B-Teil des Menuetts in Verbindung steht. Es handelt sich hier um einen alternativen Entwurf zu den letzten acht Takten des B-Teils. Der andere Entwurf auf dieser Seite weist ebenso wie der mit „Bagatelle“ überschriebene, unvollendet gebliebene Entwurf und die Skizze zu einem weiteren Klavierstück, die beide auf der Rückseite des Blattes stehen, keinerlei Verbindung zu dem Menuett auf.

f) Klavierstück „Allegro“, A-Dur ¾-Takt (Mus-a 26)

Diese von Kiel weder gezeichnete noch datierte Reinschrift enthält neben dem Klavierstück in A-Dur noch zweiundzwanzig Schlußtakte einer Komposition für Klavier in C-Dur, ¾-Takt.

g) „Etude“, „Allegro“, C-Dur, 4/4-Takt (Mus-a 29)

Die Reinschrift dieser „Etude“, in der es um Tonleiterübungen für rechte und linke Hand geht, ist zwar von Kiel gezeichnet, aber nicht datiert.

h) „Marsch“, Es-Dur, ₵-Takt (Mus-a 32)

Die mit Bleistift gezeichnete, aber nicht datierte Reinschrift ist von Kiel ebenfalls mit Bleistift mit „Marsch“ überschrieben worden. Die über dem Stück stehende römische Zahl (III) deutet darauf hin, daß der „Marsch“ für einen Klavierzyklus komponiert worden ist.

i) „Mazurka“, „Allegro maestoso“ D-Dur, ¾-Takt (Mus-a 33)

Weder gezeichnet noch datiert ist diese Reinschrift einer „Mazurka“. Außerdem enthält das Manuskript noch Skizzen zu anderen Klavierkompositionen.

k) „Polka“, G-Dur, 2/4-Takt (Mus-a 36)

Bei diesem ungezeichneten und undatierten Entwurf einer „Polka“ für Klavier fehlt die Taktangabe (2/4-Takt).

l) Vier Klavierstücke in H-, A-, H- und D-Dur (Mus-a 38)
1. „Cantabile“ – H-Dur, 4/4-Takt
2. „Allegretto“ – A-Dur, 3/4-Takt
3. „Allegretto“ – H-Dur, 3/8-Takt
4. „Allegretto moderato grazioso“ – D-Dur, 3/4-Takt

Die erste und dritte dieser vier vollständig und in Reinschrift vorliegenden Kompositionen sind von Kiel mit Bleistift gezeichnet worden. Am Ende des vierten Stückes steht ebenfalls mit Bleistift die Jahreszahl „1836“. Auf derselben Seite, auf der das dritte Stück endet und das vierte beginnt, findet sich wiederum mit Bleistift die Anmerkung „Der angehende Virtuose Nr. 1 / Allegro moderato grazioso von Friedrich Kiel“, eine Anmerkung, die darauf hinweist, daß Kiel das vierte Klavierstück nachträglich für eine Sammlung von Klavierkompositionen verwendet hat.

m) Drei Klavierstücke in B-, C- und Des-Dur (Mus-a 40)
1. „Walzer“, B-Dur, ¾-Takt
2. „Schottisch“, C-Dur, 2/4-Takt
3. „Andante“, Des-Dur, 6/4-Takt

Zwei frühe Kompositionen Kiels enthält diese ungezeichnete Reinschrift. Der bereits besprochene „Walzer“ stammt aus dem Jahr 1837, das „Schottisch“ von 1835. Das im Zusammenhang mit den kontrapunktischen Arbeiten erwähnte „Andante“ ist auf das Jahr 1842 datiert. Alle Datierungen hat Kiel mit Bleistift vorgenommen. Die drei Kompositionen sind also nicht zur gleichen Zeit entstanden, sondern nachträglich von Kiel zusammengefaßt worden. Von den datierbaren Kompositionen Kiels, die in Detmold aufbewahrt werden, enthält diese Handschrift mit dem „Schottisch“ die älteste.

n) „Flüchtige Gedanken für das Pianoforte“, „Presto scherzando“, G-Dur, 3/8-Takt (Mus-a 41)

