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Geschichte und Aufgaben der Lippischen Landesbibliothek

Druckfassung in: Hilde Kraemer: Ein Führer durch die Lippische Landesbibliothek. Detmold: Lipp. Landesbibliothek, 1970 (Nachrichten aus der Lippischen Landesbibliothek ; 1), S. 7-12.

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Geschichtliche Entwicklung

Die Lippische Landesbibliothek kann auf eine mehr als 350jährige Geschichte zurückblicken. Wie die meisten deutschen Landesbibliotheken verdankt auch sie ihren Ursprung landesherrlichem Besitz, nämlich der Handbibliothek des Grafen Simon VI. Dieser bedeutende und hochgebildete lippische Regent (1554-1613) pflegte an seinem Hof nicht nur Malerei und Musik, die er auch beide praktisch ausübte, sondern auch die Wissenschaften. Dem Zuge seiner Zeit folgend, galt sein besonderes Interesse der Astronomie, Alchimie und Theologie. So war es nicht verwunderlich, daß er sich von 1589 an auf seinem Regierungssitz Brake eine eigene Bibliothek anlegte. Außer dem Ankauf einzelner Werke erwarb er auch ganze Gelehrtenbibliotheken und erhielt zahlreiche Buchgeschenke seiner gelehrten Freunde, so daß er zur Verwaltung dieser Bestände einen eigenen Bibliothekar beschäftigen mußte.

Nach seinem Tode ließ sein Sohn und Nachfolger, Simon VII., die Bestände nach Detmold in die Räume der damaligen Provinzialschule überführen und stiftete daraus im Jahre 1614 die „Gräflich öffentliche Bibliothek“ vorwiegend zum Nutzen der Hofbeamten, Lehrer und Geistlichen, die nach ihrem Unterbringungsort auch die „GräfIich öffentliche Bibliothek auf dem Schulhof“ genannt wurde. Mit der Verwaltung der Bibliothek wurden in den folgenden Jahren die Archivare des Grafenhauses betraut, die aber, da sie neben der Leitung des Archivs in den meisten Fällen auch noch andere Ämter zu versehen hatten, auf diese Aufgabe nur wenig Zeit verwenden konnten. So führte die Bibliothek zunächst ein ziemlich unbeachtetes Dasein. Der Rektor Franz Wilhelm Wellner, von 1771 bis 1778 Bibliothekar, wollte dem allerdings abhelfen, indem er im Rahmen der Schulprogramme von 1773 und 1774 insgesamt 12 Handschriften der Bibliothek beschrieb, mit dem Ziel, das gelehrte Publikum auf sie aufmerksam zu machen. Wenn man seinen eigenen Worten trauen darf, ist dieses Bemühen nicht ganz vergebens gewesen.

Es sollte aber noch etwa 50 Jahre dauern, bis aus der Büchersammlung eine wirkliche Gebrauchsbibliothek wurde. Der Anstoß ging wieder von einer bedeutenden Persönlichkeit des nunmehr fürstlichen Hauses aus, der Fürstin Pauline zur Lippe, die nach dem Tode ihres Gatten, des Fürsten Leopold I., von 1802-1820 für ihren unmündigen Sohn die Regentschaft führte.
Der Anregung ihres früheren Archivars Ludwig Knoch folgend, veranlaßte die Fürstin im Jahre 1818 die Zusammenlegung der Öffentlichen Bibliothek mit der Regierungsbibliothek und der sogenannten „Herrschaftlichen Bibliothek auf dem Schloß“, die aus den Büchersammlungen der früheren Regenten und den Studienbibliotheken ihres Gatten und dessen Bruder bestand. Ihr Domizil sollte die neue Bibliothek in einem Nebengebäude des Schlosses, dem Pavillon des Reithauses (dem heutigen Standesamt) finden. Die Organisation und Verwaltung wurde wieder dem Archivar des Hauses, dem Archivrat Christian Gottlieb Clostermeier, übertragen.

