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4. Gedankenfreiheit: Don Carlos (1787)

In Dresden fertiggestellt wurde auch das politische Ideendrama Don Carlos, dessen Vorabdruck von März 1785 bis Januar 1787 in der Thalia erfolgte. Die Buchausgabe erschien im Juni 1787 bei Göschen. Die Uraufführung fand im August 1787 in Hamburg in einer von Schiller bearbeiteten Theaterfassung statt. Christoph Martin Wieland rezensierte das Drama im Teutschen Merkur; er gab Schiller auch die Möglichkeit zur Veröffentlichung seiner Briefe über Don Carlos im Dezember 1788.

Nr. 33

Nr. 38

33
Dom Karlos, Infant von Spanien
von Friedrich Schiller
Leipzig: Göschen, 1787. - Erstausgabe

In vier Heften der Zeitschrift Thalia wurden zwischen März 1785 und Januar 1787 die Szenen des Don Carlos bis zur Mitte des 3. Aktes vorabgedruckt. Die Erstausgabe des Dramas mit 6282 Versen erschien im Juni 1787 bei Göschen in Leipzig in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Das Titelkupfer von Egid Verhelst zeigt die weibliche Hauptfigur, die Königin Elisabeth von Valois.

FP 519, aus dem Besitz der Fürstin Pauline

34
Christoph Martin Wieland:
Besprechung des Dom Karlos
In: Anzeiger des Teutschen Merkur vom Jahre 1787. - Weimar. - September 1787, S. CXXIII-CXXV

In seiner Besprechung lobt Wieland „die bekannten hervorstechenden Talente des Hrn. Schiller“ und zeigt den allerdings für die Bühne viel zu lang geratenen „dramatischen Roman als eine ausserordentliche Erscheinung an unserm litterarischen Himmel an.“

D 20, aus dem Besitz von Christian Friedrich Eberhard, Leipzig
 
35
Briefe über Don Karlos vom Verfasser
In: Der Teutsche Merkur vom Jahre 1788. - Weimar. -
Juli 1788, S. 35-61; Dezember 1788, S. 224-267

Sein Don Carlos schien Schiller durchaus erläuterungsbedürftig, so dass er dem Publikum theoretische Ausführungen dazu nachlieferte, die er in der zweiten Jahreshälfte 1788 in Wielands Teutschem Merkur veröffentlichte. Er ging dabei auch auf Kritik ein und erörterte eine stärkere ideelle Profilierung der Charaktere.

D 20, aus dem Besitz von Christian Friedrich Eberhard, Leipzig

36
Dom Karlos, Infant von Spanien
von Friedrich Schiller
Carlsruhe: Schmieder, 1792

Nicht autorisierter Nachdruck. Christian Gottlieb Schmieder in Karlsruhe war als Nachdrucker zu seiner Zeit besonders erfolgreich und berüchtigt. Göschen behauptete später, es seien von der Originalausgabe des Don Carlos in zehn Jahren 1500 Exemplare, an Nachdrucken aber 20.000 Exemplare verkauft worde: diese Rechnung ist vermutlich kaum übertrieben.

D 1340, erworben 1894 aus dem Nachlass des Medizinalrates Kirchner

37
Dom Karlos, Infant von Spanien
von Friedrich Schiller
Leipzig: Göschen, 1799

Dritte Auflage der bei Göschen erschienenen Ausgabe. Von Schiller gekürzte Textfassung.

A 759.2.1

38
Don Karlos, Infant von Spanien
von Friedrich Schiller
3. Auflage der ersten illustrierten Ausgabe
Leipzig: Göschen, 1802. Mit zwei Kupfertafeln

Das Titelkupfer von Johann Friedrich Bolt nach einer Zeichnung von Franz Ludwig Catel zeigt die Königin Elisabeth von Valois, das Frontispiz Don Carlos an der Leiche des Marquis Posa mit den spanischen Granden als Publikum (5. Akt, 3. Szene).