Diese mit „Flüchtige Gedanken für das Pianoforte von Friedrich Kiel“ und mit Bleistift als „Vorstudie zur Humoreske op. 59,2“ bezeichnete Reinschrift ist auf den „5ten Juni 1853“ datiert. In der Humoreske op. 59,2 hat Kiel das motivische Material dieser „Vorstudie“ verarbeitet. Die „Flüchtigen Gedanken“ sind ein Beispiel dafür, daß Kiel beim Komponieren auch auf wesentlich früher entstandene Werke zurückgegriffen hat, denn die Humoreske ist erst 1875, also über zwanzig Jahre nach der Komposition der „Flüchtigen Gedanken“, veröffentlicht worden.

o) Klavierstück „Allegretto“, E-Dur, 6/8-Takt (Mus-a 2)

Der ungezeichnete und undatierte Entwurf zu einem achttaktigen Klavierstück in E-Dur sowie weitere, nicht näher bezeichnete Entwürfe und Skizzen zu anderen Klavierstücken sind, wie bereits erwähnt, zusammen mit den Harmonielehreübungen aufgenommen worden.

p) „Galopp“, A-Dur 2/4-Takt (Mus-a 5)

Ebenfalls ungezeichnet und undatiert ist der im Zusammenhang mit den kontrapunktischen Arbeiten bereits erwähnte Entwurf zu einem „Galopp“ für Klavier. Auch dieses Manuskript enthält noch Entwürfe und Skizzen zu weiteren Klavierkompositionen.

6. Kompositionen für Klavier zu vier Händen

a) Klavierstück „Allegro moderato“, a-Moll, 6/4-Takt
1. Entwurf (Mus-a 15)
2. Entwurf (Mus-a 14)

Während der erste Entwurf nach vierzig Takten abbricht, ist der zweite von Kiel vollendet worden. Die ersten vierzig Takte des zweiten Entwurfs stimmen mit den Takten aus dem ersten Entwurf überein. Die Tempobezeichnung „Allegro moderato“ findet sich nur in dem vollendeten Entwurf.

b) Klavierstücke für den Unterrichtsgebrauch (Mus-a 19)

Zwei Handschriften mit vierhändigen Klavierstücken für den Unterrichtsgebrauch sind zusammen unter einer Signatur aufgenommen worden. Die ältere der beiden Handschriften beginnt mit Tonleiterübungen, die Kiel wie folgt überschrieben hat: „Die 24 Dur- und Molltonleitern, theils mit, und ohne Begleitung von Fr. Kiel“. Dann folgen kurze Klavierstücke unter dem Titel „24 vierhändige vom leichten zum schweren fortschreitende Tonstücke in allen Dur- und Molltonleitern für angehende Pianofortespieler von Fr. Kiel.“ Von den 24 geplanten Stücken hat Kiel in dieser Handschrift nur zehn ausgeführt, die von eins bis fünf durchnumeriert sind, während die Stücke sechs bis zehn keine Nummern tragen.

1. Allegretto, C-Dur, 6/8-Takt
2. Allegretto quasi Andante, F-Dur 3/4-Takt
3. Allegretto quasi Allegro, a-Moll, 2/4-Takt
4. Andante con moto, B-Dur, 4/4-Takt
5. Ländler, F-Dur ¾-Takt
(6.) Ständchen von Fr. Kiel, Allegretto con moto, B-Dur, 6/8-Takt
(7.) Volkslied, B-Dur, ₵-Takt
(8.) Aus der Oper: „Wilhelm Tell“ von Rossini, C-Dur, ¾-Takt
(9.) Thema mit Variationen: „Was kommt dort von der Höh“, C-Dur, ₵-Takt
(10.) Lied, Andante, F-Dur, 2/4-Takt

Bei dem neunten Klavierstück (sieben Variationen über „Was kommt dort von der Höh“) handelt es sich um eine Bearbeitung der Klaviervariationen über dasselbe Thema, die unter der Signatur Mus-a 4 aufgenommen sind. Zwei der sieben Variationen in der vierhändigen Fassung hat Kiel neukomponiert; denn die zweihändige Fassung enthält, wie oben erwähnt, nur fünf Variationen.

