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Die Theatersammlung in der Musikabteilung der Lippischen Landesbibliothek

von Dorothee Melchert

Druckfassung in: Heimatland Lippe 80 (1987) H. 9, S. 291-298.

1. Die Theaterakten

Mit der Übernahme der großen Sammlung von Aufführungsmaterialien sowohl des ehemaligen Detmolder Hoftheaters als auch der Hofkapelle durch die Lippische Landesbibliothek gingen eine Reihe von Theateraktenbänden, Rollenheften und Theaterzetteln in den Besitz der Bibliothek über.

Bei den Aktenbänden handelt es sich um sehr verschiedenartige Materialien, z. B. um Rechnungsbücher über Ausgaben und Einnahmen, um Pakete von Rechnungsbelegen, um Regiebücher, Rollen- und Austeilungsbücher. Auch die Gagenbücher der Jahre 1826 bis 1832, in denen die einzelnen Theatermitglieder ihre Wochengage eigenhändig quittierten, sind jahrgangsweise gebündelt erhalten. Aus den Jahren 1836 bis 1843 existieren Listen der damaligen Abonnenten. Auch gibt es Inventarverzeichnisse der vorhandenen Garderoben und Requisiten, anhand derer man die Ausstattungsmöglichkeiten der damaligen Zeit studieren könnte. Überhaupt wird jeder, der sich mit der Detmolder Bühnengeschichte befaßt, sei es aus aufführungspraktischer oder auch soziologischer Sicht, diese Akten als wichtige Quelle heranziehen müssen.

Hans Georg Peters hat für sein Standardwerk über das Detmolder Theater (Vom Hoftheater zum Landestheater. Detmold 1972) diese Akten durchgearbeitet. lm Anhang des Werks, dem Verzeichnis der ungedruckten Quellen, beschreibt Peters die hier benutzten Materialien näher.

Hochinteressant ist in diesem Zusammenhang auch eine Arbeit des Kleistforschers Helmut Sembdner über „Das Detmolder Käthchen von Heilbronn“ (Heidelberg 1981), der ein vor Jahrzehnten auf einem Münchner Trödelmarkt erworbenes Soufflierbuch des „Fürstl. Lipp. Hoftheaters“ zugrunde liegt. Anhand des in Detmold wie auch immer abhanden gekommenen Soufflierbuchs und mit Hilfe unserer Rollenhefte und Theaterakten rekonstruierte Sembdner eine bisher unbekannte Kleistsche Fassung des Käthchen von Heilbronn, die in Detmold am 14. März 1842 zur Aufführung gekommen ist.

Auch in eigener Sache, nämlich bei der Datierung der in die Landesbibliothek gelangten handschriftlichen Aufführungsmaterialien, sind Teile der Akten, besonders die Inventarverzeichnisse die Notenbibliothek betreffend, eine wichtige Quelle. Joachim Veit hat anläßlich einer Ausstellung unserer Musikhandschriften im Oktober 1984 in seinem Aufsatz „Die Bestände des Musiktheaters bis 1849“ auf diese Möglichkeit hingewiesen und die entsprechenden Konvolute näher beschrieben.

Den Anfang der Auswertung der Theaterakten machte Willi Schramm. Wie immer, wenn man von den Altbeständen der Musikabteilung berichtet, steht sein Name am Beginn: Willi Schramm, der ehrenamtliche Abteilungsleiter, war der Initiator der Überführung der Theatersammlung. Er benötigte sie selber für seine verschiedenen Forschungsprojekte zur lippischen Musikgeschichte. Seine Arbeiten über die Hofmusik, die Theatermusik und über Albert Lortzings Detmolder Zeit wären ohne diese Akten nicht denkbar.