Im Wettstreit zwischen den Verlegern Göschen und Cotta um den begehrten Autor schrieb Göschen schon im September 1797 an Schiller: „Der Druck soll keine Sache der Eile werden. Ich wünsche ... alle meine Kräfte aufbieten zu können, um zu versuchen, was ich in der Typographie leisten kann.“ Über die dann endlich erschienene Ausgabe äußerte sich Schiller dem Verleger Crusius gegenüber: „Die neueste Ausgabe des D. Carlos bei Göschen ist das schönste, was ich in dieser Art kenne.“

D 1343c, aus dem Vorbesitz Rost

Nr. 39

39
Don Carlos. Vierter Act, siebenter Auftritt
Stahlstich von Xaver Steifensand nach einer Zeichnung von Wilhelm Kaulbach
Aus: Stahlstiche zu Schiller’s Werken in Einem Bande nach Zeichnungen von W. Kaulbach. Stuttgart, Tübingen: Cotta, 1840. Bl. 6

Die Szene zeigt Philipp II. von Spanien und die dreijährige Infantin Clara Eugenia im Kabinett des Königs. Der König betrachtet sich und das Kind im Spiegel und sinniert, vom Untreueverdacht gegen die Königin getrieben, ob er der Vater des Mädchens sei.

SW 133e.4°

40
Don Carlos, Infant von Spanien. Trauerspiel in 5 Aufzügen
9 handschriftliche Rollenhefte des Detmolder Hoftheaters

Diese Rollenhefte dienten mehrfach zur Einstudierung des Trauerspiels Don Carlos auf dem Detmolder Hoftheater. Sie sind nicht komplett überliefert.

T 597

41
Ouvertüre für das große Orchester zu dem Trauerspiel von Schiller: Don Carlos ... von Ferdinand Ries, op. 94
Orchesterstimmen
Bonn: Simrock, [1830]. - Erstausgabe

Der Pianist und Komponist Ferdinand Ries (1784-1838), Schüler Beethovens, komponierte diese Ouvertüre für Sinfonieorchester 1815 für die Philharmonic Society in London. Sie hat eine Aufführungsdauer von acht Minuten. Ries komponierte außerdem eine Ouvertüre zu Schillers Tragödie Die Braut von Messina.

Das Notenmaterial stammt aus dem Bestand der Fürstlichen Hofkapelle und umfasst außer dem gedruckten Stimmenmaterial auch handschriftliche Abschriften einzelner Instrumentalstimmen.

Mus-n 826

42
Das Zimmer des Königs in dem Trauerspiel Don Carlos
Kolorierte Aquatinta von Friedrich Jügel nach dem Entwurf einer Theaterdekoration von Karl Friedrich Schinkel
Berlin: Wittich, [vor 1833]

Graphische Sammlung

5. Prosaist und Publizist: Weimar 1787-1788

Auf Einnahmen aus der Thalia angewiesen, musste Schiller versuchen, mit seiner Zeitschrift ein breiteres Lesepublikum zu erreichen und es durch spannende Unterhaltung an sie zu binden. In diesem Zusammenhang steht etwa sein Kriminalroman Der Verbrecher aus Infamie, der 1786 im 2. Heft der Thalia erschien, aber auch der Fortsetzungsroman Der Geisterseher, den er über das 4. bis 8. Heft erstreckte. Der Roman bedient das damals große Interesse an Geheimgesellschaften und okkulten Experimenten. Seine Handlung ist eine Mixtur aus Thronstreitigkeiten und Konvertierungsversuchen, kriminellen Verschwörungen und klerikalen Intrigen sowie Geisterbeschwörung und schwarzer Magie. Obwohl ihm die Romanfortsetzung nicht unbeträchtlich Geld einbrachte, brach Schiller die Arbeit daran ab.

