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Grabbe-Ausstellung in der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

von Detlev Hellfaier

Druckfassung in: Heimatland Lippe 75 (1982), 266-272.

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Ausstellung im Foyer der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin

Vor fast genau 160 Jahren – zu Ostern 1822 – immatrikulierte sich der Student Christian Dietrich Grabbe an der Universität zu Berlin, um hier, an der Wirkungsstätte Hegels und Savignys, sein zwei Jahre zuvor in Leipzig begonnenes Jurastudium fortzusetzen; auch hoffte er, und dies gab wohl schließlich den Ausschlag, in der preußischen Residenz den für seine literarischen Neigungen günstigeren Boden vorzufinden. Das folgende Jahr in Berlin gilt mit Recht zu den schaffensreichsten Perioden seines kurzen Lebens: die wohl schon in Detmold und unter wechselnder Titelfassung vorbereitete und in Leipzig fortgeführte Tragödie „Herzog Theodor von Gothland“, das „erste Drama des völligen Nihilismus“ (Benno v. Wiese), wurde hier am 11. Juni 1822 vollendet; innerhalb kürzester Zeit entstand in Berlin das später meistgespielte Grabbe-Stück überhaupt, die Literaturkomödie „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“. Die Trauerspiele „Nannette und Maria“ und „Marius und Sulla“ wurden gleichfalls noch in den Winter- und Frühjahrswochen 1823 in Berlin konzipiert. Aus der geistigen und literarischen Szenerie der preußischen Hauptstadt schöpfte Grabbe für seinen späteren literarischen Lebensweg vielfältige Anregungen.

Die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin hat daher das Jahr 1982 zum Anlaß genommen, in einer Ausstellung dem Leben und Werk des Detmolder Dichters – insbesondere den zwölf Monaten in Berlin –nachzugehen und der Öffentlichkeit vorzustellen. Vom 13. Mai bis zum 14. August zeigte sie in ihrem Foyer die Ausstellung „Christian Dietrich Grabbe – Berlin 1822/23“. Es lag nahe, daß die Universitätsbibliothek von ihren Beständen her allein sich nicht in der Lage gesehen hätte, eine solche Ausstellung auszurichten. Dies konnte nur in Zusammenarbeit mit der Lippischen Landesbibliothek erfolgen, die im „Grabbe-Archiv Alfred Bergmann“ ein Literaturarchiv von seltener Geschlossenheit besitzt. Die Lippische Landesbibliothek stellte die weitaus überwiegende Mehrzahl der Exponate in Berlin.

Die Ausstellung gliederte sich in sechs Komplexe: I. Detmold, II. Das Grabbe-Archiv Alfred Bergmann in der Lippischen Landesbibliothek, III. Berlin, IV. „Herzog Theodor von Gothland“, V. „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“, VI. Bibliographien, Werkausgaben, Literatur.
Kristallisationspunkte des Abschnitts I bildeten das Porträt Grabbes, das nach einer verschollenen Kreidezeichnung Wilhelm Heines aus dem Jahr 1836 angefertigt worden ist, sowie die von Emma Bergmann, der Ehefrau Alfred Bergmanns, in Ton modellierte Grabbe-Büste. Das räumliche Umfeld des Dichters machten zeitgenössische Ansichten und ausgewählte Literatur über Detmold und das Fürstentum Lippe deutlich, darunter eine kolorierte Kopie von Wilhelm Gottlieb von Donops Karte der Grafschaft Lippe von 1790 und das schöne Originalaquarell Gottfried von Blombergs, das Grabbes Vaterstadt im Jahre 1806 zeigt. Weitere Ausstellungsstücke – sowohl Literatur als auch Bilddokumente (Originale und Photographien) – illustrierten die Herkunft des Dichters und seinen Lebens- und Werdegang in Detmold: etwa die Zeichnung seines Geburtshauses, des Zuchthauses und des Strafwerkhauses, von der Hand des Archivrats Ludwig Knoch aus Grabbes Geburtsjahr 1801 und Alfred Bergmanns Studie über „Das Detmolder Zuchthaus als Stätte von Grabbes Kindheit und Jugend“ (1968); ferner Tusch- und Federzeichnungen des alten Detmolder Schulhauses, Grabbes Gymnasiums in der Schülerstraße und des alten Komödienhauses,  zu dessen lebhaften Besuchern der junge Grabbe gehört hat, dazu das Fragment eines Aufsatzheftes des Schülers Grabbe mit der mahnenden Schlußschrift des Lehrers und späteren Rektors Falkmann „Daß das Löschblatt fehlt, wird sehr getadelt!“ Bilder seiner Detmolder Freunde und Gönner, allen voran der Fürstin Pauline, die ihm ein Stipendium gewährte, des Archivrats Christian Gottlieb Clostermeier, der Grabbe gern als Amtsnachfolger gesehen hätte, aber auch Moritz Leopold Petris und Karl Zieglers, seiner Verlobten Henriette Meyer und seines Fürsten und Dienstherrn Leopolds II. , unter dem er von 1828–34 das Amt des Auditeurs bekleidete, zeigten das personale Umfeld Grabbes in Detmold. Seine Dienstzeit als Auditeur beleuchteten zusätzlich fünf Briefe von und an Grabbe, die von seiner Dotierung und Uniformierung handeln; das Gesuch des Auditeurs an Leopold II. vom 19. Dezember 1829 um Anhebung seiner Gage, die dann auch erfolgte, wenngleich nicht in der erhofften Höhe, war eine freundliche Leihgabe des Nordrhein-westfälischen Staatsarchivs Detmold. Mit Grabbes Sterbehaus Unter der Wehme und seiner Grabstätte auf dem Friedhof am Weinberg endet der nur wenige hundert Meter weite – symbolische – Lebensweg Grabbes von Detmold nach Detmold.