In bewunderungswürdigem Fleiß fertigte er zur besseren Handhabung der Akten ein alphabetisches Titelverzeichnis der wann und wo gespielten Stücke in Zettelform an. Auch die Namen der Mitglieder des Theaters erfaßte er in einer alphabetisch geordneten Kartei, wobei er ihre Verpflichtungszeit bei der Hoftheatergesellschaft jeweils mit angab. Als drittes Hilfsmittel stellte er eine chronologisch geordnete Liste der Aufführungen von 1826 bis 1910 zusammen, die sich schon in vieler Hinsicht als nützlich erwiesen hat. Gerade in jüngster Zeit konnte z. B. ein Besucher der Bibliothek anhand dieser Chronologie feststellen, welche Theatervorstellungen Annette von Droste-Hülshoff in Münster besuchte, wenn sie in ihrem Tagebuch lediglich den Theaterbesuch als solchen pauschal notiert hatte.

2. Der Theaterzettel

Wie eingangs erwähnt, gehörten zu den übernommenen Theaterarchivalien auch einige Theaterzettel, die mit den im Hause bereits vorhandenen Konvoluten von Zetteln vor kurzem zu einer Sammlung zusammengefaßt wurden.

Zur besseren Handhabung wird zur Zeit ein Katalog dazu erstellt. Diese für einen Bibliothekar eher ungewöhnliche Arbeit hat zu einer intensiven Beschäftigung mit dem interessanten, der Vergangenheit angehörenden Phänomen Theaterzettel einerseits und der Detmolder Theatergeschichte andererseits geführt. Als Theaterzettel bezeichnet man einen gedruckten Ankündigungszettel für eine einzelne Theateraufführung, einen Vorläufer des heutigen Programmheftes bzw. des Plakats, der durch Zettelträger morgens in den Bürgerhäusern, bei Abonnenten und Amtspersonen verteilt wurde, aber auch an bestimmten Plätzen ausgehängt wurde, um auf die abendliche Vorstellung aufmerksam zu machen. Die Landesbibliothek besitzt zur Zeit ca. 900 Detmolder Theaterzettel, die Doppelstücke und Exemplare im Lortzing-Archiv nicht mitgerechnet. Obwohl die chronologisch geordnete Zettelreihe leider längst nicht vollständig erhalten ist, spiegelt sich in ihr doch die ganze hiesige Bühnengeschichte mit all ihren Zäsuren.

Der älteste Zettel stammt aus dem Jahre 1777. Der Geburtstag der Gräfin Casimire wurde, wie es an manchen Höfen Mode war, mit einer Vorstellung einer Liebhabertheater-Gese1lschaft „auf dem  hochgräflichen Residenzschlosse“ gefeiert. Auf dem recht schmucklosen kleinen Zettel fehlen sowohl die Dichternamen als auch die Namen der Mitwirkenden. Fest steht, daß es sich bei den Darstellern um Mitglieder der Hofgesellschaft und der Bürgerschaft, aber auch der gräflichen Familie selbst gehandelt hat, die regelmäßig zu höfischen Familienfesten Komödien, aber auch Singspiele einstudierten.

Die Theaterbegeisterung der gräflichen Familie ging so weit, daß Simon August im Jahre 1778 eigens ein „Herrschaftliches Theater“, das später sog. Alte Komödienhaus, bauen ließ. Jetzt konnten die Liebhaberaufführungen einem breiteren Publikum und nicht nur geladenen Gästen zugänglich gemacht Werden. Daß nun sogar Eintrittspreise erhoben wurden, geht aus dem Schlußsatz der beiden aus der Zeit erhaltenen Theaterzettel hervor: „Der Ertrag ist für die Armen und Waisen.“ Nach dem Tode Simon Augusts im Jahre 1782 verfiel die Liebhabertheaterkultur. Das Komödienhaus wurde kaum noch genutzt, bis von 1792 bis 1793 die durchziehende Wandertruppe der Prinzipale Carl Händler und Friedrich Engst eine Spielerlaubnis erhielt. Die 16 erhaltenen Theaterzettel haben jetzt das allgemein übliche Folioformat. Der Text muß mit der nötigen Bewilligungsformel „Mit hochoberlicher Erlaubnis“ beginnen, zum Zeichen, daß die Aufführung genehmigt ist. Die Theaterdichter und Darsteller werden namentlich ausgedruckt.