Während die ältere Handschrift undatiert ist, hat Kiel die jüngere auf den „20. Sept. 1848“ datiert. Sie enthält 26 Klavierstücke in allen Tonarten:

1. Allegretto, C-Dur, 6/8-Takt
2. Allegretto quasi Andante, F-Dur, ¾-Takt
3. Allegro, a-Moll, 2/4-Takt
4. Ländler, G-Dur, ¾-Takt
5. Siciliano, e-Moll, 6/8-Takt
6. Andante con moto, D-Dur, 3/4-Takt
7. Allegretto, g-Moll, 6/8-Takt
8. Deutsche Hymne, Andante, Es-Dur, ¾-Takt
9. Marcia serioso, c-Moll, 4/4-Takt
10. Adagio con divozione, B-Dur, 2/4-Takt
11. Geschwind-Marsch, d-Moll, 4/4-Takt
12. Allegro quasi Valse, A-Dur, 6/8-Takt
13. Romanze, Andante con moto, fis-Moll, 4/4-Takt
14. Mazurek, h-Moll, ¾-Takt
15. Allegro, E-Dur, 2/4-Takt
16. Andante, cis-Moll, 2/4-Takt
17. Moderato, H-Dur, 2/4-Takt
18. Tempo di Minuetto, gis-Moll, 3/4-Takt
19. Andante con moto, As-Dur, 4/4-Takt
20. Andante, f-Moll, 2/4-Takt
21. Ständchen, Allegretto, Des-Dur, 6/8-Takt
22. Largo un poco, es-Moll, 2/4-Takt
23. Andante con moto, Fis-Dur, ¾-Takt
24. Grave, b-Moll, 2/4-Takt
25. Andante tranquillo, F-Dur, 2/4-Takt 26. Praeludium und Choral, Wacht auf, ruft uns die Stimme! (Melodie von Praetorius), C-Dur, 4/4-Takt

Bei den Stücken mit den Nummern 1, 2, 3, 4, 19 und 21 handelt es sich um Übernahmen aus der älteren Handschrift. Sie entsprechen dort den Nummern 1, 2, 3, 5, 4 und dem nicht numerierten „Ständchen“. Bei der Übernahme sind die Stücke 4, 19 und 21 transponiert worden.

Kadenzen für zwei Klavierkonzerte

1. Kadenz zum 2. Klavierkonzert B-Dur op. 19, 1. Satz Allegro con brio, von Ludwig van Beethoven (Mus-a 22)
2. Kadenz zum Klavierkonzert A-Dur KV 488, 1. Satz Allegro, von Wolfgang Amadeus Mozart (Mus-a 23)

Beide Handschriften sind weder von Kiel gezeichnet noch datiert worden. Die Kadenz zum Klavierkonzert von Beethoven ist mit „Cadenza“ und „II. Conc. von Beeth.“ (mit Bleistift) überschrieben. Beide Kadenzen stellen an den Pianisten keine besonders hohen Anforderungen, so daß sie über Kiels Fähigkeiten als Pianist wahrscheinlich nur unzureichend Aufschluß geben, denn nach Reinecke wurden „neben seinen (Kiels) kompositorischen Fähigkeiten immer wieder auch seine Leistungen als Pianist gelobt“.(Fn. 4)

Fn. 4: A.a.O., S. 2.

Kompositionen für Soloinstrumente mit Klavierbegleitung

1. „Lento“ für Violine und Klavier D-Dur, 6/8-Takt (Mus-a 31)

Es handelt sich um eine Reinschrift dieser einsätzigen Komposition, die weder gezeichnet noch datiert ist.

2. „Polonaise“ für Horn und Klavier, C-Dur, ¾-Takt (Mus-a 2)

Zusammen mit den Harmonielehreübungen ist ein vierzigtaktiger, unvollständiger Entwurf einer Polonaise für „Corni (sic) in C“ und Klavier aufgenommen worden, der nicht gezeichnet und auch nicht datiert ist.

3. Skizze zu einer Komposition für Soloinstrument und Klavier (Mus-a 15)

Bei dieser Skizze ist vor allem die Solostimme schon weit entwickelt, während der Klavierpart nur an wenigen Stellen angedeutet ist. Um welches Soloinstrument es sich handelt, ist nicht angegeben.

4. „Adagio“ von W A. „Mozart“ für Violine und Klavier, B-Dur, ¾-Takt (Mus-a 24)

Dieses „Adagio“ ist eine Bearbeitung des zweiten Satzes, Adagio, der Sonate B-Dur für Klavier zu vier Händen KV 358 (1860) von Wolfgang Amadeus Mozart für Violine und Klavier. Aus der ungezeichneten und undatierten Handschrift läßt sich nicht ersehen, ob Kiel diese Bearbeitung selber vorgenommen hat, oder ob es sich um eine Abschrift handelt.