Vitrine „Detmold“. In der Wandvitrine Figurinen zum „Herzog Theodor von Gothland“ von Charlotte Flemming für die Inszenierung 1941 in Bochum (Saladin Schmitt)

Der kürzere Abschnitt II war Persönlichkeit und Werk des Grabbeforschers Alfred Bergmann und dem von ihm geschaffenen Grabbe-Archiv der Lippischen Landesbibliothek gewidmet. Photographien, die Personalbibliographie des großen Privatgelehrten, biographisches Schrifttum, Literatur über das Grabbe-Archiv und über die Lippische Landesbibliothek zeichneten ein farbiges Bild nicht nur von Alfred Bergmann selbst, sondern auch über das wesentliche Kapitel der Grabbeforschung überhaupt.

Mit einer Photographie von Grabbes Wohnhaus in Berlin in der alten Friedrichstraße 83, wo der Dichter „drei Treppen hoch bei dem Herrn Riemermeister Kramer“ im April 1822 ein Zimmer bezog, und einem kolorierten Originalstich der Prachtstraße Unter den Linden von 1831, die, wie Grabbe seinen Eltern mitteilt, nur vier Häuser von seinem Logis entfernt sind, setzte der Abschnitt III der Ausstellung ein. Die Auslagen orientierten sich zunächst in ihrer Mehrzahl an der bildlichen Darstellung jener Orte, mit denen Grabbe seine Eltern in Detmold brieflich bekannt machte: das von Karl Friedrich Schinkel erst 1821 neu errichtete Neue Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (kol. Kupferstich von H. Hinze), wo er den großen Schauspieler  Ludwig Devrient in den Rollen des Juden Shylock in Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ und als König Lear bewundern konnte, aber auch das Berliner Opernhaus, die großen Truppenparaden und vieles andere mehr.

Grabbes Studium an der Berliner Universität, das er, wie wir wissen, wohl nicht mit dem eigentlich zu erwartenden Eifer betrieben hat, wurde durch Werke der beiden Juristen Friedrich August Biener (1787-1861) und Moritz August von Bethmann-Hollweg (1795-1877), einem Schüler Savignys, belegt; Grabbe hörte im Sommersemester 1822 Bieners Vorlesung über das Kriminalrecht und besuchte im Wintersemester 1822/23 Bethmann-Hollwegs Kolleg über den Prozeß. Doch scheint der Detmolder Student nur gelegentlicher Gast im Auditorium gewesen zu sein, denn seinen Freunden gelang es später nur mit Mühe, für ihn Testate der beiden Professoren zu erlangen. – Eine besondere Rolle scheint für Grabbe in Berlin auch der damalige Rektor der Universität, der Historiker und Staatswissenschaltler Friedrich von Raumer (1781-1873) gespielt zu haben, der gerade eine Vorlesung über die Zeit der Staufer hielt. Allerdings ist nicht bekannt, ob Grabbe eine Vorlesungsstunde gehört hat; es ist jedoch nicht auszuschließen. Aus dem von 1823–25 in sechs Bänden erschienenen Hauptwerk von Raumers „Geschichte der Hohenstaufen und ihre Zeit“ hat Grabbe jedenfalls später Anregungen und Stoff für seine beiden Stauferdramen „Kaiser Friedrich Barbarossa“ und „Kaiser Heinrich der Sechste“ bezogen. Die Ausstellung zeigte neben Porträt und Literatur von und über Raumer auch die Erstausgabe seiner „Hohenstaufen“.

