Sie befinden sich hier: Startseite » 


Goethe – Iphigenie – Antike

Begleitausstellung zur Iphigenie-Inszenierung und zum Antikenprojekt
im Landestheater Detmold
ab dem 28.8.2011

Goethes farblose Antike

Johann Joachim Winckelmann (1717-1768)

Porträt von Anton Raphael Mengs, kurz nach 1755.
Bildquelle: Metropolitan Museum of Art, New York City
www.metmuseum.org/toah/works-of-art/48.141 (Public Domain)

Allgemeine deutsche Real-Encyclopaedie für die gebildeten Stände (= Brockhaus) 1827, Bd. 12:

„Dieser um Kritik und Geschichte der Kunst, sowie um das Studium der Antike unsterblich verdiente Gelehrte [...] war der Sohn eines Schumachers. Auch die äußerste Dürftigkeit konnte seine früh erwachte Neigung zum Studiren nicht unterdrücken. [...]
W.s Geist ist in s. Schriften ausgeprägt [...]. Ihr unvergängliches Verdienst besteht darin, daß sie zuerst die Grundsätze der Kunst aufstellen und die Werke derselben nach ihrem wahren, durch jene Grundsätze bedingten Wesen und ihrem Zusammenhange unter einander darstellen.“

Johann Wolfgang von Goethe: Winckelmann. Erstdruck 1805:

„Findet sich hingegen in besonders begabten Menschen jenes gemeinsame Bedürfnis, eifrig zu allem, was die Natur in sie gelegt hat, auch in der äußeren Welt die antwortenden Gegenbilder zu suchen und dadurch das Innere völlig zum Ganzen und Gewissen zu steigern, so kann man versichert sein, daß auch so ein für Welt und Nachwelt höchst erfreuliches Dasein sich ausbilden werde.
Unser Winckelmann war von dieser Art. In ihn hatte die Natur gelegt, was den Mann macht und ziert. Dagegen verwendete er sein ganzes Leben, ein ihm Gemäßes, Treffliches und Würdiges im Menschen und in der Kunst, die sich vorzüglich mit dem Menschen beschäftigt, aufzusuchen.“

Winckelmanns Antike: Edle Einfalt, stille Größe

Perrier, Francisco: Segmenta nobilium signorum et statuarum, quae temporis dentem invidium evasere Urbis aeternae ruinis erepta ... Rom 1638-1653. Blatt 1.
Signatur: SW 311a.2

Johann Joachim Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst, Dresden,  1755:

„Der gute Geschmack, welcher sich mehr und mehr durch die Welt ausbreitet, hat sich angefangen zuerst unter dem griechischen Himmel zu bilden.“
„Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten, und was jemand vom Homer gesagt, daß derjenige ihn bewundern lernt, der ihn wohl verstehen gelernt, gilt auch von den Kunstwerken der Alten, sonderlich der Griechen.“
„Die Kenner und Nachahmer der griechischen Werke finden in ihren Meisterstücken nicht allein die schönste Natur, sondern noch mehr als Natur, das ist, gewisse idealische Schönheiten derselben, die, wie uns ein alter Ausleger des Plato lehrt, von Bildern, bloß im Verstande entworfen, gemacht sind.“
„Das allgemeine vorzügliche Kennzeichen der griechischen Meisterstücke ist endlich eine edle Einfalt und eine stille Größe, sowohl in der Stellung als im Ausdruck. So wie die Tiefe des Meeres allezeit ruhig bleibt, die Oberfläche mag noch so wüten, ebenso zeigt der Ausdruck in den Figuren der Griechen bei allen Leidenschaften eine große und gesetzte Seele. Diese Seele schildert sich in dem Gesichte des Laokoon, und nicht in dem Gesichte allein, bei dem heftigsten Leiden.“

Das Bild der Antike

Vgl. dazu die ausführliche Dokumentation von Jutta Assel und Georg Jäger, Die Statuen im Belvedere und die Beschreibungen Winckelmannshttp://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3580