Ab Juli 1787 lebte Schiller in Weimar. Charlotte von Kalb, mit der ihn seit der Mannheimer Zeit ein Liebesverhältnis verband, hatte ihn dorthin eingeladen. Eigentlich hatte er nach Hamburg zur Uraufführung des Don Carlos weiterreisen und dann nach Dresden zurückkehren wollen, aber er war in der kleinen Residenzstadt, als deren „Rat“ er seit Januar 1784 tituliert war, hängen geblieben. Von Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder wurde er wohlwollend aufgenommen, die Beziehungen zum Musenhof der Herzogin Anna Amalia waren gut.

Seit Anfang 1788 erzielte Schiller durch Beiträge für Wielands Teutschen Merkur zusätzliche Einkünfte; Wieland wollte ihn nicht nur als Autor gewinnen, sondern auch an der redaktionellen Arbeit beteiligen. Der Teutsche Merkur war über die fast vier Jahrzehnte seines Erscheinens seit 1773 eine unumgängliche literarische Institution. Im Januar- und Februarheft des Jahrgangs 1788 erschien ein Vorabdruck der ersten Kapitel von Schillers Schrift über die Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung, im Märzheft sein Gedicht Die Götter Griechenlands, das Juli- und Dezemberheft brachten die Briefe über Don Carlos. Im Märzheft 1789 skizzierte Schillers Gedicht Die Künstler bereits seine Idee der ästhetischen Erziehung. Schillers Mitarbeit am Teutschen Merkur endete schon im selben Jahr.

Im Dezember 1787 hatte Schiller mit seinem Schulfreund Wilhelm von Wolzogen einen Ritt nach Rudolstadt unternommen und dem Hause der Luise von Lengefeld einen Besuch abgestattet. Von deren beiden Töchtern Caroline, verheiratete von Beulwitz, und Charlotte fühlte er sich angezogen. Immer wieder fuhr er von Weimar aus nach Rudolstadt, verbrachte sogar den ganzen Sommer 1788 in der Nähe der beiden jungen Frauen. Im August 1789, nach seiner Berufung auf eine Professur in Jena, machte er schließlich der jüngeren Charlotte einen Heiratsantrag. Im Februar 1790 wurden Schiller und Charlotte von Lengefeld in Wenigenjena (Jena Ost) getraut.

43
Charlotte von Kalb
Stahlstich von Auguste Küssener
Aus: Schiller-Feier. Eine Sammlung von Portraits und Ansichten zu Schillers Leben und Werken. 2. Auflage. Leipzig: Baumgärtner, 1859

Lg 20.2°

44
Thalia
Herausgegeben von Schiller
Leipzig: Göschen. - Bd. 2, H. 5-8

Im Oktober 1786 begann Schiller seinen Fragment gebliebenen Roman Der Geisterseher. Aus den Papieren des Grafen von O**. Die kolportagehafte Intrigengeschichte, vom Autor selber als „Schmiererei“ bezeichnet, hatte großen Erfolg beim zeitgenössischen Publikum. Sie erschien 1787 bis 1789 in Heft 4 bis 8 der Thalia in Fortsetzungen.

D 59, aus dem Besitz von H. P. C. Hüllesheim, 1827
 
45
Les liaisons dangereuses
ou Lettres recueilles dans une societé, et publiés pour l’instruction des quelques autres. Par M. C….. de L…
4 Bde. - Paris: Durand, 1782

Dieser frivole Briefroman seines Zeitgenossen Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos, in dem die Verderbtheit des Ancien Regime dargestellt ist und kalt berechnende Charaktere psychologisch distanziert geschildert werden, löste bei seinem Erscheinen 1782 einen Skandal aus. Schiller hat ihn im Frühjahr 1787 gelesen, und er ist nicht ohne Wirkung auf seinen Geisterseher geblieben.

F 595

46
Laterna magica
In: Oeconomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, in alphabetischer Ordnung von D. Johann Georg Krünitz. - Bd. 65. - Brünn: Traßler, 1797, S. 517ff., Taf. 18

Im Geisterseher schilderte Schiller die gespenstische Wirkung dieser Apparatur.

