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Neue Grabbe- und Freiligrath-Autographen in der Lippischen Landesbibliothek Detmold (1983-1984)

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Grabbe-Jahrbuch 3 (1984), 160-163.

Freiligrath an Schücking, London, 27. Juli 1847.

Im Herbst 1983 ist es der Lippischen Landesbibliothek gelungen, den Handschriftenbestand ihrer Freiligrath-Sammlung wesentlich zu erweitern. Frau Annette Homeyer, geborene Schücking, aus Detmold übergab der Bibliothek am 8. November 1983 58 eigenhändige Briefe Ferdinand Freiligraths an ihren Urgroßvater, den aus Meppen gebürtigen, später – 1852 – in Sassenberg ansässigen Schriftsteller und Publizisten Levin Schücking (1814-1883). Die Briefe befanden sich vordem als Depositum im Westfälischen Landesmuseum Münster, wohin sie im Jahre 1969 aus Gründen der Sicherheit aus dem Schückingschen Familiensitz in Sassenberg gelangt waren. Der Kaufpreis belief sich auf 25.000 DM. Er konnte einerseits aus dem Vermehrungsetat der Lippischen Landesbibliothek, andererseits durch dankenswerte Spenden der Hermannsdenkmal-Stiftung, der Lippischen Landes-Brandversicherungsanstalt, der Sparkasse Detmold, des Elektrizitätswerkes Wesertal GmbH, der Lippe-Weser-Zucker AG und der Stadt Detmold bereitgestellt werden.

Die vorliegenden Briefe Freiligraths rühren aus den Jahren 1839-1847 und 1865-1875; aus der ersten Periode liegen 42, aus der zweiten die übrigen 16 Briefe vor. Bisher konnten nur drei weitere Schreiben des Detmolder Dichters an Schücking ermittelt werden, deren Originale nicht in dem von der Landesbibliothek übernommenen Konvolut enthalten sind; somit darf wohl davon ausgegangen werden, daß sich der Anteil an Freiligrath-Briefen an diesem Briefwechsel erschöpft. Von den 58 Briefen sind 27 bisher ungedruckt, die restlichen 31 durch Voll- oder Teildruck in der Brief-Biographie Buchners veröffentlicht.

Die Briefe Freiligraths an Schücking bilden eine höchst wertvolle und willkommene Bereicherung der Freiligrath-Sammlung der Lippischen Landesbibliothek, deren Abteilung Briefe nun 326 Nummern umfaßt, zu denen noch 30 Briefe Karl Weerths, des Bruders von Georg Weerth, an Ferdinand Freiligrath treten.

Grabbe an die Meyersche Hofbuchhandlung in Lemgo, Detmold, 15. Juni 1826.

Auf der Autographen-Auktion Nr. 46 im Auktionshaus Hartung & Karl, München, am 18. Mai 1984, wurde ein eigenhändiger Brief Christian Dietrich Grabbes für 5000 DM angeboten, im Auktionskatalog unter der Nr. 5196 angezeigt. Er datiert Detmold, 15. Juni 1826, besteht aus einem Blatt im Folioformat mit dem eigentlichen Brieftext auf Seite 1 und einem Empfängervermerk auf Seite 2; Reste des briefschließenden Siegels sind noch erhalten. Adressat ist die Meyersche Hofbuchhandlung in Lemgo, bei der Grabbe eine neuerschienene Byron-Ausgabe (The Works of Lord Byron complete in one volume. Francfort O.M. Printed by and for H. L. Broenner. 1826) zum Subskriptionspreis bestellt; ferner enthält dieser Brief Mitteilungen bezüglich eines Bücher-Auktionskataloges der „weil. Hoffmannschen Bibliothek“.

Genannter Brief findet sich gedruckt im 5. Band der historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke und Briefe Grabbes unter der Nr. 95. Als Fundstelle gibt Alfred Bergmann das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck an. Eine vor der Auktion an das Museum gerichtete diesbezügliche Anfrage ergab keine Aufschlüsse über die Herkunft des Briefes. Vermutet wird, daß das Schreiben zu einem nicht bekannten Zeitpunkt, vielleicht mit anderen, nicht mit Tirol in Verbindung stehenden Autographen, vom Museum in Innsbruck abgegeben werden ist. Eine Inventarisierung oder Katalogisierung hat in Innsbruck nie stattgefunden, der Brief ist dort völlig unbekannt. Die Lippische Landesbibliothek erhielt den Zuschlag bei 5600 DM, zu denen noch 15% Aufgeld = 840 DM, Versandkosten in Höhe von 27 DM und 7% Mehrwertsteuer = 452,69 DM auf die Endsumme hinzutreten, womit sich der Gesamtpreis von 6919,69 DM ergibt. Die Lippische Landes-Brandversicherungsanstalt und die Sparkasse Detmold erleichterten auch diesen Autographenkauf durch freundliche Spenden. Das „Grabbe-Archiv Alfred Bergmann“ der Lippischen Landesbibliothek verfügt mit dieser Neuerwerbung mittlerweile über 242 Grabbe-Briefe.