Foto von Marie-Lan Nguyen, veröffentlicht unter CC-BY. Quelle: commons.wikimedia.org/wiki/File:Belvedere_Apollo_Pio-Clementino_Inv1015.jpg

Johann Joachim Winckelmann: Beschreibung des Apollo im Belvedere, Erstdruck 1759:

„Die Statue des Apollo ist das höchste Ideal der Kunst unter allen Werken des Altertums, welche der Zerstörung entgangen sind. Der Künstler derselben hat dieses Werk gänzlich auf das Ideal gebaut, und er hat nur eben so viel von der Materie dazu genommen, als nötig war, seine Absicht auszuführen und sichtbar zu machen. Dieser Apollo übertrifft alle andere Bilder desselben so weit als der Apollo des Homerus den, welchen die folgenden Dichter malen. Über die Menschheit erhaben ist sein Gewächs, und sein Stand zeugt von der ihn erfüllenden Größe.“

Goethe, Italienische Reise, 9.11.1786

„Manchmal stehe ich wie einen Augenblick still und überschaue die höchsten Gipfel des schon Gewonnenen. [...] In St. Peter habe ich begreifen lernen, wie die Kunst sowohl als die Natur alle Maßvergleichung aufheben kann. Und so hat mich Apoll von Belvedere aus der Wirklichkeit hinausgerückt. Denn wie von jenen Gebäuden die richtigsten Zeichnungen keinen Begriff geben, so ist es hier mit dem Original von Marmor gegen die Gipsabgüsse, deren ich doch sehr schöne früher gekannt habe.“

Foto von F. Bucher. Veröffentlicht unter CC-BY-SA.
Bildquelle: commons.wikimedia.org/wiki/File:Torso_Belvedere_01.jpg

Johann Joachim Winckelmann: Beschreibung des Torso im Belvedere zu Rom, Erstdruck 1764:

„Ich führe dich jetzt zu dem so viel gerühmten und niemals genug gepriesenen Sturze eines Herkules, zu einem Werke, welches das vollkommenste in seiner Art und unter die höchsten Hervorbringungen der Kunst zu zählen ist, von denen, welche bis auf unsere Zeiten gekommen sind. Wie aber werde ich dir denselben beschreiben, da er der schönsten und der bedeutendsten Teile der Natur beraubt ist! So wie von einer prächtigen Eiche, welche umgehauen und von Zweigen und Ästen entblößt worden, nur der Stamm allein übriggeblieben ist, ebenso gemißhandelt und verstümmelt sitzt das Bild des Helden; Kopf, Arme und Beine und das Oberste der Brust fehlen.
Der erste Anblick wird dir vielleicht nichts als einen verunstalteten Stein entdecken; vermagst du aber in die Geheimnisse der Kunst einzudringen, so wirst du ein Wunder derselben erblicken, wenn du dieses Werk mit einem ruhigen Auge betrachtest.“

Goethe: Italienische Reise, Zweiter römischer Aufenthalt:

„Schön nimmt sich auch der vortreffliche Sturz eines sitzenden Bacchus aus, ebenso das obere Teil einer Bacchusstatue mit schönem Kopf und die Halbfigur eines Triton, vor allen aber das Wunder der Kunst, der nie genug zu preisende berühmte Torso.“

Goethe als Antiken-Sammler: Beispiel Juno Ludovisi

Bilder und Texte nach: Jutta Assel, Georg Jäger: Goethes Juno. Eine Dokumentation. Goethezeitportal http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=4179

Bildquelle: Goethezeitportal
Goethe in seiner römischen Wohnung, Federzeichnung von J. H. W. Tischbein, 1787. Rechts außen die „Juno Ludovisi“.
Das Bild zeigt das „Juno-Zimmer“ im Goethehaus am Frauenplan. Bildquelle: Goethezeitportal.