Lieder mit Klavierbegleitung

1. „Abendlied eines Einsiedlers“ (Jakobi), Es-Dur, 2/4-Takt (Mus-a 25)

Die ungezeichnete und undatierte Reinschrift enthält die Klavierstimme. Der Text der ersten Strophe steht unter dem oberen Notensystem, so daß die Singstimme der Oberstimme des Klavierparts entspricht. Die zweite und dritte Strophe sind getrennt vom Notentext aufgeschrieben. Auf der Rückseite dieser Handschrift stehen noch die letzten zwei Takte einer weiteren Liedkomposition in Es-Dur, 6/8-Takt, und der Text der Strophen zwei bis vier.

2. „Still ist die Nacht“ (Rau), Sehr langsam, H-Dur, 12/8-Takt (Mus-a 30)

Die von Kiel gezeichnete Reinschrift ist mit dem allerdings durchgestrichenen Datum „8t Septbr. 1844“ versehen. Die Komposition ist mit „Nr. 2 Gedicht von Rau“ überschrieben. Aus der Numerierung des Liedes und aus der Seitenzählung kann man folgern, daß dieses Lied zu einer Liedersammlung gehört.

3. „Mädchenlied“ (Heyse), Ziemlich langsam, immer leise, d-Moll, 3/4-Takt (Mus-a 42)

Diese nicht von Kiel gezeichnete Reinschrift ist wie folgt datiert worden: „Frauenchiemsee Juli 77“. Hier handelt es sich also um die jüngste der in Detmold aufbewahrten Handschriften.

Verschiedene Vokalkompositionen

1. „Meine Seele erhebet den Herrn“ für Sopran-, Tenor-Solo und Klavier Es-Dur, 4/4-Takt (Mus-a 34)

Die weder gezeichnete noch datierte Handschrift enthält neben dem Entwurf der Vertonung des ersten Verses „Meine Seele erhebet den Herrn“ aus dem deutschen Magnificat noch nicht näher bezeichnete Skizzen, die aber mit der Magnificat-Komposition nicht in Verbindung stehen.

2. „Soprano I“ aus Kiels „Stabat mater“ op. 25 (Mus-a 37)

Die Stimme des „Soprano I“ aus dem „Stabat mater“ op. 25 enthält diese von Kiel gezeichnete, aber nicht datierte Handschrift, die wahrscheinlich für Aufführungen angefertigt worden ist, denn auf der letzten Seite steht eine mit Bleistift geschriebene Aufstellungsskizze.

Kompositionen für Orchester

Unter den in Detmold aufbewahrten Handschriften befinden sich zwei Kompositionen für Orchester: eine Ouvertüre für Orchester und eine Fantasie für Klavier und Orchester.

1. Ouvertüre c-Moll (Mus-a 35)

Die unvollständige Partitur der „Ouverture pour orchestre, composee par …“ (der Name fehlt, weil ein Stück von der Seite abgerissen ist) enthält die von 1 bis 32 durchnumerierten Seiten. Kiel hat mit einem blauen Stift Korrekturen, Streichungen der gesamten Einleitung und einzelner Taktgruppen im weiteren Verlauf der Komposition, vorgenommen und mit demselben Stift quer über die erste Seite die Jahreszahl „1836“ und mit großen Buchstaben das Wort „Quatsch“ geschrieben, das sich vermutlich vor allem auf die Einleitung bezieht. Die Tempobezeichnungen der einzelnen Teile lauten: Adagio maestoso [Viertel] = 60 (Takt 1 bis 30), Allegro [Halbe] = 96 (Takt 31 bis 356) und Presto [Zwei Halbe] = 108 (Takt 357 bis 374). Die Ouverture hat folgende Orchesterbesetzung: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten in B, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Clarintrompeten, Pauke, Streichquintett.

2. Fantasie für Klavier und Orchester, f-Moll (Mus-a 39)

Bei dieser Handschrift handelt es sich um die Partitur der dem König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., gewidmeten Fantasie. Überschrieben ist die Komposition mit „Fantaisie par Fr. Kiel op. (?)“ und mit Bleistift auf „den 7ten Oktob. 184(?)“ datiert. Das Werk ist entweder 1840 oder 1841 in Berleburg komponiert worden.

Die letzte Partiturseite ist nur unvollständig erhalten. Es fehlen sechzehn Takte, die aber mit Hilfe der Einzelstimmen dieser Fantasie, die in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin aufbewahrt werden, rekonstruiert werden können. Das Orchester ist identisch besetzt wie bei der Ouvertüre.

