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Januar im Jahr der Bibel:
Die Bericher Bibel

Die Lippische Landesbibliothek nimmt das „Jahr der Bibel 2003“ mit seinen vielfältigen Aktivitäten in Lippe und deutschlandweit zum Anlass, allmonatlich ein herausragendes Exemplar des Buches der Bücher aus ihrer reichhaltigen Bibelsammlung zu präsentieren. Den Anfang macht im Januar die lateinische handschriftliche „Bericher Bibel“ von 1250/70.

von Detlev Hellfaier

Abbildung einer Textseite
Aus dem Buch Jesaja

Bei der „Bericher Bibel“ (Signatur Mscr. 1.2°), so genannt nach ihrer Herkunft aus dem ehemaligen Kloster der Augustiner-Regularkanonessen in Berich in der früheren Grafschaft Waldeck, handelt es sich um den ältesten Bibelcodex der Lippischen Landesbibliothek und, nach einem Fragment aus dem zweiten Viertel des 11. Jahrhunderts, um unsere zweitälteste mittelalterliche Handschrift überhaupt.

Geschrieben ist sie auf sehr feinem milchweißen Pergament, sognanntem "Jungfernpergament", das aus der Haut neugeborener oder sogar noch ungeborener Lämmer gewonnen ist. Die Schrift ist eine ausgesprochen kleine, aber sehr klare und ausgewogene gotische Buchminuskel, eine sogenannte "Textura"(= Gewebe, Geflecht), die wegen ihres so gleichmäßigen optischen Eindrucks bisweilen auch als Gitterschrift bezeichnet wird.

König David mit Harfe

Die ausgestellte Bibelhandschrift ist allerdings nicht im Kloster Berich entstanden, sondern zählte zu einer Stiftung, die der Kölner Bürger Johannes Rink um die Mitte des 15. Jahrhunderts veranlasst hatte. Rink stammte aus Korbach, also gleichfalls aus dem Waldeckischen, und wird sowohl in seiner Heimatstadt als auch in Köln wiederholt als Wohltäter und Kunstmäzen genannt. Ein zeitgenössischer handschriftlicher Eintrag auf Blatt 438 hat die Schenkung festgehalten: Liber canonicarum regularium monasterii beatae Katherine martyris et virginis in Beriche prope Waldegke, quem contulit nobis Iohannes Ryngk de Corbecke, civis Coloniensis (= Buch der Regularkanonikerinnen des Klosters der seligen Katharina, der Märtyrerin und Jungfrau, in Berich bei Waldeck, das uns Johannes Rink aus Korbach, Bürger zu Köln, dargebracht hat).

Abbildung einer Textseite

Die Bibelhandschrift ist mit schönen Beispielen gotischer Buchmalerei versehen, wobei die Initialen den Hauptschmuck ausmachen. Sie sind zumeist in den Randleisten untergebracht und mit Drachenköpfen, Lindwürmern und Vögeln verziert oder bisweilen als Fleuronné- und als Bildeinschlussinitialen von zum Teil beachtlicher künstlerischer Qualität ausgestaltet; besonders eindruckvoll und schon des öfteren abgebildet ist die B-Initiale am Beginn des Psalters, die im Binnenfeld das beliebte Motiv König Davids mit der Harfe als Verfasser und Sänger der Psalmen zeigt. Daneben finden sich feine Zierleisten mit Spiralen und eine Reihe anderer Motive. Da die Miniaturen in die Nähe des niederrheinisch-flämischen Kunstkreises weisen, wird vermutet, dass der wohlhabende Kaufmann Johannes Rink sie in Köln oder über Geschäftsbeziehungen nach Holland, Flandern oder Nordfrankreich für das Kloster Berich erworben hat.

Als die Ordensgemeinschaft nach dem Tode der letzten Priorin 1566 endgültig aufgehoben wurde, gelangte die Handschrift über die Gräfin Katharina von Waldeck, Gemahlin des Grafen Bernhard VIII. zur Lippe und Mutter Simons VI., zunächst an ihren Schwager Hermann Simon nach Pyrmont und dann über dessen Kanzler Justus Schneidewindt († 1606) und dessen Sohn in die gräfliche Bibliothek und damit in die Landesbibliothek Detmold. Katharina selbst oder Hermann Simon ließen die Bibel 1567 mit einem dem Zeitgeschmack entsprechenden Renaissanceeinband versehen; dieser ziert den Codex noch heute und wurde 1996 aufwändig restauriert.

Das Jahr der Bibel 2003 in der Landesbibliothek

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