V 118, erworben 1962

Nr. 47

Nr. 47

47
Der Geisterseher. Eine Geschichte aus den Papieren des Grafen von O** von Friedrich Schiller
Leipzig, 1789

Nicht autorisierter Nachdruck
Daran angebunden:

  • Friedrich Schillers Geisterseher. Aus den Memoires des Grafen von O**. Zweyter Theil. Von X** Y*** Z*
    Zweyte, vom Verfasser aufs neue durchgesehene und verbesserte Auflage
    Leipzig: Barth, 1797
  • Friedrich Schillers Geisterseher. Aus den Memoires des Grafen von O**. Dritter Theil. Von X** Y*** Z*
    Straßburg: Grünefeld, 1796

A 759.2.5

48
Der Geisterseher. Aus den Memoiren des Grafen von O***. Herausgegeben von Schiller

Erster Theil. Dritte verbesserte Ausgabe
Leipzig: Göschen, 1798

Die Erstausgabe war im November 1789 bei Göschen erschienen. Durch Herausgabe der Buchfassung signalisierte Schiller deutlich, dass er das Fragment nicht mehr zu beenden vorhatte.

A 759.2.6

49
Friedrich Schillers Geisterseher. Aus den Memoires des Grafen von O**.
Zweyter und dritter Theil. Von X** Y*** Z*
Zweyte, vom Verfasser aufs neue durchgesehene und verbesserte Auflage
Leipzig: Barth, 1797-1798

Mehrere Schriftsteller versuchten sich an der Fortsetzung von Schillers Erzählfragment. Die bekannteste Version ist diejenige von Ernst Friedrich Follenius. Diese ist in unterschiedlichen Ausgaben des zweiten und dritten Teils bereits an den Band A 759.2.5 angebunden und ergänzte mit zwei Bänden ihrer zweiten Auflage auch das Detmolder Exemplar von Göschens Ausgabe des ersten Teils in der Auflage von 1798.

A 759.2.6

Nr. 50

50
Die Götter Griechenlandes
In: Der Teutsche Merkur vom Jahre 1788. - Weimar. - März 1788, S. 250-260

Während seines Rudolstädter Aufenthalts im Sommer 1788 beschäftigte sich Schiller intensiv mit der antiken Dichtung. Hier entstand das antikenbegeisterte Gedicht Die Götter Griechenlands, das den Untergang einer menschenähnlichen mythologischen Götterwelt beklagt und wegen seiner Wendung gegen das Christentum viel Kritik erntete. Schiller arbeitete es daraufhin tatsächlich um, entschärfte die hauptsächlich beanstandeten Stellen und kürzte das Gedicht. Im Aprilheft des Teutschen Merkur erschien eine Besprechung von Ludwig von Knebel unter dem Titel Über Polytheismus, veranlasst durch das Gedicht die Götter Griechenlands im letzten Stücke des Teutschen Merkur.

D 20, aus dem Besitz von Christian Friedrich Eberhard, Leipzig

51
Friedrich Leopold Graf zu Stolberg: Gedanken über Herrn Schillers Gedicht: Die Götter Griechenlandes
In: Deutsches Museum. - August 1788, S.97-105

Der Schriftsteller Friedrich Leopold Graf zu Stolberg gehörte zu den Kritikern von Schillers Gedicht. In der vorliegenden Rezension bezeichnet er Schillers Verse als Gotteslästerung und äußert sein Unverständnis gegenüber einem Dichter, der entgegen der christlichen Erlösungsbotschaft mit dem antiken Polytheismus auch die Orgien des Bacchus und die Bordelle der Venus wiederzubeleben hoffe. Stolberg war später als Frömmler Ziel der Satire in Schillers und Goethes Xenien.

