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Friedrich Spee 1591-1635
Dichter – Seelsorger – Bekämpfer des Hexenwahns

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek
vom 24. Januar bis zum 25. Februar 2000

Ölbild von Martin Mendgen aus dem Jahre 1938 nach dem Kölner Ölbild des 17.Jahrhunderts.
Friedrich Spee schreibt im Trierer Jesuitenkolleg die „Trutz-Nachtigall“.
Stadtbibliothek Trier/Eigentum des Städtischen Museums Trier

Friedrich Spee (auch nach der Herkunft seines Familienzweigs „von Langenfeld“ bezeichnet) wurde am 25. Februar 1591 als Sohn des adligen Amtmanns in Kaiserswerth am Rhein (einem heutigen Stadtteil von Düsseldorf) geboren.

1610 trat er in das Noviziat der Jesuiten in Trier ein, legte 1612 in Fulda die ersten Gelübde ab und weilte während des Studiums und damit verbundenem Schuldienst in Würzburg, Speyer, Worms und Mainz. Nach der Priesterweihe 1622 wirkte Spee als Seelsorger und Theologieprofessor in Paderborn, Köln und Trier. Am 7. August 1635 starb er in Trier an einer Infektion, die er sich bei der Pflege von Verwundeten und Kranken nach den Kämpfen zwischen Spaniern und Franzosen um die Stadt Trier zugezogen hatte.

Die Stationen seines Lebens zeigen Spee immer auf dem Weg; mit dem Eintritt in den Jesuitenorden hatte er sich für das Leben an ständig wechselnden Einsatzorten entschieden. In dieser Zeit des Dreißigjährigen Krieges verunsicherte die konfessionelle Spaltung, verelendete der Krieg die Menschen, und der Hexenglaube trieb sie in den Wahnsinn. Den Seelsorger riefen diese und andere Nöte – Seuchen, Hunger – zum Einsatz seiner ganzen Kraft.

Für Februar 1631 ist Spees Aufenthalt in Lippe bezeugt. Im Kloster Falkenhagen bei Lügde, das den Paderborner Jesuiten als Landgut gehörte, wehrte er einen bewaffneten Raubüberfall durch seinen Kampfesmut erfolgreich ab. Vermutlich hat er sich aber auch früher schon im Kloster aufgehalten und die Zeit auf dem Land für seine schriftstellerischen Vorhaben genutzt. Reinhard Oldemeier hat die Beziehung Spees zum Kloster Falkenhagen im Zusammenhang mit der Ausstellung 1991 im Heimatmuseum Lügde genauer untersucht.

Von Spees lyrischem Werk stehen Kirchenlieder (O Heiland reiß die Himmel auf, Zu Bethelehem geboren und andere mehr) in den evangelischen und katholischen Gesangbüchern aller deutschsprachigen Länder.

Die Trutznachtigall, eine Sammlung geistlicher Lieder und Gedichte, gilt als bedeutendste katholische Barockdichtung. Die 51 Lieder darin sollten zeigen, daß Gott in der deutschen Sprache ebenso gut wie in der lateinischen gelobt werden kann.

Das Güldene Tugend-Buch, für die Frauen der Kölner St. Ursula-Gesellschaft verfaßt, ist das erste eigens für Frauen geschriebene größere Andachtsbuch.

Cautio Criminalis (1631)
Lippische Landesbibliothek, Th 2284

In der 1631 erschienenen Schrift Cautio Criminalis (Rechtliches Bedenken oder Buch über die Hexenprozesse) wandte sich Spee in scharfer Form gegen das Verfahren der Hexenprozesse mit den unter der Folter erpreßten Geständnissen. Die anonyme, nicht genehmigte Veröffentlichung verstieß zwar gegen die Ordensregeln, doch folgte Spee damit seinem Gewissen, das die Unmenschlichkeit der Prozesse nicht schweigend hinnehmen konnte. Mit seiner mutigen, nicht ungefährlichen Anklage der Fürsten, Juristen und Theologen, die noch heute mitreißend zu lesen ist, hat Spee zur Überwindung des Hexenwahns beigetragen.

Die moraltheologische Lehre Spees, die er in einem verschollenen Werk niedergelegt hat, hat durch die Aufnahme bei anderen Autoren weitergewirkt und läßt sich aus einer in Köln erhaltenen Handschrift erschließen.

Fast vergessen war Spee im 18. Jahrhundert, ehe die Romantiker glaubten, in seiner Lyrik Verwandtes zu finden. Clemens von Brentano gab 1817 die Trutznachtigall zuerst neu heraus. Später rückte Spees Kampf gegen die Hexenprozesse stärker in den Vordergrund des Interesses. Durch die Vielseitigkeit seines Schaffens spricht Friedrich Spee nicht nur die Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an; seine Frömmigkeit und Lobpreisung der Schöpfung Gottes in der Notzeit des Dreißigjährigen Krieges und sein engagierter Einsatz für Menschen in Not sind bis heute beispielhaft.

Das Gedächtnis Friedrich Spees erhielt starke Impulse durch die Auffindung und Neugestaltung seines Grabes unter der Trierer Jesuitenkirche im Jahr 1980 und die Ausstellungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen zum 350. Todesjahr 1985 und zum 400. Geburtsjahr 1991.

Zahlreiche Schulen und Weiterbildungseinrichtungen, eine literarische Gesellschaft sowie eine Gastprofessur an einer deutschen Universität sind nach ihm benannt.

Stationen der Ausstellung

  1. Friedrich Spee
  2. Lebensweg
  3. Der Jesuitenorden: Spees geistige Heimat
  4. Wirkungsstätten
  5. Freunde – Förderer: Zeitgenossen
  6. Konfessionelle Spaltung: Reformation – Kirchenreform
  7. Der Dreißigjährige Krieg: Angst – Elend –Not
  8. Hexenfurcht: ein tödlicher Wahn
  9. Der Hexenprozeß und seine Gegner
  10. Cautio Criminalis: Streitschrift gegen den Hexenwahn
  11. Cautio Criminalis: ihr Einfluß
  12. Die Kölner „Gesellschaft St. Ursula“
  13. Güldenes Tugend-Buch: Hauptwerk des Seelsorgers
  14. Güldenes Tugend-Buch: zur persönlichen Andacht
  15. Geistliche Lieder für die Glaubenslehre
  16. Gesangbuchlieder
  17. Geistliche Lieder: Lieder für heute
  18. Trutz-Nachtigall: das dichterische Hauptwerk
  19. Trutz-Nachtigall: „... in Gott und Göttlichen sachen ein gnügen und frolocken ...“
  20. Theologieprofessur: Lehrorte
  21. Moraltheologie: ein verschollenes Werk
  22. Wiederentdeckung für unsere Zeit
  23. Gedenken
  24. Mahnung und Vermächtnis