Clostermeier hat vor seiner Pensionierung Ende 1823 nur noch die Überführung der verschiedenen Sammlungen in die neuen Räume überwacht und mit der Anfertigung von Titelkopien begonnen. Dennoch hat er in zahlreichen Gutachten und Schriftsätzen, die eine erstaunliche Einsicht in die Aufgaben einer Gebrauchsbibliothek verraten, die Grundlage für die zukünftige Organisation geschaffen. Die umfangreiche Instruktion für seinen Nachfolger ist in die vier Abschnitte: Kassenverwaltung, Anschaffung, Ausleihe und innere Einrichtung der Bibliothek und Katalogisierung gegliedert, die noch den heutigen Verwaltungseinheiten einer großen Bibliothek entsprechen.
Im Jahre 1824 wurde die Bibliothek eröffnet, Clostermeiers Nachfolger, Friedrich Wasserfall, hat sie zum Teil nach dessen Anregungen, zum Teil nach dem Vorbild der Bückeburger Bibliothek eingerichtet. Er hat auch den Systematischen Katalog mit den 16 Fachabteilungen angefertigt.

Nach Wasserfalls Tod 1838 übernahm der damalige Justizassessor, spätere Geheime Oberjustizrat Otto Preuß die Leitung der Bibliothek, die nunmehr von der des Archivs getrennt wurde. Er hat die Bibliothek neben seiner umfangreichen juristischen Tätigkeit 52 Jahre lang geführt und sich große Verdienste um sie erworben. So legte er den Alphabetischen Bandkatalog an und erneuerte und überarbeitete große Teile des Systematischen Kataloges. Seine Anschaffungen, bei denen er das Prinzip strenger Wissenschaftlichkeit wahrte, zeugen von großer Sachkenntnis; die Bibliothek hat ihre guten alten Bestände zum nicht geringen Teil ihm zu verdanken.

Bald reichten aber die alten Räume für die Bibliothek, die inzwischen etwa 60.000 Bände besaß, nicht mehr aus; sie fand ein neues Unterkommen in dem sogenannten „Prinzenpalais“ an der Meinberger Chaussee, der späteren Hornschen Straße, wo sie bis zum heutigen Tage verblieben ist. Dank der Vermittlung von Preuß wurde das Haus der Bibliothek von der Prinzessin Luise zur Lippe, Äbtissin von Cappel und Lemgo, der Schwester des damaligen Regenten, im Jahre 1885 geschenkt. Im Mai 1886 konnte der Umzug in das neue Gebäude stattfinden, das allerdings zunächst noch mit dem Naturwissenschaftlichen Museum geteilt werden mußte. Um diese Zeit taucht auch in den Schriftsätzen zuerst der Name „Landesbibliothek“ oder „Fürstliche Landesbibliothek“ auf.

Nachfolger von Otto Preuß wurde im Jahre 1891 der Gymnasialprofessor Dr. Ernst Anemüller, der die Bibliothek bis 1918 nebenamtlich neben dem Schuldienst, von 1918-1924 hauptamtlich leitete. Es ist für seine Amtszeit kennzeichnend, daß er die Bibliothek weiteren Kreisen erschließen und sie in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken wollte; auch stand er technischen Neuerungen, wenn sie der Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit der Bibliothek dienten, aufgeschlossen gegenüber. In diesem Sinne hatte sich bereits seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts im Bibliothekswesen allgemein ein Umschwung vollzogen. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland seit der Reichsgründung, die technische Entwicklung und den dadurch bedingten sozialen Wandel strebten immer weitere Bevölkerungsschichten nach Bildung und gründlicher Ausbildung. So bildete sich jetzt ein eigener bibliothekarischer Berufsstand mit einem höheren und mittleren Dienst, es wurden gemeinsame bibliothekarische Unternehmungen, wie Tauschzentrale und Leihverkehr, ins Leben gerufen und eine einheitliche Katalogisierung angestrebt.

