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Die Lippe-Sammlung der Lippischen Landesbibliothek und die Lippische Bibliographie

von Ernst Fleischhack

Druckfassung in: Heimatland Lippe 73 1980, S. 175-177.

Zu den angestammten Aufgaben einer Landesbibliothek gehört, das über den einheimischen Raum, seine Bevölkerung und seine Geschichte erschienene Schrifttum zu erfassen, zu sammeln und auszuwerten.

Im vorigen Jahrhundert haben langjährige Leiter der Lippischen Landesbibliothek, wie Clostermeier und Preuß, die sich selbst aktiv an der landeskundlichen Forschungsarbeit beteiligten, für die entsprechende Literaturanschaffung auf diesem Sektor Sorge getragen. Eine gesondert aufgestellte Lippe-Sammlung besteht aber erst seit dem Jahre 1928. Von diesem Zeitpunkt an bemüht sich die Bibliothek laufend und konsequent um die Erwerbung von mindestens 2 Exemplaren der neu erschienenen lippischen Veröffentlichungen, unabhängig davon, ob es sich um eine anspruchsvolle Ortschronik, eine Verkehrsstatistik, eine Wanderkarte oder eine Turnvereinsfestschrift handelt.

Bis jetzt sind über 5.000 Eintragungen in das Lippiaca-Standortjournal erfolgt. Die Zahl der eingestellten Bände beträgt knapp 18.000. Hinzu kommen 1.100 graphische Blätter, 150 Bilder, 31 Skizzenbücher, 40 fotografische Alben, 35 Manuskriptbündel und etliche Stellmeter noch ungesichtetes Material aus der Heimatbildsammlung. Nur die dem Land Nordrhein-Westfalen unterstehenden Behörden des Regierungs-Bezirks Detmold sind auf Grund einer Bekanntmachung des Innenministers NW vom 9.1.1969 verpflichtet, jeweils ein Exemplar der von ihnen herausgegebenen Druckschriften an die Lippische Landesbibliothek abzuliefern. Private Hersteller schicken aus eigenem Antrieb der Bibliothek nur selten etwas zu. So bleibt dem Betreuer der Lippe-Abteilung nichts anderes übrig, als die jeweilige Publikation zu erbitten bzw. zum Kauf zu bestellen. In den meisten Fällen sind diesbezügliche Bemühungen von Erfolg gekrönt. Einige Schwierigkeiten bereitet es hingegen, die zeitweilig wie Pilze aus dem Boden schießenden, meist aber nur kurzlebigen Schülerzeitungen und ähnlichen Erzeugnisse der Grauzonenliteratur festzustellen und für den Bibliotheksbestand zu beschaffen.

Neben Monographien und Zeitschriften gilt es aber auch, die sog. bibliographisch unselbständige Literatur, also die einzelnen in Büchern, Sammelwerken, Zeitschriften und Zeitungen erschienenen Beiträge und Aufsätze, zu erfassen. Eine Veröffentlichung, die ganz Westfalen zum Gegenstand ihrer Betrachtung hat und nur in einzelnen Kapiteln oder Abschnitten ausdrücklich auf lippische Probleme eingeht, kann zwar nicht als spezifisches „Lippiacum“ betrachtet und in die Lippe-Sammlung eingestellt werden, ist aber unbedingt im Lippe-Katalog mit zu berücksichtigen. Die Arbeit der Lippe-Abteilung erfährt dadurch eine beachtliche Ausweitung. Neben der Inaugenscheinnahme der gesamten eingegangenen Buchliteratur, insbesondere der westfälischen Neuerscheinungen, obliegt dem Betreuer laufend die Durchsicht von über 200 Periodica, darunter 18 Bibliographien. Hierbei registriert er die für den Lippe-Katalog in Frage kommenden Titel und erledigt ihre Aufnahme – wie die der bibliographisch selbständigen Schriften – nach den in der Bibliothek geltenden „Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der preußischen Bibliotheken“. Achtgeben muß er zugleich auf neue Titelhinweise. Sie finden sich vor allem in den Anmerkungen und im Literaturanhang wissenschaftlich fundierter Werke. Erste Mitteilungen über neue Veröffentlichungen bringen häufig die Tageszeitungen.

Der Lippe-Katalog ist ein Zettelkatalog im international gängigen Format 12,5 x 7,5 cm. Er setzt sich aus 2 Hauptteilen zusammen. Im ersten, dem Lippe-AK (Alph. Katalog), sind die Schriften alphabetisch nach Verfassern und innerhalb eines jeden Verfassers alphabetisch nach dem 1. Ordnungswort des Sachtitels (d. i. in der Regel das erste im 1. Fall stehende Hauptwort) geordnet. Im anderen Katalogteil, dem Lippe-SK (Sachkatalog), gruppieren sich die Titelkarten nach Sachgebieten. Zugrunde liegt die Systematik der „Lippischen Bibliographie“. Es gibt 15 Hauptabteilungen, die sich ihrerseits in Unterabteilungen und -gruppen verzweigen. Innerhalb der jeweils untersten Einheit sind die Zettel chronologisch angeordnet. Ein Titel, der mehrere Sachgebiete zugleich berührt, erhält eine Mehrfachzuweisung. Den Beitrag „Horstmann: Saline und Bad Salzuflen“ wird man demzufolge sowohl unter „G: Wirtschaft, IV: Berg- u. Salinenwesen als auch unter „E: Recht, Verwaltung, IV: Volksgesundheit, 7: Heilquellen u. Bäder“ antreffen.