Aus den späteren Jahren des Komödienhauses ist von den wenigen Wandertruppen, die von der Fürstin Pauline Spielerlaubnis erhielten, lediglich die Karschinsche Truppe (1817 - 1818) mit zwei besonders großformatigen Theaterzetteln in unserer Sammlung vertreten.

Der chronologisch folgende Zettel ist nun der schon mehrfach abgebildete und ausgestellte „Zur Einweihung des Hoftheaters“ am 8. November 1825 mit Mozarts „Titus dem Gütigen“. Die Zeit der herumziehenden Wandertruppen war also auch für Detmold vorbei. Die Hoftheatergesellschaft unter August Pichler spielte regelmäßig im Winter meistens in den ersten drei Monaten des Jahres in Detmold und in den übrigen Monaten in den Spielorten Pyrmont, Osnabrück und Münster.

Die Theaterzettel der Jahre 1825 bis 1847 festigen sich in der äußeren Form, wie es nur bei einer stehenden Bühne möglich ist. Im Kopf tragen sie den Aufführungsort „Hoftheater Detmold“, die Bewilligungsformel fällt weg, da jetzt nicht das einzelne Gastspiel, sondern das Theater als solches konzessioniert ist. Tag und Datum der Aufführung, Titel, Art und Akteinteilung des zu spielenden Stückes und der Name des Verfassers bzw. des Komponisten werden aufgeführt. Das Personen- und Darstellerverzeichnis nimmt nun den größten Raum des Zettels in Anspruch. Die Namen der Schauspieler werden mit vorgestellter Familienbezeichnung „Herr“, „Mad.“ und „Dem.“ genannt. Nach der Revolution 1848 werden „Frau“ und „Fräulein“ gebräuchlich. Vornamen der Darsteller werden bis zur Winterspielzeit 1923/24 üblicherweise nicht genannt, was Recherchen nach einzelnen Schauspielern schwierig machen kann.

Auf das Personenverzeichnis folgt die Rubrik „Preise der Plätze“, dann oft eine technische Theaternachricht. Den Abschluß bildet die Zeitangabe des Beginns und später auch des Endes der Aufführung. Als Papier verwendete man einfaches, sehr holzhaltiges Druckpapier.

Abb.1: Theaterzettel vom 8. Januar 1840. Steindruck von Heinrich Pollem
Signatur: Tz 38

Aus den ersten Jahren des Hoftheaters sind nicht sehr viele Theaterzettel in unserer Sammlung erhalten. Wegen der Zugehörigkeit Albert Lortzings zur Hoftheatergesellschaft in den Jahren 1826 bis 1833 sind allerdings solche Theaterzettel, die Lortzing als Darsteller ausweisen, seinerzeit ins Lortzing-Archiv eingearbeitet worden. Aber auch wenn wir diese hinzurechnen, sind nur vereinzelt Aufführungen anhand von Theaterzetteln nachzuweisen.

Fünf Ankündigungszettel der Jahre 1836 bis 1840 fallen besonders aus dem Rahmen. Sie sind durch eine Lithographie sehr verschönt. Die Abbildung 1 zeigt als Motiv entweder das Hoftheater selbst von der Ameide und auch vom Schloßgraben aus gesehen, oder sie sind mit einer von Heinrich Pollen stammenden Ansicht der Stadt Detmold verziert. Warum gerade diese Zettel so repräsentativ bedruckt sind – die Landesbibliothek besitzt auch andere, schlichte Zettel aus den Jahren –, kann wegen der geringen Zahl der vorhandenen Zettel nicht festgestellt Werden. Daß es sich bei der dekorativen Aufmachung um besondere Premieren-Zettel handeln könnte, ließ sich anhand von Willi Schramms Theater-Repertorium nicht beweisen.