Italienische Reise. Bericht April 1788:

„Wenn man, wie in Rom der Fall ist, sich immerfort in Gegenwart plastischer Kunstwerke der Alten befindet, so fühlt man sich wie in Gegenwart der Natur vor einem Unendlichen, Unerforschlichen. ... Kann man dergleichen Umgebung in Rom tagtäglich genießen, so wird man zugleich habsüchtig darnach; man verlangt, solche Gebilde neben sich aufzustellen, und gute Gipsabgüsse als die eigentlichsten Faksimiles geben hiezu die beste Gelegenheit. Wenn man des Morgens die Augen aufschlägt, fühlt man sich von dem Vortrefflichsten gerührt; alles unser Denken und Sinnen ist von solchen Gestalten begleitet, und es wird dadurch unmöglich, in Barbarei zurückzufallen.
Den ersten Platz bei uns behauptete Juno Ludovisi, um desto höher geschätzt und verehrt, als man das Original nur selten, nur zufällig zu sehen bekam und man es für ein Glück achten musste, sie immerwährend vor Augen zu haben; denn keiner unsrer Zeitgenossen, der zum erstenmal vor sie hintritt, darf behaupten, diesem Anblick gewachsen zu sein.“

Goethe an Johann Gottfried Herder. Rom, 13. Januar 1787:

„In meiner Stube hab ich schon die schönste Jupiter Büste, eine kolossale Juno über allen Ausdruck groß und herrlich, eine andre kleiner und geringer, das Haupt des Apoll von Belvedere und in Tischbeins Studio steht auch manches dessen Wert mir aufgeht. Nun rücke ich zu den Gemmen, und alle Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle.“

Goethe an Charlotte von Stein. Rom, 6. Januar 1787:

„Seit gestern hab ich einen kolossalen Junokopf in dem Zimmer oder vielmehr nur den Vorderteil, die Maske davon. Es war dieser meine erste Liebschaft in Rom und nun besitz ich diesen Wunsch. Stünd ich nur schon mit dir davor. Ich werde ihn gewiss nach Deutschland schaffen und wie wollen wir uns einer solchen Gegenwart erfreuen.
Keine Worte geben eine Ahndung davon, er ist wie ein Gesang Homers.“

Edle Blässe: Farblose Antike

 Johann Joachim Winckelmann, Geschichte der Kunst des Alterthums, Bd. 2, §19. Erstdruck 1764:

„Die Farbe aber sollte wenig Antheil an der Betrachtung der Schönheit haben, weil nicht sie sondern die Bildung das Wesen derselben ausmachet, und über dieses werden sich Sinne, die erleuchtet sind, ohne Widerspruch leicht vereinigen. Da nun die weiße Farbe diejenige ist, welche die mehresten Lichtstrahlen zurückschicket, folglich sich empfindlicher macht, so wird auch ein schöner Körper desto schöner seyn, je weißer er ist, ja er wird nackend dadurch größer, als er in der That ist, erscheinen, so wie wir sehen, daß alle neu in Gips geformte Figuren größer, als die Statuen, von welchen jene genommen sind, sich vorstellen.“

Dass dies nicht stimmt, war schon im 19. Jahrhundert bekannt. 2003/2004 zeigte die Ausstellung Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skultpur erstmals den modernen Forschungsstand und Rekonstruktionsversuche zur antiken Polychromie. Andreas Prater erläutert in seinem Beitrag im Katalog: 

„Winckelmann und seine Zeitgenossen kannten griechische Kunst fast nur aus römischen Kopien. Ihr Bild des Griechischen war der Reflex von Reflexen. Diese Brechung fand in der sublimen Weiße von Marmor oder Gips ihr ästhetisches Äquivalent. [...] Seit Newton wusste man, dass das Licht der Sonne, welches vom Mond [...] reflektiert wird, in sich das Spektrum sämtlicher Buntfarben enthält, während es in der Gesamtheit all dieser Farben weiß oder besser, farblos erscheint. Dieser optisch-physikalischen Totalität des Lichtes wird im klassizistischen Ideal des weißen Bildwerks gehuldigt.“

Andreas Prater: Streit um Farbe. Die Wiederentdeckung der Polychromie in der griechischen Architektur und Plastik im 18. und 19. Jahrhundert. In: Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skulptur. Hg. von Vinzenz Brinkmann und Raimund Wünsche. München 2004. (Signatur: KBT 154(2))