Die drei Sätze der Fantasie tragen folgende Bezeichnungen:

1. Satz – Adagio maestoso ♩ = 63; „Tema” – Allegretto ♩ = 112 Variation I – Lento ♩ = 112: Variation II – Piu mosso e con fuoco ♩ = 126
2. Satz – Adagio con espressivo ♩ = 60
3. Satz – Finale, Allegro vivace ♩ = 152.

Handschriftenliste

(nach Signaturen)

  1. Mus-a 1
    Studien nach Marx
    Skizzen und Entwürfe zu Klavierstücken, Vokal- und Orchesterwerken
    22 Bl., 44 S. [hier und im Folgenden: beschriebene Seiten], Format: 17,5 x 21,5 cm
  2. Mus-a 2
    Harmonielehreübungen
    Polonaise für Horn und Klavier C-Dur
    Klavierstück, Allegretto, E-Dur
    39 Bl. , verschiedene Formate
  3. Mus-a 3
    Kontrapunktische Arbeiten
    Klaviervariationen über ein Thema in A-Dur
    165 Bl., verschiedene Formate
  4. Mus-a 4
    Klaviervariationen über „Was kommt dort von der Höh“
    2 Bl., 2 S., Format: 20 x 25 cm
  5. Mus-a 5
    Kontrapunktische Übung „An den Herrn“
    Klavierstück, Galopp A-Dur
    2 Bl., 2 S., Format: 34,5 x 30 cm
  6. Mus-a 6
    Klavierstücke:
    1. Ziemlich rasch und behend, Des-Dur
    2. Mit sinnigem, ruhigem Vortrage, A-Dur
    3. Ruhig, doch nicht zu langsam, E-Dur
    5 Bl., 10 S., Format: 27 x 22,5 cm
  7. Mus-a 7
    Klavierstück H-Dur
    (Reinschrift von Mus-a 8)
    2 Bl., 4 S., Format: 34 x 27 cm
  8. Mus-a 8
    Klavierstück, In mäßiger Bewegung, B-Dur
    (Entwurf von Mus-a 7)
    2 Bl.,4 S., Format: 27 x 34 cm 
  9. Mus-a 9
    Klavierstück E-Dur
    1 Bl., 1 S., Format: 34 x 27 cm
  10. Mus-a 10
    Klavierstücke:
    1. Andante con moto, Cis-Dur
    2. G-Dur
    1 Bl., 2 S., Format: 34 x 26,5 cm 
  11. Mus-a 11
    Klavierzyklus (Entwürfe)
    1. Des-Dur
    2. Modulation
    3. „Nr. 3“ Adagio, Es-Dur
    4. Modulation
    5. „Nr. 4 “, Praeludio, e-Moll
    2 Bl., 4 S., Format: 34 x 26,5 cm
  12. Mus-a 12
     Klavierzyklus (Reinschrift)
    1. „Nr. 3“ Es-Dur
    2. Modulation
    3. „Nr. 4“, Praeludio, e-Moll
    4. Modulation
    2 Bl., 4 S., Format: 34 x 27 cm
  13. Mus-a 13
    Klavierstücke
    1. Tempo di Menuett, e-Moll
    2. Bagatelle, fis-Moll
    1Bl., 2 S., Format: 33,5 x 27 cm
  14. Mus-a 14
    Klavierstück für vier Hände, Allegro moderato, a-Moll
    (2. Entwurf)
    6 Bl., 10 S., Format: 26 x 33 cm
  15. Mus-a 15
    Klavierstücke für vier Hände a-Moll
    (1. Entwurf)
    2 Bl., 4 S., Format: 26,5 x 33,5 cm
  16. Mus-a 16
    Klavierstücke
    1. Walzer G-Dur (Entwurf von Walzer Ges-Dur, Mus-a 17)
    2. Es-Dur
    2 Bl., 4 S., Format: 34 x 27 cm
  17. Mus-a 17
    Klavierstücke
    1. Walzer, Allegretto grazioso, Ges-Dur (Reinschrift)
    2. Walzer, Ziemlich langsam, G-Dur (Reinschrift von Mus-a 18)
    2 B1. , 4 S., Format: 34 x 27 cm
  18. Mus-a 18
    Klavierwalzer G-Dur
    (Entwurf)
    1Bl., 2 S., Format 34 x 27 cm
  19. Mus-a 19