Abb. 2: Letzter erhaltener Theaterzettel mit dem Aufdruck „Hoftheater Detmold“
Signatur: Tz 78

Ein einschneidendes Ereignis in der Theatergeschichte war die Auflösung des Hoftheaters. Um die Kosten für die fürstliche Hofhaltung zu senken, verlangten die Landstände Einsparungen, und Leopold II. sah sich gezwungen, den Kontrakt mit dem Hoftheater-Direktor August Pichler zu kündigen. Der letzte erhaltene Hoftheater-Zettel kündigt für den 19. Mai 1847 das Zaubermärchen „Der Verschwender“ von Ferdinand Raimund mit der Musik von Conradin Kreutzer an (Abb. 2). Die letzte subventionierte Theatersaison endete aber nicht mit dem sicher nicht hintergründig gemeinten Titel, sondern ging am 30. Mai mit Donizettis „Lucia von Lammermoor“ über die Bühne. Ab Januar 1848 steht bereits im Kopf der Ankündigung statt „Hoftheater“ „Fürstliches Theater in Detmold“. August Pichler muß im 23. Jahr seiner Detmolder Tätigkeit mit seinem Namen unterzeichnen wie die früheren und die ihm folgenden privaten Theaterunternehmer. Wenige Monate später zwang die Revolution den bereits 77jährigen, verarmten Pichler zur Aufgabe seiner Bühnengeschäfte.

Daß bei der späteren Wiedereröffnung des Theaterbetriebs im Jahre 1852 neben dem Namen des neuen Theaterdirektors Gustav Mewes auch der Pichlersche Name wieder auf dem Theaterzettel erscheint, hat seine Bewandtnis darin, daß der Familie Pichler praktisch als einziges Kapital der Besitz der Theaterkonzessionen und das Pyrmonter Theatergebäude geblieben war. So mußte der zweitälteste Sohn August Pichler jun., der als geschätzter Schauspieler und Regisseur zur Truppe gehörte, zusätzlich bei festem Gehalt, aber nur nominell von Mewes zum Mitdirektor ernannt werden.

Die Bewilligungsformel „Mit hoher Genehmigung“ wird bei den Programmankündigungen wieder zur Pflicht. Sie kann offensichtlich nur dann fortfallen, wenn die Aufführung ausdrücklich „Auf hohes Begehren“ stattfindet.

Abb. 3: Theaterzettel mit vier verschiedenen Hinweis-Händen. Durch die ungewohnte Aneinanderreihung von Majuskeln der Frakturschrift ist der Titeln „Tannhaeuser“ kaum lesbar
Signatur: Tz 205

Eine in der Werbung in Mode gekommene Neuheit ziert von 1853 bis weit in die Landestheaterzeit hineinreichend viele Ankündigungszettel: die hinweisende Hand. Die Entwicklung beginnt mit einem winzigen Händchen, das sich dann in allen möglichen Variationen fortentwickelt, meist ganz geschwärzt, oft mit schön verzierter Manschette, je nach Wichtigkeit der Nachricht, auf die ihr ausgestreckter Zeigefinger deutet (Abb. 3).

In seinem äußeren Aufbau bleibt der Theaterzettel dem Zettel der Hoftheaterzeit ähnlich. Die Spielzeit von 1859 unterscheidet sich von den früheren und späteren dadurch, daß durchweg der Name des Regisseurs mit genannt wird, was in Detmold eigentlich erst ab 1877 üblich ist. Wie man auch hier erkennt, hat sich die Bedeutung des Regisseurs, der in unserem heutigen Wortsinn das Konzept einer Aufführung deutlich prägt, erst zum Ende des 19. Jahrhunderts langsam entwickelt. Der Dirigent wird ab 1886 namentlich genannt. Der Bühnenbildner dagegen gelangte in Detmold offensichtlich bis zum letzten erhaltenen Theaterzettel von 1931 zu keiner „nennenswerten“ Bedeutung, was seinen Grund sicher darin hat, daß man durch die permanent schlechte wirtschaftliche Lage des Theaters immer gezwungen war, bei Neuinszenierungen die Ausstattung möglichst aus dem Theaterfundus zusammenzusetzen. Wenn tatsächlich einmal ein neues Bühnenbild vorgestellt wurde, hob man dies auf dem Theaterzettel deutlich hervor, wie bei Webers „Freischütz“ vom 10. März 1861: „Die im 3. Akte vorkommende Dekoration ,Die Wolfsschlucht‘ ist neu angefertigt.“