Iphigenie in Weimar

Signatur: SW 250.2

1779

„Nie werde ich den Eindruck vergessen, den Goethe als Orestes im griechischen Costüm in der Darstellung seiner Iphigenie machte, man glaubte einen Appollo zu sehen. Noch nie erblickte man eine solche Vereinigung physischer und geistiger Vollkommenheit als damals an Goethe.
Diese Worte, die Hufeland unter dem frischen Eindrucke des Augenblicks schrieb, sind eines der vielen Zeugnisse, die uns den überwältigenden Eindruck schildern, welchen Goethe bei seinem Auftreten in Weimar auf Alle hervorbrachte [...]. Und da steht nun Wolfgang-Apollo, wie ihn Hufeland schildert, nach der Darstellung seiner Iphigenie im Park zu Ettersburg, in dem Costüm, in welchem er den Orestes gegeben, auf der Schwelle der Bühne vor der entzückten applaudirenden Gesellschaft, zwischen Karl August, der den Pylades gespielt hat und jetzt seinen Erwählten triumphirend präsentiert, und der schönen „von den Musen mit jeder Kunst geschmückten“ Corona Schröter, die eben im Begriff ist, ihm den Lorbeer auf die ambrosischen Locken zu drücken.“

Text und Bild: Goethe‘s Frauengestalten. Nach den Originalzeichnungen von Wilhelm von Kaulbach. ... Mit erlaeuterndem Texte von Friedrich Spielhagen. München 1873.

1802

Brief Goethes an Schiller, Weimar, 19. Januar 1802:

„Hiebei kommt die Abschrift des gräzisierenden Schauspiels [Iphigenie auf Tauris]. Ich bin neugierig, was Sie ihm abgewinnen werden. Ich habe hie und da hineingesehen, es ist ganz verteufelt human. Geht es halbweg, so wollen wir‘s versuchen: denn wir haben doch schon öfters gesehen, daß die Wirkungen eines solchen Wagestücks für uns und das Ganze inkalkulabel sind.“

Antwortbriefe Schillers

Weimar, 20. Januar 1802: „Ich werde nunmehr die ‚Iphigenia‘ mit der gehörigen Hinsicht auf ihre neue Bestimmung lesen, und jedes Wort vom Theater herunter, und mit dem Publikum zusammen, hören. Das, was Sie das Humane darin nennen, wird diese Probe besonders gut aushalten, und davon rate ich nichts wegzunehmen.“

22. Januar 1802: „‚Iphigenia‘ hat mich übrigens, da ich sie jetzt wieder las, tief gerührt, wiewohl ich nicht leugnen will, daß etwas Stoffartiges dabei mit unterlaufen mochte. Seele möchte ich es nennen, was den eigentlichen Vorzug davon ausmacht. Die Wirkung auf das Publikum wird das Stück nicht verfehlen, alles Vorhergegangene hat zu diesem Erfolge zusammengewirkt. Bei unsrer Kennerwelt möchte gerade das, was wir gegen dasselbe einzuwenden haben, ihm zum Verdienste gerechnet werden, und das kann man sich gefallen lassen, da man so oft wegen des wahrhaft Lobenswürdigen gescholten wird.“

Sehnsuchtsbilder des 19. Jahrhunderts

Anselm Feuerbach (1829-1880) malt Iphigenie auf Tauris nach Goethe und Gluck

Texte aus: Anselm Feuerbach. Hg. vom Historischen Museum der Pfalz, Speyer, 2002. (Bilder in der Public Domain.)

