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von Ernst Fleischhack

Druckfassung in: Heimatland Lippe 77 (1984) 92-93.

Jeder, der über ein bestimmtes Sachthema Klarheit erlangen möchte, zumal einer, der hierüber referieren oder eine schriftliche Arbeit anfertigen soll, unterrichtet sich im Regelfall über die bereits vorliegende Literatur. Bibliographien sind dazu da, dem Fragesteller die einschlägigen Titel zu nennen.

Lippe kann über das Schrifttum des heimischen Raumes ein fortlaufendes Verzeichnis vorweisen, das umfassender angelegt ist und tiefer greift als die meisten vergleichbaren Regionalverzeichnisse der Bundesrepublik: die „Lippische Bibliographie“. 1957 gab der Landesverband Lippe den von Wilhelm Hansen bearbeiteten ersten Band heraus. 1982 folgte ein zweiter Band mit Ergänzungen und der Weiterführung bis einschließlich 1975. Für die folgenden Jahre steht die von der Landesbibliothek Detmold besorgte „Lippische ]ahresbibliographie“ zur Verfügung. Kürzlich ist die 7., erstmals von dem seit vergangenem Sommer amtierenden Bibliotheksdirektor Detlev Hellfaier M.A. verantwortete Ausgabe erschienen. Sie bezieht sich auf das Jahr 1982. Mit 1039 Titelnummern ist sie die bislang ergiebigste.

„Heimatland Lippe“ hat wiederholt auf die genannten Arbeiten hingewiesen (Wilh. Süvern: 61. 1968, Nr. 6, S. 240; der Unterzeichnete: 64. 1971, Nr. 1, S. 40, u. 73. 1980, Nr. 6, S. 175-77; zuletzt Peter Steinbach in einer sehr anerkennenden Würdigung: 75. 1982, Nr. 12, S. 378-79). Gleichwohl zeigen eingehende Beobachtungen, daß die Bewohner Lippes mit ihrer landeskundlichen Bibliographie noch immer nicht so vertraut sind, wie man es an sich voraussetzen sollte. Anstatt sie als praktisches Orientierungsmittel zu verwenden und aus dem darin unterbreiteten reichhaltigen, doch sachlich gegliederten und, wo notwendig, durch Anmerkungen erläuterten Titelmaterial, das zumeist in der Lippischen Landesbibliothek einsehbar ist, einen Überblick über den Forschungsstand und das noch zu erledigende Arbeitspensum zu gewinnen, wählt so mancher bei der Stoffzusammenstellung krause Umwege und zäumt den Gaul gewissermaßen von hinten auf.

Ursache ist nicht etwa geistige Unbeholfenheit, sondern mangelnde Kenntnis über das zwar hervorgebrachte, aber an viel zu wenigen Stellen greifbare lippische Quellenwerk. Stünden nämlich bei Behörden, in Verkehrs- und Informationsämtern, in Büchereien, Schulen und sonstigen öffentlichen wie privaten Bildungseinrichtungen unseres Kreisgebietes die Bände der „Lippischen Bibliographie“ allenthalben für Auskunfts- und Nachschlagewerke bereit, würde manches Forschungsanliegen von vornherein etwas mehr Zielsicherheit erlangen. Bei allem Respekt vor den hierzulande geltenden ehernen Sparsamkeitsgrundsätzen sei die Frage erlaubt: Muß der Daumen unbedingt auch dann noch krampfhaft auf die Schatulle gepreßt sein, wenn es gilt, Wegweiser zu mehr Wissen über Lippe zu errichten, und der Landesverband die Hauptlast der Unkosten bereits auf sich genommen hat? Die geforderten Beträge von DM 30,- für den ersten, von DM 75,- für den zweiten Band und von DM 6,- bis 8,- für die Jahresbibliographien sind doch so klotzig nun wahrlich nicht. Was die „Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie“, das führende deutsche Fachorgan auf diesem Gebiet, hierüber befindet, verdient angehört und beherzigt zu werden: „Die finanzielle Förderung durch den Landesverband darf nicht unerwähnt bleiben, da der Verkaufspreis in Anbetracht des Gegenwerts eher als Schutzgebühr zu bezeichnen ist.“ (Jg. 30. 1983, H. 3, S. 248).

Für den unzulänglichen Bekanntheitsgrad ist aber noch ein anderer Grund verantwortlich zu machen: Viele und leider auch gewichtige Publikationen des Landes geben im Vorwort oder Literaturanhang keinen Hinweis auf die „Lippische Bibliographie“, obwohl die Verfasser in Wirklichkeit aus diesem Born nach Kräften geschöpft, zumindest aber ihre eigene Schrifttumsaufstellung anhand jenes Verzeichnisses überprüft und ergänzt haben. So geschieht es dann gar nicht so selten, daß mit einer Diplom- oder Semesterarbeit über ein lippisches Thema befaßte Studenten, zumal wenn sie es unterlassen, die Landesbibliothek aufzusuchen, kein Sterbenswort über Existenz und Wert der „Lippischen Bibliographie" je erfahren. Gerade wenn man sich vor Augen hält, in welchem Ausmaß dieses Werk dem Suchenden dienen will und dank seiner Zurüstung auch zu dienen vermag und welchen Aufwand an Mühe und Zeit die Bearbeiter dessentwillen hier investiert haben, kommt man nicht umhin, diese Form des Verschweigens, auch wenn sie sich unter Berufung auf eingespielte akademische Zitierpraktiken bis zu einem bestimmten Grad rechtfertigen läßt, zu bedauern, vor allem im Hinblick auf die für den Leser verhüllte Möglichkeit, noch andere als die vom Verfasser angegebenen Druckschriften kennenzulernen.

Die Lippische Landesbibliothek will jetzt einen neuen Weg beschreiten und die Jahresbibliographie künftig nicht nur im eigenen Haus, sondern auch im Buchhandel anbieten. Zu hoffen bleibt, daß sich dadurch auch die Nachfrage nach den beiden Bänden der Gesamtbibliographie wieder belebt; denn Lippe hat in der Tat in dieser Hinsicht noch einiges nachzuholen.

Bezugsmöglichkeiten:

Lippische Bibliographie, 1. Band (DM 30,-) und Lippische Bibliographie, 2. Band (DM 75,-):1ber das Institut für Lippische Landeskunde, Grabenstr. 12, 4930 Detmold (Telefon 05231/27194) oder über den örtlichen Buchhandel. Beide Bande können auch zum angegebenen Preis in der Lippischen Landesbibliothek, Hornsche Str 41, 4930 Detmold, erworben werden. Die Bibliothek übernimmt allerdings keinen Versand. – Lippische Jahresbibliographie (1976-82 in 7 Jahresausgaben. Stückpreis bis 1979 DM 6,-, ab 1980 DM 8,-) über die Lippische Landesbibliothek (Tel. 05231/22524} einschl. postalische Zustellung, neuerdings auch über den Buchhandel. Die Jahresbibliographie kann auch abonniert werden.