Abb. 4: Theaterzettel von der letzten Vorstellung im Fürstlichen Theater am 5.2.1912, bei der der Brand ausbrach
Signatur: Tz 839

Frischen Wind in die Detmolder Theaterszene brachte die Einführung eines „Sommertheaters“ in der Gaststätte „Neuer Krug” vor den Toren der Stadt im Jahre 1896. Mit neuen, in Detmold nie gespielten Stücken, aber auch Schwänken und Possen und vereinzelt sogar Kindertheatervorstellungen zog es das Publikum für ca. 3 Sommermonate in seinen Bann und setzte sich deutlich von dem eher konventionellen Repertoire des Fürstlichen Theaters ab. Die von den Jahren 1897 bis 1919 erhaltenen Theaterzettel unserer Sammlung zeigen den abwechslungsreichen Spielplan unter der Direktion von Emil Becker, der in Anerkennung seiner Arbeit ab 1913 in den Ankündigungen den Titel „Intendanzrat“ vorweisen kann.

Seit dem Brand des Fürstlichen Theaters, der während einer Aufführung des „Bettler von Syrakus“ von Hermann Sudermann am 5. Februar 1912 (Abb. 4) ausbrach, war das Sommertheater Neuer Krug die einzige Detmolder Spielstätte, bis das neuerbaute Theater als „Lippisches Landestheater“ im September 1919 seine Pforten wieder öffnete (Abb. 5). Als man dem Direktor des Sommertheaters 1921 auch die Leitung des Landestheaters übertrug, konnten beide Bühnen zu einer Truppe mit annähernd ganzjähriger Spielzeit zusammengezogen werden.

Abb. 5: Theaterzettel von der letzten Vorstellung im Fürstlichen Theater am 5.2.1912, bei der der Brand ausbrach
Signatur: Tz 863a

Jetzt kamen auch in Detmold, später als an anderen Bühnen, die Programmhefte auf, zuerst unter dem Namen „Blätter des Lippischen Landestheaters“, und verdrängten nach und nach den Theaterzettel, der sich zwar zumindest bis 1931 in verkleinerter Form und manchmal poppig bunt noch weiter behauptete, wie unsere Sammlung zeigt, aber dessen Ende nun abzusehen war.

Des Zettelträgers sollte zum Beschluß des kleinen Exkurses über den Theaterzettel allerdings noch gedacht werden. Wie bereits eingangs erwähnt, verteilte er jahraus, jahrein am Aufführungstag morgens die Ankündigungen in den Häusern und auf den Plätzen der Stadt. Ansonsten war er als eine Art Faktotum im Theater mit allen möglichen technischen Arbeiten betraut. Über die Zettelträger sind wir deshalb recht gut unterrichtet, weil es ein überall gleichmäßig gehandhabter Brauch war, zum Spielzeitende mit dem letzten Theaterzettel ein sogenanntes „Zettelträgergedicht“ zu verteilen, in dem der Bote um eine Spende als Lohn für seine mühevolle Arbeit bittet. Vier solcher oft witzig ausgeschmückter Bitt-Zettel, in Format, Papier und textlichem Aufbau ähnlich dem üblichen Ankündigungszettel, sind in unserer Sammlung erhalten. Die Verse vom „Abschied des Zettelträgers in Detmold“ aus dem Jahre 1857, die unter dem „Motto: Was dieser Zettel soll bedeuten, / Das wißt Ihr ja aus alten Zeiten“ vermerkt sind, sollen hier zum Beschluß stehen:

Ist das nicht eine rechte Qual
Das liebe Zetteltragen?
Bei allem Sturm und Ungemach
So durch die Stadt zu jagen?
Bricht dann der liebe Abend an,
Heißt’s Requisiten schaffen,
Das ist fürwahr ’ne rechte Qual,
Der Himmel soll mich strafen.

Fällt dann der kleinste Fehler vor:
Hab’ ich mal was vergessen,
Da schreit’ der Inspicient hervor
Als wäre er besessen.
Allein es bleibt die Hoffnung mir
Bei unserm heut’gen Schließen,
Ihr werdet, edle Gönner, mir
Mein Aemtchen hier versüßen!