D 22
 
52
Die Künstler
In: Der Teutsche Merkur vom Jahre 1789. - Weimar. - März 1789, S. 283-302

Das Lehrgedicht Die Künstler feiert die Idee, dass die Schönheit nichts anderes als die verhüllte Wahrheit und Sittlichkeit sei. Es nimmt wesentliche Elemente aus Schillers späteren ästhetischen Schriften vorweg. Erst sieben Jahre nach diesem vorerst letzten Gedicht fand Schiller wieder den Weg zu lyrischer Kreativität.

D 20, aus dem Besitz von Christian Friedrich Eberhard, Leipzig

53
C. M. Wieland sämmtliche Werke Funfzigster Band
Wielands Leben nebst seinem Portrait, mit Einschluß noch ungedruckter Briefe Wielands. I. Theil. Herausgegeben von J. G. Gruber
Leipzig: Göschen, 1827

Frontispiz: Portrait Christoph Martin Wielands

D 1490

54
Schiller und Lotte. 1788. 1789.
Herausgegeben von Emilie von Gleichen-Rußwurm
Stuttgart und Augsburg: Cotta, 1856

Schillers Tochter Emilie gab 1856 den Briefwechsel Schillers mit Charlotte von Lengefeld (1766-1826) aus den Brautjahren heraus.

Lg 1821
 
55
Schiller und Lotte 1788-1805
Zweite, den ganzen Briefwechsel umfassende Ausgabe, bearbeitet von Wilhelm Fielitz
Stuttgart: Cotta, 1879

Lg 1821a

Nr. 57

56
[Caroline von Wolzogen, geb. von Lengefeld]: Schillers Leben,
verfaßt aus Erinnerungen der Familie, seinen eigenen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner
2 Bde. - Stuttgart, Tübingen: Cotta, 1830. - Erstausgabe

Caroline von Lengefeld (1763-1847), die ältere Schwester Charlottes, war seit 1785 mit dem schwarzburg-rudolstädtischen Rat von Beulwitz verheiratet und nach ihrer Scheidung 1794 mit Schillers Jugendfreund Wilhelm von Wolzogen. Sie berichtet in ihrer 1830 erschienenen Schiller-Biographie ausführlich und aus intimer Kenntnis über die Jahre ab 1787.

Lg 1390
 
57
Schiller-Galerie
Charaktere aus Schiller’s Werken gezeichnet von Friedrich Pecht und Arthur von Ramberg. Funfzig Blätter in Stahlstich mit erläuterndem Texte von Friedrich Pecht
Leipzig: Brockhaus, 1859

Das Blättern in diesem prächtigen, aus guten Gründen ziemlich abgenutzten Goldschnittband zu Schillers 100. Geburtstag ist in einer Ausstellung leider nicht möglich und sei für die Zukunft empfohlen. Aufgeschlagen ist das Bildnis von Schillers Gattin Charlotte von Lengefeld, gestochen von Andreas Fleischmann nach einer Zeichnung von Friedrich Pecht.

SW 92.4°

6. Historiker und Kunsttheoretiker: Jena 1788-1793

Bereits die Beschäftigung mit dem Don-Carlos-Stoff in der Dresdener Zeit hatte Schiller zu intensiven historischen Studien motiviert. Sein Interesse an den der Dramenhandlung zugrundeliegenden historischen Zusammenhängen führte zu einer Veröffentlichung über die Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung, die zunächst im Teutschen Merkur erschien und im Oktober 1788 als Buchausgabe bei Crusius in Leipzig.

