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200 Jahre Grimms Märchen 3:
Die Kinder- und Hausmärchen

Zur Vorgeschichte

Nr. 19
Nr. 20

Johann August Musäus‘ zweibändige Sammlung von 1782/1787 Volksmaehrchen der Deutschen ist die erste umfangreiche Anthologie, die als Märchen-Sammlung veröffentlicht wird. Musäus erläutert seinen Märchen-Begriff im „Vorbericht“:

„Volksmaehrchen sind keine Volksromane, oder Erzählungen solcher Begebenheiten, die sich nach dem gemeinen Weltlaufe wirklich haben zutragen können [...]. Ihre Gestalt ist mannichfaltig, je nachdem Zeiten, Sitten, Denkungsart, hauptsächlich Theogenie und Geisterlehre jedes Volkes, auf die Phantasie gewirket hat. Doch dünkt mich, der Nationalcharakter veroffenbare sich darinn eben so wohl, als in den mechanischen Kunstwerken jeder Nation. [...] Volksmaehrchen sind aber auch keien Kindermaehrchen; denn ein Volk, [...] bestehet nicht aus Kindern, sondern hauptsächlich aus großen Leuten, und im gemeinen Leben pflegt man mit diesen anders zu reden als mit jenen. Es wäre also ein toller Einfall wenn Er meynte, alle Maehrchen müßten im Kinderton der Maehrchen meiner Mutter Gans erzählet werden.“

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Volksmaehrchen der Deutschen. Erstes Bändchen. Herausgegeben von Johann August Musäus. Gotha: Ettinger, 1782.
Signatur: D 130


Benedikte Naubert hat, nach dem Urteil der Grimms, in ihrer an Musäus anschließenden dreibändigen Sammlung Neue Volksmaehrchen der Deutschen „nur Localsage gestaltet“. Tatsächlich spielen Nauberts Texte weder in räumlicher und zeitlicher Unbestimmtheit des „es war einmal in einem fernen Land“ noch handeln dort typisierte, überindividuelle Personen. Beispielsweise beginnt der erste Text „Das stille Volk“:

„Im Jahr, als der Löwe den Adler erwürgte, und die italiänische Erde das Blut der Unschuld trank, bereitete sich Ritter Gerhard von Ravensberg nebst andern Rittern, welche König Konrads Sohn auf dem Wege zum Tode begleitet hatten, ohne ihn retten zu können, zum Rückzug ins teutsche Vaterland.“

Das bezieht sich auf das Jahr 1268, als Karl I. von Anjou, König von Neapel-Sizilien, den letzten Staufer Konradin von Schwaben nach Gefangennahme hinrichten ließ.

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Neue Volksmaehrchen der Deutschen. Erstes Bändchen. Herausgegeben von Benedikte Naubert. Leipzig: Weygand, 1789.
Signatur: D 131

Albert Ludewig Grimms Kindermaehrchen erschienen drei Jahre vor den Kinder- und Hausmärchen 1809 in Heidelberg. A. L. Grimm, nicht mit den Brüdern Grimm verwandt, hatte wie die Grimms Kontakt mit Brentano; seine kleine Sammlung – sie enthält nur 8 Texte; als weitaus umfangreichsten eine dramatisierte Fassung des Schneewittchen-Stoffes – war auf die Zielgruppe Kinder zugeschnitten. Die Brüder Grimm nahmen wohl seine Veröffentlichung besonders stark als Konkurrenz war gerade wegen der Verwechslungsgefahr aufgrund der Namensähnlichkeit, und polemisierten daher gegen die, wie sie formulierten, „nicht eben wohlgeratene“ Sammlung A. L. Grimms im Vorwort der Kinder- und Hausmärchen 1812.