1862 (Darmstadt, Hessisches Landesmuseum)
1871 (Stuttgart, Staatsgalerie)
1875 (Düsseldorf, museum kunst palast)

Zur Iphigenie 1862: „Aber wenn dieser Iphigenie auch das Moderne fehlt, so fehlt ihr doch vielleicht schon das Griechische, gewiss das Iphigenische. Sie hat Ernst und Würde: aber es fehlt Grazie und ein höchster Adel der Erscheinung. In ihrem Antlitz spiegelt sich Empfindung, aber sie entbehrt jener Tiefe und Innerlichkeit, die nötig war, unsere eigene Empfindung tiefer zu berühren.“ (Theodor Fontane)

Zur Iphigenie 1871:
Jürgen Ecker: „Die mächtige, wie Bildhauerei wirkende Gewandfigur in ihrer Einbindung und gefängnishaften Verankerung in dem staubigen Gestein, ohne Möglichkeit des physischen Entrinnens, kontrastiert mit dem sehnsuchtsvoll bildeinwärts gerichteten Haupt. Die Wasserlinie steht dieser Iphigenie sprichwörtlich bis zum Hals.“

Zur Iphigenie 1875:
Jürgen Ecker: „Im „Vermächtnis“ ist das Bild als „Am Meere. Moderne Iphigenie“ [...] verzeichnet. [...] Feuerbachs Bezeichnung „modern“ bezieht sich vermutlich auf die nicht griechisch nachempfundene Gewandung. Im Vergleich mit den sitzend Dargestellten der ersten beiden Fassungen wird hier den einleitenden Worten Goethes stärker gefolgt: heraustreten und innehalten. Wieder ist es die einsame, nun gealterte Gestalt, die im verlorenen Profil über das Meer schaut, diesmal vielleicht ohne Hoffnung.“

Iphigenie-Stoff: Rezeptionszeugnisse

Iphigenie .... in Aulis, auf Tauris, in Delphi ... als Oper

Antike    
um 500 v. Chr. Aischylos Agamemnon; Orestie
412 v. Chr. Euripides Iphigenie bei den Taurern
405 v. Chr. Euripides Iphigenie in Aulis
um 400 v. Chr. Polyeidos Iphigenie
um 350 v. Chr. Lykophoron Aletes
nach 235 v. Chr. Gnaeus Naevius Iphigenia
um 200 v. Chr. Quintus Ennius  
um 0 Ovid Metamorphosen, Buch 12
nach 8 n. Chr. Ovid Epistolae ex Ponti
um 140 v. Chr. Lucius Accius Agamemnonidae
um 250 n. Chr. Hyginus Fabeln

Neuzeit
   
1525 G. Rucellai Oreste
1543/47 Lodovico Dolce Iphigenie in Aulis
1640 Jean Rotrou Iphigénie en Aulide
1661 Johann Jacob Löwe Iphigenie
1674 Jean Racine Iphigénie en Aulide
1675 M. Leclerc, J. de Coras Iphigénie en Aulide
1697 François Joseph de La Grange Chancel Oreste et Pylade ou Iphigénie en Tauride
1699 H. Ch. Postel, R. Keiser Die wunderbar errettete Iphigenie
1704 Henry Desmarets und André Campra Iphigénie en Tauride
1713 Domenico Scarlatti Ifigenia in Aulide
1713 Domenico Scarlatti Ifigenia in Tauri
1718 Antonio Caldara, A. Zeno Ifigenia in Aulide
1719 Giuseppe Maria Orlandini Ifigenia in Tauride
1725 Leonardo Vinci Ifigenia in Tauride
1734 Georg Friedrich Händel Oreste
1737 J. E. Schlegel Die Geschwister in Taurien
1738 G. Porta, A. Zeno Ifigenia in Aulide
um 1750 Nicola Porpora, A. Zeno Ifigenia in Aulide
1747 Ch. F. v. Derschau Orest und Pylades
1748 Carl Heinrich Graun Ifigenia in Aulide
1751 Niccolò Jommelli Ifigenia in Aulide
1755 F. Algarotti Ifigenia in Aulide
1757 Claude Guimond de La Touche Iphigénie en Tauride
1757 Vauberdrand (Tauris)
1757 Ch.-S. Favart La Petite Iphigénie, Parodie de la Grande
1758 T. Traetta, A. Zeno Ifigenia in Aulide
1762 Ferdinando Bertoni Ifigenia in Aulide
1763 Tommaso Traetta Ifigenia in Tauride
1765 Baldassare Galuppi Ifigenia in Tauride
1771 N. Jommelli Ifigenia in Tauride
1774 Christoph Willibald Gluck, M. F. L. du Roullet Iphigénie en Aulide
1779 Christoph Willibald Gluck, N. F. Guillard Iphigénie en Tauride
1779 A. Dubreuil, N. Piccini Iphigénie en Tauride
1787 Johann Wolfgang von Goethe Iphigenie auf Tauris
1788 Luigi Cherubini Ifigenia in Aulide
1804 C. Levezow (Aulis)
1806 Johann Simon Mayr Ifigenia in Aulide
1807 Franz Danzi Iphigenie in Aulis
1817 Michele Enrico Carafa Ifigenia in Aulide
1817 Johann Simon Mayr Ifigenia in Tauride (Oratorium)
1818 C. della Valle (Aulis)
1856 F. Halm (Delphi)
1862 F. Halm (Aulis)
1865 T. A. Burghardt (Aulis)
1867 U. R. Schmidt (Aulis)
1882 Louis Théodore Gouvy Iphigenie auf Tauris (Dramatische Kantate)
1890 R. Garnett Iphigenia in Delphi
1903 J. Moréas (Tauris)
1913 R. Pannwitz Iphigenie mit dem Gotte (Delphi)
1929 Ernst Křenek Das Leben des Orest (Tauris)
1941 Gerhart Hauptmann Iphigenie in Delphi
1944 Gerhart Hauptmann Iphigenie in Aulis
1948 I. Langner Iphigenie kehrt heim
1948 E. Vietta Iphigenie in Amerika
1950 Ildebrando Pizzetti Ifigenia
1982 Jochen Berg Im Taurerland
1992 Volker Braun Iphigenie in Freiheit