BOR Dr. Doris Fouquet-Plümacher und BR D. Hellfaier. (Beide UB d. Freien Universität Berlin)

Wie eingangs erwähnt wurde, glaubte Grabbe, in Berlin leichter als anderswo die Schriftstellerlaufbahn einschlagen oder sich als Schauspieler oder Dramaturg an einem Theater versuchen zu können. Dieses Ansinnen brachte ihn bald in den Kontakt zu verschiedenen literarischen Zirkeln, namentlich zu einem, der sich regelmäßig in einem Casino in der Behrenstraße (nahe Unter den Linden) traf und sich vornehmlich aus literarisch interessierten und schriftstellernden Studenten, meist der Rechtswissenschaften, zusammensetzte. Grabbe kam in diesem Kreis schnell zu Anerkennung. Der folgende Teil der Ausstellung war daher diesem literarischen Zirkel gewidmet. Durch Bilder, Erst- und Gesamtausgaben sowie einer Auswahl von biographischen Schriften wurden vorrangig diejenigen präsentiert, die sich in der Welt der Poesie oder der dramatischen Dichtkunst einen Namen machen konnten; an der Spitze Heinrich Heine (1797-1856), der in Grabbe das Genie erkannte und sich auch, nachdem sich jener mit ihm überworfen hatte, stets zu ihm und seiner Leistung bekannte und damit charakterliche Integrität bewies. Heine führte den Detmolder Studenten nicht nur in den genannten Zirkel ein, sondern bemühte sich auch, ihn mit Persönlichkeiten der Kulturszene bekanntzumachen. So vor allem mit dem Schriftsteller, Theaterkritiker, Verleger und Professor an der Preußischen Kunstakademie Friedrich Wilhelm Gubitz (1786-1870). Gubitz war u. a. der einflußreiche Herausgeber der Zeitschrift „Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz“ und anderer schöngeistiger Blätter. Auch wenn er damals zu einer Aufführung von Grabbes „Herzog Theodor von Gothland“ nicht raten mochte, so beeindruckte ihn doch die dramatische Leistung des jungen Detmolders. Nach Erscheinen von Grabbes „Dramatischen Dichtungen“ (1827) trug Gubitz Sorge für eine Rezension im „Gesellschafter“, desgleichen auch für die später geschaffenen Werke „Don Juan und Faust“ und „Barbarossa“. Das Manuskript „Herzog Theodor von Gothland“ übermittelte Heine auch dem Schriftsteller und Diplomaten Karl August Varnhagen (1785-1858), hatte hier aber offenbar nicht den gewünschten Erfolg; denn dessen Gemahlin Rachel, eine der bedeutendsten Frauen jener Zeit, deren Geist und Persönlichkeit das literarische Leben stark beeinflußt hat, ließ noch spät in der Nacht Heine rufen und beschwor ihn „um Gottes willen, das entsetzliche Manuskript wieder zurückzunehmen, da sie nicht schlafen könne, solange es sich noch im Hause befinde“.

Neben Heine gehörten vor allem noch der Jurist und auch von Ludwig Tieck geschätzte Dramatiker Friedrich von Uechtritz (1800-1875), den Grabbe später in der Person des Bythinierkönigs Prusias in der Tragödie „Hannibal“ verspottete, und der Jurist, Schriftsteller und spätere Braunschweiger Theaterintendant Karl Köchy (1800-1880) zu dem schriftstellernden Kreis. Uechtritz war insbesondere durch eine Reihe von historischen Dramen bekannt geworden, darunter „Rom und Spartacus“, „Rom und Otto der Dritte“, „Chrysostomus“ (alle 1823) und „Alexander und Darius“ (1826). Köchy ist neben bühnentheoretischen Abhandlungen auch mit einigen poetischen Werken in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen. Man darf annehmen, daß Grabbe hier zahlreiche Anregungen für seinen literarischen Lebensweg erhalten hat.

