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„Lippisches Autorenlexikon“ – eine Aufgabe regionaler Dokumentation

Zugleich ein Aufruf zur Unterstützung der Arbeit der Lippischen Landesbibliothek Detmold

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Heimatland Lippe 77 (1984) 10, S. 316 - 317.

Zu den wesentlichen Aufgaben einer Landes- oder Regionalbibliothek zählen das Sammeln, Aufbewahren, Erschließen und Bereitstellen des in der betreffenden Region erschienenen und des auf die Region bezogenen Schrifttums aller Wissensgebiete. Dabei genügt es nicht, solche Literatur nur in den Katalogen der Bibliothek nachzuweisen, sondern zusätzlich durch Verzeichnung in einer Regionalbibliographie Zugriffsmöglichkeiten auch anderenorts zu ermöglichen. Die große Bedeutung, die solch vermittelnden Informationsdienstleistungen heutzutage zukommt, bedarf längst keiner Begründung mehr.

Die Lippische Landesbibliothek trägt dieser Forderung an eine Regionalbibliothek Rechnung, in dem sie seit 1967 in jahresbänden die „Lippische ]ahresbibliographie“ (so der Titel seit 1976) herausgibt und somit einen willkommenen und nützlichen Informationstransfer gewährleistet. Der Bearbeiter der Bibliographie, Bibliotheksamtsrat Ernst Fleischhack, hat in dieser Zeitschrift bereits wiederholt über die bibliographische Arbeit berichtet, vor allem aber auf den Wert und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Bibliographie hingewiesen. Die stetig zunehmende Anzahl der zu verzeichnenden Literaturtitel unterstreicht, welch hoher Stellenwert gegenwärtig Fragen und Problemen aus allen Lebensbereichen einer Region beigemessen wird.

Die bibliographische Situation in Lippe bietet eine solide Grundlage und ist zugleich Voraussetzung für ein künftig weiterführendes Dienstleistungsangebot der Lippischen Landesbibliothek auf dem Sektor der regionalen Dokumentation: Aus der praktischen Erfahrung heraus hat sich gezeigt, daß Fragen nach Personen, die zu unserer Region in irgendeiner Weise in Beziehung stehen, ihren Veröffentlichungen und ihrer sachlichen Bedeutung sehr häufig an die Abteilung Regionaldokumentation (Lippe-Abt.) der Landesbibliothek gerichtet werden, eine Tatsache, die die Bibliothek im März 1983 u. a. veranlaßt hat, mit dem Plan eines auf das lippische Kreisgebiet bezogenen „Lippischen Autorenlexikons“ vor die Öffentlichkeit zu treten.

In dieses „Autorenlexikon“ sollen alle literarisch tätigen oder auch nur gelegentlich tätig gewesenen Personen aufgenommen werden, die am 1. Januar 1983 gelebt haben und innerhalb der Grenzen des jetzigen Kreises und vormaligen Landes Lippe geboren wurden. Gleichfalls sollen alle diejenigen Personen mit schriftstellerischen Aktivitäten verzeichnet werden, die am Stichtag oder aber während einer früheren Lebensperiode in unserer Region ihren Wohnsitz hatten. Für eine solche möglichst umfassende regionalbezogene biographisch-bibliographische Dokumentation ist es von Bedeutung, daß sich die Erfassung nicht nur auf landeskundliche oder schöngeistige Publikationen beschränkt, sondern sich auf alle Lebens- und Wissensbereiche und alle Formen druckschriftlicher oder anderweitig vervielfältigter Veröffentlichungen erstreckt – vom schwergewichtigen wissenschaftlichen Standardwerk bis hin zum Zeitungsaufsatz. Um den Band nicht über Gebühr anschwellen zu lassen, bleibt es hinsichtlich der Veröffentlichungen der verzeichneten Personen, insbesondere bei denjenigen mit einer Vielzahl von Publikationen, unumgänglich, eine Eingrenzung vorzunehmen; solches Vorgehen ist im übrigen bei vergleichbaren biographisch-bibliographischen Unternehmen grundsätzlich üblich. Richtungsweisend für die Aufnahme der Titel ist natürlich die vom jeweiligen Autor selbst getroffene Auswahl. Die wichtigsten Angaben seines Ausbildungs- und beruflichen Werdeganges gehen in knapp gehaltener Form stichwortartig den aufgenommenen Schriften voran. Sofern mitgeteilt, werden auch nebenberufliche Funktionen und Auszeichnungen, Mitgliedschaften in gelehrten Gesellschaften  u. ä. vermerkt; außerdem Geburtstag und -Ort. Sämtliche Angaben beruhen auf Freiwilligkeit, so daß dem mit Recht große Aufmerksamkeit zukommenden Datenschutz Rechnung getragen wird.

Bisher hat die Lippische Landesbibliothek weit über 800 Fragebögen, zumeist aufgrund eigener Feststellungen, teilweise aber auch dank direkter Anforderungen und Hinweise, versendet, Nahezu 600 Fragebögen sind mittlerweile ausgefüllt wieder bei der Landesbibliothek eingetroffen, in der Abt. Regionaldokumentation durchgesehen und in das vorläufige Manuskript des geplanten Bandes eingearbeitet worden. Sämtliche Personen, die bis jetzt noch nicht geantwortet haben, aber auch alle diejenigen, die die genannten Voraussetzungen erfüllen, jedoch keinen Fragebogen erhalten haben, werden an dieser Stelle noch einmal dringend gebeten, sich umgehend bei der Lippischen Landesbibliothek, Hornsche Str. 41, 4930 Detmold (Tel. 052 31/2 28 24), zu melden, damit sie noch berücksichtigt werden können. Autoren, die trotz Erhalt eines Fragebogens keinerlei Angaben übermitteln, können allenfalls mit einer knappen Namenseintragung rechnen.

Da das in Vorbereitung befindliche regionalbiographisch-bibliographische Nachschlagwerk keine willkürliche Zusammenstellung, sondern das für den Berichtszeitpunkt repräsentative lippische Autorenlexikon sein soll, verdient es weitgehende Beteiligung und Unterstützung. Vorgesehen ist, dieses Lexikon in der zweiten Hälfte des Jahres in den Druck zu geben. In einem parallelen Arbeitsgang werden alle vor dem Stichtag zu Lippe in irgendeiner Beziehung stehenden Personen mit ihren wesentlichen Veröffentlichungen erfaßt; diese retrospektive Dokumentation soll, da ungleich arbeitsintensiver, zu einem späteren Zeitpunkt als zweiter Band des Autorenlexikons vorgelegt werden. Zudem ist ins Auge gefaßt, diese Art der regionalen Dokumentation auch in Zukunft weiter zu führen und in geeigneten Zeitabständen in Ergänzungsbänden zu veröffentlichen.

Mit dem „Lippischen Autorenlexikon“ wird einerseits eine noch vorhandene Lücke im Bereich regionaler Nachschlagewerke geschlossen, andererseits gewinnt unsere Region Anschluß an vergleichbare Unternehmungen in anderen Bundesländern, z. B. die „Niedersachsen-Dokumentation“, die in der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover unter Zuhilfenahme moderner Technologie vorangetrieben wird.