    Klavierstücke für vier Hände
    1. Tonleiterübungen, 10 Klavierstücke (Entwurf)
    18 Bl., Format: 26,5 x 22 cm
    2. 26 Klavierstücke (Reinschrift)
    27 Bl., Format: 26 x 22 cm
  20. Mus-a 20
    Klaviersonaten E-Dur, A-Dur und fis-Moll
    (Entwürfe)
    21 Bl., 42 S., Format: 34,5 x 27 cm
  21. Mus-a 21
    Klaviersonaten E-Dur, A-Dur und fis-Moll
    (Reinschrift)
    26 Bl., 50 S., Format: 34 x 26,5 cm
  22. Mus-a 22
    Kadenz zum 2. Klavierkonzert B-Dur op. 19 von L. v Beethoven
    2 Bl., 3 S., Format: 33 x 25 cm
  23. Mus-a 23
    Kadenz zum Klavierkonzert A-Dur KV 488 von W A. Mozart
    2 Bl., 3 S., Format: 34,5 x 27,5 cm
  24. Mus-a 24
    Bearbeitung des 2. Satzes der Sonate B-Dur für Klavier zu vier Händen KV 358 (186c) von W. A. Mozart für Violine und Klavier
    2 B1., 4 S., Format: 27 x 34 cm
  25. Mus-a 25
    Klavierlied „Abendlied eines Einsiedlers “ (Jakobi) Es-Dur
    1Bl., 2 S., Format: 28 x 20 cm
  26. Mus-a 26
    Klavierstücke
    1. Allegro, A-Dur
    2. C-Dur
    2 Bl., 4 S., Format: 27 x 17 cm
  27. Mus-a 27
    Klaviervariationen über ein Andantino-Thema in A-Dur
    3 Bl., 5 S., Format: 33,5 x 25 cm
  28. Mus-a 28
    Klavierstück Capriccietto D-Dur
    2 Bl., 3 S., Format: 34 x 27 cm
  29. Mus-a 29
    Etude für Klavier C-Dur 
    1 Bl., 2 S., Format: 31 x 24,5 cm
  30. Mus-a 30
    Klavierlied „Still ist die Nacht “ (Rau) H-Dur
    1 Bl., 1 S., Format: 33,5 x 27 cm
  31. Mus-a 31
    Lento für Violine und Klavier D-Dur
    4 Bl., 8 S., Format: 27 x 34 cm
  32. [Mus-a 32
    „Marsch“, Es-Dur]
  33. Mus-a 33
    Klavierstück Mazurka, Allegro maestoso, D-Dur
    2 Bl., 2 S., Format: 30 x 25,5 cm
  34. Mus-a 34
    „Meine Seele erhebet den Herrn“ für Sopran-, Tenor-Solo und Klavier Es-Dur
    2 Bl., 3 S., Format: 33,5 x 27 cm
  35. Mus-a 35
    Ouvertüre für Orchester e-Moll
    16 Bl., 32 S., Format: 40 x 24,5 cm
  36. Mus-a 36
    Klavierstück Polka G-Dur
    1 Bl., 1 S., Format: 27 x 25 cm
  37. Mus-a 37
    „Soprano I“ aus: Stabat mater op. 25
    2 Bl., 4 S., Format: 27 x 34 cm
  38. Mus-a 38
    Klavierstücke
    1. Cantabile, H-Dur
    2. Allegretto, A-Dur
    3. Allegretto, H-Dur
    4. Allegro moderato grazioso, D-Dur
    3 Bl., 6 S., Format: 35 x 26 cm
  39. Mus-a 39
    Fantasie für Klavier und Orchester f-Moll
    25 Bl., 50 S., Format: 48,5 x 28,5 cm
  40. Mus-a 40
    Klavierstücke:
    1. Walzer, B-Dur
    2. Schottisch, C-Dur
    3. Andante, Des-Dur
    2 Bl., 4 S., Format: 35 x 27,5 cm
  41. Mus-a 41
    Klavierstück „Flüchtige Gedanken“ G-Dur
    2 Bl., 2 S., Format: 34 x 27,5 cm
  42. Mus-a 42
    Klavierlied „Mädchenlied“ (Heyse) d-Moll 
    1 Bl., 2 S., Format: 34,5 x 27,5 cm
  43. Mus-a 42b
    Photo des Originaltitelblattes von Kiels Christus-Oratorium op. 60
    Format: 16 x 21,5 cm