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Kindermaehrchen, von Albert Ludewig Grimm. Mit Kupfern. Heidelberg: Mohr und Zimmer, 1809. Faksimile mit einem Nachwort von Ernst Schade, Hildesheim: Olms, 1992.
Signatur: Literaturarchiv B 22.1809

Grimms Märchen

Nr. 23

Die erste Auflage der Kinder und Hausmärchen erschien 1812/1815 in zwei Bänden mit 900 bzw. 1100 Exemplaren. Gesammelt hatten die Grimms bis dahin systematisch Lesefrüchte sowie mündliche Erzählungen – vor allem von „eloquenten und gebildeten Gewährspersonen“.

„So wird verständlich, daß [die Grimms] der tatsächlichen Oraltradition der Unterschicht kaum je direkt begegnen konnten und wollten, daß sie zum andern nur solche Texte aufnahmen, die dem aus [Clemens]Brentanos und [Philipp Otto] Runges Vorbildern sowie ihren eigenen Erkenntnisinteressen zusammengewachsenen Ideal einigermaßen entsprachen – Versionen, die sie durch ethische Fragwürdigkeiten, Obszönitäten, stumpfe Motive oder scheinbare Unsinnigkeiten entstellt dünkten, kamen nicht in den Blick oder wurden wieder aus der Sammlung ausgeschieden“. (Rölleke, Einführung)

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Kinder und Hausmärchen. Berlin: Realschulbuchhandlung. Bd. 1, 1812. Bd. 2, 1815.
Signatur: D 132


Die „große“ Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen brachte es zu Lebzeiten von Jacob und Wilhelm Grimm auf 7 Auflagen, jeweils mit Ergänzungen der Textauswahl und mal mehr, mal weniger deutlichen Textveränderungen. 1825 erschien das erste Mal eine als Kinderbuch gedachte „Kleine Ausgabe“ mit einer Auswahl von 50 Märchen durch Wilhelm Grimm; bis 1858 erschienen 10 Auflagen. Diese kleine Ausgabe enthält all die bekannten, als „Grimms Märchen“ kanonisch gewordenen Texte.

Ab der zweiten Auflage wurden die wesentlichen Arbeiten von Wilhelm Grimm erledigt, von dem auch die Vorreden stammen. Die hier gezeigte sechste Auflage von 1850 zeigt im Frontispiz ein Porträt (nach einer Zeichnung des weiteren Grimmbruders Ludwig Emil) der „Märchenfrau“ Dorothea Viemann, die Wilhelm Grimm schon in der Vorrede zum zweiten Band 1815 namentlich nennt. Sie ist die einzige Zuträgerin, die dem Klischee der alten Märchenerzählerin aus dem einfachen Volk wenigstens annähernd entspricht; ihr Porträt eignete sich damit zur Beglaubigung der Authentizität der Märchen.

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Kinder und Hausmärchen gesammelt durch die Brüder Grimm. Grosse Ausgabe. Sechste vermehrte und verbesserte Auflage. Göttingen: Dieterich, 1850. 3 Bände.
Signatur: D 133

Verwandlungen: Auf dem Weg zur Gattung Grimm

Über die Textveränderungen durch die Grimmsche Redaktion

„Kindermärchen werden erzählt, damit in ihrem reinen und milden Lichte die ersten Gedanken und Kräfte des Herzens aufwachen und wachsen; weil aber einen jeden ihre einfache Poesie erfreuen und ihre Wahrheit belehren kann, und weil sie beim Haus bleiben und forterben, werden sie auch Hausmärchen genannt“. (Einleitung. Über das Wesen des Märchens, 1819)

