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Der auswärtige Leihverkehr der Lippischen Landesbibliothek

von Susanne Zans

Druckfassung in: Heimatland Lippe 73 1980, S. 11-13.

In jeder Bibliothek, so auch in der Lippischen Landesbibliothek, ist dem auswärtigen Leihverkehr, auch Fernleihe genannt, eine eigene Dienststelle zugeteilt. Der Leihverkehr dient zur Förderung von Forschung und Lehre sowie sonstiger wissenschaftlicher Arbeit.

In § 9 der Benutzungsordnung der Lippischen Landesbibliothek ist der Leihverkehr wie folgt geregelt:

„1. Werke, die in den Beständen der Bibliothek nicht vorhanden sind, können über den auswärtigen Leihverkehr von einer Bibliothek für den Benutzer besorgt werden.

2. Für diese Bestellung liegen in der Leihstelle rote Leihscheine aus. Diese können nur weitergeleitet werden, wenn sie mit Schreibmaschine ausgefüllt sind und die Titelangaben genau und vollständig sind (Verfasser mit Vornamen, Titel, Erscheinungsorte und -jahr). Bei Zeitschriftenbestellungen müssen außer dem ungekürzten Titel und der Angabe des Bandes auch Verfasser und Titel des gewünschten Aufsatzes angegeben werden. Gleichzeitig muß der Besteller die bereitliegende Postkarte mit seiner Anschrift versehen, mit der er benachrichtigt wird, sobald das Buch angekommen ist.

3. Bei Bestellungen von ausländischen Bibliotheken muß der Entleiher die Portokosten für Hin- und Rücksendung der Bücher tragen.“

Jeder Benutzer der Bibliothek hat also die Möglichkeit, über Fernleihe Literatur für wissenschaftliche Zwecke zu bestellen – für Schule, Ausbildung, Studium, Beruf. Unter Literatur versteht man nicht nur Bücher, sondern auch Zeitschriften, Aufsätze und Mikrofilme. Der Leser trägt bei Inanspruchnahme der Fernleihe keine Kosten. Lediglich im Rahmen des Urheberrechts werden für jede Kopie 0,50 DM erhoben. Literatur, die weniger als 10,- DM kostet, wird nicht bestellt, wenn sie im Buchhandel noch erhältlich ist.

Eine erhebliche Erleichterung und Beschleunigung des Bestellverfahrens ergibt sich, wenn der Benutzer auf dem Leihschein in das Feld „bibliographische Angaben“ vermerkt, wo das gewünschte Werk zitiert ist. Auch kann er die Bibliographien und Lexika, die im Katalograum stehen, selber benutzen. Denn in diesen Werken muß der Bibliothekar den vom Benutzer gewünschten Titel ermitteln.

Arbeitsraum des Auswärtigen Leihverkehrs (ALV) – Fernleihe.
An der Stirnseite der Katalog des Britischen Museums, der größten Bibliothek in England. Links der Katalog der Library of Congress, der größten Bibliothek der USA.

Im Unterschied zu Katalogen, die den tatsächlichen Bestand an Schriften einer Bibliothek nachweisen, sind Bibliographien nach bestimmten Gesichtspunkten geordnete Verzeichnisse von Schriften, unabhängig davon, ob sie in einer Bibliothek vorhanden sind oder nicht. Es gibt Allgemein- und Fachbibliographien, nationale und internationale, analytische und räsonnierende, Zeitschriften- und Biobibliographien. Die Kenntnis der grundlegenden Bibliographien und die Technik ihrer Benutzung gehören zu den wesentlichen Voraussetzungen bibliothekarischer Praxis. Dazu gehören u. a. die folgenden Werke:

  1. Nationalbibliographien wie:
    Kayser: Vollständiges Biicherlexikon
    Deutsche Bibliographie
    Deutsches Büeherverzeiehnis
    Books in print
    British national bibliography
    Les livres de l’annee — biblio.
  2. Bibliothekskataloge:
    National union catalog
    British museum general catalogue of printed books
    Catalogue general des livres imprimes de la Bibliotheque National
  3. Zeitschriftenverzeichnisse:
    Gesamtverzeichnis deutschsprachigcr Zeitschriften und Serien
    Gesamtverzeichnis ausländischer Zeitschriften und Serien
    sowie Zeitschriftenverzeichnisse einzelner Bibliotheken wie der Universitätsbibliotheken Münster, Göttingen, München
  4. Fachbibliographien einzelner Gebiete wie Germanistik, Pädagogik, Psychologie
  5. Lexika, Enzyklopädien und andere Nachschlagewerke.

Das Bibliographieren ist notwendig, um evtl. Titel zu vervollständigen und um nachzuweisen, in welcher Bibliothek das Werk enthalten ist. Bei Büchern ist dies jedoch schwieriger als bei Zeitschriften, da viele Bibliotheken ihre Zeitschriftenbestände verzeichnen und veröffentlichen. In diesem Falle wird die Bestellung direkt an die betreffende Bibliothek geschickt, wo die Zeitschrift vorhanden ist. Bei nicht nachzuweisenden Zeitschriften und Büchern schickt der Bibliothekar die Bestellung an den Zentralkatalog Köln.

Die Bundesrepublik Deutschland ist in sieben Zentralkatalog-Regionen unterteilt. Diese Zentralkataloge haben die Aufgabe, die Fundorte in den Leihverkehrsregionen zu ermitteln und die Bestellungen an die betreffenden Bibliotheken weiterzuleiten. Nach Eintreffen des bestellten Werkes erhält der Benutzer die Benachrichtigung, daß er das Buch in der Ausleihe abholen kann. Dort hat er auch die Möglichkeit, seine Fernleihbestellung zu verlängern, indem er ein entsprechendes Formular ausfüllt. Besonders alte, teure oder seltene Werke kann der Benutzer nicht mit nach Hause nehmen, sondern sie nur im Lesesaal der Lippischen Landesbibliothek einsehen. Sollte der Benutzer nämlich ein Buch verlieren oder beschädigen, so ist er in jedem Falle schadensersatzpflichtig.

Neben dieser Form der Fernleihe, der sogenannten passiven Fernleihe, leiht die Lippische Landesbibliothek auch ihre eigenen Bestände an andere Bibliotheken aus – sie nimmt also auch aktiv am Leihverkehr teil. Die Zahl der verliehenen Bände betrug im Jahr 1978: 8985 Bände; 4994 Bestellungen wurden von der Lippischen Landesbibliothek aufgegeben.