Anemüller verfolgte diese Bestrebungen mit Interesse und zog die Konsequenzen für die Landesbibliothek. Die ersten Diplombibliothekarinnen traten jetzt in ihre Dienste. Als im Jahre 1909 die Königliche Bibliothek in Berlin damit begann, gedruckte Titelkarten im internationalen Bibliotheksformat zu versenden, führte Anemüller diese auch in Detmold ein. Er ließ den Alphabetischen Bandkatalog verzetteln und machte das Regelwerk der „Preußischen lnstruktionen“ zur Grundlage für die Titelaufnahmen. Auch für die Systematischen Kataloge wählte er die flexiblere Form der Zettelkataloge; die bisherige systematische Magazinaufstellung der Bücher wurde durch eine solche nach Wissenschaftsgruppen abgelöst, für die die neu eingerichteten Standortkataloge mit laufender Nummer die Grundlage bilden. Jährlich erscheinende gedruckte Zugangsverzeichnisse dienten zur Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Neuanschaffungen der Bibliothek.

Als um die Jahrhundertwende nach angelsächsischem Vorbild in Deutschland das Volksbüchereiwesen entstand, folgte Anemüller dieser Entwicklung auch in Detmold, indem er die lippische Wanderbücherei gründete, die die Bevölkerung auf dem Lande und in kleineren Orten mit Literatur versorgte.

So waren die Grundlagen für eine der Allgemeinheit dienende Gebrauchsbibliothek geschaffen, auf denen in den folgenden Jahrzehnten aufgebaut werden konnte. Die sich damals schon bemerkbar machende Raumnot wurde noch einmal behoben, da das Naturwissenschaftliche Museum Unterkunft im „Neuen Palais“ fand und der Bibliothek dadurch nun das ganze Gebäude zur Verfügung stand. Die Zahl der Benutzer aus allen Bevölkerungskreisen und Bildungsschichten stieg ständig an bis zum Jahre 1921, als die Bibliothek von einem Schicksalsschlag ereilt wurde: durch einen Brand wurden ganze Abteilungen des Buchbestandes, wie Medizin, Naturwissenschaften, Landwirtschaft, der größte Teil einer wertvollen Orientalia-Sammlung, Kupferwerke und Zeitschriften vernichtet. Das beschädigte Gebäude wurde zwar neu aufgebaut und die Bibliothek 1923 wieder geöffnet, aber die 30.000 verbrannten Bände konnten trotz Bücher- und Geldspenden nicht so schnell ersetzt werden. Dazu kam noch die Inflationszeit und die schlechte finanzielle Lage der öffentlichen Hand, insbesondere im kleinen Land Lippe, die es sogar noch notwendig machte, wichtige Fortsetzungen abzubestellen. Diese Lücken waren nicht so schnell zu schließen, und noch heute muß die Bibliothek bemüht sein, durch den Ankauf von Nachdrucken das Fehlende zu ergänzen.

Dagegen hat die Bibliothek den zweiten Weltkrieg ohne Verluste überstanden. Auch die in das Bergwerk Grasleben ausgelagerten Bestände, wie Handschriften, Inkunabeln, Musikabteilung und Lippiaca, sowie die wertvollen Sondersammlungen Grabbe-Archiv, Lortzing-Archiv und Zeitgeschichtliche Sammlung, konnten ohne Schaden zurückgeführt werden.

Nach dem Zusammenbruch wurde Dr. Alfred Bergmann, der seinem Grabbe-Archiv nach Detmold gefolgt war, bis Ende 1945 mit der kommissarischen Leitung betraut. Ihm oblag es, in dieser turbulenten Nachkriegszeit die ersten Verhandlungen mit der Militärregierung zu pflegen, im September 1945 die ausgelagerten Bestände zurückzuführen und die Bibliothek von politisch unerwünschtem Schrifttum zu säubern. Letzteres war die Voraussetzung für die Genehmigung zur Wiedereröffnung der Bibliothek, die im Dezember 1945 erteilt wurde.

Die lippische Bevölkerung wußte in den an geistigen und materiellen Entbehrungen reichen Jahren nach dem Kriege den Vorzug einer unversehrten Bibliothek in Detmold wohl zu schätzen und machte reichlichen Gebrauch von ihren Beständen; die Benutzerzahl stieg laufend an. Auch die Verwaltungsarbeit normalisierte sich mehr und mehr, wenn auch die Mittel zunächst noch knapp waren.