Erster und zweiter Band der Kinder- und Hausmärchen enthielten 1812/1815 genau 100 Texte. Von diesen entsprechen nur rund 1/3 dem Textmuster, das heute unseren Begriff von Märchen bestimmt, und das von Märchen wie Aschenputtel, Hänsel und Gretel, Frau Holle, Rapunzel, Rumpelstilzchen, Brüderchen und Schwesterchen, Froschkönig, Schneewittchen, Dornröschen etc. exemplifiziert wird. Es sind zeitlich und räumlich unbestimmte Geschichten („Es war einmal in einem Köngreich ...“), in denen Zauberei selbstverständlich ist, wichtige Dinge in Versen gesprochen werden, und Geschehnisse und Aufgaben dreimal wiederholt werden. Die jüngsten Kinder sind die schönsten und klügsten, wenn einer oder eine böse handelt, wird er / sie bestraft, und wenn Mütter lieblos sind, kann es sich nur um Stiefmütter handeln. Ganz untypisch für unseren heutigen Begriff von Märchen sind hingegen Texte wie Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben, das ab der zweiten Auflage der Sammlung nicht mehr enthalten ist: Die Geschichte von dem von seinen Mitspielern geschlachteten Kind taugte nicht als Kindergeschichte.

1812: Die zwei Kinder waren auch noch wach von Hunger, und hatten alles gehört, was die Mutter zum Vater gesagt hatte.

1840: Die zwei Kinder waren auch noch vor Hunger wach gewesen, und hatten mit angehört was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. (1840)

1812: Eine Wittwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere häßlich und faul. Sie hatte aber die häßliche und faule viel lieber, und die andere mußte alle Arbeit thun und war recht der Aschenputtel im Haus.

1819: Eine Wittwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere häßlich und faul. Sie hatte aber die häßliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere mußte alle Arbeit thun und war recht der Aschenputtel im Haus.

1812: Und bald darauf bekam sie ein Töchterlein, so weiß wie der Schnee, so roth wie das Blut, und so schwarz wie Ebenholz, und darum ward es das Sneewittchen genannt. / Die Königin war die schönste im ganzen Land, und gar stolz auf ihre Schönheit, ...

1819: Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz und wurde darum das Sneewittchen genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin. / Ueber ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin, sie war eine schöne Frau, aber stolz auf ihre Schönheit, ...

Rapunzel – Bearbeitungsstufen

1. Auflage 1812 2. Auflage 1819 3. Auflage 1857
Rapunzel erschrak nun anfangs, bald aber gefiel ihr der junge König so gut, daß sie mit ihm verabredete, er solle alle Tage kommen und hinaufgezogen werden. So lebten sie lustig und in Freuden eine geraume Zeit, und die Fee kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfing und zu ihr sagte: „Sag sie mir doch Frau Gothel, meine Kleiderchen werden mir so eng und wollen nicht mehr passen.“ Ach du gottloses Kind, sprach die Fee, was muß ich von dir hören, und sie merkte gleich, wie sie betrogen wäre, und war ganz aufgebracht. Rapunzel erschrack nun anfangs, bald aber gefiel ihr der junge König so gut, daß sie mit ihm verabredete, er solle alle Tage kommen und hinaufgezogen werden. So lebten sie lustig und in Freuden eine geraume Zeit, und hatten sich herzlich lieb, wie Mann und Frau. Die Zauberin aber kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfing und zu ihr sagte: „Sag‘ sie mir doch Frau Gothel, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als der junge König.“ Ach du gottloses Kind, sprach die Zauberin, was muß ich von dir hören, und sie merkte gleich, daß sie betrogen wäre, und war ganz aufgebracht. Anfangs erschrak Rapunzel gewaltig, als ein Mann zu ihr hereinkam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten, doch der Königssohn fing an, ganz freundlich mit ihr zu reden, und erzählte ihr, daß von ihrem Gesang sein Herz so sehr sei bewegt worden, daß es ihm keine Ruhe gelassen und er sie selbst habe sehen müssen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte, ob sie ihn zum Manne nehmen wollte, und sie sah, daß er jung und schön war, so dachte sie: „Der wird mich lieber haben als die alte Frau Gothel“, und sagte ja und legte ihre Hand in seine Hand. Sie sprach: „Ich will gerne mit dir gehen, aber ich weiß nicht, wie ich herabkommen kann. Wenn du kommst, so bring jedesmal einen Strang Seide mit, daraus will ich eine Leiter flechten, und wenn die fertig ist, so steige ich herunter, und du nimmst mich auf dein Pferd.“ Sie verabredeten, daß er bis dahin alle Abend zu ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Alte. Die Zauberin merkte auch nichts davon, bis einmal Rapunzel anfing und zu ihr sagte: „Sagen Sie mir doch, Frau Gothel, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als der junge Königssohn, der ist in einem Augenblick bei mir.“ „Ach du gottloses Kind,“ rief die Zauberin, „was muß ich von dir hören, ich dachte ich hätte dich von aller Welt geschieden, und du hast mich doch betrogen!“

