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Der Lesesaal der Lippischen Landesbibliothek

von Erich Wassermann

Druckfassung in: Heimatland Lippe 73 (1980), S. 41-43.

Eine der wichtigsten Benutzungseinrichtungen der Lippischen Landesbibliothek ist der im ersten Stock gelegene Lesesaal. Sein Kernstück ist die Handbibliothek, die eine Präsenzbibliothek ist; ihre Bestände fallen unter die in der Benutzungsordnung im § 12 genannten Benutzungsbeschränkungen.

Zahlreiche Nachschlagewerke und Handbücher bieten dem Benutzer eine vielfältige Informationsmöglichkeit. Der Lesesaal steht allen Bürgern – auch denjenigen, die keine eingetragenen Bibliotheksbenutzer sind – zur Verfügung und ist montags bis freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr und von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Beim Betreten des Lesesaals muß sich jeder Besucher in das am Eingang ausliegende Benutzerbuch eintragen; er unterwirft sich damit der Benutzungsordnung, die u. a. aussagt, daß im Interesse aller Benutzer im Lesesaal größte Ruhe zu bewahren ist. Gespräche oder störende Geräusche sind also zu vermeiden. Ebenso sind Rauchen, Essen und Trinken hier nicht erlaubt. Garderobe, Taschen, Schirme oder sonstige Gepäckstücke sind in den Garderobenschränken, die sich im Vorraum befinden, einzuschließen.

Der Lesesaal der Lippischen Landesbibliothek

Der im Lesesaal diensttuende Angestellte ist für die Sicherheit und Ordnung der Lesesaalbestände und für die Betreuung der Benutzer verantwortlich. Der Lesesaal bietet 23 Arbeitsplätze, davon sind 5 auf einer eingezogenen Galerie eingerichtet. Rechts und links, durch einen breiten Mittelgang getrennt, sind hintereinander kunststoffbeschichtete Doppeltische aufgestellt, wo an jedem Doppeltisch 2 Benutzer Platz finden können. Eine Fensterfront mit hohen Seitenfenstern und eine Deckenbeleuchtung gewährleisten im Lesesaal sehr gute Lichtverhältnisse.

Während man heute die längs an den Wänden in Regalen untergebrachten Bücher durch monatliche Revision auf Vollzähligkeit überprüft, war dies im 17. Jahrhundert in den Lesezimmern der Klosterbibliotheken nicht notwendig, denn dort wurde noch jedes einzelne Buch zur Erhaltung der Ordnung und Schutz vor Diebstahl angekettet.

Der Lesesaal mit seiner Handbibliothek ist eine Einrichtung, die dem Benutzer einen direkten Zugang und Zugriff zum Buch möglich macht. Die mit grundlegenden und wichtigen Werken ausgestattete Handbibliothek, die aus ca. 5.000 Bänden besteht, setzt sich aus Nachschlagewerken, mehrbändigen Handbüchern, Lexika, Wörterbüchern, Adreßbücher, Vorlesungsverzeichnissen von Universitäten und Hochschulen, Bibliographien, Text- und Gesetzessammlungen und Lehrbüchern aller Fach- und Wissensgebiete zusammen. Die Aktualität der Bestände wird durch Fortsetzungen und neue Auflagen erzielt. Überholte Werke und Texte – z. B. bei Gesetzestexten und -kommentaren – werden ausgeschieden und durch neue ersetzt.

Die Handbibliothek ist in Sachgruppen gegliedert, die durch entsprechende Beschriftungen kenntlich gemacht sind. Weitere Orientierungshilfen sind ein alphabetischer Katalog und ein Sachkatalog. Bei letzterem steht am Anfang eine allgemeine Gruppe mit Enzyklopädien und Biographien, dann folgen Genealogie, Geschichte, Geographie, Rechtswissenschaften, Medizin und andere Gruppen. Es sind insgesamt 21 Sachgruppen (vgl. „Anhang“).

Im Lesesaal können nicht nur die Werke der Handbibliothek benutzt werden, sondern auf Wunsch auch Bücher aus dem Magazinbestand; Werke, die Ausleihbeschränkungen unterliegen, können nur im Lesesaal benutzt werden. Dazu gehören: Kostbare und seltene Drucke, Handschriften und Autographen, maschinenschriftliche Arbeiten, Bücher, die vor mehr als 100 Jahren erschienen sind, Bestände der Sondersammlungen, ungebundene und laufende Zeitschriftenjahrgänge, Loseblattsammlungen, durch den Leihverkehr beschaffte Literatur, die von der verleihenden Bibliothek nur für die Benutzung im Lesesaal bestimmt ist, und Zeitungsbände. Man kann natürlich ebenfalls mit eigenen mitgebrachten Büchern im Lesesaal arbeiten.

Zur Benutzung von Karten und Tafelwerken steht ein Kartenpult zur Verfügung. Atlanten gehören in die große Gruppe der Nachschlagewerke und daher in die Handbibliothek eines Lesesaals, den jede wissenschaftliche Bibliothek unterhält. Von einfachen Stadtplänen, Städteplanungsatlanten, Deutschen Generalatlanten, Weltatlanten, topographischen Atlanten, bis hin zu kirchengeschichtlichen und Weltraumatlanten reicht hier die Auswahl.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Lesesaalverwaltung ist die Erteilung von Auskünften. Da es sich in der Regel sehr oft um Sachauskünfte handelt, muß der Nachweis von Werken erbracht werden, aus denen das Gesuchte entnommen werden kann. So wird hier oft auf Fragen nach Biographien von Persönlichkeiten, geschichtlichen Begebenheiten, Aufbau und Arbeitsweise von Datenverarbeitungsanlagen, Bundes- oder Landesgesetzen mit ihren Kommentierungen, Anschriften bestimmter Institute und Fakultäten eine Antwort gefunden, um nur einige Beispiele zu nennen. Außerdem liegen im Lesesaal täglich die neuesten lokalen und einige der bekanntesten überregionalen Tages- und Wochenzeitungen zur Einsicht aus. Selbstverständlich können hier auch die neuesten Zeitschriften der verschiedensten Wissensgebiete eingesehen werden.

Als Besonderheit zu erwähnen ist eine kleine Buchauslage, die aus einer Auswahl aktueller Neuerwerbungen verschiedener Sachgebiete besteht. Der Benutzer hat die Möglichkeit, sich in eine ausgelegte Vormerkliste einzutragen. Die Buchauslage wechselt alle zwei Wochen. Der Lesesaal ist mit seiner frei zugänglichen Handbibliothek eine stets befragbare Auskunftsstätte und ein Studienplatz zugleich.

Anhang: Systematik der Handbibliothek

  1. Allgemeine Nachschlagewerke
  2. Loseblattausgaben
  3. Biographische Nachschlagewerke
  4. Genealogie
  5. z. Z. unbesetzt
  6. Volkskunde
  7. Geschichte, Kulturgeschichte
  8. z. Z. unbesetzt
  9. Geographie, Völkerkunde
  10. Rechtswissenschaften
  11. z. Z. unbesetzt
  12. Staatswissenschaften
  13. Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaften
  14. Wörterbücher
  15. Literatur, Sprachwissenschaften
  16. Kunstwissenschaften
  17. Musikwissenschaften
  18. Philosophie, Pädagogik, Psychologie
  19. Theologie
  20. Naturwissenschaften, Mathematik, Technik
  21. Medizin
  22. Bibliographien
  23. Bibliothek Lippe
  24. Buch- und Bibliothekswesen