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Ausstellung über den Landesverband Lippe im Innenministerium in Düsseldorf

von Detlev Hellfaier und Rainer Springhorn

Druckfassung in: Heimatland Lippe 78 (1985), S. 47-52.

In Anwesenheit zahlreicher Gäste eröffneten am 28. November 1984 der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Herbert Schnoor, und Verbandsvorsteher Helmut Holländer eine Präsentation des Landesverbandes Lippe im Innenministerium in Düsseldorf. Mehr als 36 Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes über den Landesverband Lippe (5. November 1948) und genau 35 Jahre nach Zusammentritt der ersten Verbandsversammlung stellt sich der Landesverband damit erstmalig umfassend bei seiner vorgesetzten Dienstbehörde vor.

Verbandsvorsteher Holländer überreicht dem Innenminister des Landes NRW, Dr. Schnoor (rechts), einen lippischen Grenzstein aus dem 17. Jahrhundert, links neben Dr. Schnoor Ministerialdirigent Köstering
Foto: Karl Kleinschmidt

Die Ausstellung über den Landesverband Lippe informiert die fast 1.000 Mitarbeiter des Innenministeriums, Angehörige anderer Landesämter und Behörden, Gäste und eine in begrenztem Umfang zugelassene Öffentlichkeit in mehr als 100 großformatigen Fotos, Karten und Grafiken und verbindenden Texten über folgende Themenbereiche und Arbeitsfelder: über die historisch-politische Entwicklung Lippes und des Verbandes, über seine Aufgabenstellung und Gliederung, über den Landesverband als Wirtschafts- und Strukturfaktor, über die von ihm getragene regionale Kulturpolitik, sein Engagement in Ökologie, Landschafts- und Naturschutz, über seinen Beitrag zu Freizeit, Erholung und Gesundheit, über Boden- und Baudenkmalpflege sowie über die dem Landesverband angegliederten Einrichtungen.

Symbolwirkung ging von der Überreichung eines Grenzsteines aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zwischen den Grafschaften Ravensberg und Lippe aus, den der Verbandsvorsteher dem Innenministerium schenkte, Symbolwirkung insofern als der Stein in Düsseldorf einerseits die Integration Lippes in das Land Nordrhein-Westfalen greifbar vor Augen führt, andererseits aber auch eine gewisse traditionsbedingte Sonderstellung Lippes plastisch unterstreicht.

So geht denn auch der erste Ausstellungsblock detailliert auf die geschichtliche Entwicklung des lippischen Territoriums seit dem 12. Jahrhundert ein, indem die Ecksteine lippischer Geschichte durch Zeittafel und Abbildungen, entscheidende Dokumente, nämlich die Urkunde der ersten Erwähnung der Edelherren zur Lippe aus dem Jahre 1123, das sogenannte „Pactum unionis“ (Grundsatz der Unteilbarkeit des lippischen Landes) von 1368, der Domanialvertrag von 1919, der den Übergang des fürstlichen Besitzes und Vermögens an den Freistaat regelte und letztlich die von Heinrich Drake ausgehandelten ,,Punktationen“, die die Grundlage für die Vereinigung des Landes Lippe mit dem Land Nordrhein-Westfalen bildeten. Die Texte der „Lippe-Gesetze“ und ein Foto der Verabschiedung des Landespräsidenten und ersten Verbandsvorstehers Heinrich Drake durch den Ministerpräsidenten Dr. Meyers führen an die politische Gegenwart heran.

Ausstellung in der Eingangshalle des Innenministeriums (Teilansicht)
Foto: Karl Kleinschmidt

Aufgabe des Landesverbandes Lippe ist es, außer der Deckung seiner eigenen Verwaltungskosten und der Bildung der erforderlichen Rücklagen, die kulturellen Belange und die Wohlfahrt der Bewohner im Bereich des ehemaligen Landes Lippe im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit zu fördern. Das beschlußfassende politische Organ des Landesverbandes ist die Verbandsversammlung. Sie setzt sich aus zehn vom Kreistag des Kreises Lippe nach Parteienproporz gewählten Abgeordneten zusammen. Die Verbandsversammlung wählt den Verbandsvorsteher, der zugleich ihr Vorsitzender ist.