Das Buch trug Schiller im Dezember 1788 die Anfrage der Universität Jena ein, ob er eine Professur an der Universität übernehmen würde. Schiller sagte zu und wurde als Extraordinarius der Philosophie berufen. Am 26. Mai 1789 hielt er in völlig überfülltem Hörsaal seine Antrittsvorlesung über die Frage Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? Er berichtete an Körner: „Meine Vorlesung machte Eindruck. Den ganzen Abend hörte man in der Stadt davon reden und mir widerfuhr eine Aufmerksamkeit von den Studenten, die bey einem neuen Professor das erste Beispiel war. Ich bekam eine Nachtmusik und Vivat wurde dreimal gerufen.“ Als außerordentlicher Professor erhielt Schiller kein Gehalt, sondern lediglich Hörergelder seiner Studenten; er blieb also auf Einnahmen aus seiner publizistischen Arbeit angewiesen. Die Quellenedition Allgemeine Sammlung Historischer Memoires vom zwölften Jahrhundert bis auf die neuesten Zeiten und die Geschichte des dreyßigjährigen Kriegs für Göschens Damenkalender waren solche Honorararbeiten.

Schillers historiographische Arbeit beschränkte sich auf die Jahre bis 1792. Schwerpunkt seiner Forschungen war das konfessionalistische Zeitalter zwischen 1550 und 1650; in seinen Jenaer Vorlesungen deckte er das gesamte Spektrum von der Antike bis zur europäischen Staatengeschichte der Neuzeit ab.

Zu Jahresbeginn 1791 erkrankte Schiller an einer schweren Lungen- und Rippenfellentzündung, welche durch Vereiterung zu einer Bauchfellentzündung führte, die ihn beinahe das Leben kostete, nie mehr ausheilte und später immer wieder Rückfälle bedingte. Es verbreitete sich sogar das Gerücht von seinem Tod. Um ihm die nötige Erholung zu ermöglichen, boten ihm der Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und der dänische Finanzminister Ernst Graf von Schimmelmann für drei Jahre eine Pension von 1000 Talern an, die Schiller das erste Mal in seinem Leben äußere Unabhängigkeit verschaffte. Schiller schrieb, dass ihm die Pension „die längst gewünschte Unabhängigkeit des Geistes“ schenke.

Vom Frühjahr 1791 an befasste er sich mit der Philosophie Immanuel Kants, zunächst mit dessen Ästhetik in der Kritik der Urteilskraft, dann auch mit der Kritik der reinen Vernunft. Das Kant-Studium ging einher mit einer intellektuellen Neuorientierung und beschäftigte ihn für mehr als drei Jahre. Bis Mai 1793 entstanden, angeregt durch Kant, Schillers eigene ästhetische Schriften Über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen, Über die tragische Kunst, Über Anmut und Würde, Vom Erhabenen, Über das Pathetische und Zerstreute Betrachtungen über verschiedene ästhetische Gegenstände.

Die 1791 eingestellte Thalia wurde von Göschen und Schiller ab 1792 als Neue Thalia fortgesetzt. Sie erschien nun regelmäßig in jährlich sechs Heften und wurde zum Forum für Schillers ästhetische Schriften. Auch Beiträge seines Freundes Wilhelm von Humboldt und des Nachwuchstalents Friedrich Hölderlin sowie das Schauspiel Der leukadische Fels seiner Schwägerin Caroline von Beulwitz wurden aufgenommen. Schon mit dem zweiten Jahrgang 1793 aber stellte auch diese Zeitschrift das Erscheinen ein.

Im Sommer 1793 stellte Schiller seine Vorlesungstätigkeit endgültig ein. Mit der hochschwangeren Charlotte, die im September den Sohn Karl gebar, begab er sich auf Reisen ins heimische Schwaben. Erst im Mai 1794 kehrte er nach Jena zurück.

58
Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung
Herausgegeben von Friedrich Schiller
Erster Theil enthaltend die Geschichte der Rebellion bis zur Utrechtischen Verbindung [ein zweiter Teil erschien nicht]
Leipzig: Crusius, 1788. - Erstausgabe

Mit dieser wissenschaftlichen Arbeit war Schiller von August 1787 bis Mitte Juli 1788 laufend befasst. Sie erschien im Oktober 1788 bei dem Leipziger Verleger Siegfried Lebrecht Crusius. Die Vignette zeigt den an einer Stange aufgepflanzten Freiheitshut: in den niederländischen Unabhängigkeitskämpfen spielte das in der Renaissance wiederbelebte Bildmotiv des Pileus der römischen Freigelassenen eine prägende Rolle.