In zwei besonderen Vitrinen waren Originalbriefe von und an Grabbe während der Berliner Zeit aus dem Grabbe-Archiv der Lippischen Landesbibliothek ausgelegt, darunter ein Brief des Zuchtmeisters Grabbe an seinen Sohn vom 19.5.1822. Adolph Henrich Grabbe erkundigt sich voll Sorge nach dem Wohlergehen seines Sohnes und berichtet von Neuigkeiten und vom Klatsch aus der lippischen Residenz. Auch die sechs Briefe Grabbes an seine Eltern künden einerseits von der tiefen Sorge des Studenten um das Befinden der Eltern, die ihrem einzigen Sohn mit ihren geringen Ersparnissen das Studium ermöglichen, geben andererseits aber auch bei allen notwendigen Abstrichen wesentliche Einblicke in Grabbes Alltag in Berlin: Milieuschilderungen der preußischen Hauptstadt, seine bisherigen Erfolge und Anerkennungen als Schriftsteller (!), seinen Umgang, aber auch seine Abneigung gegen das provinzielle Detmold, in dem er sich nie niederlassen möchte. Es sollte anders kommen, wie wir wissen.

Figurinen und Bühnenbildentwürfe zu „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ von Johannes Schröder für die Inszenierung 1941 in Bochum (Saladin Schmitt)

Besondere Freude und Genugtuung bereitete Grabbe ein Brief des Schriftstellers Johann Ludwig Tieck (1773-1853), der als bester Kenner des Theaters auch von Goethe geschätzt und nach Schillers Tod neben dem Dichterfürsten in Weimar als führende literarische Größe anerkannt wurde. Grabbe hatte ihm mit einem Begleitschreiben am 21. September 1822 das Manuskript seines „Herzog Theodor von Gothland“ mit der Bitte um Beurteilung zugesandt. Tiecks Brief datiert vom 6. Dezember 1822; er erreichte Grabbe in Berlin über den Rektor der Universität von Raumer an seinem Geburtstag am 11. Dezember. Tieck setzte sich ausführlich mit dem „Gothland“ auseinander, ahnte wohl auch biographische Bezüge und bestätigte trotz starken Unbehagens, das er bei der Lektüre dieses Erstlingswerkes empfand, dem Verfasser eine gewisse Genialität, in der sich Grabbe bestätigt sehen mußte. Sein Urteil gipfelt in dem Satz: „Ihr Werk hat mich angezogen, sehr interessiert, abgestoßen, erschreckt und meine große Theilnahme für den Autor gewonnen.“ Nicht ganz so zufriedenstellend scheint dann die Resonanz auf das Lustspiel „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ ausgefallen zu sein, das ihm Grabbe wenig später gleichfalls aus Berlin zugeschickt hatte. Tiecks Brief vom 6. Dezember ist im Original nicht mehr erhalten, ausgelegt war daher eine Abschrift von Grabbes eigener Hand, die er für seinen Verleger Ferdinand Kettembeil in Frankfurt/M. angefertigt hatte; Kettembeil druckte den Brief 1827 in den „Dramatischen Dichtungen von Grabbe“ anstelle einer Vorrede ab.

Ganz anders geartet ist das undatierte Konzept eines Briefes, den Grabbe viel leicht Anfang des Jahres 1823 an den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm mit der innigen Bitte richtete, ihm ein Engagement als Schauspieler zu verschaffen, da alle bisherigen Versuche in dieser Richtung, darunter auch die Suche nach einem Verleger für das von ihm verfaßte Trauerspiel aufgrund seiner Armut und seiner unglücklichen sozialen Verhältnisse, gescheitert seien. Hier ist nichts mehr von dem Optimismus und den euphorischen Hoffnungen zu spüren, die noch die Briefe an die Eltern ausmachten; hier liegt eine Selbstdarstellung vor, die der wahren Situation, in der sich Grabbe in jener Zeit in Berlin befand, nahe kommen dürfte; Grund genug für den von Berlin enttäuschten Dichter, der Stadt im März 1823 den Rücken zu kehren und sich über Leipzig nach Dresden zu begeben, wo er sich von Ludwig Tieck Unterstützung erhoffte. Es ist nicht bekannt, ob Grabbe den Brief an den Kronprinzen tatsächlich abzusenden beabsichtigte.

Während der Eröffnung. Mitte: Ltd. Bibliotheksdirektor Dr. Hellfaier. Rechts neben ihm BR D. Hellfaier M.A. und Frau Rose Hellfaier.

