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„... vil Menschen erbermlich ermordt“
Eine Lemgoer „Zeytung“ aus dem Jahre 1589

Kabinettausstellung
vom 5.3. bis zum 20.4.2007

Die Ausstellung zeigt eine zum Medientyp der „Neuen Zeitung" zählende Flugschrift, die im Jahre 1589 in Lemgo gedruckt und von dort aus vertrieben worden ist, sowie Quellen zum historischen Kontext.

Zwei ebenso spektakuläre wie blutrünstige Ereignisse hatten sich gerade zugetragen, deren Vermarktung dem Verleger guten Absatz und entsprechenden Gewinn versprach. Das konsumwirksam aufgemachte Titelblatt mit zweiteiligem Kopftitel gab Kunde von dem, was das Publikum zu erwarten hatte:

„Warhafftige Zeytung / Was sich begeben vnd zugetragen hat / mit der Stadt Nimwegen vnd Martin Schaencken / den 10. Augusti / Anno 1589" und „Ein ander Zeytung / von dem erschercklichen einfal / geschaehen den 28. Augusti zwey meile weges von Münster in Westualen / von den Schenckissen vil Menschen erbermlich ermordt / vnd ein Grausamen schatz von dannen bracht".

Auch der kleine Holzschnitt, der die Frontseite ziert, sollte den Verkauf zusätzlich befördern: aus dem Tor einer wohlbewehrten Stadt bricht unter dem Fanfarensignal des Türmers ein mit langen Spießen bewaffnetes Aufgebot heraus. Dass die Szene mit dem mitgeteilten Geschehen gar nichts zu tun hat, wird kaum jemanden ernsthaft gestört haben.

Die Flugschrift berichtet in ihrem ersten Teil detailliert von der fehlgeschlagenen Einnahme der Stadt Nimwegen am 10./11. August 1589 durch die Söldnertruppen des berühmt-berüchtigten Feldobristen Martin Schenk von Nideggen. Der zweite Teil schildert den Raubzug der führungslosen Söldner am 28. August 1589.

→ Aufsatz von Detlev Hellfaier 2007