Als das Land Lippe, bisher Unterhaltsträger der Bibliothek, 1948 seine Selbständigkeit aufgab und sich mit dem Land Nordrhein-Westfalen verband, ging die Bibliothek an den neu errichteten Landesverband Lippe über, der das lippische Vermögen weiterverwaltet und dem auch die Pflege der lippischen Kultureinrichtungen übertragen wurde. Für den Anschaffungsetat der Bibliothek erhält er einen festen Zuschuß vom Land Nordrhein-Westfalen. Jetzt mußte auch endlich die Personalunion in der Leitung von Archiv und Bibliothek, die seit der Pensionierung Anemüllers aus Sparsamkeitsgründen wieder bestanden hatte, aufgehoben werden, da das jetzige Staatsarchiv dem Land Nordrhein-Westfalen untersteht. Seit 1950 steht die Bibliothek unter eigener Direktion.

Inzwischen hatte sich die Raumknappheit, besonders im Magazin, wieder bemerkbar gemacht, und die Notwendigkeit eines Magazinanbaus wurde immer dringlicher. Nach langem Planen und mit finanzieller Unterstützung des Landes konnte Anfang 1964 mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen werden, und Ende 1965 wurden die Bücher in das neue Magazin überführt. Der Innenumbau und die Renovierung des alten Gebäudes zogen sich aber noch bis 1968 hin; mit der Neugestaltung der Gartenanlage konnte das Bauvorhaben 1969 endgültig abgeschlossen werden.

Die größere Raumfreiheit ermöglichte die Einrichtung bisher noch fehlender Abteilungen und eine Neuorganisation des Bibliotheksbetriebes, die es möglich macht, den heute an eine wissenschaftliche Bibliothek gestellten Anforderungen nachzukommen.

Das Gebäude und seine Einrichtungen

Die Landesbibliothek hat nie das Glück gehabt, ein für ihre speziellen Zwecke erbautes Haus zu bewohnen. Nachdem sie die ersten 200 Jahre ihres Bestehens in dem säkularisierten Augustiner-Nonnenkloster in der Schülerstraße untergebracht war und anschließend eine Unterkunft im Marstallgebäude des Schlosses gefunden hatte, war die Übersiedlung in das Palais an der Hornschen Straße immerhin eine noble Lösung, wenn man bedenkt, daß die Bibliothek 1886 ja erst 60.000 Bände besaß, wenig Diensträume brauchte und die Benutzerfrequenz an heutigen Verhältnissen gemessen gering war. Als man nach dem Brand 1921 an den Wiederaufbau ging, ersetzte man nicht nur das ausgebrannte hölzerne Treppenhaus durch ein steinernes, sondern richtete auch im Ostteil des Hauses ein siebenstöckiges Büchermagazin mit selbsttragenden Eisengestellen ein, so hatten wenigstens die Bücher eine angemessene Unterkunft gefunden, in der sie bis Ende 1965 verblieben.

Aber der 1841/42 entstandene, klassizistische dreistöckige Bau mit seinen gegebenen Raumeinheiten setzte auch jetzt einer wesentlichen Umgestaltung im Innern seine Grenzen und verbot eine rationelle Ausnutzung des Gebäudes. Das hat wiederum seine Vorteile für Mitarbeiter und Benutzer der Bibliothek, die in hellen, großen Räumen arbeiten können, überdies bei völliger Ruhe, da das Haus in dem großen Garten abseits vom Straßenlärm liegt. Immerhin ist es bei dem Umbau gelungen, das Beste daraus zu machen, um einen funktionellen Ablauf des Bibliotheksbetriebes zu gewährleisten und die einzelnen Dienststellen räumlich sinnvoll einander zuzuordnen.

Der Erweiterungsbau birgt das sechsstöckige Büchermagazin, das Platz für etwa 300.000 Bände bietet. Im anschließenden Ostteil des Altbaus, der früher das Magazin beherbergte, sind heute die Benutzungsräume untergebracht: im Erdgeschoß die Leihstelle und der Katalograum mit einer Halbempore zur Aufstellung weiterer Katalogschränke und Nachschlagewerke; im 1. Stock der Lesesaal mit einer Galerie und insgesamt 25 Arbeitsplätzen; und im 2. Stock die Musikabteilung mit Lortzingarchiv, die in ihrem großen Raum weitere Arbeitsplätze für Benutzer bietet. Alle diese Abteilungen haben durch ein Gelenk unmittelbaren Zugang zum Magazin.