Die Abschnitte IV und V der Ausstellung hatten die in Berlin beendeten bzw. geschriebenen Werke, die Tragödie „Herzog Theodor von Gothland“ und das Lustspiel „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ zum Gegenstand. Die Tragödie wurde am 11. Juni 1822 fertiggestellt, das Lustspiel konnte Grabbe im September des gleichen Jahres seinen Freunden im Casino in der Behrenstraße vorstellen. Die Lippische Landesbibliothek stellte drei Werkmanuskripte von Grabbes Hand aus dem Grabbe-Archiv zur Verfügung. Das Urmanuskript von „Herzog Theodor“ aus Berlin ist nicht mehr erhalten, ausgelegt war daher die 420 beschriebene Blätter umfassende Druckvorlage für die „Dramatischen Dichtungen“, die 1827 bei Kettembeil in Frankfurt/M. erschienen sind. Nach Alfred Bergmann entstand das vorliegende Manuskript im November 1826. Neben dieser Werkhandschrift waren u. a. eine Reihe von Einzelausgaben aus der Zeit von 1878 bis 1971 ausgewählt, ferner Szenenfotos einer Aufführung in Dortmund 1936, ein Plakat zu einer solchen am Zürcher Pfauentheater. Einen farbenprächtigen Abschluß bilden acht Figurinen (Kostümzeichnungen für das Theater) zu „Herzog Theodor“, die die Kostümbildnerin Charlotte Flemming 1941 angefertigt hat; auch sie stammen aus dem Grabbe-Archiv der Detmolder Landesbibliothek.

Von der Literaturkomödie „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ sind zwei Werkhandschriften erhalten geblieben. Bei der älteren handelt es sich allem Anschein nach um jenes Exemplar, welches Grabbe in Berlin anfertigte und am 16. Dezember 1822 an Ludwig Tieck sandte. Grabbe erhielt diese Handschrift von Tieck nie zurück, sie tauchte erst zu Beginn unseres Jahrhunderts im Dresdener Antiquariatshandel wieder auf. Alfred Bergmann legte dieses 163 Blätter umfassende Manuskript einer Ausgabe zugrunde, die 1915 geschmückt mit Holzschnitten von Karl Thylmann bei Kurt Wolff in Leipzig erschienen ist; diese Ausgabe enthält somit die früheste Fassung des Lustspiels überhaupt. Das zweite überlieferte Werkmanuskript ist gleichfalls die Vorlage für den Druck in den „Dramatischen Dichtungen“; es umfaßt 159 Blätter und wurde wohl auch gegen Ende des Jahres 1826 von Grabbe verfertigt. Es folgten Einzelausgaben von „Scherz, Satire“, darunter die ebenerwähnte von Alfred Bergmann aus dem Jahre 1915, Übersetzungen in englischer und französischer Sprache, Szenenfotos von Aufführungen in Berlin (1915, 1936, 1955) und acht Figurinen und ebenso viele Bühnenbildentwürfe des Bühnen- und Kostümbildners Johannes Schröder aus dem Jahre 1941.
Den Abschnitt VI bildete eine reiche Auswahl von Gesamtausgaben und Teilsammlungen von den „Dramatischen Dichtungen“, 1827, über die erste Gesamtausgabe von Rudolf Gottschall, die 1870 bei Reclam in Leipzig erschienen ist, bis zur von Alfred Bergmann bearbeiteten sechsbändigen historisch-kritischen Göttinger Akademie-Ausgabe der Jahre 1960-1973. Einzelausgaben, Untersuchungen und Darstellungen suchten die Thematik um Grabbes Leben und Werk zu vervollständigen.

Bezogen auf nur einen kurzen, aber schaffensreichen Lebensabschnitt des Detmolder Dichters machte die Ausstellung Studenten und interessierte Berliner mit einem Stück deutscher Literaturgeschichte bekannt, das Einzigartigkeit für sich beanspruchen kann. Die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin aber kann von sich sagen, so betonte Ltd. Bibliotheksdirektor Dr. Werner Liebich in seiner Eröffnungsansprache, als erste und einzige Kulturinstitution in Berlin dieses Thema „Christian Dietrich Grabbe – Berlin 1822/23“ zur Ausstellung aufgegriffen zu haben.

Zur Ausstellung ist ein ausführlicher Ausstellungsführer erschienen, der auch über die Lippische Landesbibliothek, Hornsche Str. 41, 4930 Detmold, bezogen werden kann: Christian Dietrich Grabbe – Berlin 1822/23. Ausstellung der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin und der Lippischen Landesbibliothek Detmold vom 13. Mai bis 31. Juli 1982. Ausstellung u. Katalog Detlev Hellfaier u. Karl-Alexander Hellfaier. – Berlin 1982. 76 S. (Ausstellungsführer der Universitätsbibliothek der Freien Universität. 7), Preis 2,- DM.