Zwischen der 1., der 2. und der 7. Auflage gibt es auffällige Veränderungen:

  • die Textmenge hat deutlich zugenommen
  • mehr wörtliche Rede (1857): Literarisierung
  • der König (1812, 1819) wird zum Königssohn: Verformelung
  • die Erzählung enthält einen Fluchtplan (1857): Erzähllogische Ergänzung
  • Rapunzel ist schwanger (1812), dumm (1819), sie heiratet den Prinzen (1857)

Dies sind bewusste Redaktionen. Die unverheiratete Schwangerschaft Rapunzels fällt sicher unter das Verdikt der Vorrede 1819: „Dabei haben wir jeden für das Kinderalter nicht passenden Ausdruck in dieser neuen Auflage sorgfältig gelöscht“. In der Ausgabe 1857 ist sogar das verharmlosende „hatten sich lieb wie Mann und Frau“ entschärft: eine keusche Heirat mit Handgeben steht am Anfang, und dann ist von der Zeit der Besuche weiter nichts erzählt. Allerdings ist Rapunzel, auch wenn das verschwiegen wird, schwanger geworden, denn nach der Verstoßung bekommt sie „in der Wüste“ Zwillinge.

Rumpelstilzchen – Bearbeitungsstufen

Handschriftliche Fassung 1810 1. Auflage 1815 2. Auflage 1819
Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war ein Flachsknoten gegeben, Flachs daraus zu spinnen, was es aber spann war immer Goldfaden und kein Flachs konnte herauskommen. [...] Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter. Und es traf sich, daß er mit dem König zu sprechen kam und ihm sagte: „ich habe eine Tochter, die weiß die Kunst, Stroh in Gold zu verwandeln.“ Da ließ der König die Müllerstochter alsogleich kommen, und befahl ihr, eine ganze Kammer voll Stroh in einer Nacht in Gold zu verwandeln, und könne sie es nicht, so müsse sie sterben. [...] Da ging auf einmal die Thüre auf und trat ein kleines Männchen herein und sprach: „guten Abend, Jungfer Müllerin, warum weint sie so sehr?“ „Ach! antwortete das Mädchen, ich soll Stroh zu Gold spinnen und verstehe es nicht.“ Sprach das Männchen: „was gibst du mir, wenn ich dirs spinne?“ „Mein Halsband,“ sagte das Mädchen. Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen und schnurr! schnurr! schnurr! dreimal gezogen, war die Spule voll. Dann steckte es eine andere auf und schnurr! schnurr! schnurr! dreimal gezogen, war auch die zweite voll, und so gings fort bis zum Morgen, da war alles Stroh versponnen und alle Spulen voll Gold.

In der handschriftlichen Fassung von 1810 beginnt das Märchen mit der ungewöhnlichsten Ausgangssituation:  Leider, leider spinnt das Mädchen nur unnützen Goldfaden. Aus dieser Not befreit es „Rumpenstünzchen“, indem R. gar nichts tut – der Prinz kommt vorbei und heiratet das Mädchen einfach so. Als das Mädchen seinen Namen errät, fliegt R. auf dem Kochlöffel davon.