Der Lippe-Katalog umfaßt im Augenblick rund 75.000 Karten. 45.000 entfallen dabei auf den Sachkatalog und 30.000 auf den Alphabetischen Katalog. Für die Heimatbild-Sammlung bestehen gesonderte Zettelkataloge. In der einen Abteilung sind die Karten alphabetisch nach Künstlern angeordnet, in der anderen sachlich nach dargestellten Ortschaften, Persönlichkeiten und sonstigen Themen. Insgesamt umfaßt dieser Sonderkatalog über 2.500 Zettel. Das wichtigste lippische Schrifttum – wie die „Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe“, die „Lippischen Studien“, die „Lippischen Geschichtsquellen“ u. a. mehr – steht in der Abteilung XXIII des Lesesaals zu direkter Einsichtnahme bereit. Bei allen Zweitexemplaren ist häusliche Benutzung möglich, sofern Altersstand oder ungewöhnliches Format des Werkes dies nicht verwehren. Die lippischen Tageszeitungen und die Bestände der Heimatbild-Sammlung dürfen grundsätzlich nur im Lesesaal benutzt werden. Die Entleihung der Lippiaca läuft über die allgemeine Buchausleihe bzw. über den Aufsichtsführenden im Lesesaal ab. Auskünfte über den Lippe-Katalog erteilt im Regelfall die allgemeine Katalogauskunftsstelle. Des öfteren wird aber auch der Lippe-Bearbeiter unmittelbar in Anspruch genommen.

Damit nicht nur innerhalb der Mauern der Lippischen Landesbibliothek, sondern allerorten im Kreisgebiet und darüber hinaus die Möglichkeit besteht, sich zu informieren, welches Schrifttum über Lippe und seine Bewohnerschaft vorliegt, leistet die Landesbibliothek seit dem Jahre 1968 einen zusätzlichen Service und veröffentlicht die Titel der jeweils im abgelaufenen Jahr erschienenen neuen Bücher, Zeitschriften und Aufsätze über Lippe in bibliographischer Form. Dieses nach Sachgebieten gruppierte und jeweils mit einem Verfasserregister ausgestattete Verzeichnis umfaßt im Durchschnitt 700-800 Titel. Bis 197S einschließlich nannte es sich „Neues Schrifttum über das Lipperland und seine Bewohner“. Seitdem lautet der Titel: „Lippische Jahresbibliographie“.

Das Titelmaterial dieser Bibliographie basiert zwar auf den Beständen der Lippischen Landesbibliothek, doch bezieht der Bearbeiter auch Meldungen anderer Bibliotheken mit ein. Es besteht die Absicht, die „Lippische Jahresbibliographie“ zu kumulieren und in Zehnjahreszusammenfassungen an die lippische Gesamtbibliographie anzuschließen. Der 1. Band der „Lippischen Bibliographie“ wurde von Wilhelm Hansen bearbeitet und 1957 veröffentlicht. Er verzeichnet Monographien und Zeitschriften bis zum Jahre 1955, Beiträge und Aufsätze bis zum Jahre 1953. Ein 2. Band mit Ergänzungen und der Fortführung bis zum Jahre 1975 steht augenblicklich im Manuskript. Er wird rund 15.000 Titelmeldungen bringen und soll im Laufe des Jahres 1981 im Druck erscheinen. Seine Erarbeitung erfolgt jedoch nicht als Dienstleistung der Lippischen Landesbibliothek. Sie muß vielmehr als gesonderter Auftrag des Landesverbandes Lippe außerhalb der regulären Dienstzeit verrichtet werden.

Diese Aufspaltung stellt keinen Idealzustand, sondern eine Notlösung dar, weil die Lippe-Abteilung der Landesbibliothek seit ihrem Bestehen im Personaletat unberücksichtigt geblieben ist. Bis 1966 wurden die anfallenden Arbeitsvorgänge von der Stellen-Inhaberin der Musikabteilung mit durchgezogen, seitdem vom Bearbeiter der Titelaufnahme-Stelle. Mochte diese Handhabung in der Anfangszeit noch eben zu rechtfertigen gewesen sein, so treten doch nun, wo die Bestandszahlen an Büchern, Zeitschriftenbänden und Katalogzetteln beträchtlich zugenommen haben und ständig weiterwachsen, immer deutlicher die Schäden der jahrzehntelangen Nichtbesetzung zu Tage. Namentlich der Lippe-Sachkatalog bedarf dringend einer durchgreifenden Revision. Auf Dauer ist auch nicht zu akzeptieren, daß der gegenwärtige Betreuer den überwiegenden Teil des Tages in einem anderen Sachbereich tätig sein muß und sich der mühe- und verantwortungsvollen landeskundlichen Bibliographiearbeit erst nach Dienstende widmen kann. In seinem im Auftrag des Kultusministers des Landes Nordrhein-Westfalen erstatteten Gutachten „Landesbibliotheksaufgaben“ (Köln 1979) stellt Prof. Werner Krieg ausdrücklich fest, daß Lippiaca- Sammlung und Bibliographie der Bibliothek zuzuweisende, fortzuführende, allerdings von der Region selbst zu tragende Projekte seien. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, daß man sich in Lippe nicht nur verbal, sondern auch mit den hierfür erforderlichen Maßnahmen zu dieser kulturellen Eigenverantwortung bekennt.