Der Landesverband Lippe gliedert sich in:

  • Haupt- und Finanzabteilung
  • Bauabteilung
  • Domänenabteilung
  • Forstabteilung
  • Lippische Landesbibliothek
  • Lippisches Landesmuseum
  • Institut für Lippische Landeskunde mit Kulturreferat
  • Staatsbäder Meinberg und Salzuflen

Der wirksame Einsatz der Erträge des früheren Landesvermögens hat bis zum heutigen Tage zentrale Bedeutung für die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung des lippischen Raumes. Folgende Schwerpunkte sind zu nennen:

  • Schaffung von Startvoraussetzungen für die einheimische Landbevölkerung wie auch für bäuerliche Aussiedler der ehemaligen deutschen Ostgebiete für eigenständige landwirtschaftliche Produktion in den 1950er Jahren.
  • Bereitstellung von durch Kauf oder Tausch erworbenen Flächen zum Zwecke der Umsetzung oder Ansiedlung neuer Industrie- und Gewerbebetriebe.
  • Bau und Einrichtung moderner Kliniken und Kurgastzentren in den Staatsbädern Meinberg und Salzuflen, um sich zeitgemäßen Anforderungen anzupassen.
  • Arbeitsmarktpolitische Bedeutung des Landesverbandes Lippe mit einer Gesamtbeschäftigtenzahl von rd. 1000 Mitarbeitern.
  • Ferner Beteiligungen an folgenden Unternehmen: Westfälische Ferngas AG, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Lippe mbH, Weserfreizeitzentrum Kalletal-Varenholz GmbH, Erholungszentrum Schieder GmbH, Hotel- und Gaststätten-Betriebsgesellschaft Landesverband Lippe mbH, Bäder-Marketing GmbH, Zentralwäscherei Lippe GmbH.

Die Ausstellungsflächen „Der Landesverband Lippe als Wirtschafts- und Strukturfaktor“ zeigen dementsprechend vorrangig einen Querschnitt durch den Domänen- und Forstbereich: Bildliche Darstellungen der Domänen Breda, Fahrenbreite mit dem schönen Fachwerktorhaus und Herborn, letztere in eindrucksvoller Luftbildaufnahme, der vom Verband verpachteten Wirtschaftsbetriebe im Montanbereich (Kalksteinbruch Alverdissen, Mergelgrube Isenberg bei Rischenau, Kieswerk Varenholz), der verbandseigenen Hotels und Gaststätten (Burghotel Blomberg, ein Hotel der Spitzenklasse, Wald- und Ausflugsgaststätten Entenkrug am Norderteich, Forstfrieden am Donoper Teich und Silbermühle bei Leopoldstal, Studentenwohnheim Lemgo), die für die vom Landesverband bewirtschafteten typischen Laubholzbestände „Salkenbruch“ und „Kahlenberg“ im Forstamt Schieder, Holzbewirtschattung vor Ort, Fischgewässer (untere Niese) und jagdbares Wild.

Nicht erst seitdem die Themen „Ökologie, Landschafts- und Naturschutz“ an trauriger Aktualität gewonnen haben, bemüht sich der Landesverband Lippe um die Wahrung des Gleichgewichtes im natürlichen Haushalt. Der ungewöhnlich hohe, bodengemäße Laubholzanteil von 66 % bringt den Anspruch deutlich zum Ausdruck, forstwirtschaftliche und ökologische Gesichtspunkte voll in Einklang zu bringen. Fragen des Landschafts- und Naturschutzes nehmen einen hohen Stellenwert
ein. Der Landesverband Lippe ist bemüht, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Landesämtern und Hochschulinstituten Lösungsmöglichkeiten für anstehende Probleme zu erarbeiten. In diesem Zusammenhang ist z. B. für die Erholungslandschaft Lippe die naturnahe Verjüngung des bodenständigen Laubwaldes von zentraler Bedeutung. Drei Naturschutzgebiete von über 300 ha werden vom Landesverband Lippe unmittelbar betreut. Kostenintensive Maßnahmen sowohl zur Erhaltung von Flora und Fauna als auch zur Lenkung der hohen Zahl Erholungssuchender werden hier erbracht. Die Ausstellung zeigt reizvolle Stimmungsbilder aus den Naturschutzgebieten. Sie dokumentiert darüber hinaus so hervorragende Naturdenkmale wie die 600jährige Linde aus Bexten, die Externsteine oder die Uralteichen aus dem Salkenbruch.