G 2626

59
Allgemeine Sammlung Historischer Memoires
vom zwölften Jahrhundert bis auf die neuesten Zeiten ... herausgegeben von Friedrich Schiller
Erste Abtheilung, Erster und Zweyter Band. - Jena: Mauke, 1790

Von dieser Quellensammlung erschienen bis 1806 insgesamt 33 Bände, die in der Lippischen Landesbibliothek vollzählig vorhanden sind. Schiller überließ die Herausgeberschaft schon nach kurzer Zeit seinen Jenaer Amtskollegen.

G 1589

Nr. 60

60
Historischer Calender für Damen für das Jahr 1791, 1792, 1793
von Friedrich Schiller
Leipzig: Göschen, 1791-1793. - Mit Kupfern

Den Kalender mit Schillers Geschichte des dreyßigjährigen Kriegs verkaufte Göschen in einer Auflage von 10.000 Exemplaren an ein vornehmlich literarisch interessiertes Publikum. Er hatte Schiller bereits einen Vorschuss von 400 Talern gezahlt, somit war der Kalender für Schiller ein durchaus lukratives Geschäft.

Titelkupfer des Jahrgangs 1791:
Bildnis des Friedens

D 62

61
Fr. Schillers Geschichte des dreyßigjährigen Kriegs. Aus dem Calender für Damen 1791, 1792,1793 abgedruckt
Drei Teile in einem Band
Frankfurt, 1791-1793

Nicht autorisierter Nachdruck

FP 311, aus der Bibliothek der Fürstin Pauline

Nr. 62

62
Immanuel Kant’s Schriften zur Philosophie im Allgemeinen und zur Logik
Leipzig: Modes und Baumann, 1838. - (Gesammtausgabe in zehn Bänden, Bd. 1)

Frontispiz: Portrait des Verfassers Immanuel Kant (1724-1804)

PP 116

63
Critik der Urteilskraft von Immanuel Kant
Dritte Auflage. - Berlin: Lagarde, 1799

Die Schrift erschien zuerst im Jahr 1790.

PP 123

64
Critik der reinen Vernunft von Immanuel Kant
Dritte verbesserte Auflage. - Riga: Hartknoch, 1790

Die Schrift erschien zuerst im Jahr 1781.

PP 121
 
65
Critik der practischen Vernunft von Immanuel Kant
Neueste Auflage. - Frankfurt, Leipzig, 1795

Die Schrift erschien zuerst im Jahr 1788. Den in dieser Abhandlung formulierten kategorischen Imperativ als Prinzip sittlichen Handelns erkannte Schiller so nicht an, er setzte ihm einen Begriff selbstbestimmter Moralität entgegen. Seine Gedanken dazu führte er erstmals 1793 im Essay Über Anmut und Würde aus.

BR 1207, aus der Bibliothek von Georg Rosen

66
Neue Thalia
Herausgegeben von Schiller
Bd. 1-2. - Leipzig: Göschen, 1792

Der Jahrgang 1792 enthält Schillers ästhetische Schriften Über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen und Über die tragische Kunst sowie seine Übersetzung der Aeneis von Vergil.

D59a

67
Neue Thalia
Herausgegeben von Schiller
Bd. 3. - Leipzig: Göschen, 1793

Der zweite Jahrgang der Neuen Thalia enthält Schillers Essays Über Anmut und Würde, Vom Erhabenen, Über das Pathetische und seine Zerstreuten Betrachtungen über verschiedene ästhetische Gegenstände.

D59a

→ Weiter mit Teil 3
7. Weimarer Klassik 1794-1799
8. Lyrik 1796-1800
9. Historische Dramen: Wallenstein, Maria Stuart (1799-1800)