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Die Lippische Landesbibliothek Detmold

von Detlev Hellfaier, M.A. (ehem. Schüler des L I)

Druckfassung in: Jahresschrift. Gymnasium Leopoldinum. 1986 (1987) S. 13-15.

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Die Lippische Landesbibliothek reicht in ihren Anfängen bis in die Regierungszeit Simons VI., Grafen und Edlen Herrn zur Lippe († 1613) zurück. Mit derzeit 360.000 Bänden, 1.600 laufend gehaltenen Zeitschriften, 90 Inkunabeln (Drucke vor 1500), 183 mittelalterlichen Handschriften und nahezu 6.000 Werkmanuskripten und Autographen ist sie die Regionalbibliothek für Ostwestfalen-Lippe und die zweitgrößte hochschulfreie Universalbibliothek in Nordrhein-Westfalen. Sie zählt zu den wenigen Bibliotheken dieser Größenordnung, die den 2. Weltkrieg ohne Verluste überstanden haben. Zusammen mit der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund und der Universitätsbibliothek Münster übt die Lippische Landesbibliothek landesbibliothekarische Funktionen aus, da Nordrhein-Westfalen als einziges Land der Bundesrepublik keine eigene, vom Land getragene Landesbibliothek unterhält.

Die Lippische Landesbibliothek ist landesherrlichen Ursprungs, einst eine »Fürstenbibliothek«, die in ihrer Frühzeit eine Mischung von wissenschaftlicher Sammlung und Liebhaberbibliothek darstellte. Es ist die vielzitierte Kleinstaaterei mit ihren großen und kleinen Residenzen, die uns eine stattliche Anzahl von Schloß-, Hof- und Landesbibliotheken hinterlassen hat, Bibliotheken, die die deutsche Kulturlandschaft bereichern und in mancher Hinsicht sogar weitgehend prägen. Diese Bibliotheken zeigen immer noch einen überraschenden Reichtum an literarischen Kostbarkeiten und sind durch die Mannigfaltigkeit und Eigenart ihrer Bücherbestande mit den Verhältnissen der Region und ihrer Bevölkerung, der sie vorwiegend dienen, auf das engste verbunden. Als öffentliche wissenschaftliche Bibliothek hat die Lippische Landesbibliothek die Aufgabe, der Forschung, der Lehre und dem Studium, der beruflichen Arbeit, der Fortbildung und dem allgemeinen Bildungsinteresse in der ostwestfälisch-lippischen Region zu dienen. In Erfüllung dieser Aufgabe stellt die Bibliothek wissenschaftliche und Sachliteratur aller Wissensgebiete bereit, wobei der Schwerpunkt des vorhandenen und ständig erweiterten Literaturbestandes auf den Geisteswissenschaften im weitesten Sinne liegt; diese Tatsache ist historisch bedingt und gilt für nahezu alle Landesbibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland. Innerhalb der Geisteswissenschaften verfügt die Detmolder Bibliothek über besonders ausgebaute Bestände der Wissenschaftsgebiete Geschichte, Politik, Sprach- und Literaturwissenschaften, Volks- und Völkerkunde, Ur- und Frühgeschichte und vor allem Musik.

Dem erhöhten Literaturbedarf im Bereich der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Naturwissenschaften und Technik trägt die Landesbibliothek durch erweiterten Ausbau der vorhandenen Buch- und Zeitschriftenbestände Rechnung und ist vor allem bemüht für den Bereich der angewandten Wissenschaften zumindest die Grundlagen- und wichtige Studienliteratur zur Verfügung zu stellen. Besondere Beachtung wird in jüngster Zeit der gezielten Literaturerwerbung auf dem Sektor Neue Technologien, Informatik und Kommunikation geschenkt. Diesen Gebieten kommt auch weiterhin hoher Stellenwert zu.

Von zentraler Bedeutung fur die Lippische Landesbibliothek ist der weitere Ausbau des bereits vorhandenen Bestandes an allgemeinen und fachlichen Nachschlagwerken, Allgemein- und Fachbibliographien sowie weiteren Hilfsmitteln der Information und Dokumentation. In absehbarer Zeit wird zudem mit der Bereitstellung EDV-gestützter Informationsvermittlung zu rechnen sein. Als Landesbibliothek sammelt, erschließt und stellt die Detmolder Bibliothek die auf Lippe bezogene selbständig und unselbständig erschienene Literatur bereit; die Bibliothek dokumentiert dieses Schrifttum in den jährlich erscheinenden Heften der »Lippischen Jahresbibliographie«.

Ein Schwerpunkt der regionaldokumentarischen Arbeit lag in jüngster Zeit im Aufbau und in der Fertigstellung einer regionalbibliographischen Dokumentation, die es gestattet, die durch hohe Mobilität der Bevölkerung auseinanderlaufenden geistigen und kulturellen Strömungen regional zu bündeln. Der erste Teil dieser Dokumentation wurde kürzlich vorgelegt (Lippisches Autorenlexikon Bd.1, 1986), sie spiegelt in beeindruckender Weise das geistige Profil unserer Region wider. Es ist vorgesehen, sowohl diese Dokumentation als auch die Lippische Jahresbibliographie künftig EDV-gestützt fortzuführen und eine regionale Datenbank aufzubauen, für die die Landesbibliothek legitimer Standort ist.

Die Sondersammlungen und Sonderabteilungen der Bibliothek, das Grabbe-Archiv, die Freiligrath-Sammlung, das Georg-Weerth-Archiv – zusammengefaßt im Lippischen Literaturarchiv –, die Bandel-Sammlung sowie die Musikabteilung mit dem Lortzing-Archiv genießen nationalen und internationalen Ruf. Diese Sammlungen verdienen es, zu einem späteren Zeitpunkt in einer gesonderten Darstellung vorgestellt und gewürdigt zu werden. Als Schwerpunkte der künftigen Arbeit der Lippischen Landesbibliothek sind zu nennen: Ausbau des Lippischen Literatur-Archivs zu einer Forschungsbibliothek der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts im zur Sanierung anstehenden Geburtshaus Christian Dietrich Grabbes in der Detmolder Innenstadt, Ausbau des Hauptgebäudes der Bibliothek an der Hornschen Straße mit dem Ziel einer Freihandaufstellung und damit unmittelbaren Verfügbarkeit wesentlicher aktueller und vielbenutzter Buch- und Zeitschriftenbestände sowie die Umstellung des Systematischen (Sach-)Kataloges auf einen auch für nicht wissenschaftlich vorgebildete Leser leichter zu handhabenden Schlagwortkatalog.

Die weitgefächerte Öffentlichkeitsarbeit der Landesbibliothek soll vor allem die Schulen und Bildungsstätten der Region erreichen. Für Schülergruppen, Schulklassen und alle sonstigen Interessenten können zu jeder Zeit Führungen mit umfassender Einführung in die Bibliotheksbenutzung durchgeführt werden; für besondere Studien- oder Unterrichtsproiekte stellt die Bibliothek geeignete Räume im Verbund mit fachkundiger Beratung bereit.
Das breite Dienstleistungsangebot der Lippischen Landesbibliothek steht jedem offen. Die Bibliothek versteht sich nicht nur als Ort der Informationsgewinnung, des Studiums und der Forschung, sondern ebensosehr als Treffpunkt für kulturell und wissenschaftlich Interessierte, als ein Haus des Gedankenaustauschs; von diesem Angebot Gebrauch zu machen, laden die Bibliothekarinnen und Bibliothekare, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herzlich ein.