Führung durch die Ausstellung (von links: Verbandsvorsteher Holländer, Innenminister Dr. Schnoor, Bibliothekdsdirektor Hellfaier M.A., Museumskustos Dr. Springhorn)
Foto: Karl Kleinschmidt

Auf der Grundlage des Verbandsgesetzes von 1948 und der Landschaftsverbandsordnung des Jahres 1953 gehen vom Landesverband Lippe wesentliche kulturpolitische Impulse aus; der Verband ist daher ein wichtiger Faktor lippischer Kulturpolitik. Die praktische Kulturarbeit dokumentiert sich in der Ausstellung durch ausgewähltes Bildmaterial zur Kulturpreisverleihung 1983, zu den Lippischen Heimattagen 1984 in Lügde, zum Wirken des Kammerorchesters Tibor Varga und zur Arbeit des Landestheaters Detmold, dessen Trägerverein der Landesverband Grundstück und Theatergebäude kostenlos zur Verfügung stellt. Die ausgewählten Beispiele skizzieren zugleich das weitgespannte Arbeitsfeld des der Verbandsleitung zugeordneten Kulturreferates. Die Dokumentation der vorgenannten Aktivitäten sowie die landschaftliche Kulturpflege im weitesten Sinne liegt in den Händen des Instituts für Lippische Landeskunde.

Die Sammlungen der Lippischen Landesbibliothek von regionalem und überregionalem Rang werden repräsentiert durch einen Einblick in das Grabbe-Archiv, die wertvollste Sammlung der Bibliothek überhaupt. Die rege Benutzung spiegelt sich in Momentaufnahmen in Lese- und Katalogsaal. Repräsentativer Rahmen dieses Kulturinstitutes ist zugleich das ursprünglich als Bürgerhaus konzipierte Gebäude der Lippischen Landesbibliothek.

Sammlungen und Räumlichkeiten des Lippischen Landesmuseums werden in Bildern aus der naturhistorischen Abteilung (Schauraum „Außereuropäische Tierwelt“), seiner landes- und volkskundlichen Abteilung (Bauerndeele eines lippischen Kötterhauses), seiner Sammlung zur lippischen Münzgeschichte sowie ausgewählter Exponate seiner präkolumbianischen Sammlung dargestellt. Eine Außenaufnahme der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Fachwerkbauten vermittelt einen stimmungsvollen Eindruck dieses musealen Gebäudeensembles.

Ergänzt wird die Repräsentation von Bibliothek und Museum durch hervorragende exemplarische Sehaustücke, die in separaten Glasvitrinen ausgestellt worden sind und Einblick in ihre Sammlungen bieten. In einer gesonderten Vitrine wird ein Überblick der vom Landesverband Lippe und seinen Kulturinstituten herausgegebenen Schriften und Periodika gegeben.

Der hohe Stellenwert, den der Landesverband Lippe dem Thema „Erholung – Freizeit – Gesundheit“ zumißt, wird in einem eigenen Ausstellungsblock deutlich. Dem Image Lippes als eine vielbesuchte Ausflugs-, Kur- und Erholungslandschaft, wie sie in Nordrhein-Westfalen in ihrer Vielgestalt selten erreicht wird, dient der Landesverband Lippe in vielfältiger Weise: Die beiden verbandseigenen Staatsbäder Meinberg und Salzuflen sind überregional anerkannte Prophylaxe- und Therapiezentren für zahlreiche Erkrankungen (chronische Arthritiden, Neuralgien, Allergien, Herz-Kreislauf-, Gefäß-, Nerven- und Frauenleiden sowie Erkrankung der Atemwege). Sie entsprechen in hervorragender Weise dem modernsten Stand balneologischer Erkenntnisse. Ein umfangreiches Betreuungs- und Unterhaltungsangebot begleitet für die Dauer der Kur die medizinischen Maßnahmen. Die Ausstellung greift sowohl therapeutische wie auch kurbegleitende Aspekte im Bild heraus und vermittelt so ein farbenfrohes Spektrum vom Leistungsangebot der Bäder.

Die Erhaltung des Erholungswertes der lippischen Wälder, die Einrichtung der beiden Freizeit- und Erholungszentren Varenholz an der Weser und am Emmer-Stausee bei Schieder vermitteln die Initiativen des Landesverbandes außerhalb der Staatsbäder.

