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Rainer Nummer: Grabbesken

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek
vom 25.10. bis zum 23.12.2011

Rainer Nummer schenkt der Lippischen Landesbibliothek rund 300 seiner Arbeiten, die sich mit Christian Dietrich Grabbe beschäftigen. Anlässlich dieser Schenkung präsentieren wir eine von Nummer selbst getroffene Auswahl unter dem Titel Grabbesken.

1: Grabbe, wie Rainer Nummer ihn sieht

Grabbes Physiognomie ist der Schlüsseleindruck für viele Grabbe-bezogenen Arbeiten Nummers. Die von Zeitgenossen beschriebenen wesentlichen Züge: die hohe Stirn, das fliehende Kinn, lassen das Gesicht auch dort wiedererkennen, wo es sich im Strich des Künstlers auflöst. Als Blickfang für die Ausstellung fungiert allerdings die nebenstehende von traditionellen Zeichentechniken ausgehende Arbeit. Sie stimmt ein auf das Experiment mit den vielfältigen künstlerischen Techniken, welches Nummers Auswahl dem Betrachter bietet. Bemerkenswert ist auch die konventionelle Wahl des Bildausschnitts und der Komposition.

Im Gegensatz dazu steht die Serie der Strichzeichnungen, die Nummer über eine Reihe von Jahren anfertigte; eine Auswahl zeigt die Ausstellung im zweiten Obergeschoss. Die Details des Kopfes lösen sich zunehmend auf, die Konturen werden abstrahiert, die Linien laufen auseinander. Die Bilder zeigen zwei Beispiele.

2: Auflösungserscheinungen
3: Auflösungserscheinungen

Inspiration sind aber auch die Texte Grabbes und Texte über Grabbe, vor allem die trockenen biographischen Fakten, die Alfred Bergmann in seiner Grabbe-Chronik wiedergibt. Daher finden sich in Nummers Werken oft Texte, die ebenso von ihrem Sinn her wie von ihrer graphischen Wirkung als Niederschrift von ihm als künstlerisches Material frei verwendet werden. So entstehen Objekte und Text-Bild-Kombinationen, die mit der Fülle ihrer möglichen Bezüge zu faszinieren vermögen.

4: Grabbe-Kopf mit Hinweis auf die Biographie "Mai-Juni-Detmold"
5: Kopf über Text
6: Blick auf die Fülle der Werke

Deutlich wird dem Betrachter, dass Nummers Bildsprache über Grabbes Kopf hinaus durchaus wiederkehrende Elemente enthält. Holz etwa steht als Pars pro toto für das prägende Fachwerk von Grabbes Heimatstadt Detmold und damit auch für die von Grabbe beklagte geistige Enge. Zacken und Spitzen erinnern an die scharfe Silhouette des Hermannsdenkmals und stehen damit ebenfalls für Detmold.