Ausgestellte Stücke

Nr. 1, Signatur: Ph 194.4°
Nr. 2, Signatur: F 121

1
Ovid: Ovidii quindecim metamorphoseos libri diligentius recogniti cum familiaribus commentariis ... Lyon : Huguetan, 1504
Lippische Landesbibliothek, an Ph 194.4°
Im 12. Buch der Metamorphosen erzählt Ovid die Geschichte Iphigenies.
Die vorliegende Ausgabe der Metamorphosen mit Kommentar und Index stammt aus der Bibliothek des Grafen Simon VI. zur Lippe und zählt damit zum ältesten Bestand der Lippischen Landesbibliothek. Das Werk ist mit einem anderen Werk Ovids, den Heroiden, zusammengebunden; der Band insgesamt stark wurmstichig. Zahlreiche handschriftliche Eintragungen (und Kritzeleien!, siehe Scan) lassen darauf schließen, dass das Buch Verwendung im Lateinunterricht fand.

2
Lodovico Dolce: Ifigenia. Tragedia ... Venedig : Sessa, 1597.
Lippische Landesbibliothek, F 121
Dolces Fassung der Aulischen Iphigenie ist ein frühes neuzeitliches Rezeptionszeugnis des antiken Stoffes. Dolce (um 1508-1568) war ein venezianischer Humanist. Die vorliegende Druckausgabe von 1597 gehörte dem Grafen Simon VI. zur Lippe und zählt damit zum ältesten Bestand der Lippischen Landesbibliothek.

3
Claude Guymond de La Touche: Iphigénie en Tauride, Tragédie. In: Petite Bibliotheque des Théatres, Paris 1784
Lippische Landesbibliothek, F 472-3
Einzige Tragödie von Guymond de La Touche; Erstaufführung 4.6.1757. Hier ein früher Druck in einer Reihe, die die Hauptwerke des Französischen Theaters den Zeitgenossen zusammenzufassen unternahm. La Touches Tragödie, auf Euripides basierend, ist ihrerseits das Vorbild für Guillards Libretto, das Gluck vertont.

4
Jean Racine: Oeuvres de Racine, édition illustrée de 85 vignettes par Pauquet ... Paris, ca. 1860
Lippische Landesbibliothek, F 1652.4°
Racines Taurische Iphigenie ist die bekannteste neuzeitliche Bearbeitung des Stoffes vor Goethes Fassung.
Von den zahlreichen Racine-Ausgaben im Bestand der Landesbibliothek wird hier eine großformatige, sehr populäre illustrierte Ausgabe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gezeigt.