Teilansicht der Ausstellung, im Vordergrund Vitrinen mit wertvollen Exponaten aus Landesbibliothek und Landesmuseum
Foto: Karl Kleinschmidt

Engagement in den Bereichen Boden- und Baudenkmalpflege zeichnet den Landesverband Lippe seit vielen Jahren aus. Aus dem reichen Arbeitsfeld der Bodendenkmalpflege sind folgende Grabungsobjekte dargestellt: Grabhügel der Jungsteinzeit, Bronze- und Eisenzeit, Befestigungsanlagen von der Latènezeit bis in das Spätmittelalter sowie früh- und hochmittelalterliche Wüstungen.

Als Wahrer des historischen Erbes des ehemaligen lippischen Landesvermögens hat der Landesverband Lippe einen bedeutenden Bestand an Baudenkmälern zu unterhalten. Insbesondere die Ästhetik der Weserrenaissancebauten Schloß Varenholz, Burg Blomberg, Schloß Brake und des Jagdschlosses Oesterholz kommt in der fotografischen Dokumentation hervorragend zur Geltung. Sowohl die farblichen Details der reich geschnitzten Fachwerkgiebel wie auch das Lichtspiel der Steinornamentik erfreuen das Auge des Betrachters. Weitere Sanierungsaufgaben, darunter die Translozierung historischer Gebäude zeigen das baudenkmalpflegerische Tätigkeitsfeld des Landesverbandes Lippe auf.

In Text und Bild werden letztendlich in einem besonderen Ausstellungskapitel die assoziierten Einrichtungen und Institutionen des Landesverbandes Lippe gewürdigt, zu denen neben der Lippischen Landes-Brandversicherungsanstalt die Hermannsdenkmal-Stiftung, das Damenstift St. Marien zu Lemgo sowie die Lippische Waisenhauskasse zählen.

In seiner Begrüßungsansprache hob Innenminister Dr. Schnoor die Sonderstellung des Landes Lippe innerhalb Nordrhein-Westfalens mit folgenden Worten hervor:

„Die Ausstellung, die seit heute mehr als einen Monat lang in diesem Haus zu sehen sein wird, rückt einen Teil unseres Landes in das Blickfeld, der auf eine historisch-politische Entwicklung von fast acht Jahrhunderten zurück schaut. Die lange Geschichte der Selbständigkeit des Fürstentums und späteren Freistaates Lippe, die sich heute als Teil der Geschichte Nordrhein-Westfalens darstellt, prägt heute noch das Bewußtsein der lippischen Bevölkerung und gibt dem Gebiet des heutigen Kreises Lippe innerhalb des Landes Nordrhein-Westfalen eine gewisse Sonderstellung. Die Ausstellung zeigt, wie sich das Bewußtsein eigenständiger Tradition in dem Willen ausdrückt, einen Teil der regionalen Wirtschafts- und Kulturpolitik in eigener Verantwortung zu gestalten.

Der Landesverband Lippe, dessen Selbstdarstellung hier zu sehen ist, hat sich stets mit Recht nicht nur als Verwalter einer Vermögensmasse verstanden. Dies kommt deutlich darin zum Ausdruck, daß der Verband einen ganzen Block der Präsentation der Geschichte und geographischen Beschreibung seines Wirkungsraumes widmet. Er kommt damit einem menschlichen Grundbedürfnis entgegen, das sich in jüngster Zeit wieder überall stark äußert: dem Bedürfnis, sich mit seinem Lebensraum und mit dessen Geschichte zu identifizieren. Damit wird eine Voraussetzung für die Fähigkeit und den Willen geschaffen, den eigenen Lebensraum verantwortlich mitzugestalten“.

Daß Art, Gestaltung und Inhalt der Ausstellung sowohl von den im Innenministerium tätigen Mitarbeitern als auch von denjenigen des Ministeriums für Landes- und Stadtentwicklung gut aufgenommen worden sind und auch bei den Besuchern des Hauses reges Interesse fanden, bestätigte Minister Dr. Schnoor in seinem Dankschreiben an Verbandsvorsteher Holländer und fährt fort:

„Jetzt, nachdem die Eingangshalle wieder ihr gewohntes Bild zeigt, ist bemerkbar, daß etwas fehlt. Daher wird der Grenzstein, den Sie uns nicht nur zur Erinnerung überlassen haben [...], seinen besonderen Wert in meinem Hause behalten.“

Die Ausstellung wird in naher Zukunft im Landschaftshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster und anschließend auch an mehreren Stellen in Lippe zu sehen sein.