An der Gartenseite des Altbaus liegen die Diensträume. Im Kellergeschoß ist die Fotostelle, die Buchbinderei und, im Anschluß an das Magazin, der Packraum. Da sich hier auch ein besonderer Ausgang zum Parkplatz mit Zufahrt für Bücherwagen und Postauto befindet, können die Pakete ohne lange Transportwege in den Packraum gelangen. Im Erdgeschoß ist, der Leihstelle benachbart, die Fernleihe; daran schließt sich die Akzession und ein Dienstzimmer für Fachreferenten an. Im 1. Stock finden wir Titelaufnahme, Einbandstelle und Zeitschriftenstelle und im 2. Stock sind die Diensträume für Direktion und Verwaltung und die Fotokopier- und Vervielfältigungsstelle.
Nach der Straßenseite liegt im Erdgeschoß die große Eingangshalle, die gleichzeitig Ausstellungsraum ist. Im 1. Stock, unmittelbar neben der Zeitschriftenstelle und gegenüber dem Lesesaal, ist der Zeitschriftenlesesaal mit 16 Plätzen, daneben die heimatgeschichtliche Sammlung. Im 2. Stock sind die neueingerichteten Räume des Grabbe-Archivs, und in einem Zwischenraum ist die Sozial- und Zeitgeschichtliche Sammlung untergebracht.

Die heutigen Aufgaben der Bibliothek

Wie alle Regionalbibliotheken hat die Lippische Landesbibliothek die Aufgabe, die Benutzerkreise mit wissenschaftlicher und Fachliteratur zu versorgen, die nicht im Bereich einer Hochschulbibliothek wohnen und nicht zu dem engeren Personenkreis gehören, der von diesen Bibliotheken bedient wird. Sie muß also den Literaturbedarf der Bewohner ihrer Region, also etwa des Regierungsbezirks Detmold, befriedigen. Die Benutzer kommen aus allen Bildungsschichten und Altersstufen; diejenigen, die wissenschaftlich arbeiten und forschen ebenso wie die, die noch in der schulischen und beruflichen Aus- oder Fortbildung stehen oder die sich nur informieren oder allgemein weiterbilden wollen. Allerdings haben sich die Gewichte im Laufe der Jahre verschoben: galt es nach dem Kriege zunächst, dem geistigen Nachholbedarf aller Bevölkerungskreise zu genügen, so liegt der Schwerpunkt heute bei der Versorgung der Dozenten und Studenten der Hoch- und Fachschulen der Region: der Musikakademie, der Pädagogischen Hochschulen in Bielefeld und Paderborn und der neu errichteten Fachhochschule Lippe. Daneben sind es die Schüler der Oberklassen der Gymnasien und die in Lippe beheimateten Studenten auswärtiger Hochschulen, die hier das für ihre Studien notwendige Schrifttum finden.

Der glückliche Umstand, die gesamten Bestände über den Krieg gerettet zu haben, verpflichtet aber auch zu überregionalen Aufgaben, die die Bibliothek durch den auswärtigen Leihverkehr erfüllt. Sie schickt ihre Bücher an alle Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen, aber auch an solche im ganzen Bundesgebiet, in der DDR und im Ausland, dabei sind es vorwiegend die guten Altbestände, die angefordert werden. Für die neu gegründeten Hochschulbibliotheken ist hier ein wesentliches Bücherreservoir. Als Leitbibliothek für einige kleinere Bibliotheken des Landes hat sie deren Leihscheine zu prüfen und zu bibliographieren.

Die Landesbibliothek ist Ausbildungsbibliothek für die Anwärter des gehobenen Dienstes an wissenschaftlichen Bibliotheken.

Ihre wesentlichste Funktion als Landesbibliothek erfüllt sie aber dadurch, daß sie das landeskundliche Schrifttum sammelt, aufbewahrt und verzeichnet und damit der Forschung erschließt. Für die Region ist sie also Archivbibliothek.