5
Christoph Willibald Gluck: Iphigénie en Aulide. Opera en 3 Actes  ... arrangé pour le Pianoforte Par Mr. Grosheim. Bonn : Simrock,
[um 1809]
Lippische Landesbibliothek, Mus-n 3426
Früher Klavierauszug aus dem Bestand des Fürstlichen Hoftheaters Detmold. Grosheim (1764-1847) fertigte auch die dem Klavierauszug beigegebene deutsche Übersetzung.

6
Johann Wolfgang von Goethe, Werke, Bd. 6. Stuttgart : Cotta, 1808.
Lippische Landesbibliothek, A 749.1.1-6
Vierte und letzte Fassung des Dramas. Die erste (Prosa-) Fassung entstand 1779, die letzte wurde 1786 vollendet. Erstdruck: Leipzig (Göschen) 1787. Hier gezeigt in der Ausgabe der ersten bei Cotta 1806ff. erschienenen Gesamtausgabe der Werke Goethes.

7
Gerhart Hauptmann, Die Atriden-Tetralogie. Frankfurt/Main : Suhrkamp, 1949 (Erstausgabe)
Lippische Landesbibliothek, D 961g
„Dramenzyklus von Gerhart Hauptmann, bestehend aus den Einzelwerken Iphigenie in Aulis (1944; Uraufführung: Wien, 15. November 1943, Burgtheater), Agamemnons Tod (1948), Elektra (1948) und Iphigenie in Delphi (1941; Uraufführung: Berlin, 15. November 1941, Schauspielhaus); Agamemnons Tod und Elektra wurden erst nach dem Tod Hauptmanns uraufgeführt (am 10. September 1947 in Berlin, Kammerspiele des Deutschen Theaters) und 1948 gedruckt. Das Geschehen der Tetralogie knüpft an den Handlungskanon der antiken Tragödie des Euripides (Iphigenie in Aulis), Aischylos (Orestie) und Sophokles (Elektra) und an Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) Iphigenie auf Tauris an.
... Zahlreiche Formulierungen, etwa wenn der Autor vom „Weltbrand“ spricht, der „uns überflutet“, scheinen sich als Kommentierungen zur Entstehungszeit der Tetralogie, zum Zweiten Weltkrieg, lesen zu lassen: „Der Wahnsinn herrscht. Ganz Hellas ist sein fürchterlicher Herd ... einst war ein Reich, man hieß es Griechenland! Es ist nicht mehr!“ Hauptmann selbst allerdings hat sich nie zu einer in diesem Maße zeitkritischen Deutung des Textes bekannt.“
(Kindlers Neues Literatur-Lexikon)

8
W. von Kaulbach: Goethe‘s Frauengestalten. Mit erläuterndem Texte von Friedrich Spielhagen. München : Bruckmann, 1873
Lippische Landesbibliothek, SW 250.2°
Nach Zeichnungen von Kaulbach hat E. E. Schaeffer die Motive
gestochen.
Spielhagen erläutert: „Unter allen weiblichen Charakteren Goethe‘s ist kaum einer, der an idealer Vollendung sich dem der Iphigenie gleichstellen könnte. [...] Kein Zweifel, dass Goethe in seiner Iphigenie die höchste Potenzirung seiner Darstellung vom Weibe, gleichsam das Ideal seiner Ideale, gesehen hat. Wenn nicht manche begeisterte Aussprüche von ihm selbst darauf hindeuteten, so würde die heilige Liebe dafür sprechen, mit  der er diese Gestalt ausgearbeitet, die unerreichbar hohe Stellung, die er ihr in dem Drama gegeben hat. Iphigenie ist eben der Inbegriff des ewig Weiblichen, der ordnende schlichtende, hilfreiche, beseligende Genius, die Priesterin einer gütigen Gottheit, ja die Vertreterin der Götter auf Erden.“