Die erste Auflage 1815 erzählt das Märchen auf die vertraute Weise: die Müllerstochter kann gar kein Gold spinnen und muss es drei Nächte lang versuchen; Rumpelstilzchen spinnt für sie alle drei Nächte und erhandelt sich in der letzten das zukünftige Kind. Der König, der die Müllerstochter mit seiner Todesdrohung zum Spinnen zwingt, heiratet sie nach dem dritten Erfolg. Das Märchen endet, indem die Müllerstochter, weil sie vom König R.s Namen erfährt, diesen erraten kann. R. läuft fort.

In der zweiten Auflage von 1819 ereilt Rumpelstilzchen das Ende, das man heute kennt: es stampft mit dem Fuß auf, fährt halb in die Erde und reißt sich selbst „mitten entzwei“. Der Text ist stilistisch bearbeitet, etwa mit den ergänzten Formeln „schnurr schnurr schnurr“, mit der Ausschmückung der Namensraterei, mit der Vereinfachung der Namen Cunz / Heinz, mit der Verdopplung des zornigen Ausrufs. Man erfährt, dass der König die Müllerstocher heiraten will, weil er „eine reichere Frau auf der Welt nicht haben“ kann.

Veränderung von Märchenanfängen zwischen der 1. und der 7. Auflage

  1. Auflage 1812 7. Auflage 1857
Froschkönig Es war einmal eine Königstochter In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat
Der Wolf und die 7 Geislein Eine Geis hatte sieben Junge Es war einmal eine alte Geiß, die hatte sieben Junge
Die drei Männlein im Walde Einem Mann war seine Frau gestorben Es war ein Mann, dem starb seine Frau
Die weiße Schlange Auf des Königs Tafel ward alle Mittage Es ist nun schon lange her, da lebte ein König
Strohhalm, Kohle und Bohne Ein Strohhalm, eine Kohle und eine Bohne schlugen sich zusammen In einem Dorfe wohnte eine arme alte Frau, die hatte ein Gericht Bohnen zusammengebracht ...
Das tapfere Schneiderlein In einem Städtlein Romandia war ein Schneider gesessen An einem Sommermorgen saß ein Schneiderlein auf seinem Tisch am Fenster
Die drei Raben / Die sieben Raben Es war einmal eine Mutter, die hatte drei Söhnlein, die spielten eines Sonntags unter der Kirche Karten. Ein Mann hatte sieben Söhne und immer noch kein Töchterchen, so sehr er sich‘s auch wünschte
Der singende Knochen Ein Wildschwein thät großen Schaden in dem ganzen Land Es war einmal in einem Lande große Klage über ein Wildschwein
Von dem Teufel mit drei goldenen Haaren Ein Holzhacker hackte vor des Königs Haus Holz Es war einmal eine arme Frau, die gebar ein Söhnlein, und weil es eine Glückshaut hatte
Mädchen ohne Hände Ein Müller, der so arm war Ein Müller war nach und nach in Armut geraten
Der Räuberbräutigam Eine Prinzessin war einem Prinzen versprochen Es war einmal ein Müller, der hatte eine schöne Tochter
Dornröschen Ein König und eine Königin kriegten gar keine Kinder Vorzeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag: „Ach, wenn wir doch ein Kind hätten!“, und kriegten immer keins.
Der Liebste Roland Es war einmal eine Mutter, die hatte nur ihre rechte Tochter lieb und haßte ihre Stieftochter Es war einmal eine Frau, die war eine rechte Hexe und hatte zwei Töchter, eine häßlich und böse, und die liebte sie, weil sie ihre rechte Tochter war
Der goldene Vogel Ein gewisser König hatte einen Lustgarten Es war vorzeiten ein König, der hatte einen schönen Lustgarten
Die Rabe Es war einmal eine Mutter mit einem Töchterchen Es war einmal eine Königin, die hatte ein Töchterchen
Hans mein Igel Es war ein reicher Bauer, der hatte mit seiner Frau keine Kinder Es war einmal ein reicher Bauer, der hatte Geld und Gut genung, aber wie reich er war, so fehlte doch etwas an seinem Glück: er hatte mit seiner Frau keiner Kinder.