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Kennen Sie Gottsched?
Zum 300. Geburtstag des Frühaufklärers Johann Christoph Gottsched

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek
vom 15. November 2000 bis zum 6. Januar 2001

→ Die Ausstellungsstücke

Gemälde von L. Schorer, 1744
(gemeinfrei)

Johann Christoph Gottsched (1700-1766) war ein einflussreicher Frühaufklärer von enormer Vielseitigkeit und Produktivität. Vor allem als Begründer einer bürgerlichen Literatur und des bügerlichen Theaters in Deutschland ist er bis heute bekannt geblieben: als derjenige, der die schöne Literatur und das Theater zum Medium der bürgerlichen Aufklärung machte. Aber seine umfangreiche Tätigkeit galt allen Gebieten des Wissens.

Ziel und Inhalt seiner Arbeit waren nationale und aufklärerische Impulse. Gottsched wollte zum einen die deutsche Sprache und Kultur von Überfremdung befreien, eine deutsche Nationalliteratur begründen und Anschluss an die gesamteuropäische Kulturentwicklung gewinnen. Zum anderen wirkte er unermüdlich für die bürgerliche Emanzipation: er popularisierte den Vernunftgedanken als Medium bürgerlicher Selbstverständigung mit universalem Anspruch und wirkte mit an einem breit angelegten aufklärerischen Bildungsprogramm.

Als Professor für Philosophie an der Universität Leipzig vertrat Gottsched die moderne Aufklärungsphilosophie in der akademischen Lehre. Darüber hinaus nutzte er sämtliche publizistischen Möglichkeiten zur Verbreitung seiner aufklärerischen Ideen auch außerhalb exklusiver gelehrter Zirkel. Seine Lehr- und Schulbücher zur Sprach-, Dicht- und Redekunst fanden weite Verbreitung im schulischen und universitären Unterricht. Seine moralischen Wochenschriften erreichten auch ein Lesepublikum, das von den traditionellen Bildungsinstitutionen ausgeschlossen war, z.B. Frauen.

Neu war seine Entdeckung des Theaters als Institution der Aufklärung. Gottsched bereitete den Weg für ein Literaturtheater von nationaler Geltung, das höchst breitenwirksam ein Forum bürgerlicher Interessen wurde. Das Theater als moralische Anstalt und die dort stattfindende Verständigung über eine bürgerliche Moral als gesellschaftliches Identifikationsmuster waren seine Erfindung.

Zur Biographie

1700 am 2. Februar Geburt als Sohn eines Landpfarrers in Juditten bei Königsberg

1714 Immatrikulation an der Universität Königsberg. Studium der Theologie, später auch der Philosophie. Beschäftigung mit Poetik und Poesie

1719 Magister der Philosophie

1724 Flucht mit dem Bruder Heinrich vor den preußischen Werbern nach Leipzig. Privatlehrer und Bibliothekar im Haus von Johann Burkhard Mencke. Habilitation

1725 Beginn philosophischer Vorlesungen an der Universität Leipzig, v.a. über die Wolff’sche Philosophie. Poetische Kollegien und Vorlesungen zur Rhetorik

1725/26 Herausgabe der Moralischen Wochenschrift Die vernünftigen Tadlerinnen

1727/29 Herausgabe der Moralischen Wochenschrift Der Biedermann

1729 Beginn der Zusammenarbeit mit der Schauspieltruppe der Friederike Caroline Neuber

1730 Ernennung zum außerordentlichen Professor für Poesie und Beredsamkeit an der Universität Leipzig. Erscheinen des Versuchs einer Critischen Dichtkunst

1731 Erstaufführung von Gottscheds Trauerspiel Der sterbende Cato durch die Neubersche Truppe in Leipzig

1732/44 Herausgabe der Zeitschrift Beyträge zur Critischen Historie der Deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit

1734 Ernennung zum ordentlichen Professor für Logik und Metaphysik in Leipzig. Erste Gründe der gesammelten Weltweisheit

1735 Eheschließung mit Luise Adelgunde Victorie Kulmus in Danzig. Rhetoriklehrbuch Ausführliche Redekunst

1738 erstes Rektorat der Universität Leipzig

1740/45 Die Deutsche Schaubühne als Mustersammlung der dramatischen Poesie

1740/45 Literaturstreit mit Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger, betreffend das „Wunderbare“ in der Poesie

1741 Zerwürfnis mit Friederike Caroline Neuber

1741/44 Übersetzung von Pierre Bayles Dictionaire historique et critique

1741/45 Johann Joachim Schwabes Zeitschrift Belustigungen des Verstandes und Witzes als Mustersammlung der nichtdramatischen Poesie

1744 Begründung der Zeitschrift Neue Beyträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes durch die Bremer Beiträger

1748 Grammatiklehrbuch Grundlegung einer deutschen Sprachkunst ersten Gesänge von Klopstocks Messias und Christoph Otto von Schönaichs Hermann. Beginn von Lessings Kampf gegen Gottsched

1753 Schulbuch Kern der deutschen Sprachkunst

1754 Schulbuch Vorübungen der Beredsamkeit

1756 Schulbuch Vorübungen der lateinischen und deutschen Dichtkunst

1756/63 Siebenjähriger Krieg

1757/65 Bücherverzeichnis Nöthiger Vorrath zur Geschichte der deutschen Dramatischen Dichtkunst

1759 Lessings 17. Literaturbrief mit vernichtender Kritik Gottscheds

1762 Tod von Luise Gottsched

1766 am 12. Dezember Tod Gottscheds in Leipzig